mini|2016 Brenton Harrison Tarrant (* 27. Oktober 1990 in Grafton, New South Wales) ist ein australischer Rechtsterrorist und Massenmörder. Er beging am 15. März 2019 einen Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch in Neuseeland und ermordete dabei 51 Menschen.
Leben Brenton Tarrant stammt aus Grafton im australischen Bundesstaat New South Wales.A loner with a lot of money – A look into the Christchurch mosque gunman’s past. In: Radio New Zealand, 24. August 2020. Er hat eine Schwester. Sein Vater, der Arbeiter war, beging 2010 im Alter von 49 Jahren Suizid, weil er Krebs hatte. Seine Mutter arbeitet als Lehrerin., newshub.co.nz, 16. März 2019
Tarrant arbeitete bis 2010 in seiner Heimatstadt als Trainer in einem Fitnessstudio. Er bereiste mit dem vom Vater geerbten Geld ab 2010 Europa und Asien. Nach anderen Berichten soll er das Geld für die Reisen mit dem Handel mit der Kryptowährung Bitconnect verdient haben. Er reiste unter anderem nach Serbien, Bulgarien, Bosnien-Herzegowina und Nordkorea.Mann warf sich in Schusslinie: Kinder unter den Christchurch-Opfern. n-tv, 16. März 2019Der seltsame Nordkorea-Trip eines Terroristen. In: Diepresse.com, 29. März 2019.
Im Jahr 2017 zog er nach Dunedin in Neuseeland. Dort wurde er Mitglied im Bruce Rifle Club. Ab November 2017 besaß er einen neuseeländischen Waffenschein.Terror in Christchurch: Moschee-Attentäter Brenton Tarrant vor Gericht – er wollte weitere Taten begehen, Aargauer Zeitung, 16. März 2019 Am 5. Januar 2018 spendete er Martin Sellner, dem Leiter der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich, 1500 Euro.Hasnain Kazim: Österreich, die Identitären und der Terrorist von Christchurch. Spiegel online vom 30. März 2019 Martin Sellner und er hatten danach mehrmals schriftlichen Kontakt, wobei sie sich gegenseitig Bier und Kaffee versprachen.
Am 15. März 2019 verübte Tarrant in Christchurch einen Terroranschlag auf zwei Moscheen; er erschoss 51 Menschen im Alter von drei bis einundsiebzig Jahren.Von 3 bis 71 Jahren: Die Opfer der Moschee-Attacke von Christchurch. euronews.de, 16. März 2019 Weitere 50 Personen wurden verletzt.Attentat in Christchurch: Polizei findet weiteren Toten. spiegel.de, 16. März 2019 Tarrant wurde zusammen mit drei weiteren Verdächtigen noch am selben Tag verhaftet und äußerte, sich vor Gericht selbst verteidigen zu wollen.Brenton Tarrant verzichtet auf Anwalt
Ideologie Tarrant tauschte sich in rechtsextremen Foren wie 8chan aus. Auf den Facebook-Seiten der rechtsextremen Organisationen United Patriots Front und True Blue Crew in Australien, die inzwischen abgeschaltet wurden, hinterließ Tarrant vor dem April 2016 mehr als 30 Kommentare, in denen er ihre antiislamische Position lobte und den Führer der United Patriots Front Blair Cotrell als „Emperor“ („Kaiser“) hervorhob.Alex Mann et al.: Christchurch shooting accused Brenton Tarrant supports Australian far-right figure Blair Cottrell. (englisch), vom 23. März 2019, auf Australian Broadcasting Corporation. Abgerufen am 27. April 2019
Kurz vor seinen Morden stellte Tarrant ein 74-seitiges Pamphlet ins Netz, das den Titel Der große Austausch trägt (im englischen Original: The Great Replacement – Towards a New Society). Darin verweist er an über einem Dutzend Stellen auf Umweltfragen und den Klimawandel. Über sich selbst schreibt er: „Ich bin ein ethnonationalistischer Ökofaschist“.Hannes Grassegger, Der Fall Benjamin Green. In: Das Magazin (Zürich) Nr. 27. vom 6. Juli 2019, S. 10–20, Zitat S. 17, online. Abgerufen am 7. Juli 2019 Das Manifest besteht aus einer Mischung aus rechtsextremen Verschwörungstheorien, völkisch-rassistischen Theorien der White Supremacy und Anleihen an die Sprache und Inhalte neofaschistischer Internetaktivisten. Darin erklärte er, keiner bestimmten Organisation anzugehören und die Attacken in Christchurch in den vorangegangenen drei Monaten geplant zu haben;Rechtsextremer Terror in Neuseeland: „Monster“ des Mordes angeklagt. taz.de, 16. März 2019 er wolle Angst unter Muslimen schüren. Mit der Legende vom „Großen Austausch“, wonach an einem „Austausch“ der Bevölkerung in Europa gegen eine muslimische Bevölkerung gearbeitet werde, griff er Ideen der Neuen Rechten auf und bezeichnet die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als „Mutter aller antiweißen und antigermanischen“ Vorgänge.Nach dem Attentat in Neuseeland: Wie groß ist der rechtsextremistische Islamhass weltweit?, General-Anzeiger, 16. März 2019 Im Titel nahm er Bezug auf die von der neurechten Identitären Bewegung verbreitete Verschwörungstheorie des „Großen Austausches“. Er hatte mehrmals Kontakt mit dem führenden Ideologen der österreichischen Identitären Martin Sellner.Georg Mascolo, Sebastian Pittelkow Katja Riedel: Wie eng waren "Identitäre" und Christchurch-Attentäter?, vom 15. Mai 2019, auf Tagesschau-Nachrichten. Abgerufen am 24. Mai 2019
Muslime bezeichnete Tarrant als eine Gefahr, die es auszulöschen gelte. Als „die größten Feinde der weißen Rasse“ und Helfer der „Gefahr Islam“ nannte er neben der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel auch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und Sadiq Khan, den ersten muslimischen Bürgermeister von London. Er rief zu Attentaten auf die drei Politiker auf.
Tarrant stellte auch einen Bezug zu Kriegen auf dem Balkan her. Bei der Tat spielte er in seinem Autoradio Željko Grmušas Marsch Karadžiću vodi Srbe svoje (Karadžić, führe deine Serben), das von serbischen Tschetniks im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 verwendet wurde.Angriff auf Moscheen: Terrorschütze von Neuseeland verehrte serbische Helden und Tschetnik-Lieder, kosmo.at, 15. März 2019Die Balkan-Spur des Christchurch-Anschlags. Deutsche Welle vom 18. März 2019
In seinem Pamphlet bezog er sich auch auf den Attentäter Anders Breivik. Von ihm habe er sich „wahre Inspiration“ geholt. Seine Tat ähnele in Vorgehen und Motiv den Anschlägen Breiviks im Jahr 2011, bei denen 77 Menschen ermordet wurden. Wie Breivik gab Tarrant in seinem die Tat begleitenden Schreiben die „Verteidigung gegen Eindringlinge“ als zentrales Motiv an. Tarrant schrieb, er habe auch die Schriften von Dylann Roof, dem Attentäter von Charleston, gelesen.
Prozess Brenton Tarrant wurde im Mai 2019 wegen Terrorismus und Mordes in 51 Fällen sowie versuchten Mordes in 40 Fällen angeklagt. Bei der öffentlichen Bekanntgabe der Beschuldigungen waren mehr als 200 Menschen, darunter Familienangehörige von Opfern und Überlebenden, zugegen. Hatte er im Juni 2019 noch alle Anklagepunkte von sich gewiesen, bekannte er sich im März 2020 schließlich schuldig. Ende August 2020 wurde Tarrant zu lebenslanger Haft ohne die Möglichkeit auf vorzeitige Entlassung verurteilt. Die Verhängung eines solchen Strafmaßes hatte es in Neuseeland bis dahin nicht gegeben.
Mehrmals versuchte er nach der Urteilssprechung vergebens, das Urteil gerichtlich anzufechten. Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern erklärte dazu: „Ich habe vor langer Zeit versprochen, den Namen des Terroristen vom 15. März nicht öffentlich zu nennen. Seine Geschichte sollte nicht erzählt werden, und sein Name sollte nicht wiederholt werden.“ Die Federation of Islamic Associations of New Zealand spricht von einem weiteren Versuch, das Justizwesen für Hassreden zu missbrauchen und neue Anhänger zu gewinnen. Dies zeige, dass Tarrant keine Reue empfinde.
Einzelnachweise
Kategorie:Person des Rechtsextremismus Kategorie:Rechtsterrorismus Kategorie:Islamfeindlichkeit Kategorie:Verurteilte Person (Hasskriminalität) Kategorie:Vertreter einer Verschwörungstheorie Kategorie:Australier Kategorie:Geboren 1990 Kategorie:Mann