Eldorado (span. El Dorado „Der Goldene“) ist die Bezeichnung für ein sagenumwobenes Goldland im Inneren des nördlichen Südamerikas. Ursprünglich bezeichnete der Name „El Dorado“ einen Mann, später eine Stadt und dann ein ganzes Land. Andere (indigene) Namen für diesen mythologischen Ort sind z. B. ManóaHistoria natural, civil y geográfica de las naciones situadas en las riveras del río Orinoco / Von Padre Joseph Gumilla (Erzählung über die Legende der Stadt Manóa) (spanisch) oder Omagua.In Search of El Dorado von Harry Collingwood (englisch)Eldorado Legendary Country aus Encyclopædia Britannica (englisch)
Eldorado basiert auf einer kolumbianischen Legende, die sich unter den Konquistadoren des frühen 16. Jahrhunderts verbreitete und deren Abenteuerlust weckte, was dazu führte, dass über Jahrzehnte hinweg immer wieder (erfolglose) Expeditionen in Zentralsüdamerika unternommen wurden. Spanische Chronisten berichteten erstmals in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ausführlicher über das vermeintliche Goldland.
Legende mini|Das Goldfloß von Eldorado (ausgestellt im Museo del Oro). Jeder neue Herrscher der Muisca (eines Chibcha-Volkes) brachte bei seinem Amtsantritt ein Opfer für den Sonnengott im Bergsee von Guatavita in der Nähe des heutigen Bogotá dar. Nachts wurden Freudenfeuer entzündet, und der nackte Körper des Fürsten wurde mit einer Paste aus Goldstaub überzogen. Zusammen mit vier Adligen fuhr der Fürst auf einem Floß zur Mitte des Sees. Das Floß war mit vielen verschiedenen Goldgegenständen und Edelsteinen beladen. Die Gefährten opferten diese Gegenstände, indem sie diese ins Wasser warfen. Danach sprang der König in den See, und der Goldstaub auf seinem Körper sank zusammen mit Smaragden und Gold auf den Grund. Eine andere Variante lässt den König am Rand des Sees nach der Zeremonie das Gold abwaschen. Diese Kulthandlungen wurden von den Muisca vermutlich vom 10. Jahrhundert an bis mindestens Ende des 15. Jahrhunderts, vielleicht bis ins frühe 16. Jahrhundert hinein ausgeübt (sie fanden somit nur wenige Jahrzehnte vor der Ankunft der Spanier ihr Ende).Wurster, Wolfgang W.: Die Schatzgräber. Archäologische Expeditionen durch die Hochkulturen Südamerikas. 1. Auflage. Gruner & Jahr AG. Hamburg 1991, S. 308.
Als eines der Beweisstücke für die Legende gilt das vermutlich zwischen 1295 und 1410 entstandene Goldfloß von Eldorado, das sich heute im Museo del Oro in Bogotá befindet. Der etwa 20 Zentimeter lange und zehn Zentimeter breite Gegenstand wurde (in Einzelteilen) 1969 im Departamento de Cundinamarca gefunden.
Entstehung des Mythos mini|Eine goldene Tierstatuette (tunjo) der Muisca (ausgestellt im Museo del Oro). Bei Ankunft der Spanier wurde der Muisca-Brauch bereits nicht mehr ausgeübt und er war den Neuankömmlingen aus Europa zunächst auch nicht bekannt, jedoch schürten Erzählungen von gefangen genommenen Muisca die Gier der Konquistadoren nach weiteren, vermeintlich gigantischen und noch unentdeckten Schätzen. Hintergrund war hierbei vor allem die Eroberung des Inka-Reiches ab 1531 durch Francisco Pizarro, wobei diesem ein enormer Goldschatz in die Hände fiel (das Lösegeld für den von den Spaniern gefangengesetzten – und später ermordeten – Inka-Herrscher Atahualpa), dieser beflügelte die Phantasie der Eroberer hinsichtlich weiterer möglicher Schätze.Descola, Jean: Das sagenhafte Eldorado. In: Die letzten Geheimnisse unserer Welt. Verlag DAS BESTE GmbH, Stuttgart 1977, S. 30.
Insbesondere die Schriften von Juan Rodriguez Freyle (siehe El Carnero), der sich auf Schilderungen seines Vaters Don Juan Freyle, der zugleich der Neffe des letzten Herrschers der Region um Guatavita war, stützte, sowie die Berichte des Dichters und Chronisten Juan de Castellanos (1522 bis 1606), der als Kavalleriesoldat ab etwa 1545 in Venezuela diente, trugen später dazu bei, dass sich die Legende von einem sagenhaften Goldland im nördlichen Südamerika entwickelte. So war die Suche nach jenem Goldland – wobei der Muisca-Brauch und mit diesem der Begriff Eldorado (wobei sich dieser in diesem Fall auf den betreffenden König und nicht auf einen Ort bezog) indessen erstmals von spanischen Chronisten im Jahr 1636 schriftlich festgehalten und ausführlicher beschrieben wurde – sogar eine der wesentlichen Triebfedern für die Erkundung und Eroberung Südamerikas durch die Spanier.
Lokalisierungsversuche und Expeditionen mini|Der (vergleichsweise riesige) Parime-See auf der Karte Nieuwe caerte van het Wonderbaer ende Goudrjcke Landt Guiana von Jodocus Hondius aus dem Jahre 1598. Der Ort Manóa ist an der nordöstlichen Küstenlinie des Sees verzeichnet. Die Spanier verlegten Eldorado mit der Zeit vom Bergsee Guatavita an verschiedene Orte. Mal war Eldorado ein riesiger Tempel, mal eine im Urwald versunkene Stadt, und im Jahr 1596 berichtete der englische Seefahrer und Abenteurer Sir Walter Raleigh von dem sagenhaft reichen Königreich „Eldorado“, das er irgendwo zwischen dem Amazonas und Peru vermutete (siehe Details unten). Er stützte sich hierbei auf Aufzeichnungen und Erzählungen des spanischen Konquistadors und späteren Gouverneurs von Trinidad Antonio de Berrio, der zwischen 1584 und 1589 drei Expeditionen entlang des Laufes des Orinoco und ins südwestliche Guayana unternommen hatte. Vor allem die Aufzeichnungen Raleighs trugen mit zur Verbreitung der Legende bei, wenngleich es auch schon davor zahlreiche Expeditionen gegeben hatte.
Im 16. Jahrhundert wurde Eldorado in das spanische Guayana an den mythischen Parime-See „verlegt“. Selbiger See tauchte erstmals um 1587 auf Karten des flämischen Kartografen Jodocus Hondius auf und wurde im südwestlichen Guayana verortet. Vermutlich stützte sich die Legende des Parime-Sees auch auf Vermutungen Antonio de Berrios (siehe oben). In diesem Zusammenhang wurde auch erstmals der Name Manóa genutzt, wobei hiermit eine Stadt am Ufer dieses Sees bezeichnet wurde. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts wurde der See in verschiedenen Formen (mal fast kreisrund, mal beinahe rechteckig) und an verschiedenen Stellen auf Karten verzeichnet – teils auch deutlich südlich des Äquators. Noch im 18. Jahrhundert fand sich dieser See auf Karten, beispielsweise auf jenen des französischen Forschers Charles Marie de La Condamine und auf jenen des deutschstämmigen Jesuitenmissionars Samuel Fritz.Descola: Eldorado, S. 36. Tatsache ist allerdings, dass dieser See – im Gegensatz zum Guatavita-See – nie existiert hat Im Rahmen der Verpfändung von Klein-Venedig (auf dem Gebiet des heutigen Venezuela) an die Welser (1528 bis 1546) durch Kaiser Karl V. suchten auch deutsche Abenteurer nach dem sagenumwobenen Goldland. Eine Expedition unter dem Statthalter Georg Hohermuth von Speyer und Philipp von Hutten in den Jahren von 1535 bis 1538, die bis in den Bereich zwischen Rio Japurá und dem Oberlauf des Río Meta vordrang, blieb erfolglos, wobei von 400 Teilnehmern an der Expedition rund 200 umkamen.Schneider, Christina: Die Legende vom Reich des Goldes. In: GEO Epoche Nr. 71: Südamerika. Geschichte eines Kontinents. (2015), S. 36ff. Auch eine zweite Suche von Huttens (1541 bis 1545) blieb erfolglos. 1536 bis 1539: Die spanischen Konquistadoren Sebastián de Belalcázar und Gonzalo Jiménez de Quesada stießen, unabhängig voneinander, in das Gebiet des Reiches der Chibcha und in das Gebiet im heutigen Zentralkolumbien vor. Sie verloren dabei fast zwei Drittel ihrer Mannschaften und den Großteil ihrer indianischen Träger durch Krankheiten und Hunger, aber Quesada brachte von der Expedition immerhin rund 1.800 Edelsteine (Smaragde) mit,Schneider: Reich des Goldes, S. 45. womit er seine wichtigsten Hauptleute ausreichend auszahlen konnte. Zwischen 1540 und 1542 unternahmen Gonzalo Pizarro und Francisco de Orellana eine erfolglose Suche in Zentralkolumbien und im Norden Brasiliens, unter anderem stießen sie (vom um 1540 neu gegründeten, im heutigen Ecuador liegenden Hafen Guayaquil aus) von Westen her kommend über die Anden vor und suchten entlang des Oberlaufes des Río Napo. Bei der Rückreise von ihrer Zimtland-Expedition erforschte Orellana mit einem im Dschungel gebauten Schiff Teile des Verlaufs des Amazonas (er erreichte über diesen den Atlantik). Pizarro kehrte mit einem Teil der Expedition um und nahm den Landweg zurück über die Anden. Von ursprünglich rund 350 Spaniern und etwa 4000 indigenen Trägern überlebten nur etwa 130 Spanier und 1000 Indios die Unternehmung,Huber, Vitus: Die Konquistadoren. Cortés, Pizarro und die Eroberung Amerikas. C. H. Beck. München 2019, S. 97. wobei der Großteil verhungert war. Über diese Katastrophe kam es später zu heftigem Streit zwischen den beiden Konquistadoren, wobei Pizarro eine folgenlose Klage gegen Orellana anstrengte. 1540 bis 1542: Hernán Pérez de Quesada, der Bruder von Gonzalo Jiménez de Quesada, unternahm mit einer rund 270 Mann starken Expeditionstruppe eine Suche im heutigen südlichen Kolumbien, wo er unter anderem bis nach Putumayo und Caquetá vordrang, sowie im östlichen Bereich des heutigen Ecuadors. Die Expedition blieb erfolglos. 1545 bis 1546: Eine erneute Expedition von Francisco de Orellana, die von der Amazonas-Mündung aus mit Booten landeinwärts führen sollte, endete bereits nach knapp einem Jahr erfolglos und unter schweren Opfern, wobei von 300 Expeditionsteilnehmern etwa 260 durch Krankheiten, Hunger und in Kämpfen mit Indigenen sowie infolge einer internen Meuterei umkamen, unter den Toten befand sich auch Orellana. 1559 brach Gonzalo Jiménez de Quesada von Bogotá zu einer zweiten Expedition in Richtung des Oberlaufes des Orinoco auf. Die Unternehmung endete 1562 in einem völligen Desaster: Nicht nur, dass die Expedition erfolglos blieb, so überlebten von etwa 1.300 Spaniern nur 64.Descola: Eldorado, S. 34. Der Rest war Fieberkrankheiten erlegen, verhungert oder in Kämpfen mit indigenen Völkern umgekommen. 1560 bis 1561: Eine Suche der beiden Konquistadoren Pedro de Ursúa und Lope de Aguirre im Bereich des Unterlaufs des Marañón und entlang des Amazonas endete ebenso ergebnislos, wobei von etwa 300 Teilnehmern an der Expedition rund 120 verstarben. Aguirre, der im Januar 1561 mit einigen anderen Anführern eine Verschwörung und die Ermordung Ursúas angestoßen hatte, wurde später – was allerdings unter Historikern nicht unumstritten ist – zum Sinnbild des grausamen und wahnsinnigen Eroberers stilisiert. (Siehe u. a. hierzu den Kinofilm Aguirre, der Zorn Gottes von 1972.) mini|Luftbild des Guatavita-Sees. Der Einschnitt des künstlich angelegten Abflussgrabens ist in der unteren Bildmitte zu sehen. Im Jahre 1562 versuchte der Kaufmann Antonio de Sepúlveda den Guatavita-See mithilfe eines Abflussgrabens zu entwässern, um die auf dem Grund vermuteten Schätze bergen zu können.Groushko, Michael: Von Schliemanns Troja bis zum Raub der Mona Lisa. Legendäre Schätze und ihre Geheimnisse. Weltbild Verlag, Augsburg 1997, S. 82. Das Vorhaben, bei welchem mehrere tausend Einheimische zur Arbeit gezwungen wurden (wobei hunderte an Krankheiten und infolge von Unfällen verstarben), scheiterte letztlich infolge von Hangrutschungen. Insgesamt konnte Sepúlveda aus dem See zwar goldene Gegenstände im Wert von 232 pieces of eight sowie zehn Gramm reinen Goldes bergen, doch war diese Ausbeute so gering, dass selbst die Expeditions- und Grabungskosten damit nicht gedeckt werden konnten. Sepúlveda starb später verarmt. Zwischen 1584 und 1590 unternahm der spanische Konquistador und spätere Gouverneur von Trinidad Antonio de Berrio insgesamt drei Expeditionen – wobei die Stärke der ersten Unternehmung bei nur etwa 80 Personen lag – entlang des Orinoco; er erreichte dabei den Río Tomo und erforschte das Bergland von Guayana, Eldorado fand er indessen nicht. mini|Lateinische Ausgabe des Reiseberichtes von Sir Walter Raleigh aus dem Jahr 1599