Kleinheubach ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg. Gemeinsam mit Großheubach bildet Kleinheubach seit Mai 2010 ein Unterzentrum, das so genannte Doppelzentrum Heubach.
Geografie Lage Die Gemeinde liegt zwischen Spessart und Odenwald im Maintal am Westufer des Mains gegenüber von Großheubach. Der topographisch höchste Punkt der Gemeindegemarkung befindet sich mit am Gipfel des Berges „Auf der Höhe“, westlich von Kleinheubach, der niedrigste liegt im Main auf .
Nachbargemeinden Mit den Nachbargemeinden Laudenbach (im Nordwesten) und Rüdenau (im Westen) bildet Kleinheubach seit 1976 freiwillig eine Verwaltungsgemeinschaft. Am gegenüberliegenden, östlichen Mainufer liegt Großheubach. Im Süden und Südosten grenzt Kleinheubach an die Kreisstadt Miltenberg an.
Gemeindegliederung Außer dem Hauptort gibt es keine weiteren Gemeindeteile.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Kleinheubach. Sie hat eine Fläche von 9,484 km² und ist in 2665 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3558,63 m² haben.
Flächennutzung Vom Gemeindegebiet sind 497 Hektar Wald (52,4 %), 169 Hektar Landwirtschaftsfläche (17,8 %) und 239 Hektar Siedlungs- und Verkehrsfläche (25,2 %). Diese Angaben entsprechen dem Stand Ende Dezember 2022. Der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche ist seit 1980 von 15,7 % auf 25,2 % gestiegen.
Name Etymologie Seinen Namen hat Kleinheubach vom Heubach, welcher dem Main in Großheubach zufließt. Der Zusatz Klein sollte den Ort vom gleichnamigen Ort auf der gegenüberliegenden Mainseite unterscheiden.
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1281 Heidebach 1335 Heydbach 1420 kleinen Heydebach 1465 Kleinheippach 1491 Cleinheydbach 1521 Kleyn Heupach 1819 Kleinheubach 1862 Klein-HeubachEwald, S. 68.
Ortsneckname Ein „Hanjörg“ war ein ungeübter, untalentierter und schlecht bewaffneter Landsknecht. Seit dem 1. Oktober 1790 werden die Kleinheubacher „Hanjörche“ genannt. Kaiser Leopold II. zog mit seinem Gefolge von Wien durch das Maintal zur Krönung nach Frankfurt. Für jede Ortschaft war es eine hohe Ehre „Die Krone“ durch ihr Gemeindegebiet zu begleiten. Der Löwensteinische Hofkanzler von Hinckeldey stand mit 30 Grenadieren und 90 Bürgern bereit, um das Geleit zu übernehmen. „Platz gemacht oder es gibt ein Blutbad“, riefen die 1000 Mann kurfürstlich-mainzischer Soldaten sowie einige hundert Miltenberger Bürger und beschimpften die Kleinheubacher. Diese versuchten an den Kronwagen heranzukommen, um wenigstens ihr Recht symbolisch wahrzunehmen. Sie wurden beschimpft und mit Fausthieben und Gewehrkolbenstößen zurückgedrängt. Auf dem Rückweg zogen die meist betrunkenen Miltenberger randalierend zum Schloss, beleidigten den Fürsten, schlugen Fenster ein und verhöhnten die Kleinheubacher mit ihrem Spottnamen: „Die Hanjörche haben doch nur Weiberschürzen an!“
Geschichte mini|Kleinheubach („Heubach“) in der Spessartkarte von Paul Pfinzing von 1594 (Norden ist rechts) Von der Frühzeit bis zum Spätmittelalter Grabungsfunde aus der Altsteinzeit im benachbarten Großheubach belegen eine Besiedlung der Gegend in früher Zeit. In Kleinheubach wurden Begräbnisstätten der Urnenfelderkultur gefunden. Reste einer Villa rustica und des nahegelegenen römischen Kastells Miltenberg-Altstadt zeigen Besiedelung in römischer Zeit.
Kleinheubach lag an der alten Geleitstraße Nürnberg–Frankfurt. Eine Furt durch den Main ermöglichte einen Anschluss an den Eselsweg von Großheubach nach Schlüchtern.
Ob es sich bei dem in einer Urkunde aus dem Jahr 877 erwähnten "Heydebah" um Kleinheubach handelt, ist umstritten.
Kleinheubach war die Nachbarsiedlung der Stadt Wallhausen, die bis 1247 bestand. Wallhausen war auf den Ruinen des Römerkastells Altstadt an der heutigen Grenze von Kleinheubach und Miltenberg entstanden, nachdem die Franken im 3. Jahrhundert nach dem Alemannensturm das Maintal erobert hatten. Mit dem Untergang Wallhausens begann der wirtschaftliche und politische Aufstieg von Kleinheubach.
Der Ort war Königsgut und wurde von Pfalzgrafen verwaltet.
Vom Spätmittelalter bis in die Neuzeit Herrschaft der Grafen von Rieneck Die Grafen von Rieneck erhielten Kleinheubach als Lehen. Die Anfänge der Herrschaft der Rienecker sind nicht belegt, die erste urkundlich beglaubigte Notiz über die Herrschaft der Rienecker stammt aus dem Jahr 1229.
Die Rienecker sicherten ihre Herrschaft mit einem „festen Haus“ am Kirchhof in Kleinheubach. Dieses wich 1874 dem Neubau der Schule (heute: "Alte Schule").
1455 erfolgte der Bau der Kirche, auf einem Vorgängerbau, von dem noch der Kirchturm mit Fresken erhalten ist.
Graf Philipp III. von Rieneck führte 1556 in Kleinheubach die Reformation ein. Da die umliegenden Gebiete zum Herrschaftsgebiet des Kurfürstentum Mainz gehörten, war Kleinheubach über Jahrhunderte eine evangelische Enklave in katholischer Umgebung.
Herrschaft der Grafen von Erbach Durch Erbfolge wurden die Grafen von Erbach 1559 neue Lehensherren. Diese bauten in Kleinheubach ihren Wohnsitz, die Georgenburg.
Kleinheubach war ab 1560 Sitz eines Zentgerichts der Grafen von Erbach. Auf einer Anhöhe über dem Main wurde 1561 ein Galgen errichtet, unter dem 1619 erstmals eine Hexenhinrichtung vollzogen wurde. Eine der ursprünglich drei Steinsäulen dieses Galgens steht heute noch.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Kleinheubach durch einen Großbrand am 24. April 1627 zerstört. Plündernde Soldaten hatten Feuer gelegt. Das Rathaus und 40 Wohnhäuser brannten ab. Zeitweise war der Ort beinahe unbewohnt.
Hexereiprozesse Die Welle der Hexenverfolgungen in Europa am Anfang des 17. Jahrhunderts ergriff auch Kleinheubach. Den Prozessen voraus geht eine Eingabe einer großen Zahl von Kleinheubacher Bürgern am 18. Juli 1591 an den Grafen von Erbach mit der Bitte „man möge mit scharfem Ernst wider diese Unholde vorgehen, die hie und wieder groß Jammer am Mensch und Vieh und auch groß Verderbnis an Frucht und Weinbau gestiftet haben.“ In Kleinheubach sind in der Zeit von 1617 bis 1631 insgesamt 81 Anklagen mit dem Vorwurf der Hexerei belegt. Von diesen 81 Personen sind nachweislich 45 hingerichtet worden. 11 Personen konnten fliehen, 4 sind im Gefängnis gestorben, 7 wurden begnadigt, weitere 11 Personen sind in den Akten als hingerichtet bzw. verbrannt vermerkt ohne nähere Angaben. 49 der Angeklagten waren Frauen, 32 Männer.
Die Gerichtsbarkeit lag beim Landesherren, dem Grafen von Erbach, vertreten durch den gräflichen Amtmann.
Die Angeklagten wurden nach ihrer Verhaftung ins örtliche Gefängnis, dem „Bürgergewahrsam“ gebracht. In der Regel erstreckten sich die Prozesse über mehrere Gerichtstage. Gerichtsplatz und Bürgergewahrsam befanden sich in der Marktstraße, am Ort der heutigen Alten Schule. Hinrichtungen fanden am Galgen, zwischen Kleinheubach und Laudenbach statt.
Höhepunkt der Hexenprozesse in Kleinheubach waren die Jahre 1628 und 1629 mit insgesamt 44 Hinrichtungen.
Historischer Hintergrund der Hexenprozesse in Kleinheubach ist der Dreißigjährige Krieg, welcher in der Gegend schwere Verwüstungen anrichtete. Im Jahr 1627 wurde Kleinheubach durch abziehende Soldaten bei einem Großbrand fast vollkommen zerstört, nur wenige Häuser blieben unversehrt. Parallel zu den Prozessen in Kleinheubach gab es Prozesswellen u. a. in den Hochstiften Würzburg und Bamberg, Wertheim und im benachbarten Miltenberg. Beachtenswert ist die Dimension der Hexereiprozesse in Bezug zur Einwohnerzahl Kleinheubachs. Für das Jahr 1628 wird eine Einwohnerzahl Kleinheubachs von 370–400 Personen angenommen. In den Jahren 1628–29 starben also mehr als 10 % der Einwohner durch Hexenprozesse. Dies übertrifft Hochburgen der Hexenverfolgungen wie z. B. das Hochstift Bamberg.
Die Grafen von Erbach forderten mehrfach Rechtsgutachten der Universität Tübingen zu den Hexenprozessen in Kleinheubach an. Ein Gutachten der Universität Tübingen vom 23. Oktober 1630 kommt dabei zum Schluss, dass die Durchführung dieser Prozesse nicht rechtens sei. Auch der Zeitpunkt des Endes der Hexereiprozesse 1631 hat seine Parallelen in den umliegenden Territorien.
Herrschaft der Fürsten zu Löwenstein mini|Das Schloss Kleinheubach der Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, Luftbild 2008Fürst Dominik Marquard zu Löwenstein-Wertheim erwarb 1721 die Herrschaftsrechte über Kleinheubach für 108.000 Gulden. Er garantierte dabei den Fortbestand der lutherischen Konfession in Kleinheubach.
An Stelle der ehemaligen Georgenburg ließ er sein Schloss Löwenstein bauen.
19. und 20. Jahrhundert Mit der Rheinbundakte von 1806 fiel die staatliche Hoheit über Kleinheubach dem Großherzogtum Baden zu. Im Herbst 1810 kam es zu einem Dreiecksgeschäft zwischen dem Kaiserreich Frankreich, dem Großherzogtum Hessen und dem Großherzogtum Baden. Baden stellte eigene Gebietsteile zur Disposition von Frankreich, das diese dann mit einem Staatsvertrag vom 11. November 1810Text (in französischer Sprache) in: Schmidt, S. 34ff, Anm. 114. an das Großherzogtum Hessen weitergab.Schmidt, S. 34. Das hessische Besitzergreifungspatent datiert auf den 13. November 1810Schmidt, S. 38. und umfasste auch das „Amt Heubach“.
Mit Staatsvertrag vom 30. Juni 1816 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Bayern wurde Kleinheubach – zusammen mit dem überwiegenden Teil der Ämter Miltenberg und Amorbach – an Bayern abgetreten.Ewald, S. 68.
Der Bau der Maintalbahn von 1874 bis 1876 fiel in die Phase der Industrialisierung. Eine Presstuchfabrik ging im Jahr 1874 in Betrieb, eine Eisengießerei und Maschinenfabrik im Jahr 1900.
Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Miltenberg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Kleinheubach lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Kleinheubach war nun eine der 31 Gemeinden im Altkreis Miltenberg. Dieser schloss sich am 1. Juli 1972 mit dem Landkreis Obernburg am Main zum neuen Landkreis Miltenberg zusammen.
Eine Mainbrücke verbindet Kleinheubach seit 1974 mit Großheubach.
Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern schlossen sich die Gemeinden Kleinheubach, Laudenbach und Rüdenau am 1. Januar 1976 zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammen.
Einwohnerentwicklung Die Zahl der Einwohner ist seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in zwei Phasen sprunghaft gestiegen. Durch die Folgen des 2. Weltkriegs wuchs nach 1945 die Bevölkerung um etwa die Hälfte. Neubaugebiete sorgten vor allem zwischen 1987 und 1999 für einen weiteren Anstieg.
Wohngebäudebestand in Kleinheubach Jahr Einwohner Wohngebäude Quelle 1. Dezember 1871 1390 198 1. Dezember 1900 1461 209 16. Juni 1925 1494 239 13. September 1950 2270 319 6. Juni 1961 2335 412 25. Mai 1987 2761 687 31. Dezember 2013 3634 897 , abgerufen am 5. September 2026 31. Dezember 2024 3607 955 Einwohnerentwicklung im Markt Kleinheubach Der bisherige Einwohnerhöchststand war im Jahr 2018 mit 3769 Personen zu verzeichnen.
Volkszählung bzw. Zensus Einwohner 1. Dezember 1840 1605 1. Dezember 1871 1390 1. Dezember 1900 1461 16. Juni 1925 1494 17. Mai 1939 1501 13. September 1950 2270 6. Juni 1961 2335 27. Mai 1970 2689 25. Mai 1987 2761 9. Mai 2011 3614 15. Mai 2022 3619 Jahr(31. Dezember) Einwohner 1970 2730 1975 2879 1980 2786 1985 2679 1990 3066 1995 3320 2000 3480 2005 3486 2010 3522 2015 3657 2020 3727 Jahr(31. Dezember) Einwohner 2025 3608
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