mini|Rinder in der Kalahari auf einer Farm bei Gobabis (2018) mini|hochkant|Brandeisen mit dem Zeichen „30S“ auf einer Farm mini|Luzerne-Anbau in der Kalahari (2017)
Farmen in Namibia wurden schon zur Zeit Deutsch-Südwestafrikas vermessen, nummeriert und in einer Farmkarte eingetragen.Farmkarte auf dem Internet. Abgerufen am 14. März 2019. Abgesehen von den Städten, der Namib, den Homelands und staatlichen Naturschutzgebieten wurde das ganze Land in Farmen aufgeteilt. Die Größe der Farmen liegt meist zwischen 3.000 und 30.000 ha für Farmen im ariden Süden des Landes,Namibia: Abgerufen am 14. März 2019. wobei zahlreiche vor allem seit der Unabhängigkeit 1990 unterteilt wurden.
In Namibia wird für einen landwirtschaftlichen, großflächigen Betrieb auch im deutschen Sprachgebrauch immer das aus dem Englisch stammende Wort Farm verwendet. In Namibia sind die Worte Ranch oder Bauernhof nicht gebräuchlich.
Erzeugnisse und Dienstleistungen Auf den meisten Farmen Namibias wird Viehzucht betrieben. Im feuchteren Norden werden vor allem Rinder und im trockeneren Süden vor allem Schafe gehalten. Auf einzelnen Farmen werden Pferde gezüchtet.Beispiel einer Pferdezucht-Farm Auf den meisten Farmen leben auch Wildtiere. Es können dies Oryxantilopen, Kudus, Springböcke, Zebras, Wildschweine und anderes sein. Nur an wenigen wasserreichen Orten des Landes wird Ackerbau betrieben. So zum Beispiel bei Mariental unterhalb des Hardap-Dammes oder am Oranje in Aussenkehr und Norotshama. Neben der Viehzucht produzieren einige Farmer auch Holzkohle (englisch Charcoal) für den Export. Gemäß nationaler Vorschriften wird die Holzkohle in der Regel aus Buschholz hergestellt, das aufgrund der weit verbreiteten Verbuschung im Überfluss vorhanden ist.Jumbo Charcoal Abgerufen am 24. März 2019.
In jüngerer Zeit haben sich viele Viehzucht-Farmer auf alternative Einnahmequellen spezialisiert. Eine große Zahl von namibischen Farmen sind heute, meist parallel zur Viehzucht, auch Gästefarm Jagdfarm Wildfarm oder Astrofarm.
Darüber hinaus gibt es noch eine kleinere Zahl von Raubtier- oder Geparden-Farmen,Namibias Geparden-Farmen Forschungsfarmen (z. B. Farm SandveldForschungsfarm Sandveld Sandveld Research Station, abgerufen am 22. April 2019.) und Segelflugfarmen.
Infrastruktur Wasser mini|Windmotor mit Bassin in der Kalahari (Trink- und Tränkwasser) mini|Wasserpumpe auf Farm Nuiba in der Kalahari mini|Historische Brunnen-Bohrmaschine auf Farm DabisKoordinaten der Farm Dabis: am Rande der Namib
Viele Farmen Namibias sind auf Grundwasser, das mit Bohrlöchern und Pumpen erschlossen wird, angewiesen.
Die erste Brunnen-Bohrmaschine kam 1903 ins Land. Seither wurde das Wasser meist mit Windpumpen an die Oberfläche befördert. Heute werden vermehrt Solar-Wasserpumpen eingesetzt. Windpumpen fördern Wasser nur, wenn Wind weht, Solar-Pumpen arbeiten nur bei Sonnenschein. Bohrlöcher zur Wasserförderung können im Süden Namibias bis 300 Meter tief sein. Das mit den Pumpen geförderte Wasser wird in Bassins gesammelt und von da in Plastikrohren unterirdisch zu den oft Kilometer entfernten Viehtränken und in die Häuser der Farmleute gefördert. Die Tränken sind mit einem Schwimmer ausgerüstet, der den Zufluss bei Erreichen eines bestimmten Wasserstandes stoppt. Diese Schwimmer sind derart abgedeckt, dass die Tiere sie nicht beschädigen können. Nicht nur das Vieh, sondern auch Wildtiere saufen Wasser aus den Tränken.
Die Produktion einer Farm hängt in Namibia wesentlich vom jährlichen Niederschlag ab. In Nordnamibia regnet es pro Jahr durchschnittlich bis zu 600 mmKlimatabelle Nordnamibia und im Süden bloß 150 mm.Klimatabelle Südnamibia Entlang der Küste Namibias regnet es fast nie. Die Farmer messen den Niederschlag an mehreren Stellen der Farm meistens mit trichterförmigen analogen Regenmessern. Die Regenmenge muss an mehreren Stellen der Farm erfasst werden, weil Regen in Namibia sehr oft lokal, zum Beispiel in Form von Gewitter fällt. Für den Farmer ist es wichtig, die Regenmenge zu erfassen, weil er daraus die Produktivität der Farm für die kommenden Monate abschätzen kann. Eventuell muss er Tiere frühzeitig verkaufen oder er kann die Zahl der Tiere erhöhen.
Stromversorgung In den letzten Jahren wurden viele Farmen an das Netz der NamPower angeschlossen. Andere Farmen besitzen zur Stromerzeugung eigene Generatoren oder in neuerer Zeit auch eigene Solaranlagen. Abgelegene Farmen ohne Strom haben bis heute zur Aufbewahrung ihrer Esswaren und Getränke einen Kühlraum, kurz Kühler genannt, der natürlich, das heißt mit Wasser, aber ohne Strom und ohne Gas, gekühlt wird. Die Temperatur dieser Räume kann auch bei 40 Grad Außentemperatur auf 13 bis 17 Grad Celsius gehalten werden.
Farmtelefon mini|hochkant|Altes, analoges Farmtelefon der Beeston Telephone Company auf Farm EskadronFarm Eskadron liegt 15 Kilometer nordwestlich von Witvlei bei mini|Alte Farm-Telefonleitung außer Betrieb Die Installation von Kommunikationsmitteln zu den Farmen ist auf Grund der großen Distanzen in Namibia seit jeher eine Herausforderung. Bis hinein ins 21. Jahrhundert waren viele Farmen in Namibia ohne Kommunikation oder sie waren über eine Farm-Telefonleitung verbunden. Beim Farmtelefon ()Englisches Paper: NAMIBIA'S TELECOMMUNICATIONS von Klaus Dierks Ph.D. Abgerufen am 16. März 2019. handelt es sich um eine über Holzmasten gespannte zwei-Draht Telefonleitung, die eine Kette von Farmen verbindet. Die Leitung endete an einer manuell bedienten Telefonzentrale, die externe Gespräche weiter vermitteln konnte. Die Farmen waren mit einem Kurbeltelefon ausgerüstet. Drehte man an der Kurbel kurz oder lang, so klingelte es auf allen angeschlossenen Farmen kurz oder lang. Jeder Farm und auch der angeschlossenen Telefonzentrale war zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer und ein Rufzeichen bestehend aus einer Kombination von kurzen und langen Klingelfolgen zugeteilt. Ein Vorteil des Farmtelefons war, dass die Farmleute der verbundenen Farmen sich gegenseitig, ohne Unterstützung des Telefonisten anrufen konnten. Ein Nachteil war, dass auf jedem anderen Anschluss das Gespräch zwischen zwei Farmern mitgehört werden konnte. Namibias erste Farmleitungen wurden 1909 zwischen Gibeon und Maltahöhe in Betrieb genommen. Die zu jener Zeit installierten Telefonapparate stammten von der Beeston National Telephone CompanyExploring Beeston's History: Industry in Beeston – Telecommunications in England.
Die Farmen nördlich von Leonardville entlang des Nossob waren zum Beispiel an der Farmleitung Nummer 15 angebunden. Die manuelle Telefonzentrale im Postamt von Leonardville war 24 Stunden besetzt. Farm Geikous,Farm Geikous hat die Koordinaten: 12 Kilometer nördlich von Leonardville, hatte die Nummer 1503 und das zugeteilte Rufzeichen bestand aus drei langen Klingelfolgen. Farm KomanaFarm Komana hat die Koordinaten: elf Kilometer westlich der Farm Geikous hatte die Nummer 1531 und das entsprechende Rufzeichen war „3x kurz 1x lang“. Wollte man die Telefonzentrale in Leonordville erreichen, so nahm man den Hörer ab und horchte, ob ein Gespräch im Gang war. Bei freier Leitung klingelte man dann „1x lang“.
Die Farmtelefone wurden seit Mitte der 1990er Jahre stillgelegt. Heute sind viele Farmen über das Mobilfunknetz und sehr wenige über GlasfaserkabelTelecom Namibia: „Continued expansion of fibre coverage throughout the country“ oder über Richtfunk ()Telecom Namibia: Rural Radio Telephone Links erschlossen. Die großen Distanzen machen aber auch heute (Stand 2020) die Kommunikation zu den abgelegenen Farmen kostenaufwendig. Telecom Namibia hat deshalb seit Anfang der 2000er Jahre fast sämtliche ländliche Anschlüsse abgebaut und durch eine Satellitenlösung ersetzt.Telecom Namibia underlines focus on remote connectivity. Development Telecoms, 3. August 2020.
Einige Farmen haben ein privates Funknetz eingerichtet, das eine Kommunikation zwischen dem Farmhaus und den Farmfahrzeugen erlaubt. Mit diesen Funkgeräten können auch benachbarte Farmen, die über das gleiche Funksystem verfügen, erreicht werden. Die meisten Funkgeräte arbeiten im UKW-Bereich. Die Farmer erhalten gegen eine jährliche Gebühr eine von der Communications Regulatory Authority of Namibia (CRAN)Internetauftritt der CRAN ausgestellte Funklizenz. Viele Farmen verfügen über drei Frequenzen. Eine Frequenz für die Kommunikation innerhalb der Farm, einen regional eingeteilten Club-Channel auf dem Nachbarfarmen aufgerufen werden können und als letztes einen Notfallkanal, der zum Beispiel bei Ausbruch eines Buschfeuers oder anderen Notsituationen eingesetzt wird.
Farmbetrieb mini|„Kalahari Ferrari“
Farmpad und Farmkamp mini|Land Rover Series III (Baujahr 1972) auf Farm Tiras (2009)
In Namibia werden auch im deutschen Sprachgebrauch mehrheitlich die Ausdrücke „Farmpad“ ( für Farmstraße) und „Farmkamp“ statt „Feldweg“ und „Weide“ gebraucht.
Auf Farmen wird zwischen Viehzäunen (englisch Stock fences), Wildzäune (englisch Game fences) und elektrische Zäune (englisch Electric fences) sowie Schakalsicheren Zäunen (englisch Jackal-proof fence) unterschieden. Diese Zäune haben verschiedene Funktionen. Sie unterscheiden sich in der Bauart, der Robustheit, der Zaunhöhe und der Maschenweite. So sind Wildzäune mehr als doppelt so hoch wie Viehzäune, weil zum Beispiel Kudus einen Viehzaun ohne Mühe überspringen.
Die Zäune müssen durch den Farmer permanent unterhalten werden. Eine besondere Funktion haben unter anderem die Farmzäune entlang der Grenze zu Botswana. Sie sind hier nicht nur Farmzaun, sondern auch Veterinärzaun.
Viehzuchtfarmen werden mit Zäunen in Farmkamps unterteilt. Dies soll bewirken, dass die Gräser und Büsche nur gezielt abgefressen werden und eine Überweidung verhindert wird. Die Größe der Kamps ist sehr unterschiedlich. Es gibt künstlich angelegte Wasserstellen, um den Regen aufzufangen, und an Ecken, wo mehrere Kamps zusammenstoßen, ist eine Tränke errichtet (Kraal). Auch Lecksteine zur Salzversorgung der Tiere befinden sich dort. Oft trennen die Kamps die Kühe und Kälber für gewisse Zeiten, damit dem Farmer genug Milch zur Verfügung steht. Im Kraal bzw. der Manga werden dann auch die in Färsen und Ochsen eingeteilte Jungtiere zur Kennzeichnung gebrannt und Kleinvieh nachts zum Schutz eingestellt. Jeder Farmer besitzt sein eigenes Brandzeichen. Das DippenVolker Guthörl: Wildhaltung als nachhaltige Landnutzungsform im südlichen Afrika. ISBN 3-00-016849-4, S. 56. (durch eine Wanne laufen) der Rinder zur Desinfizierung verschiedener Krankheiten findet ebenfalls beim Kraal statt.
Anfang des 20. Jahrhunderts waren lediglich Ochsenkarren, Pferdekarren oder Eselkarren (englische Donkey Cart) im Einsatz. Die Eselkarren sind heute noch vielerorts ein tägliches Transportmittel. Diese werden landläufig auch „Kalahari Ferrari“ genannt.Stories from the world: Mit dem Kalahari Ferrari durch die Wüste abgerufen am 17. März 2019. Mittlerweile haben Geländewagen weitestgehend die oben genannten Transportmittel abgelöst.
Autonomie mini|Typische Schrotthalde auf einer Farm im Süden Namibias