mini|Melina Schuh, 2020 Melina Schuh (* 14. April 1980 in Bad Pyrmont) ist eine deutsche Biochemikerin und Direktorin am Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften in Göttingen. Sie ist bekannt für ihre Arbeiten zur Meiose in Säugetier-Oozyten und zur Abnahme der Fruchtbarkeit mit dem Alter der Frau sowie für die Entwicklung der Trim-Away Methode, mit der Proteine gezielt aus Zellen entfernt werden können.
Leben und Ausbildung Melina Schuh wurde am 14. April 1980 in der südniedersächsischen Kurstadt Bad Pyrmont in Deutschland geboren, wo sie bis zum Abitur am Humboldt-Gymnasium lebte. 2004 erhielt sie ihr Diplom im Fach Biochemie von der Universität Bayreuth, wo sie mit Stefan Heidmann und Christian Lehner den Einbau des Centromer-Proteins Cenp-A in Drosophila Embryonen untersuchte.
Beruflicher Werdegang Melina Schuh führte ihre Doktorarbeit mit Jan Ellenberg am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg durch. Hier etablierte sie Methoden für hochaufgelöste Lebendzellaufnahmen der Meiose in Oozyten von Mäusen. Sie verwendete diese Methoden um die Organisation und Positionierung der Spindel in Maus-Oozyten zu untersuchen. 2009 wurde Schuh Gruppenleiterin am MRC Laboratory of Molecular Biology in Cambridge in England. 2016 wurde sie als Direktorin ans Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie nach Göttingen in Deutschland berufen. 2022 fusionierte das Institut mit dem Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin und wurde hierdurch zum Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften.
Das Labor von Melina Schuh untersucht die Entwicklung und Funktion von Säugetier-Oozyten. Des Weiteren erforscht das Labor die Ursachen für die altersabhängige Abnahme der Fruchtbarkeit der Frau. Die Arbeiten von Melina Schuh fokussieren sich insbesondere auf den Prozess der Teilung der Oozyte. Hierbei reift eine Oozyte zu einer befruchtungsfähigen Eizelle heran, indem sie die Hälfte der Chromosomen in einer kleinen Zelle, dem Polkörper, eliminiert. Hierfür muss der Spindelapparat der Oozyte asymmetrisch positioniert werden. Melina Schuh konnte Proteine entdecken, die durch Herstellung spezieller Aktin-Netzwerke die asymmetrische Positionierung der Spindel ermöglichen. Sie konnte zudem zeigen, dass am Prozess der Spindelpositionierung auch Vesikel beteiligt sind, welche die Dynamik und Organisation der Aktinnetzwerke kontrollieren. Zudem konnte ihre Gruppe Strategien entwickeln, mit denen systematisch neue Gene gescreent werden können, die für die Meiose von Maus-Oozyten notwendig sind.
Fehler bei der Teilung von Oozyten führen zu Fehlgeburten und sind die Hauptursache für die Abnahme der Fruchtbarkeit mit dem Alter der Frau. Durch eine Zusammenarbeit mit der Bourn Hall Clinic, der ersten IVF-Klinik der Welt, konnte Schuhs Labor direkt die Teilung von menschlichen Oozyten untersuchen und die Bildung der Spindel und die Chromosomentrennung in diesem Prozess verfolgen. Das Team fand heraus, dass menschliche Oozyten nur sehr langsam eine Spindel bilden und häufig vorübergehend instabil sind, was die Wahrscheinlichkeit von Fehlern bei der Chromosomentrennung erhöht. Ihr Labor untersucht zudem, weshalb ältere Mütter häufiger von Fehlgeburten betroffen sind oder gar nicht erst schwanger werden können. Sie fanden heraus, dass Oozyten von älteren Müttern häufig Defekte in der Architektur der Chromosomen haben, welche zu Fehlern bei der Teilung von Eizellen führen.
Das Labor entwickelte zudem eine Methode für den gezielten Abbau von Proteinen in Zellen, welche Trim-Away heißt, und keine vorhergehende Modifikation der Proteine erfordert. Zudem konnte das Labor zeigen, dass Aktin und eine Flüssigkeits-ähnliche Spindeldomäne für die Bildung von Spindeln in Oozyten wichtig sind. Kürzlich konnte ihr Labor den Grund für die Instabilität von Spindeln in menschlichen Oozyten identifizieren sowie einen Mechanismus für die Speicherung von mRNAs in Säugetier-Oozyten.
Im Jahr 2025 war sie Mitgründerin des Start-ups Ovo Labs, das in München und London seinen Sitz hat und eine bessere künstliche Befruchtung beim Menschen durch eine verbesserte Qualität der Eizellen erreichen will. Das Start-up hat eine Finanzierung von vier Millionen britischen Pfund eingeworbenStartkapital für erfolgreichere künstliche Befruchtung, Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft, 29. April 2025, abgerufen am 17. November 2025Das Start-up Ovo Labs mit Sitz in München und London will künstliche Befruchtungen optimieren und das verbessern, worauf es ankommt: die Qualität der Eizellen. Meldung auf Laborjournal.de, 5. Juni 2025 abgerufen am 17. November 2025 und im Juni 2026 den Max-Planck-Gründungspreises des Stifterverbandes erhalten.
Preise und Auszeichnungen 2002–2004: Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes 2005–2008: Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes 2012: EMBO Young Investigator 2013: ERC Starting Grant 2014: Lister Institute Research Prize 2014: Biochemical Society Early Career Award 2015: John Kendrew Young Scientist Award 2018: EMBO Gold Medal 2019: Colworth Medal, Biochemical Society 2019: Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2019: Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina 2021: Ausgewählt für „Ahead of the Curve“ Buch über Wissenschaftlerinnen des LMBs 2023: Honorarprofessur der Universität Göttingen 2025: Mendel Lecture Award, Masaryk University 2025: Falling Walls Science Breakthrough of the Year (Life Sciences) 2026: Carus-Preis der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina 2026: Pearse Prize der Royal Microscopical Society 2026: Mitglied der Royal Society
Medien und Wissenschaftskommunikation Über Melina Schuh und ihre wissenschaftlichen Arbeiten wird regelmäßig in verschiedenen Medien berichtet.
Dokumentation: „Stecken wir in einer Eizellen-Krise?“, 42 – Die Antwort auf fast alles, ARTE, 26. Juli 2026 Porträt: „Sie macht Kinderlosen neue Hoffnung“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Juli 2026 Gründungsfilm: „Neue Wege bei der künstlichen Befruchtung (IVF) – Ovo Labs“, im Rahmen der Verleihung des Max-Planck-Gründungspreises des Stifterverbandes, 16. Juni 2026 Podcast: „Ach, Mensch! – Unfruchtbarkeit: Wie lässt sie sich behandeln, Melina Schuh?“, detektor.fm, 10. Juni 2026 Podcast: „From Science to Startup: Founding Ovo Labs“, Holding on to Unicorns and Rainbows, Februar 2026 Medienbericht: „Deutschlands Embryonenschutzgesetz ist veraltet. Was wir von anderen Ländern lernen können“, Der Spiegel, 20. Februar 2026 Medienbericht: „Human eggs ‘rejuvenated’ in an advance that could boost IVF success rates“, The Guardian, 9. Januar 2026 Medienbericht: „Die bittere Wahrheit über künstliche Befruchtung ab 40“, ajour, 10. November 2025 Vortrag: „Breaking the Wall of Invisible Ovulation“, Falling Walls Science Summit 2025, 9. November 2025 Porträt: „Eizellenforschung: „Eizellen sind Sensibelchen““, BRIGITTE, 6. Juni 2020 Interview: „Das beste Alter, um Kinder zu zeugen? Anfang zwanzig bis Anfang dreißig“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Januar 2019 Filmporträt: „Dr. Melina Schuh – Gottfried Wilhelm Leibniz-Preisträgerin 2019“, DFG bewegt, 2019 Porträt: „Forscherin Melina Schuh bringt Familie und Karriere unter einen Hut“, Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 26. Juni 2018 Interview: "Cell scientists to watch - Melina Schuh", Journal of Cell Science, 1. Januar 2016
Weblinks
Curriculum-Vitae der Melina Schuh im Internetauftritt des Max-Planck-Instituts für Multidisziplinäre Naturwissenschaften () Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften, Göttingen – Research Group: Meiose
Einzelnachweise
Kategorie:Biochemiker Kategorie:Chemiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (21. Jahrhundert) Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft Kategorie:Mitglied der European Molecular Biology Organization Kategorie:Mitglied der Royal Society Kategorie:Leibnizpreisträger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1980 Kategorie:Frau