mini|Schloss Naundorf Zustand März 2019 mini|Schloss Naundorf Zustand März 2019 mini|Schloss Naundorf Zustand September 2004 mini|Erdgeschossportal mit den Initialen von Wilhelm von Schönberg 1608 mini|Erdgeschossportal um 2004 mini|Schloss Naundorf – Modell mini|Schloss Naundorf Zustand Mai 2021 Das Schloss Naundorf ist ein Schloss am obersten Ende des Dippoldiswalder Ortsteiles Naundorf, zwischen Ochsenbach- und Saubachtal gelegen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Geschichte Im Jahr 1404 wird Nuwindorff als Eigenes Gut (allodium) und Herrschaftssitz urkundlich genannt. Seit 1473 war das Gut mit dem niederen Bergregal belehnt und war ein eigenes Bergamt mit eigenen Bergbeamten. Das Naundorfer Bergamt wurde 1851 in das Altenberger integriert.Archiv Nach einer wechselvollen Geschichte entwickelte sich Naundorf bis 1551 zum Rittergut und gehörte zum Amt Pirna. Allmählich bildete sich im Tal der Roten Weißeritz eine Ansiedlung (heute Unternaundorf), während das Gut oben am Berghang liegt. Nach Rodung von Waldstücken entstanden Ackerflächen, wobei die Bewirtschaftung allerdings auf den schrägen und auch steilen Hängen schwierig und die Äcker steinig waren. Damit verbunden ist auch der doch häufige Besitzerwechsel zu erklären, weil auf dem Gut nicht immer kostendeckend gewirtschaftet wurde. Im damaligen Kommunenverband Naundorf waren nebst dem Rittergut drei Hufengüter, vier Halbhüfner sowie ein Viertelhüfner. Sowie elf Häusler, vier Gärtner und eine Schmiede. Im Tal der Weißeritz waren ein Zain-, Zeug- und ein Waffenhammerwerk, des Weiteren zwei Wassermühlen als Öl- und Schneidemühle und Getreidemühle. Weiterhin zwei Wohngebäude, wovon eines die Schanknahrung betreiben durfte.Friedrich Nathanael Schwenke: Naundorf. In: Sachsens Kirchengalerie 1837. 4. Heft: Inspektion Pirna. Hermann Schmidt, Dresden 1837, S. 125ff.

Besitzer Um 1473 verkaufte Rudolph von Bünau an die Herzöge Ernst und Albrecht und diese belehnten es an Mulich von Carlowitz. Um 1607 vertauschte Wilhelm von Schönberg sein Gut Ehrenberg an seinen Schwiegersohn Georg Kölbel von Geising.Archiv Um 1622 übernahm Heinrich von Bernstein den Besitz, der ihn im Jahr 1628 an Günther von Bünau verkaufte, dessen Nachkommen es weiter im Besitz hatten. Der kurfürstliche Floßmeister Samuel Klemm erwarb um 1726 das Anwesen. Der Sohn des Bergrates Klemm verkaufte das Rittergut im Jahr 1776 an die königliche preußische Geheimrätin Annisius, geborene von Katzsch (Johanna Friederike Katsch (in alten Quellen steht von Kat(z)sch)). Sie war die Frau des Geheimrats Joachim Friedrich Annisius und kaufte als Witwe Naundorf. Der älteste Sohn der Familie verkaufte es 1820 an den sächsischen Kriegsrat Anton von Carlowitz. Bis es schließlich im Jahr 1846 von Albert von Carlowitz, seinerseits sächsischer Justizminister, an den Ökonomierat Wilhelm Eduard Otto verkauft wurde. Nach seinem Tod im Jahr 1897 übernahm der Lederfabrikant Oskar Bierling als neuer Besitzer das Schloss. Im Jahr 1945 wurde die Familie entschädigungslos enteignet und vertrieben, beziehungsweise konnte die Familie in einer Notwohnung in Schmiedeberg die Demokratische Bodenreform überleben.Franz Herz: Die blaue Dame in dem verfallenden Schloss. In: Sächsische Zeitung vom 24. Mai 2016 In der Folgezeit bis 1949 brachte man im Gemäuer Heimatvertriebene, Umsiedler und Kriegsflüchtlinge unter. Von 1949 bis 1999 wurde das Schloss als Pflegeheim genutzt.Matthias Donath: Schlösser in der Sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge. In: Schlösser im Erzgebirge 1. Druckfabrik Dresden, 2. Auflage 2009, S. 149ff. Da keine werterhaltenden Maßnahmen oder Instandhaltungen vorgenommen wurden, verfiel das Gebäude. Das Pflegeheim wurde nach der Wende in einen Neubau in Schmiedeberg untergebracht, danach verfielen die Gebäude und der Park. Damit wenigstens die Parkanlagen und der Aussichtsturm Otto’s Eck erhalten blieben, gründete sich im Jahr 2001 der Heimatverein Ottos Eck. Mit großen Anstrengungen und mühevoller Arbeit sind nun der Park und der Turm in einem guten Zustand und warten auf Besucher. Die verwahrloste Bausubstanz jedoch schreckte einige Interessenten ab, bis es 2004 der Gemeinde gelang, das Anwesen an eine französische Immobiliengesellschaft zu verkaufen. Jedoch hat diese Firma das Gebäude nicht genutzt, bis schließlich in den letzten Jahren Dr. Konstantin Hermann aus Frauenstein neuer Schlossbesitzer wurde, ein Urenkel von Arthur Göpfert. Seitdem wurden Sicherungsarbeiten vorgenommen, die zahlreichen noch vorhandenen Möbel aus der Pflegeheimzeit entfernt, eingezogene Zwischenmauern aus der DDR-Zeit ebenso, PVC- und Spanplatten-Fußbodenbeläge herausgenommen, damit wieder Dielen und Parkett freiliegen. Im November 2018 wurde von Naundorfer Bürgerinnen und Bürgern der Verein Freundeskreis Schloss Naundorf e. V. gegründet, der Erhaltungs- und Pflegearbeiten am Schloss und im Schlossgarten vornimmt und Veranstaltungen ausrichten wird.Archiv Übersicht der Besitzer: von vor 1473 bis 2017 Nr.Namevonbis1 Nigkel Opil und Neffe Nigkel Opil140414372 Magdalene Opilum 143714373 Janicken Heiden143714554 Heinrich von Bünau145514655 Rudolf von Bünau 1465 14736Mulich von Carlowitz147314767 Melchior und Wilhelm von Carlowitz147614868 Gebrüder Kölbel (Bartel, Bernhard, Caspar, Michel, Nickel)148615019 Bartel Kölbel1501152410 Heinrich, Georg und Hieronymus Kölbel1524 154011 Georg Kölbel1540158012 Bartel Kölbel1580160113 Georg Kölbel der Jüngere1601160714 Wilhelm von Schönberg 1607 161115 Anna verw. von Schönberg1611 162216 Heinrich von Bernstein1622162817 Günther von Bünau1628166018 Rudolph von Bünau (gen. „der Dicke“)1660168319 Rudolph von Bünau jun.1683174120 Samuel Klemm1741174521 Johann Samuel Klemm1745177422 Johanne Friedricke vw. Annisius geb. von Katsch1774178423 Adolph Carl Friedrich Annisius1784180724 Christian Friedrich Adolf Annisius1807182023Christian Anton Ferdinand von Carlowitz1820 182925Ernst Maximilian und Albert von Carlowitz1829184226 Albert von Carlowitz1842184627 Wilhelm Eduard Otto1846189728 Otto Paul Baron1897189829 Heinrich Oscar Bierling1898194430 Mathilde Bierling1944194531Enteignung, Unterkunft für Heimatvertriebene, Umsiedler1945194932Volkseigentum der DDR Altersheim1949 199033 Landratsamt Weißeritzkreis / vormals Rat des Kreises Dippoldiswalde1990199634 Gemeindeverwaltung Schmiedeberg1997199735 Pro Civitate1997200236 Brigitte Robeis2002200437 Valetti Immobilier S.a.R.I. und Saint Martin Immobilier S.a.R.I.2004 2017

Schloss Das aus dem Herrenhaus um 1608 entstandene schlossartige Gebäude ist ein einfacher, fast schmuckloser Baukörper. Teile des Vorgängerbaus aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts sind im Erdgeschoss erhalten geblieben. Im Keller findet sich noch ein spätgotisches Türgewände aus dem 15. Jahrhundert.Archiv Das zweigeschossige Bauwerk mit einem gewalmten Dach befindet sich am Ortsausgang in Richtung Sadisdorf. Das schiefergedeckte Dach ist mit drei stehenden Dachgaupen ausgestattet. Der Hauptfront vorgelagert ist ein achteckiger Treppenturm. In diesem ist das Wappen der von Bünau zu erkennen. Im Turm befindet sich auch ein Sandsteinportal aus dem Jahr 1608 und stammt vom Vorbesitzer Wilhelm von Schönberg.Richard Steche: Naundorf. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 2. Heft: Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde. C. C. Meinhold, Dresden 1883, S. 66. Das Wappen über dem Portal ist das von W.E. Otto. Der Turm besitzt eine Bronzeseigerschelle aus der Dresdner Glockengießerei A. E. Weinholdt. Den Abschluss des Turmes bildet eine frühbarocke, laternenförmige Turmhaube mit vergoldeter Kugel und Wetterfahne. Die Räumlichkeiten sind im Erdgeschoss prunkvoll mit Holztäfelung und Stuckdecken gestaltet. Im Jahr 1819 erfolgten Blitzschutzarbeiten durch die Firma Johann Michael Seidel aus Wellerswalde bei Oschatz. In der Zeit von 1825 bis 1834 wurden erneut bauliche Veränderungen vorgenommen. Der neue Besitzer des Schlosses im Jahr 1846 wurde Wilhelm Eduard Otto. Dieser ließ das Schloss nach seinen Wünschen umbauen und verlieh ihm in den 1870er bis 1880er Jahren eine repräsentative Innenausstattung.Archiv Der Gutshof wurde in der U-Form um 1879 errichtet. Die Fassade des Schlosses schmücken nun kleine Schmuckelemente und weitere Ziergiebel. Nach 1897 veränderte der neue Besitzer Oskar Bierling das Schloss geringfügig. Am kunstgeschmiedeten Balkongeländer erkennt man das Monogramm von Oskar Bierling. In der Nachfolgezeit sind einige neue Anbauten am Schlossgebäude erfolgt. In den Jahren 1912 und 1935 wurde das Gewächshaus erneuert und erweitert. Der Wintergarten der Villa Bierling von der Kaitzer Straße 8 in Dresden fand hier eine neue Verwendung.Archiv Von 1916 an erfolgten immer wieder bauliche Veränderungen, unter anderem eine Garage für ein Automobil. Im Jahr 1918 wurde der Hühnerstall mit Teich saniert, einschließlich der Düngerstätte und Fäkaliengrube. Eine Zentralheizung wurde bis 1928 eingebaut. In den Jahren von 1930 bis 1933 sind mehrere Silos auf dem Gutshof aufgestellt worden. Im Jahr 1933 entstand ein neues Siedlungsprojekt für den Ort.archiv.sachsen.de/archiv/Bestand Nach 1949 erfolgte eine komplette Umstrukturierung des Schlosses zur Nutzung als Altenheim. Dabei ging der Schlosscharakter im Inneren verloren. Zu viele Einbauten und die Verkleinerung der Räumlichkeiten waren für das neue Nutzungskonzept in dem dafür ungeeigneten Gebäude erforderlich. Im Jahr 1985 ist ein Feuer ausgebrochen und hat auf dem Gutshof einen Teil der Wirtschaftsgebäude zerstört, diese wurden danach abgetragen. Nun sind das Schloss, die Anbauten und die gegenüber befindlichen Remisen und Wirtschaftsgebäude vorhanden und bilden somit keinen geschlossenen Gutshof mehr. In der DDR wurde nur der Turm unter Denkmalschutz gestellt, nunmehr sind das gesamte Schloss mit seinen drei Flügeln und die Anbauten als Denkmal ausgewiesen.

Schlosspark und Otto’s Eck Im 15. Jahrhundert wurde der Schlosspark gegenüber dem Gebäude von den Besitzern angelegt und unterhalten. Mit dem erneuten Besitzerwechsel im Jahr 1846 erwarb der Ökomenienrat Wilhelm Eduard Otto Schloss und Park. Dieser erneuerte den Park und gestaltete ihn mit wertvollen einheimischen Gehölzen im Stil des barocken Zeitalters um. In den Jahren 1865 bis 1867 entstand in einiger Entfernung vom Schloss Otto’s Eck, ein auf einem Felsplateau errichteter Aussichtsturm mit Pavillon im maurischen Stil. Um 1877 wurde der Park vom Baumeister Höhne aus Lauenstein umgestaltet und neue Wege angelegt. Wegeerneuerungen und Teicharbeiten sind im Jahr 1878 im Park amtlich ausgeführt worden.archiv.sachsen.de/archiv/Bestand Im Jahr 1911 wurde der Capellenberg in Schloßberg umbenannt. Ein neuer Springbrunnen verschönerte den Park um 1925. Mit dem Brunnen sind zahlreiche Spruchsteine und Skulpturen aufgestellt worden. In dieser Zeit wurde der vordere Teil des Schlossparkes als Garten für Beerenobst und Obstbäume genutzt. In den Jahren nach 1945 begann die Verwahrlosung des Parkes und Otto’s Eck, Vandalismus und Wildwuchs zerstörten in den Folgejahren die Skulpturen und Anlage. Der Nauendorfer Heimatverein Otto’s Eckhttps://ottos-eck.de/ sorgte seit seiner Gründung am 1. März 2001 dafür, dass der Park und der Aussichtsturm instand gesetzt und saniert wurde. Der Verein organisiert Parkfeste, Heimatfeste und Ausstellungstage. Im Jahr 2003 wurde die neue Brunnenfigur enthüllt und im Jahr 2011 wurde der Brunnen instand gesetzt. Im Jahr 2018 fand bereits das 16. Parkfest statt und weitere werden folgen. Das umfassende Gelände des Schlossgartens ist archäologisches Schutzgebiet.

Weblinks

Historie Archiv Sachsen Sachsens Schlösser Alle Burgen Schlösser um Dresden Online-Bericht in der Sächsischen Zeitung vom 24. November 2016 In und um Schmiedeberg Annisisius

Literatur Richard Steche: Naundorf. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 2. Heft: Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde. C. C. Meinhold, Dresden 1883, S. 66.