Die frühere Herzogsstadt Burghausen ist die einwohnerstärkste Stadt im oberbayerischen Landkreis Altötting. Die leistungsfähige kreisangehörige Gemeinde liegt an der Salzach, die hier die Grenze zu Österreich bildet. Auf einem Höhenzug über der Altstadt erstreckt sich die Burg zu Burghausen, die mit 1051 Metern die längste Burganlage der Welt ist.Burghausen hat die längste Burg der Welt. In: Die Welt online vom 29. August 2009. Im späten Mittelalter war Burghausen eine wichtige Nebenresidenz der bayerischen Herrscher, was sich auch dadurch manifestierte, dass die Stadt in der Folge nach der Wiedervereinigung der Teilherzogtümer jahrhundertelang Sitz eines der vier (später fünf) Rentämter Bayerns und somit Verwaltungszentrum war. Dies spiegelt sich auch in der Architektur der Stadt wider. Burghausen gehört heute zur Tourismusregion Inn-Salzach. Die Kleinstadt ist auch ein wichtiger Industriestandort im Bayerischen Chemiedreieck und für ihre Internationale Jazzwoche bekannt.

Geographie Lage Die Stadt liegt auf einer Meereshöhe von rund an der Salzach bis an der Kümmernis-Kapelle.

Nachbargemeinden Burgkirchen an der Alz Haiming Hochburg-Ach (Oberösterreich) Mehring (Oberbayern) St. Radegund (Oberösterreich)

Gemeindegliederung mini|hochkant=1.4|Der Altstadtbereich von Burghausen und die Hauptburg mini|hochkant=1.4|Luftbild von Burghausen und der Burg zu Burghausen

Die Stadtgemeinde hat 34 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt die Gemarkungen Burghausen, Holzfelder Forst und Raitenhaslach.

Geschichte

mini|Blick auf Burghausen von Süden, Lithographie von Joseph Lutzenberger 1862 mini|Ostansicht des Altstadtbereiches mini|Burghausens Altstadt bei Nacht mini|Hauptburg und südliche Altstadt (2007) mini|Hauptburg, vom 2. Burghof mini|Der Stadtplatz von Burghausen, Westseite, im Hintergrund Teile der Burg (2009)

Das Stadtbild ist heute im Wesentlichen durch zwei entscheidende Entwicklungsphasen geprägt: zum einen durch die Bedeutung als Residenzstadt im Spätmittelalter, zum anderen durch die zu Beginn des 20. Jahrhunderts einsetzende Industrialisierung der Stadt als Teil des Bayerischen Chemiedreiecks. Die Burg zu Burghausen und die mittelalterliche Altstadt sind in großen Teilen erhalten, und in Richtung Norden und Westen haben sich seit den 1910er Jahren moderne Industrie-, Gewerbe- und Wohngebiete als Neustadt auf ehemals land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen ausgebreitet.

Frühzeit Ein genaues Gründungsdatum Burghausens ist nicht bekannt, offenbar ist der Ort schon seit Jahrtausenden besiedelt. Grabungen in vergangenen Jahren, besonders von 2002 bis 2004 auf dem Gelände der Burg, brachten eine Reihe von Relikten aus der Bronze- und Eisenzeit zu Tage. Schon früher wurden keltische Fibelteile und römische Münzen aus mehreren Jahrhunderten entdeckt.

Mittelalter Zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert bestand am Flussufer der Salzach unterhalb der Burg, im Bereich der heutigen Altstadt, wahrscheinlich eine kleine Siedlung als Zollstätte.

Aus dem Jahr 1025 stammt die älteste bis heute überlieferte Erwähnung Burghausens in schriftlicher Form. In diesem Jahr wurde die Stadt in einer Urkunde als Reichsgut genannt, als der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Konrad II. die Grafen von Burghausen zur Verwaltung des Fiskalgutes einsetzte. Mit dem Tod Gebhards II. starb dieses Adelsgeschlecht im Jahr 1168 aus und Herzog Heinrich der Löwe aus dem Adelsgeschlecht der Welfen, der zu diesem Zeitpunkt als Heinrich III. Herzog von Sachsen und als Heinrich XII. zugleich Herzog von Bayern war, nahm die Stadt für wenige Jahre in seinen Besitz.

Nach der Entmachtung Heinrichs des Löwen 1180 ging die schon stadtähnliche Siedlung für am Ende mehr als 700 Jahre in den Herrschaftsbereich der Wittelsbacher über. Die Verleihung der Stadtrechte wird auf einen Zeitpunkt kurz nach 1180 vermutet, ist aber nicht durch Quellen belegbar. Ab 1255, nach der ersten Teilung Bayerns, nahm Burghausen einen politischen und wirtschaftlichen Aufschwung als zweite Residenz der niederbayerischen Herzöge. Die wichtigste Einnahmequelle war der Handel mit Salz aus Hallein, das in Burghausen angelandet, verzollt und dann auf dem Landweg weiter transportiert wurde. Anlegestelle war das heute als Seminar- und Veranstaltungsgebäude genutzte Mautnerschloss.

Im Jahr 1307 wurde das bestehende präurbane Recht der mittelalterlichen Kommune als Stadtrecht kodifiziert.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 449–454. In der 1. Hälfte des 14. Jh. verlieh Kaiser Ludwig der Bayer der Stadt mehrere wichtige Privilegien. Ende des 14. Jahrhunderts dann wurde Burghausen Verwaltungsmittelpunkt, zunächst als Vitztum. Besonders unter den drei letzten niederbayerischen Herzögen Heinrich, Ludwig und Georg, genannt die Reichen, erlebte ihre Geburtsstadt Burghausen zwischen 1393 und 1503 eine Blüte- und Glanzzeit, die das Stadtbild bis heute prägt.

Frühe Neuzeit Nach dem Landshuter Erbfolgekrieg erhielt Burghausen 1507 eines der vier Rentämter im neu geordneten Bayern. 1527 erscheint als Pfarrherr von Burghausen Christoph Langenmantel, 1518 Fluchthelfer Martin Luthers aus Augsburg. Als Burghauser Pfarrer erhielt er, auf ausdrücklichen Wunsch Herzog Wilhelm IV., zusätzlich die Pfarrei Feichten an der Alz, da er sich „in Italien und Bayern vielfach verdient gemacht“ habe.Joseph Klämpfl: Topographisch-historische Beschreibung der Pfarrei Feichten. In: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte, Band 14, München, 1852, S. 251; (Digitalisat)

Einen erheblichen Einschnitt für die Stadt bedeutete der Verlust der Einnahmen aus dem Salzhandel durch die Errichtung des herzoglichen Salzmonopols im Jahr 1594 im Zuge der Finanzkrise unter Wilhelm V. Im Wesentlichen dadurch bedingt erlebte Burghausen einen mehr als 300 Jahre anhaltenden administrativen und wirtschaftlichen Bedeutungsverlust. Die vielen kriegerischen Auseinandersetzungen der folgenden Jahrhunderte wie etwa der Dreißigjährige Krieg (1618–1648), eine Reihe von Erbfolgekriegen (1701–1714 und 1740–1745) und die Napoleonischen Kriege (1792–1815) brachten auch über Burghausen und seine Umgebung große Not. Bereits im Jahr 1763 war Burghausen im Zusammenhang mit der Vielzahl von kriegerischen Auseinandersetzungen zur Garnison ernannt worden.

Als Resultat des Bayerischen Erbfolgekriegs von 1778/79 und dem anschließenden Frieden von Teschen wurden Österreich von Passau im Norden bis Salzburg im Süden alle Gebiete östlich der Salzach und des Inns zugesprochen. Die Salzach wurde damit zum Grenzfluss zwischen dem Kurfürstentum Bayern und Österreich ob der Enns. Mit dem Verlust des Innviertels wurde Burghausen zur Grenzstadt und verlor damit auch sein östliches wirtschaftliches Hinterland.

19. Jahrhundert Während der napoleonischen Besatzung wurden in den Jahren 1800 und 1801 alle nördlichen Außenwerke der Burg durch französische Truppen unter Marschall Michel Ney abgerissen. Die Reformen des bayerischen Ministers Maximilian von Montgelas führten 1802 zur Auflösung der Regierung, 1807 wurde der Titel Hauptstadt aberkannt. Ab 1807 gehörte jedoch das Innviertel für neun Jahre wieder zu Bayern. 1808 wurde Burghausen dann kurzzeitig doch wieder somit Hauptstadt des neugeschaffenen Salzachkreises, bis der Sitz der Regierung 1810 nach Salzburg verlegt wurde. Danach setzte sich der Bedeutungsverlust von Burghausen fort.

Von 1849 bis 1862 gründete der umtriebige Kunstmaler, Landrichter und Mäzen Georg Wiesend in der Stadt einige soziale Einrichtungen, darunter ein Armen- und Krankenhaus, leitete archäologische Ausgrabungen und kümmerte sich um die Renovierung der Hedwigskapelle auf der Burghauser Burg und den Neubau der Kapelle zu Ehren der Wilgefortis auf dem nahe gelegenen Hechenberg. Damit wollte er die aus seiner Sicht unrühmliche Rolle seines Vorgängers Franz Graf von Armansperg während der Säkularisation sühnen, als kunsthistorisch wertvolles Kirchengut rabiat versteigert worden war. 1891 zog dann die Garnison aus Burghausen ab, und auch die Flussschifffahrt wurde bis zum Ende des 19. Jahrhunderts endgültig eingestellt, weil sie nicht mehr rentabel war.

20. und 21. Jahrhundert Um 1900 war Burghausen eine Landstadt mit etwa 2.500 Einwohnern. Mit der Anbindung an das Schienennetz im Jahr 1897 und der Niederlassung der Dr. Alexander Wacker Gesellschaft für elektrochemische Industrie K.G. (1915), heute Wacker Chemie AG, setzte dann ein erneuter wirtschaftlicher Aufschwung ein. Ausgehend von Arbeitersiedlungen in der Nähe der Industrieanlagen (in der Wackerstraße, heute unter Denkmalschutz) entstand in den folgenden Jahrzehnten die Neustadt, während Altstadt und Burg in großen Teilen erhalten blieben. Im Jahr 1966 errichtete die damalige Deutsche Marathon in unmittelbarer Nachbarschaft zur Wacker-Chemie eine neue Raffinerie mit direktem Anschluss an die Transalpine Ölleitung. Heute ist die Raffinerie Teil des Konzerns OMV. Die Altstadt wurde ab Ende der 1960er Jahre saniert und durch den Bau des Hochwasserschutzdammes und der Uferstraße (1969/71) vor den jährlichen Hochwassern der Salzach gesichert. Zwar wurden im Rahmen dieser Maßnahmen eine Reihe erhaltenswerter Gebäude abgerissen (z. B. Pferdestall und Bad beim Mautnerschloss, Lohnerbräu, mehrere Wohnhäuser usw.), grundsätzlich aber hatte sich der Sanierungsgedanke gegen die Idee eines großflächigen Abrisses der Altstadt im Burghauser Stadtrat knapp durchgesetzt. Die Einwohnerzahl Burghausens stieg von etwa 2.500 (1910) über 5.000 (1946) bis auf über 18.000 am Ende des 20. Jahrhunderts.

Am 1. Januar 1978 wurde die angrenzende Gemeinde Raitenhaslach im Zuge der Gebietsreform in Bayern aufgelöst und ein kleinerer Gebietsteil in die Gemeinde Burgkirchen an der Alz eingegliedert, der Hauptteil mit Raitenhaslach selbst kam zu Burghausen.

Die Stadt entwickelte sich bis zum Ende des 20. Jahrhunderts grenzüberschreitend zum kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum der Region. Der relative Reichtum der Stadt, vor allem bedingt durch die ansässige Industrie, führte ab den 1960er Jahren zu einer Zunahme auch überregional beachteter kultureller Institutionen. Die jährlich stattfindende Internationale Jazzwoche Burghausen etwa bringt seit Ende der 1960er Jahre internationale Jazzgrößen in die Stadt; die Street of Fame in der Altstadt erinnert an besondere Höhepunkte des Jazzfestivals. Von 1995 bis 2014 existierte in Burghausen die Athanor Akademie für Darstellende Kunst mit Hauptsitz auf der Burg. Die Landesgartenschau 2004 lockte fast eine Million Besucher nach Burghausen. 2012 fand gemeinsam mit Oberösterreich die Bayerische Landesausstellung sowohl im Kloster Ranshofen bei Braunau am Inn und im Schloss Mattighofen, beide in Oberösterreich, als auch in der Burg zu Burghausen statt.Mein liebster Feind und Bruder in: FAZ vom 25. Mai 2012, Seite 33

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 16.761 auf 18.701 um 1.940 Einwohner bzw. um 11,6 %.

Politik Stadtrat

Der Stadtrat setzt sich aus dem 1. Bürgermeister und 24 Stadträten zusammen. An der Stadtratswahl am 15. März 2020 nahmen von 14.773 Stimmberechtigten 8.694 an der Wahl teil, das entspricht einer Wahlbeteiligung von 58,9 % (2014: 48,6 %). Dabei kam es zu folgendem Ergebnis: Parteien und Wählergemeinschaften%2026Sitze2026 %2020 Sitze2020 %2014 Sitze2014 SPD SPD Bayern 36,3 8 40,5 10 CSU Christlich Soziale Union 25,2 6 34,8 8 Grüne Bündnis 90/Die Grünen Bayern 19,5 4 10,5 2 UWBUnabhängige Wähler Burghausen e. V. 12,2 3 9,1 3 FDP Freie Demokratische Partei4,425,01 AfD Alternative für Deutschland Bayern 2,5 1 0 – Gesamt 100 24 100 24 Wahlbeteiligung 58,9 % 48,6 % G/V = Gewinn oder Verlust im Vergleich zur Wahl 2014

Bürgermeister Liste der hauptamtlichen Bürgermeister seit 1930 (vor 1930 waren ehrenamtliche Bürgermeister tätig):