Traceroute ist ein österreichisch-amerikanischer Dokumentarfilm von Johannes Grenzfurthner aus dem Jahr 2016. Das autobiografische, essayistische Roadmovie beschäftigt sich mit der Geschichte, Politik und den Auswirkungen der Nerd-Kultur. Grenzfurthner nennt seinen Film eine "persönliche Reise in die unerforschten Tiefen der Nerd-Kultur, ein Reich voller Gefahren, Kreaturen und mehr oder weniger prekärer Arbeitsbedingungen", einen Versuch, "die Geister der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Nerdtums zu verfolgen."
Der Film wurde von der Künstlergruppe monochrom und Reisenbauer Film koproduziert.
Er enthält Musik von Kasson Crooker, Hans Nieswandt und vielen anderen.
Konzept
Der Künstler und selbsternannte Nerd Johannes Grenzfurthner dokumentiert seine persönliche Reise von der Westküste zur Ostküste der Vereinigten Staaten, um dem Publikum Orte und Menschen vorzustellen, die seine Kunst und Politik geprägt und inspiriert haben. Traceroute ist eine Reflexion über Grenzfurthners eigene Wurzeln als Nerd und On the Road Style-Herumtoben durch die Vereinigten Staaten, während er Ikonen der Gegenkultur, des Outré und des allgemein Fragwürdigen besucht". Grenzfurthner fasst das Konzept in einem Interview für Boing Boing zusammen:
Auf Film Threat fügt er hinzu: „Es war mir wichtig, das Nerddom auseinander zu nehmen, nicht nur zu analysieren, sondern auch sein Potenzial für Größe auszuschöpfen.“
Ästhetik
Der Film vereint Kunst und Illustrationen von James Brothwell, Bonni Rambatan, Michael Marrak, Karin Frank, Ben Lawson, Michael Zeltner, Josh Ellingson und eSeL in einer filmischen Collage, die von der Fanzine- und Punkästhetik der 90er Jahre, der BBS-Kultur, der ANSI-Kunst und fantastischer Kunst inspiriert ist.Review in „Press Play“ von Marco Rauch, 14. März 2016 Hannah Sayer von der UK Film Review fasst den künstlerischen Stil des Films in ihrer Review zusammen:Review von Traceroute in UK Film Review, 9. Mai 2016
Interviews
Traceroute bietet Interviews mit Matt Winston, Sandy Stone, Bruce Sterling, Jason Scott, Christina Agapakis, Trevor Paglen, Ryan Finnigan, Kit Stubbs, V. Vale, Sean Bonner, Allison Cameron, Josh Ellingson, Maggie Mayhem, Paolo Pedercini, Steve Tolin, Dan Wilcox, Jon Lebkowsky, Jan „Varka“ Mulders (von Bad Dragon), Adam Flynn, Abie Hadjitarkhani, Kelly Poots und einige besondere Gastauftritte (z. B. National-Park-Service-Sprecherin Vickie Carson, Hacker Nick Farr und Kulturkurator Scott Beale).
Metronaut schreibt dazu: „Traceroute gibt Einblicke in die Welt von Nerds. Eine Frau, die Bakterienstämme von Schweißfüßen mit dem gut gereifter Käse vergleicht – und Ähnlichkeiten findet. Ein Mensch, der ein riesiges unabhängiges Netz von Geigerzählern installieren will. Oder in die Geschichte einer Sexworkerin, die sich selbst als Nerd bezeichnet. Die Vielgestaltigkeit der Themen und interviewten Menschen zeigt, dass Nerd sein nicht zwangsläufig mit Computern und Programmieren zu tun haben muss.“
Produktion mini|Traceroute: Johannes Grenzfurthner und Matt Winston sprechen über Stan Winston und Spezialeffekte.
Drehbuch
Grenzfurthner führte 2014 am Wiener Rabenhof Theater eine Stand-up-Show mit dem Titel Schicksalsjahre eines Nerds auf. Teile dieser Show bilden die Grundlage von Traceroute. Das Skript, obwohl viele Szenen und Interviews improvisiert wurden, wurde von Johannes Grenzfurthner geschrieben. Die Hauptsprache des Films ist Englisch, bietet aber Archivmaterial in deutscher Sprache.
Dreharbeiten
Die Dreharbeiten begann am 5. März 2015 und endete am 27. März 2015. Der Film kann aufgrund seines geringen Budgets als micro filmmaking und Guerilla filmmaking betrachtet werden.
Sounddesign
Daniel Hasibar und Christian Staudacher entwarfen das Sounddesign und die Audiolandschaft, die Grenzfurthners Erzählung zugrunde liegen.
Musik
Der Soundtrack des Films beinhaltet Musik von Peter Barnett, Kasson Crooker, Damien Di Fede, Matthew Huffaker, Brady Leo, Vera Lynn, Kevin MacLeod, Hans Nieswandt, Roger Sandega, Eric Skiff, u. a.
Vertrieb
Die Weltpremiere des Films fand am 28. April 2016 auf dem NYC Independent Film Festival statt. Die Europa-Premiere fand am 13. Mai 2016 im Rahmen des DOK.fest München statt. Verschiedene Filmfestivals und Kongresse (wie Hackers on Planet Earth 2016, Gen Con 2016, das European Media Arts Festival 2016 in Osnabrück, die Dutch Design Week 2016, das NRW-Forum Düsseldorf 2016, das Print Screen Festival 2016 in Tel Aviv, das FrackFest 2016, das Norwich Radical Film Festival, der Chaos Communication Congress 2016, das Guangzhou International Documentary Film Festival 2016) haben den Film gezeigt.Liste der Screenings auf der Homepage von Traceroute
Der Film hatte 2016 einen Kinostart in Österreich.
Traceroute wurde am 21. März 2017 digital veröffentlicht.
Kritik
Fortsetzung
In einem Interview mit Chris Gore von Film Threat diskutierte Johannes Grenzfurthner 2016 die Möglichkeit einer Fortsetzung, einer Reise zu Destinationen in Osteuropa, mit dem Ziel, von Wien zum Baikonur-Kosmodrom zu fahren. Grenzfurthner änderte das Konzept und schuf den Film Glossary of Broken Dreams (2018), den er für eine lose Fortsetzung oder Nachfolge hält.
Auszeichnungen (Auswahl)
Award of Merit, Accolade Global Film Competition, 2016 Best Documentary Feature Film, Subversive Film Awards (Los Angeles), 2016 Best Feature Documentary, DITR Film Festival (Cupertino), 2016 Best Documentary, Celludroid Film Festival (Kapstadt) 2016
Weblinks
Offizielle Webseite des Films
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2016 Kategorie:Monochrom (Gruppe) Kategorie:Österreichischer Film Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Dokumentarfilm