mini|Ort und Burg Hiltpoltstein mini|Spätottonische Scheibenfibel mit Emaileinlagen. Burg Hiltpoltstein ist im Kern eine hochmittelalterliche Adelsburg aus dem 11. oder 12. Jahrhundert, die in der Ortsmitte des Marktes Hiltpoltstein im oberfränkischen Landkreis Forchheim in Bayern steht. Die heutige Gestalt der dreiflügeligen Anlage geht auf Erneuerungen am Ende des 16. Jahrhunderts zurück.
Lage Die Gipfelburg steht auf einem Dolomitfelsen () und bildet den Kern der Ortschaft Hiltpoltstein (). Bei dem etwa 20 Meter aufragenden Felsen handelt es sich – wie meist in der Fränkischen Schweiz – um Reste eines fossilen Schwammriffs aus dem Weißen Jura. In der Nähe befinden sich weitere Gipfelburgen, die auf exponierten Felsen gebaut sind: in östlicher Richtung die Burgruine Wildenfels und der Burgstall Strahlenfels, nordöstlich die Burgruine Stierberg, im Norden die Burgruine Wolfsberg und Burg Egloffstein.
Architektur der Burganlage mini|Kupferstich, Johann Alexander Böner, 1696 Unterhalb der Burg steht auf einem Plateau das Pflegschloss (Nordflügel, Am Schlosshof 4, gebaut im Jahre 1622), in dem sich bis ins Jahr 1806 die Amts- und Gerichtsräume des Pflegamtes Hiltpoltstein befanden. Der Innenhof wird durch die Tordurchfahrt betreten, hierbei zeigt sich ein zweiter, dem Burgfelsen vorgelagerter Ostflügel. Dieser „Neuebau“ (vgl. Kupferstich von Johann Alexander Böner) mit Südgiebel wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts angefügt, dort befand sich im ersten Obergeschoss die Wohnung des Pflegers. Das gegenüber liegende Haus mit Satteldach aus dem frühen 17. Jahrhundert (Am Schlosshof 6) wurde auf einem Kupferstich irrtümlich als „Neues Schloss“ bezeichnet,Christoph Melchior und Matthäus Roth: Prospecte aller Nürnbergischen Stædtlein, Markt-Flecken, und Pfarr-Dörffern, accurat abgezeichnet von M. G. Lampferdtinger. Christoph Melchior Roth, iny. del et sculps. Nürnberg, 1760 diesen Beinamen hat jedoch das Pflegschloss als Pendant zum „Alten Schloss“ (der mittelalterlichen Burg). Nach Südwesten war der Schlosshof durch einen niedrigen Anbau am Chor der Matthäuskirche begrenzt. Auf Kupferstichen von 1696 und 1699 ist die südliche Umfriedung des Kirch- und Schlosshofs aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges zu erkennen. Später wurde diese Ummauerung entfernt, seit dem 19. Jahrhundert steht hier ein Wohnhaus (Am Schlosshof 8).
Der einzige Weg zur Burg führt durch das Tor im Neubau des Pflegschlosses. Ein Durchgang, der nach Süden hin mehrere Schießscharten und Rauchabzugslöcher aufweist, führt rechterhand ebenerdig zum Marstall. Das nach Süden ausgerichtete Gebäude mit Walmdach wurde zuletzt 1712 umgebaut, wovon die Jahreszahl über dem Eingang zeugt. Die Halle für Pferde und Kutschen ist mit einem Kreuzgratgewölbe mit Rahmenstuck ausgestattet. Der in gerader Richtung beginnende Aufstieg zur Burg führt nach dem ersten Treppenabsatz auf eine ebene Fläche. Von dort führt ein Abgang zum etwas tiefer gelegenen Zwinger, während sich der Burgaufstieg nach links über weitere Treppenstufen fortsetzt.
Die Gipfelburg lässt sich nur über einen sechseckigen Treppenturm erreichen, der nach 1595 errichtet wurde. Eine 35-stufige Wendeltreppe im Turm endete bis etwa zum Jahr 1800 an einer Zugbrücke, die den Treppenturm oben mit dem Südflügel der Burg verband. Als die Zugbrücke wegen Baufälligkeit unpassierbar war, wurde 1807 ein fester hölzernen Laufsteg eingerichtet.Rst. Nbg., Rentkammer Akte Nr. 2051 (Gutachten 1807) Dieser verbindet bis heute Treppenturm und Südflügel, an den Seiten sind noch die Laufrinnen der Ketten von der vormaligen Zugbrücke zu erkennen.
Die dreiflügelige Anlage zeigt auf der offenen Nordseite die Giebel von Ost- und Westflügel mit einem Hof. Der Südflügel bildet mit Ost- und Westflügel eine geschlossene Außenmauer. Bis auf welche Höhe die staufischen Grundmauern unverändert erhalten geblieben sind, ist bislang nicht erforscht. Das Kreuzgratgewölbe der ehemaligen Burgkapelle, im Südflügel ebenerdig auf Höhe des Burghofes weist auf den Ausbau dieses Burgteils im 15. Jahrhundert hin. Das Gewölbe umfasst den Durchgang vom Treppenturm in den Hof und den heutigen, durch eine später eingezogene Zwischenmauer verkleinerten Kapellenraum.
Ein Zustandsbericht von 1553 erwähnt drei Kemenaten in der Burg.Joachim Zeune: Hiltpoltstein, Lkr. Forchheim. In: Björn-Uwe Abels, Joachim Zeune, u. a.: Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland, Band 20: Fränkische Schweiz. Konrad Theiss Verlag GmbH und Co., Stuttgart 1990, ISBN 3-8062-0586-8, S. 176–177. Die heutige Gestalt von Ost- und Westflügel mit Halbwalmdächern geht auf Erneuerungen um 1595 zurück. Die Innenräume wurden danach wiederholt dem Zeitgeschmack angepasst, so sind 1728 florale Ausmalungen des Saals im Ostflügel erfolgt.
Im nach Norden offenen Hof befinden sich die Fundamente des achteckigen Bergfrieds mit etwa 9,30 Meter Durchmesser. Der 1595 gebaute Turm brannte bereits im Jahre 1611 durch einen Blitzschlag vollständig aus und wurde daraufhin bis auf Höhe einer Verbindung zum ersten Geschoss des Ostflügels abgetragen. Der verbliebene, zunächst noch eingeschossige Stumpf ist auf einer Federzeichnung aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges überliefert.Alberti 2009, S. 40 Später verfiel er weiter. Die verbliebenen Mauersteine des Turms wurden bei der Sanierung in den 1960er Jahren auf etwa einen Meter Höhe wieder errichtet. Ein ebenfalls etwa ein Meter hoher Schacht im Hof, unterhalb der Dachtraufe zwischen Süd- und Westflügel, diente als Einlauf des Regenwassers in die Zisterne, die durch einen großen Hohlraum im Burgfels gebildet wird. Das Baugutachten von 1807 erwähnt, dass die Zisterne noch in der Zeit um 1800 als Trinkwasserspeicher von Bedeutung war. Seit dem Verfall der Burg in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die Zisterne mit Schutt verfüllt, der bis heute nicht ausgeräumt wurde.
Geschichte der Burg miniatur|Markt und Burg Hiltpoltstein, Lithografie (um 1840) von Theodor Rothbarth nach einer Zeichnung von Carl Käppel miniatur|Burg Hiltpoltstein
Archäologie und baugeschichtliche Forschungen Über die Bebauung des Burgfelsens gibt es bislang keine Hinweise vor der ersten authentischen Nennung Hiltpoltsteins in der Urkunde von 1139. Es gibt jedoch einen älteren Bodenfund: Bei der Sanierung der Burg Ende der 1960er Jahre wurde eine spätottonischeDas Stück wurde irrtümlich zunächst als karolingisch eingestuft, siehe: Hans Losert: Eine Scheibenfibel mit Grubenemail aus Hiltpoltstein. Landkreis Forchheim, Oberfranken. In: Das archäologische Jahr in Bayern 1987. Stuttgart 1988, S. 154–155. Scheibenfibel aus Bronze gefunden, die stilistisch in das ausgehende 10. oder frühe 11. Jahrhundert datiert.Mechthild Schulze-Dörrlamm: Kreuze mit herzförmigen Armen. Die Bedeutung eines Ziermotivs für die Feinchronologie emaillierter Bronzefibeln des Hochmittelalters. In: Archäologisches Korrespondenzblatt 18, 1988, S. 407–415. Sie entstammt mit hoher Wahrscheinlichkeit der Werkstatt des Egbert von Trier. Da die Verzierung der Fibel mit dem Beginn der Salierzeit (ab 1024) schnell aus der Mode kam, erfolgte ihre Einlagerung auf dem Plateau des Zwingers vermutlich bis etwa zu dieser Zeit. Die Fibel ist heute Teil der Dauerausstellung im Fränkische Schweiz-Museum in Tüchersfeld. Der Fund lässt jedoch keine Schlussfolgerung einer Bebauung zu, zumal andere Siedlungsgegenstände wie Tonscherben aus dieser Zeit fehlen. Tausende von Tonscherben, die bei der Sanierung in den 1960er Jahren im Hof und den Bodenschichten des Zwingers geborgen wurden, stammen zum kleineren Teil aus dem Spätmittelalter (ca. 1250 bis 1500), zum Großteil jedoch aus der Gründungszeit des nürnbergischen Pflegamtes, das heißt aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Hochmittelalterliche Töpferware ist hingegen nur mit einzelnen Scherben vertreten, wovon die frühesten aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammen. Sicher belegt ist die Befestigung damit erst zur Zeit der Staufer. Baugeschichtliche beziehungsweise radiometrische Untersuchungen der Grundmauern gibt es bislang nicht, als dass sie zu anderen Aussagen führen könnten.
Hochmittelalter und frühes Spätmittelalter (11.–14. Jahrhundert) Das erste Erscheinen von Burg und Ort Hiltpoltstein steht mit dem um das Jahr 1100 gegründeten Kloster Weißenohe in Verbindung,Hubert Pöppel: Zur frühen Geschichte des Ortes und Klosters Weißenohe. In: Bericht des Historischen Vereins Bamberg, 149, 2013, S. 93–136. da die Burg als Sitz des zugehörigen Vogtes angenommen wird.Alberti 2009, S. 11 Eine Abschrift der Päpstlichen Bulle von Papst Paschalis II. zu den Besitztümern des Klosters Weißenohe stammt aus dem Jahre 1109. Sie befindet sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek. Erst zwei um 1150 erstellte Abschriften in den Archiven Bamberg und Amberg enthalten in der Auflistung der klösterlichen Besitztümer auch die neuen Erwerbungen bis zum Zeitpunkt der Abschrift, darunter „Hilteboldesdorf cum castro“ (wörtlich: Hiltpoldsdorf mit Burg). Dennoch besteht die Möglichkeit, dass die Burg Hiltpoltstein bereits vorher bestand, aber erst nach 1109 in den Besitz von Kloster Weißenohe gelangt ist.Georg Adam Huber: Geschichte des Klosters und der Pfarrei Weißenohe. In: Josef Pöppel: Weißenohe: Zur Geschichte von Kloster und Pfarrei. 2013, S. 119–121, ISBN 3-7322-3580-7 Die in Amberg erhaltene Urkunde enthält eine nachgeahmte päpstliche Unterschrift mit dem originalen päpstlichen Siegel.Karl Theodor Lauter: Weißenoher Urkundenfälschungen. In: Archivalische Zeitschrift 39, 1930, S. 226–259Alberti 2009, S. 12–13
mini| Der Ortsname ist erstmals 1139 mit der Erwähnung von „Odalricus quidam de Hilteboldestein“ („ein gewisser Ulrich von Hiltpoltstein“) in einer Urkunde des Bamberger Klosters Michelsberg verbürgt. Der Ministeriale Hiltpold in Verbindung mit dem „Stein“ steht dabei für einen befestigten Amtssitz. Das Reichsministerialengeschlecht von Hiltpoltstein-Rothenberg mit dem Leitnamen „Hiltpold“ wird in zahlreichen weiteren Urkunden bis zum Ende des 13. Jahrhunderts genannt. 1188 gelangten Ort und Burg an das Geschlecht der Staufer, die denselben Ministerialen beibehielten. Ab 1246 werden die drei von ihm verwalteten Herrensitze – der Vorgänger der Wenzelburg in Lauf, die Burg Rothenberg (auf dem Alten Rothenberg) und Burg Hiltpoltstein – als Wechselname geführt. So nennt sich der Ministeriale 1251 „Hilteboldus de Hilteboldestein“ und schon 1254 „Hiltepoldus de Rotenberge“. Der letzte legitime Staufer Konradin übertrug die Lehens- und Erbgüter im Nordgau für den Fall des Todes an den bayerischen Herzog Ludwig den Strengen. Im Zuge des staufischen Erbfalls wurde die Reichsburg Hiltpoltstein 1268 von den bayerischen Herzögen aus dem Haus Wittelsbach übernommen. 1275 war Hiltpoltstein bereits Sitz eines herzoglich-bayerischen Amtes, das neun Orte umfasste.Robert Giersch, Andreas Schlunk, Berthold von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. Ein historisches Handbuch. Lauf an der Pegnitz 2006, S. 195–198. Die bisherigen Reichsministerialen blieben zunächst im Amt; der letzte Hiltpold starb 1276.Gustav Voit: Der Adel an der Pegnitz 1100–1400. (= Freie Schriftenfolge der Gesellschaft für Familienforschung in Franken. Band 20). Kommissionsverlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1979, S. 221–224 Das Reichsministerialengeschlecht der Hiltpoltstein-Lauf-Rothenberger erlosch 1285 durch Heirat der Erbtochter des letzten Hiltpold mit Dietrich von Wildenstein. Dieser ließ sich zunächst noch auf der alten Burg Rothenberg nieder, bevor er im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts die Festung Rothenberg bei Schnaittach bauen ließ.