Der Panzer, abgeleitet vom mittelhochdeutschen Begriff Panzer und dem altfranzösischen Begriff panciere (als Bezeichnung für bauchbedeckende Teile einer Rüstung), ist ein Kampffahrzeug, das durch Panzerung gegen Beschuss geschützt ist. Die Bezeichnung ist eine Kürzung des ursprünglichen Begriffes „Panzerkampfwagen“ und steht für meist durch Gleisketten beweglich gemachte und üblicherweise bewaffnete Militärfahrzeuge. Darunter fallen Kampfpanzer, die mit einem drehbaren Geschützturm ausgestattet sind, aber auch verschiedene leicht- oder unbewaffnete gepanzerte Fahrzeuge, die Unterstützungsaufgaben im Gefecht erfüllen sollen. Beispiele hierfür sind der Transport von Material oder Personen, das Verlegen mobiler Brücken (Brückenlegepanzer) oder das Räumen von Minenfeldern.

Je nach Fahrwerksart unterscheidet man bei heutigen Modellen außerdem zwischen Kettenfahrzeugen und Radpanzern. Im Zweiten Weltkrieg wurden einige Panzer als Halbkettenfahrzeug gebaut, die lenkbare Vorderachse hatte Räder. Bei diesen Modellen erfolgte die Lenkung über die zwei Vorderräder und die Übertragung der Motorkraft auf den Boden mit zwei Ketten.

Die charakteristischen Eigenschaften eines Panzers sind der Panzerschutz, Geländegängigkeit (Beweglichkeit sowie Geschwindigkeit) und Feuerkraft. Zwischen deren Ausprägungen müssen die Besteller und die Konstrukteure eines Panzers einen Kompromiss finden.vgl. Cohen, Eliot: Technology and Warfare. In: Baylis, John u. a.: Strategy in the Contemporary World. 2. Auflage. Oxford University Press, Oxford 2007, S. 144. Die Panzerung besteht meist aus Panzerstahl, zum Teil in Kombination mit Keramik- und Faserverbundkunststoffschichten. Die meisten Panzer haben heute leistungsstarke Dieselmotoren; der US-Panzer M1 Abrams hat eine Gasturbine. Das Rad- oder Kettenlaufwerk wird so konzipiert und dimensioniert, dass die vom Besteller geforderte Geländegängigkeit erreicht wird. Es gab oder gibt Panzer mit Sonderausstattungen (zum Beispiel umfangreiche Sensorik zur Aufklärung oder Panzer mit ABC-Schutz; siehe auch Panzer des Kalten Krieges).

Das Kampf- beziehungsweise Gefechtsgewicht setzt sich aus dem Leergewicht und dem Gewicht von Munition, Treibstoff, Besatzung u. ä. zusammen. mini|Deutscher Kampfpanzer Leopard 2A5 (2002) mini|Sowjetische T-72-Panzer (1983) mini|Transportpanzer am belgischen Nationalfeiertag 2011

Begriffe Bis in die 1930er-Jahre war der im englischsprachigen und im russischsprachigen Raum übliche Begriff Tank auch in deutschsprachigen Ländern üblich. Der deutsche Militärwissenschaftler George Soldan schrieb rund zehn Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs:

mini|M103A1: Fahrer (1), Richtschütze (2), Ladeschützen (3+4), Kommandant (5) Selbst in den britischen Fabriken, in denen Teile für die ersten Panzer hergestellt wurden, herrschte die Verschleierung durch das Wort Tank: Die Arbeiter sollten tatsächlich denken, sie würden große Wassertanks bauen. Panzer waren eine technische Neuentwicklung, die die Militärs so lange wie möglich geheim halten wollten.

In Schweden und Norwegen werden Panzerfahrzeuge stridsvagn/stridsvogn (wörtlich übersetzt Streitwagen) genannt. Ebenso das Französische char de combat und der israelische Merkava.

Panzerbesatzungen können aus Kommandant, Fahrer, Richtschütze, Ladeschütze, Funker, MG-Schütze und aufgesessener Infanterie, wie Panzergrenadieren in Schützenpanzern, bestehen. Dabei können Soldaten je nach Modell auch zwei Funktionen wahrnehmen oder Funktionen entfallen.

Typen mini|Panzerhaubitze M109 mini|Bergepanzer Büffel mini|Spähpanzer Luchs Panzerfahrzeuge können nach verschiedenen Gesichtspunkten kategorisiert werden. Gebräuchlich sind Einsatzzweck, Gewicht und Antriebsart.

Noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg kategorisierten viele Armeen nach Gewicht in leichte, mittlere, schwere und überschwere Panzerzum Beispiel der 188 t schwere Panzerkampfwagen VIII Maus.. Die Gewichtsklassen in den Armeen unterschieden sich und wurden dem Stand der Technik angepasst; sie sind deshalb nicht miteinander vergleichbar.Development of Armored Vehicles, Volume 1, Tanks, AGF Board No. 2, Fort Knox, 1. September 1947, S. 3 (books.google.de).

Nachfolgend wurden Panzer nach ihrem Einsatzzweck kategorisiert, wobei einige Kategorien nicht fortbestanden, wie z. B. die Unterscheidung von Kampfpanzern in schwere Panzer oder Infanteriepanzer, im Weiteren auch Schützenpanzer und Schützenpanzerwagen. Der Begriff Transportpanzer wandelte sich von einem Kettenfahrzeug zu einem Radpanzer. Eine Zuordnung ist manchmal auch deshalb schwierig, weil Panzer mehrmals modifiziert / kampfwertgesteigert wurden oder in ursprünglich nicht vorgesehenen Funktionen erfolgreich waren. So kann das Sturmgeschütz III der Wehrmacht auch als Jagdpanzer kategorisiert werden, obwohl es als Panzerhaubitze der Panzerartillerie zur unmittelbaren Feuerunterstützung konzipiert wurde.

Die schweren Panzer bzw. nicht realisierte Panzerprojekte wurden in der Anfangszeit des Panzerbaus auch Landkreuzer oder Landschlachtschiffe genannt.Birgit Buschmann: Unternehmenspolitik in der Kriegswirtschaft und in der Inflation: die Daimler-Motoren-Gesellschaft 1914–1923. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07318-3, S. 39 (books.google.de).Porsche: Mann und Maus. In: Der Spiegel, 11/1976 (spiegel.de).

Grundsätzlich unterscheidet man Kampfpanzer und Unterstützungspanzer (wie Bergepanzer und Pionierpanzer). Letztere sind wie Kampfpanzer gepanzert und beweglich, um diesen im Gefecht folgen zu können; sie haben aber keine Hauptwaffe und sind gar nicht oder nur mit Maschinengewehren zur Selbstverteidigung bewaffnet.

Gepanzerte Fahrzeuge wurden und werden für verschiedene Zwecke entwickelt und modifiziert. Mögliche Verwendungen waren und sind:

Bergepanzer: meist unbewaffneter Panzer mit Kränen und starken Winden zur Bergung und Reparatur von beschädigten und stecken oder liegen gebliebenen schweren Fahrzeugen aus Gebieten, in denen mit Feindbeschuss gerechnet werden muss (z. B. Bergepanzer Büffel) Brückenlegepanzer: meist unbewaffnete Fahrzeuge, die es ermöglichen, Flüsse und Gräben unter Feindfeuer passierbar zu machen (z. B. Biber) Fahrschulpanzer: zur Ausbildung von Panzerfahrern Flammpanzer: Panzer zur Bunkerbekämpfung, der als Hauptwaffe mit einem Flammenwerfer ausgestattet ist. Flugabwehrpanzer: mit Flugabwehrgeschützen als Flugabwehrkanonenpanzer (z. B. Gepard) oder -flugkörpern als Flugabwehrraketenpanzer (z. B. Roland) gegen tief fliegende Objekte ausgestattet Führungspanzer: mit Sensor- und Kommunikationstechnik bestückte Fahrzeuge, meist auf Basis eines Transportpanzers (z. B. Lynx) Infanteriepanzer: Kampfpanzer mit geringer Motorleistung und Geschwindigkeit, mit einer auf den Erdkampf, zur direkten Unterstützung der Infanterie, ausgelegten Bewaffnung (z. B. Mark I), deren Rolle seit dem Zweiten Weltkrieg von Kampf-, Schützen- und Artilleriepanzern übernommen wurde Jagdpanzer: auf die Bekämpfung anderer Panzer optimierte Panzer, meist mit niedriger Silhouette (ohne Turm) und mit starker Kanone oder Flugkörperbewaffnung. Auftreten während und nach dem Zweiten Weltkrieg (z. B. Jagdpanzer 38(t)). Seitdem wird die Rolle von leichten Panzerjäger-Fahrzeugen, Schützenpanzern sowie Kampfhubschraubern eingenommen. Kampfpanzer: optimiert für ein breites Einsatzspektrum zur Unterstützung der Infanterie sowie die Bekämpfung anderer Panzer Landungspanzer: Schwimmpanzer, welche von Schiffen aus über das offene Meer an Land fahren (z. B. AAV7) Luftlandepanzer: von leichten und kleinen Waffenträgerfahrzeug bis zum Kampfpanzer, mit entsprechend schwachem Schutz und Bewaffnung (z. B. Wiesel, M551 Sheridan, BMD (Panzer)). Durch die kompakten Abmessungen und das geringe Gewicht können diese luftverladen bzw. luftverlastet werden. Minenräumpanzer: meist unbewaffnete Fahrzeuge zum Räumen von Landminen, oft Umrüstungen veralteter Kampfpanzer (z. B. Keiler) Minenverlegepanzer: Waffensysteme, bei denen auf einem Kettenfahrgestell ein Minenwurfsystem installiert ist. Panzerhaubitze: Träger von Haubitzen (z. B. Panzerhaubitze 2000) Panzermörser: modifizierte Transport- oder Schützenpanzer, deren Hauptwaffe der Mörser (Granatwerfer) ist. Panzerwagen: Ein nur leicht gepanzertes Fahrzeug basierend auf Personenkraftwagen-Technik. Gilt in der Regel nicht als Panzer. Pionierpanzer: meist unbewaffnete Fahrzeuge zum Ausführen von Planier- und Baggerarbeiten unter Feindfeuer. Sie dienen dem Räumen und Anlegen von Hindernissen und Deckungen (z. B. Dachs). Radaraufklärungspanzer: zum Aufklären des Gefechtsfeldes (z. B. Radaraufklärungspanzer 91-2) Raketenpanzer: zum Transport, eventuellen Aufrichten und Abfeuern von Raketen (z. B. MLRS, M474) Sanitätspanzer: zur Behandlung und schnellem Abtransport von Verletzten (z. B. Piranha Sanitätspanzer) Schützenpanzer: gut geschützter Panzer zum Transport und zur Feuerunterstützung einer Infanteriegruppe, meist nur mit leichter Kanone bewaffnet (z. B. Puma) Schwimmpanzer: zur Aufklärung oder für Landeoperationen an Stränden entwickelte Panzerfahrzeuge, die sich gut über Wasser wie auch über Land bewegen können und somit zu den Amphibienfahrzeugen zählen (z. B. AAV7) Spähpanzer: schnelle, kleine, geräuscharme, weitreichend fernmeldefähige, nur leicht bewaffnete Fahrzeuge, heute meist als Radpanzer ausgeführt (z. B. Luchs) Transportpanzer: höchstens leicht bewaffnete Fahrzeuge mit Platz z. B. für Infanteristen, Verletzte oder Munition und einer Panzerung nur gegen leichte Infanteriewaffen, heute meist als Radpanzer ausgeführt (z. B. Fuchs) Waffenträger: leicht gepanzertes Fahrzeug, welches eine Waffe transportiert als auch direkt abfeuern kann; besteht aus einer Panzerwanne und (in den bekannten Fällen) einem leicht gepanzerten, 360° drehbaren Turm; z. B. Rhm.-Borsig Waffenträger oder Ardelt-Waffenträger

Ähnliche Fahrzeuge haben auch zivile Einsätze, z. B. als gepanzerte Fahrzeuge zum Werttransport oder Personenschutz, Löschpanzer, Rettungspanzer zur Evakuierung von Raumfahrern vom Raketenstartplatz während eines Notfalls Transportpanzer zum Mannschaftstransport andere gepanzerte Sonderwagen bei der Polizei.

Geschichte Anfänge Schon früh in der Kriegsgeschichte wurde versucht, gepanzerte Fahrzeuge zu Kriegszwecken einzusetzen. In der antiken Kriegsführung wurden Streitwagen sowohl für den Fernkampf durch Bogenschützen wie auch für den Nahkampf zum Überrennen feindlicher Linien benutzt. Bei der Belagerung von Festungen wurde der gedeckte, fahrbare Rammbock benutzt. Der Angreifer konnte den Rammbock, vor Pfeilen der Verteidiger geschützt, an die Festungsmauer bringen.

mini|Leonardo da Vincis Entwurf eines Panzers Alle weitergehenden Entwürfe und Versuche, unter anderem von Leonardo da Vinci, scheiterten an dem Problem des Antriebs. Muskelkraft von Mensch oder Tieren war dafür zu schwach. Erst die im 19. Jahrhundert entwickelte Dampfmaschine und der Verbrennungsmotor ermöglichten einen effizienten Antrieb. James Cowan war im Jahr 1855 der erste, der ein militärisches Fahrzeug mit Dampfmaschinenantrieb in Schildkrötenform vorschlug.

Im Jahr 1903 erschien H. G. Wells’ Erzählung The Land Ironclads (etwa „Die Landpanzerschiffe“) im Strand Magazine. In der Geschichte, die in keinem bestimmten Land spielt, geht es um einen Stellungskrieg, in dem keine Bewegung mehr möglich scheint – bis eine Kriegspartei Fahrradkavallerie und landgängige gepanzerte Kriegsmaschinen einsetzt, die die gegnerische Infanterie vernichten und sogar in der Lage sind, breite Schützengräben zu überwinden. Wells entwickelte somit, Jahre bevor der Panzer erfunden wurde, bereits das Konzept dieser modernen Kriegsmaschine. Seine Kriegsmaschinen sind allerdings erheblich größer als es die Panzer dann waren und erinnern eher an kleine, landgängige Panzerkreuzer. Bemerkenswert ist, dass die Schützen in Wells Panzern bereits mit einer Art Joystick arbeiten und über Sichtgeräte mit Zielautomatik verfügen.