mini|Frontispiz der Ausgabe von 1855

( für Große Abhandlung moderner Instrumentation und Orchestrierung) ist eine Abhandlung des französischen Komponisten Hector Berlioz (1803–1869). Diese Instrumentationslehre erschien erstmals 1844 bei Henry Lemoine. Auf Vorschlag von Alexander von Humboldt, den Berlioz im Dezember 1842 in Paris kennengelernt hatte, widmete der Verfasser sein Werk dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. (auf der Titelseite: Fréderic Guillaume IV).

Die Abhandlung erlebte einen unmittelbaren Erfolg und wurde zu Lebzeiten des Verfassers in mehrere Sprachen übersetzt. Hector Berlioz selbst hielt sie für so bedeutend, dass er sie in seinem 1852 publizierten Werkverzeichnis als Opus 10 bezeichnete. 1855 erschien eine zweite Auflage, die um Angaben zum Orchester-Dirigat erweitert wurde.

Inhalt Gliederung Die zweite, erweiterte Auflage von 1855 enthält nach einer Einführung 67 nach Instrumentengruppen geordnete Kapitel:

Thematik Das Werk behandelt Tonumfang und Klangfarben der in der Mitte des 19. Jahrhunderts aktuellen Orchester-Instrumente. Dazu schreibt der Verfasser am Schluss von Kapitel 56:

Dass er die Entdeckung solcher Gesetze für keine leichte Sache gehalten hat, geht aus dem Schlusssatz der Einleitung hervor: „Viel Zeit ist nötig, um die Weltenmeere der Musik aufzufinden, noch viel mehr aber, sie befahren zu lernen.“Grand traité d’instrumentation. New Edition of the Complete Works, Bd. 24. S. XLI.

Im ersten Kapitel seines Grand Traité zieht Berlioz die Grenze zwischen Erlernbarem und Unerlernbarem und behandelt demgemäß die Instrumentationslehre als eine überkommene, Erfahrungen vermittelnde Handwerkslehre, während er die eigentliche Kunst der Instrumentation als der schöpferischen Eingebung zugehörig betrachtet; diese Kunst ist für ihn ein kompositorischer Vorgang. Die Beherrschung der Instrumentationstechnik ist an zwei Voraussetzungen gebunden: einerseits an die Fähigkeit einer inneren Klangvorstellung (Klangfantasie), die bei schöpferischen Künstlern eigene und neue Wege geht; andererseits an die genaue Kenntnis der Instrumente und ihrer klanglichen Möglichkeiten im solistischen wie im kombinierten Zusammenspiel.

Notenbeispiele Das Buch enthält zahlreiche Beispiele von klassischen Partituren, mit Werken von Mozart: Don Giovanni, Die Zauberflöte, Ave verum Beethoven: 5. Klavierkonzert und die Sinfonien Nr. 3–9 Gluck: Iphigénie en Tauride, Orfeo ed Euridice Weber: Der Freischütz, Oberon Spontini: La vestale Méhul Rossini: Wilhelm Tell Meyerbeer: Die Hugenotten, Robert der Teufel Halévy: La Juive Wagner Berlioz selbst: Benvenuto Cellini, La damnation de Faust, Les Troyens, L’enfance du Christ, Harold en Italie, Lélio ou Le retour à la vie, Symphonie fantastique, Te Deum, Requiem

Rezeption Camille Saint-Saëns kommentiert das Werk wie folgt:

Das Werk wurde zu Lebzeiten des Verfassers in mehrere Sprachen übersetzt: Italienisch (Übersetzung von Alberto Mazzucato), Englisch, Spanisch und Deutsch. In dieser Zeit erschienen zwei verschiedene deutsche Ausgaben bei Schlesinger in Berlin (Übersetzung von Johann Christoph Grünbaum) und bei Breitkopf & Härtel in Leipzig. Im deutschen Sprachraum ist das Werk vor allem in der Bearbeitung von Richard Strauss bekannt geworden, der 1905 beim Verlag C. F. Peters in Leipzig eine Fassung unter dem Titel Instrumentationslehre veröffentlichte (siehe Weblinks).

Zu den Komponisten, die sich mit Berlioz’ Instrumentationslehre auseinandergesetzt haben, gehören neben Richard Strauss insbesondere Rimski-Korsakow und die weiteren Vertreter der Gruppe der Fünf, Widor, Gevaert, Dukas, Janáček, Grieg, Delius, Bizet sowie Mahler, der die Stereofonie in Berlioz’ Orchesterwerken im Schlusssatz seiner 2. Sinfonie aufnahm.

Ausgaben Hector Berlioz: Grand traité d'instrumentation et d'orchestration modernes. Hrsg.: Peter Bloom. Bärenreiter, Kassel 2003, ISBN 978-3-7618-1586-1.

Einzelnachweise

Literatur

Instrumentation and orchestration. In: Stanley Sadie (Hrsg.): Grove Dictionary of Music and Musicians. Second edition, Band 12. Macmillan, London 2001, ISBN 0-333-60800-3, (englisch).

Weblinks

Deutsche Ausgabe (1905), ergänzt und revidiert von Richard Strauss, Teil 1, im Internet Archive

Kategorie:Werk von Hector Berlioz Kategorie:Arrangement und Instrumentation Kategorie:Literatur (Französisch)