mini|300px|Der raetische Donaulimes mini|300px|Das Kastell mit Vicus, Gräberfeld und anliegenden Straßentrassen Das Kastell Moos-Burgstall ist ein römisches Militärlager im Weiler Burgstall der rund eineinhalb Kilometer südwestlich des Ortskerns der Gemeinde Moos im Landkreis Deggendorf in Niederbayern liegt. Die einst nahe an den Mündungsbereich von Isar und Donau herangeschobene Anlage fiel im Laufe der Jahrhunderte fast vollständig der fluviatilen Erosion zum Opfer. Die Hauptaufgabe der Garnison von Moos-Burgstall bestand darin, den Übergang der militärisch und wirtschaftlich bedeutenden Donausüdstraße über die Isar zu sichern. Der Donaulimes ist seit 2021 Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Lage Die Ausgräber fanden während der Untersuchungen am Kastell unter anderem auch Siedlungsspuren der jüngeren Urnenfelderzeit und der Spätlatènezeit. Die römischen Geometer vermaßen das geplante Auxiliarkastell auf dem nordwestlichen Sporn einer über dem Schotter der Isarauen liegenden Lössterrasse, die eine vor Überflutungen geschützte Hochfläche bildet.Uta von Freeden: Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Moos-Burgstall Ldkr. Deggendorf in Niederbayern. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission. Band 68, 1987, S. 493–637, hier S. 495 Die Ausrichtung der Anlage erfolgte zur Donau hin.Wolfgang Czysz, Andrea Faber, Christof Flügel, C. Sebastian Sommer: Fundplätze am Donaulimes in Bayern/Sites on the Danube Limes in Bavaria. 2006, S. 17. (PDF) Von diesem Standort aus war nicht nur die von Nordwesten herangeführte Donausüdstraße, mit ihrem nördlich des Kastells gelegenen Isarübergang bestens einsehbar, sondern das gesamte Umland. Die Soldaten der Garnison hatten zudem die kurz vor dem Flussübergang gelegene V-förmige Einmündung der am nördlichen Isarufer verlaufenden Isartalstraße mit der Donausüdstraße im Blick. Luftbildbefliegungen verdeutlichten den Archäologen die antike Situation.Wolfgang Czysz, Karlheinz Dietz, Hans-Jörg Kellner, Thomas Fischer: Die Römer in Bayern, Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1058-6, S. 483. Im Geländerelief kann der einstige Unterlauf der Isar stellenweise nachvollzogen werden. Wie der Prähistoriker Rainer Christlein (1940–1983) nachweisen konnte, verlief das Bett des Flusses zur Zeit der Kastellgründung am unmittelbaren Rande der vor der Lössterrasse beginnenden Niederung. Die Isar floss mäandernd aus südwestlicher Richtung kommend an den überhöht liegenden Kastellplatz heran und an dessen Fuß unmittelbar nördlich vorbei. Heute bilden die fluviatilen Erosionen und Akkumulationen im Mündungsbereich der Isar ein Auenrelief, das sich als eine von Bodenwellen und Hügeln geprägte Landschaft manifestiert hat. Die seit der Antike stark verändert Geländetopographie zeigt alte Gerinnebettmuster, Abflussregime, Feuchtgebiete, und spätere natürliche und kulturelle Überformungen. Die Isar fließt nun rund vier Kilometer nördlich an dem Kastellplatz in einem durch die Flussregulierung geschaffenen Bett vorbei. Das Zentrum des einstigen Kastells befand sich nördlich der Ausgrabungsstelle, ungefähr an dem Platz, der heute von der Hofstelle besetzt wird, die den zu Moos gehörenden Weiler Burgstall bildet und rund zehn Meter unter dem römerzeitlichen Niveau liegt. Insgesamt hat der Fluss den vollständigen nordwestlichen Teil der Lösshochfläche abrasiert.

Forschungsgeschichte Die ersten Spuren einer römischen Präsenz auf dem bis heute landwirtschaftlich genutzten Bürgfeld kamen 1956 ans Licht. Die damals geborgenen Sigillaten waren rund 20 Jahre älter, als die im um 90 n. Chr. gegründeten Kastell KünzingKastell Künzing bei geborgenen Stücke, was eine erste zeitliche Zuordnung ermöglichte. 1960/1961 konnte erstmals im Norden der westlichen Hangkante ein Spitzgraben beobachtet werden. Christlein ging nach seinen Untersuchungen zum römerzeitlichen Isarbett und der wichtigen Isartal- und Donausüdstraße im Jahr 1977 davon aus, dass wesentliche Teile des raetischen Straßennetzes bereits vor Gründung des Kastells Moos-Burgstall eingerichtet waren.Rainer Christlein: Die römische Isartalstraße von Moos-Burgstall bis Landshut. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern 103, 1977, S. 30–50; hier: S. 41. Als die Fortifikation auf der Flur „Bürgfeld“ ergraben wurde, hatten Isarhochwässer, darunter insbesondere ein mittelalterliches Isarbett,Rainer Christlein: Die römische Isartalstraße von Moos-Burgstall bis Landshut. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern 103, 1977, S. 30–50; hier: S. 40. durch den Einbruch und das Abtragen des Geländesporns fast den gesamten Kastellplatz zerstört.

Um ein Vergleichsmodell zur Größe und dem Verhältnis zum Kastell Künzing erstellen zu können, wurde eine erste Forschungsgrabung in der Zeit vom 18. September bis 17. Oktober 1978 angesetzt. Es folgte eine zweite Kampagne vom 8. August bis zum 3. November 1979 und eine dritte vom 24. März bis 28. Mai 1980.Hans Schönberger: Moos-Burgstall. Ein neues Römerkastell. Besiedlung der frühen Urnenfelder- und späten Latènezeit, Gräberfeld des 7. Jahrhunderts n. Chr. und mittelalterliche Anlage. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission. Band 63, 1982, S. 179–279, hier S. 181. Die Untersuchungen fanden unter der Regie des damaligen Direktors der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt am Main, Hans Schönberger (1916–2005) und der örtlichen Grabungsleitung durch seinen Techniker Heinz-Jürgen Köhler statt.

Baugeschichte mini|300px|Befundplan des Kastells; die nachrömischen Befunde wurden soweit möglich, aus diesem Plan herausgenommen Das Kastell wurde in den späten Regierungsjahren des Kaisers Vespasian (69–79) oder unter Titus (69–79) errichtet. Schönberger konnte sich auch eine Gründung während der Regierungszeit des Kaisers Domitian 81–96 n. Chr. vorstellen.Hans Schönberger: Moos-Burgstall. Ein neues Römerkastell. Besiedlung der frühen Urnenfelder- und späten Latènezeit, Gräberfeld des 7. Jahrhunderts n. Chr. und mittelalterliche Anlage. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission. Band 63, 1982, S. 179–279, hier S. 212. Bereits relativ früh in seiner Forschungsgeschichte wurde auf dem „Bürgfeld“ ein Ziegelstempel der Cohors III Thracum civium Romanorum equitata bis torquata („3. teilberittene Kohorte der Thraker römischen Bürgerrechts, zweimal mit Torques ausgezeichnet“) entdeckt der sich in Privatbesitz befand, 1977 folgte dann ein zweiterRainer Christlein: Die römische Isartalstraße von Moos-Burgstall bis Landshut. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern 103, 1977, S. 30–50; hier: S. 42. aus dem Vicusbereich. Schönberger konnte bei seinen Grabungen drei weitere Stempel desselben Typs dokumentieren, wobei einer im Kastellgraben aufgelesene wurde. Insgesamt zählte der Bestand an Ziegelstempeln der Thrakerkohorte aus Moos-Burgstall beim Abfassen von Schönbergers Bericht für 1982 sechs Stück.Hans Schönberger: Moos-Burgstall. Ein neues Römerkastell. Besiedlung der frühen Urnenfelder- und späten Latènezeit, Gräberfeld des 7. Jahrhunderts n. Chr. und mittelalterliche Anlage. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission. Band 63, 1982, S. 179–279, hier S. 214. Christlein nahm an, dass die Thrakerkohorte, die erstmals um 90 n. Chr. sicher im Kastell Künzing nachgewiesen werden kann,Thomas Fischer, Erika Riedmeier Fischer: Der römische Limes in Bayern. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7917-2120-0, S. 180. möglicherweise zuvor in Moos-Burgstall stationiert gewesen ist.

Umwehrung Von der Holz-Erde-Anlage konnten lediglich noch die Schmalseiten mit einer Länge von rund 140 Metern rekonstruiert werden. Die Länge des Kastells bleibt aufgrund seiner Zerstörung unbekannt. Die Garnison war zumindest in dem untersuchbaren Bereich von einem noch fast neuen Meter breiten und fast vier Meter tiefen Spitzgraben umgeben. Die Umfassungsmauer ließ keinerlei Holzeinbauten erkennen. Schönberger vermutete daher, dass die Konstruktion der eigentlichen Umwehrung aus einem Murus caespiticius, einer Rasensodenmauer, bestanden hat,Hans Schönberger: Moos-Burgstall. Ein neues Römerkastell. Besiedlung der frühen Urnenfelder- und späten Latènezeit, Gräberfeld des 7. Jahrhunderts n. Chr. und mittelalterliche Anlage. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission. Band 63, 1982, S. 179–279, hier S. 186. wie sie beispielsweise auch am Antoninuswall Verwendung fand und wie Schöninger selbst sie erstmals in Deutschland am Kastell Altenstadt nachweisen konnte.Günter Ulbert, Dietwulf Baatz, Karl-Ernst Behre, Hans Drescher, Angela von den Driesch, Helge Gerndt, Erwin Keller, Helmut Kroll, Mechthild Neyses: Der Auerberg I. Topographie, Forschungsgeschichte und Wallgrabungen. C. H. Beck, München 1994, ISBN 3-406-37500-6, S. 104. Das Material für den Murus caespiticius hätten die Erbauer problemlos aus der Isarniederung herbeischaffen können. Untersucht werden konnten die Pfostenstellungen des Südtores, des südöstlichen Eckturms sowie drei Zwischentürme. Die Umwehrung wies einwandfrei zwei Bauperioden auf, war also einmal repariert worden. Eine Luftaufnahme hatte 1979, vor der Ergrabungen des Südtores, eine zum Tor führende Straße preisgegeben, die sich während der Untersuchungen als bekieste Trasse darstellte. Die Pfosten des älteren Tores wurden gänzlich von den jüngeren überlagert, doch konnten sie im Profil eindeutig dokumentiert werden, da sie tiefer gründeten. Lediglich eine der älteren Pfostengruben war schon im Planum erkennbar, da sie etwas versetzt zur jüngeren Grube lag. Da sich in den Gruben der Periode 1 die eigentlichen Pfosten nicht erhalten hatten, scheinen sie vor der Errichtung des neuen Tores herausgezogen worden zu sein. Bemerkenswert war eine vollständig erhaltene flavische Bronzefibel, die offenbar während der Bauarbeiten zur jüngeren Toranlage in die Pfostengrube 118 auf der Fläche 11 geraten war.Hans Schönberger: Moos-Burgstall. Ein neues Römerkastell. Besiedlung der frühen Urnenfelder- und späten Latènezeit, Gräberfeld des 7. Jahrhunderts n. Chr. und mittelalterliche Anlage. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission. Band 63, 1982, S. 179–279, hier S. 186 und 213. Aufgrund von Schönbergers Untersuchungen wir die Porta praetoria, das Haupttor des Kastells im Osten angenommen. Die Prätorialfront wäre somit zur Donau hin orientiert gewesen. Zu dieser Festlegung passt die Beobachtung, dass es auf der östlichen Lagerseite zwischen Haupttor und südöstlichem Eckturm offenbar lediglich einen einzigen Zwischenturm gegeben hat.Hans Schönberger: Moos-Burgstall. Ein neues Römerkastell. Besiedlung der frühen Urnenfelder- und späten Latènezeit, Gräberfeld des 7. Jahrhunderts n. Chr. und mittelalterliche Anlage. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission. Band 63, 1982, S. 179–279, hier S. 210.

Innenbebauung