Als Vietnamesische Volksarmee (vietnamesisch: Quân Đội Nhân Dân Việt Nam; abgekürzt auch NVA für ) werden die Streitkräfte der Sozialistischen Republik Vietnam bezeichnet.

Allgemeines mini|Soldaten der Vietnamesischen Volksarmee (2000) Die Vietnamesische Volksarmee gliedert sich bei einer Gesamtstärke von 450.000 Mann in die Landstreitkräfte (380.000), Luftstreitkräfte (30.000) und die Volksmarine (40.000). In die Volksmarine integriert ist eine Marineinfanterie von 27.000 Soldaten. Des Weiteren gibt es paramilitärische Einheiten im Umfang von 40.000 und eine Reserve von 5 Millionen Mann.

Es existiert eine allgemeine Wehrpflicht für alle Männer und Frauen, obwohl in der Realität nur Männer eingezogen werden. Die Wehrpflicht beträgt zwei Jahre für die Landstreitkräfte und drei Jahre für die Marine und Luftstreitkräfte. Vietnam sah sich in den vergangenen Jahren keine Bedrohung von außen gegenübergestellt. Die Regierung hat deshalb die Truppenstärke und Verteidigungsausgaben reduziert. Im Haushaltsjahr 2025 wurden umgerechnet 10,4 Milliarden US-Dollar für Verteidigungszwecke bereitgestellt. Das vietnamesische Militär gehört zu den schlagkräftigsten in der Region. Auch innenpolitisch ist das Militär stark, viele ranghohe Militärs nehmen einflussreiche Positionen in Partei- und Staatsführung ein. Der aktuelle Präsident Vietnams Lương Cường ist beispielsweise ein ehemaliger General der Vietnamesischen Volksarmee. Nach den militärischen Auseinandersetzungen mit Frankreich, den Vereinigten Staaten, den Roten Khmer und China hat es in der Bevölkerung starken Rückhalt.Library of Congress: Federal Research Division: Vietnam country profile. Washington, Dezember 2005. Download (PDF; 162 kB)

Geschichte

+ Wachstum der vietnamesischen Volksarmee 1945–1985Douglas Pike: PAVN – People's Army of Vietnam. New York, 1986, S. 190 Zeit Gesamtstärke Offiziere 1945 40.000 2.500 1955 210.000 20.000 1965 400.000 50.000 1975 650.000 110.000 1985 1.000.000 170.000 Die Ursprünge der Vietnamesischen Streitkräfte liegen in der Việt Minh Ho Chi Minhs und Võ Nguyên Giáps, die seit 1941 die französische Kolonialmacht in Vietnam bekämpfte. Zunächst wurde am 22. Dezember 1944 eine Propaganda-Einheit gebildet, die im Mai 1945 in Vietnamesische Befreiungsarmee umbenannt wurde. Giap wurde anschließend bis 1972 der erste Oberbefehlshaber der PAVN. Im September 1945 wurde die Armee erneut in Vietnamesische Nationale Verteidigungsarmee umbenannt. Seit 1950 trägt sie den heutigen Namen.Early Day: The Development of the Viet Minh Military Machine. Die Volksarmee kämpfte im Indochinakrieg für die Unabhängigkeit unter kommunistischer Führung. Zu Ende des Krieges umfasste sie fünf Infanterie- und eine schwere Division nach dem Modell der sowjetischen Artilleriedivision.Charles R. Shrader: A War of Logistics – Parachutes and Porters in Indochina. 1945–1954, Lexingtion, 2015, S. 46–48. Gegen Ende des Krieges konnte die Volksarmee mit chinesischer Hilfe ein Luftverteidigungskorps aufbauen, das mit leichten Flugabwehrgeschützen gegen die französische Luftwaffe vorging.Douglas Pike: PAVN – People's Army of Vietnam. New York, 1986, S. 106. 1959 bildete die Vietnamesische Volksarmee ihr erstes Panzerregiment, das mit 35 T-34-Panzern und 16 SU-76-Selbstfahrlafetten ausgerüstet war.William J. Duiker (Vorwort), Merle L. Pribbenow (Übersetzer): Victory in Vietnam – The Official History of the People's Army of Vietnam 1954–1975. Lawrence, 2002, S. 29f, Originalpublikation in vietnamesischer Sprache General Hoàng Văn Thái (Herausgeber): Geschichte der Volksarmee von Vietnam Band II: Der Reifungsprozess der Volksarmee während des Widerstandskrieges zur Rettung der Nation gegen die Amerikaner (1954–1975). Hanoi, 1994. Im selben Jahr begann der Aufbau einer Luftwaffe, die zunächst auf erbeutete französische Transportflugzeuge US-amerikanischer Bauart zurückgriff.Douglas Pike: PAVN – People's Army of Vietnam. New York, 1986, S. 113f.

Während des Indochinakriegs hatte es kein formalisiertes Rekrutierungssystem gegeben. 1957 führte Nordvietnam die Wehrpflicht ein, welche nach einer örtlich begrenzten Testphase 1960 landesweit eingeführt wurde.Douglas Pike: PAVN – People's Army of Vietnam. New York, 1986, S. 288–290

Im Vietnamkrieg waren neben im Süden des Landes ausgehobenen Guerillas Soldaten der Volksarmee maßgeblich beteiligt. Gegen Ende 1965 waren die regulären Truppen der Volksarmee auf rund 400.000 Mann angewachsen. Diese waren in 10 Divisionen, 6 unabhängigen Regimentern und einer ungenannten Zahl von unabhängigen Bataillonen organisiert. Die Stärke der Artillerietruppe wurde verdoppelt. Ebenso wurde ein zweites Panzerregiment geschaffen. Die Luftverteidigungsartillerie wurde auf 21 Regimenter und 41 Bataillone aufgestockt. Im Sommer 1965 wurden die ersten raketenbestückten Luftabwehreinheiten aufgestellt.William J. Duiker (Vorwort), Merle L. Pribbenow (Übersetzer): Victory in Vietnam – The Official History of the People's Army of Vietnam 1954–1975. Lawrence, 2002, S. 164f, Originalpublikation in vietnamesischer Sprache General Hoàng Văn Thái (Herausgeber): Geschichte der Volksarmee von Vietnam Band II: Der Reifungsprozess der Volksarmee während des Widerstandskrieges zur Rettung der Nation gegen die Amerikaner (1954–1975). Hanoi, 1994. 1975 führte eine Offensive konventionell ausgerüsteter Volksarmeetruppen zum Zusammenbruch Südvietnams und damit zum Ende des Krieges.Bruce Lockhart, William J. Duiker: Historical Dictionary of Vietnam. Lanham, 2006, S. 299f. Die im Indochinakrieg aufgebauten lokalen Guerillaverbände wurden während des Vietnamkriegs auf ganz Nordvietnam ausgedehnt. So verfügte jedes Dorf über rund 100 Teilzeitguerillas. Insgesamt waren nach offiziellen Angaben rund 1,4 Millionen Menschen in diesem Milizsystem erfasst.William J. Duiker (Vorwort), Merle L. Pribbenow (Übersetzer): Victory in Vietnam – The Official History of the People's Army of Vietnam 1954–1975. Lawrence, 2002, S. 93, Originalpublikation in vietnamesischer Sprache General Hoàng Văn Thái (Herausgeber): Geschichte der Volksarmee von Vietnam Band II: Der Reifungsprozess der Volksarmee während des Widerstandskrieges zur Rettung der Nation gegen die Amerikaner (1954–1975). Hanoi, 1994. Zum Ausbau und zur Regularisierung der Streitkräfte erhielt Vietnam massive Militärhilfe aus dem Ostblock.Bruce Lockhart, William J. Duiker: Historical Dictionary of Vietnam. Lanham, 2006, S. 299f. Die Luftabwehrkräfte wurden während des Vietnamkriegs deutlich ausgebaut und um sowjetische Flugabwehrraketensysteme erweitert. Ihnen gelangen nach US-Angaben 1096 Abschüsse von US-Flugzeugen. Die Luftwaffe wurde während des Vietnamkriegs mit sowjetischer und chinesischer Hilfe aufgebaut und erzielte 1965 ihren ersten Luftsieg. Nach dem Ende des Vietnamkriegs 1975 übernahmen die Luftstreitkräfte der Volksarmee rund 1500 Flugzeuge westlicher Bauart aus dem Bestand der südvietnamesischen Luftwaffe.Douglas Pike: PAVN – People's Army of Vietnam. New York, 1986, S. 107, S. 113–116.

Nach der Wiedervereinigung des Landes nach dem Vietnamkrieg wurde die allgemeine Wehrpflicht 1977 auf das ganze Land mit zweijähriger Dienstzeit eingeführt.

1978 intervenierte Vietnam in Kampuchea und beendete im Januar 1979 das Regime von Pol Pot. Bis zum Ende der 1980er-Jahre blieben rund 150.000 vietnamesische Soldaten im Nachbarland stationiert.

1979 wurde eine chinesische Invasion an der Nordgrenze abgewehrt. Nach dem Ende des Kalten Kriegs wurde die Personalstärke der Armee verringert.Bruce Lockhart, William J. Duiker: Historical Dictionary of Vietnam. Lanham, 2006, S. 299f.

zentriert|mini|800px|Struktur der Vietnamesischen Volksarmee im Jahr 2016.

Organisation Luftstreitkräfte links|mini|161x161px|Emblem der Luftstreitkräfte

Die Vietnamesischen Luftstreitkräfte () sind mit 30.000 Soldaten die drittgrößte Organisation innerhalb der Volksarmee. Kommandeur ist der Generalleutnant Nguyễn Văn Hiền und Politoffizier ist der Generalmajor Lâm Quang Đại. Die Luftstreitkräfte verfügen über 121 Flugzeuge, 89 Hubschrauber und mehrere Flugabwehrsysteme.

Marine mini|161x161px|Emblem der Marine

Die Vietnamesische Volksmarine () ist mit 13.000 Soldaten und 27.000 Marineinfanteristen die zweitgrößte Organisation der Streitkräfte. Kommandeur ist der Vizeadmiral Trần Thanh Nghiêm und Politoffizier der Generalleutnant Nguyễn Văn Bổng. Die Seestreitkräfte verfügen über 25 Fregatten und Korvetten, 30 Patrouillenboote und 8 U-Boote.

Heer links|mini|161x161px|Emblem der Heer mini|Regionen des Heeres Das Vietnamesische Heer () umfasst insgesamt 380.000 Soldaten. Anders als bei anderen Streitkräften stellen die Landstreitkräfte keine eigene Teilstreitkraft dar, sondern sind direkt dem Verteidigungsministerium unterstellt. Kommandeur des Heeres ist der Generalstabschef der Armee Nguyễn Tân Cương. Die Landstreitkräfte sind in sieben Regionen und vier Korps eingeteilt. Jede Region verfügt über ein eigenes Kommando, eigene Brigaden und Regimenter.

Ausrüstung Das vietnamesische Heer verfügt über folgende Ausrüstung:

Fahrzeuge mini|T-54B der Landstreitkräfte|links mini|Vietnamesischer BMP-1 Schützenpanzer + Typ Herkunft Funktion Version Anzahl Anmerkung T-34 Kampfpanzer45 T-54T-55 Kampfpanzer T-54/T-55T-54B mod750100 T-62 Kampfpanzer70 T-90 Kampfpanzer S64 Type 59 Kampfpanzer350 PT-76 Schwimmpanzer300 Type-62Type-63 Leichter Panzer320 BRDM-1BRDM-2 Spähpanzer300 BMP-1BMP-2 Schützenpanzer300 BTR-50 Mannschaftstransporter M113 Mannschaftstransporter200 Erbeutet im Vietnamkrieg. Fahrzeuge wurden mittlerweile vermutlich von Vietnam selber modernisiert. YW 531 Mannschaftstransporter80 BTR-40BTR-60BTR-152 Mannschaftstransporter1.100 T-72 PionierpanzerBergepanzer IMR-2BREM-1M TMM-3 Brückenlegepanzer

Artillerie mini|Panzerhaubitze 2S3|links mini|BM-21 Grad beim Abfeuern einer Rakete + Typ Herkunft Funktion Version Anzahl Anmerkungen Selbstfahrlafetten K9 Thunder 155-mm-Panzerhaubitze K9A1 20 Fahrzeuge bestellt, Auslieferung ab 2025 2S3 Akazija 152-mm-Panzerhaubitze30 2S1 Gwosdika 122-mm-Panzerhaubitze PTH-01 M107 175-mm-Selbstfahrlafette Erbeutet im Vietnamkrieg. gezogene Artillerie M101M102 105-mm-Haubitze Erbeutet im Vietnamkrieg. D-30 122-mm-Haubitze Typ-54 122-mm-Haubitze Chinesische Lizenzfertigung. M114 155-mm-Haubitze Während des Vietnamkrieges erbeutet. Typ-60 122-mm-Kanone Chinesische Lizenzfertigung. D-20 152-mm-Kanonenhaubitze Granatwerfer M1943 120-mm-Mörser MT-13 160-mm-Mörser Sonstiges Typ-63 107-mm-Mehrfachraketenwerfer360 BM-21 122-mm-Mehrfachraketenwerfer 350 BM-14 140-mm-Mehrfachraketenwerfer <350 R-17 Boden-Boden-Rakete 24

Panzer- und Flugabwehrwaffen mini|Vietnamesischer SU-100 Jagdpanzer bei einer Parade|links mini|ZSU-23-4 + Typ Herkunft Funktion Version Anzahl AnmerkungenPanzerabwehrwaffen SU-100 Jagdpanzer SU-122 Jagdpanzer 9K11 Maljutka Panzerabwehrlenkwaffe 9M14 mod M20 75-mm-Rückstoßfreies Geschütz Typ-56 Chinesische Kopie B-10 82-mm-Rückstoßfreies Geschütz Typ-65 Chinesische Lizenzfertigung T-12 100-mm-Panzerabwehrkanone B-3 100-mm-PanzerabwehrkanoneFlugabwehrwaffen ZSU-23-4 Flakpanzer 9K32 Strela-2 MANPADS 9K310 Igla-1 MANPADS 9K38 Igla MANPADS

Ränge + Offiziere Dienstgradgruppe GeneraleStabsoffiziereHauptleute / Leutnante Abzeichen 141x141px 141x141px 141x141px 141x141px 141x141px 141x141px 141x141px 141x141px 141x141px 141x141px 141x141px 141x141px Dienstgrad General Generaloberst Generalleutnant Generalmajor kein Äquivalent Oberst Oberstleutnant Major Hauptmann Oberleutnant Leutnant kein Äquivalent Viet. Bezeichnung Đại tướng Thượng tướng Trung tướng Thiếu tướng Đại tá Thượng tá Trung tá Thiếu tá Đại úy Thượng úy Trung úy Thiếu úy

Weblinks

Vietnamesische Volksarmee auf GlobalDefence.net (englisch) Vietnamesische Volksarmee auf GlobalSecurity.org (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Streitkräfte Volksarmee