Comdirect (Eigenschreibweise: comdirect) ist eine deutsche Direktbank und Online-Broker mit Sitz in Quickborn. Das Angebot richtet sich an Privatkunden in Deutschland und umfasst Produkte für das Sparen, Anlegen und Handeln mit Wertpapieren. Die Comdirect Bank wurde 1994 als Tochtergesellschaft der Commerzbank gegründet, war ab Juni 2000 börsennotiert und wird seit der Verschmelzung auf den Mutterkonzern im November 2020 als Marke der Commerzbank weitergeführt. Heute zählt sie zu den wichtigsten Geschäftseinheiten des Konzerns im Segment der Privat- und Unternehmerkunden.
Geschichte mini|Zentrale der comdirect an der Pascalkehre in Quickborn (2017)
Gründung der Direktbank miniatur|Ehemaliges Logo der Bank (bis 2016)|alternativtext= 1994 beschloss die Commerzbank die Gründung einer Direktbank, die heute standardisierte Produkte für den Zahlungsverkehrs-, Einlagen-, Wertpapier- und Kreditbereich anbietet. Die Angebote konnten zunächst per Telefon, Fax oder Brief genutzt werden. Mit diesem Schritt wollte die Commerzbank ihre Geschäfts- und Kundenbasis verbreitern. Das Kreditinstitut wurde als Gesellschaft mit beschränkter Haftung am 5. Dezember 1994 ins Handelsregister eingetragen. Im Januar 1995 nahm die Comdirect Bank ihren Geschäftsbetrieb mit 50 Mitarbeitern und 50 Millionen Deutsche Mark Eigenkapital auf. Ihr erstes Produkt war das sogenannte „Wahnzins-Konto“, ein Tagesgeldkonto für kurzfristige Anlagen und zur Abwicklung von Wertpapiergeschäften. Im Laufe des Jahres 1995 erweiterte die Comdirect Bank ihr Angebot, beispielsweise um Festgeldkonten. Das Kreditinstitut positionierte sich nicht als klassische Direktbank, sondern als Universalbank für Privatkunden mit einer breiten Palette spezialisierter Produkte.
Entwicklung zur Universalbank In den ersten Monaten der Geschäftstätigkeit gewann die Comdirect Bank mehrere zehntausend Kunden. Anfang 1996 verwaltete das Kreditinstitut erstmals Einlagen seiner Kunden in Höhe von mehr als einer Milliarde Mark. Im September 1996 startete das Unternehmen ein verzinstes Girokonto, dessen Gebühren erstattet wurden, wenn Kunden ihre Bankgeschäfte über eine Homebanking-Software selbstständig durchführten. 1997 führte die Comdirect Bank ein neues Preismodell für Wertpapierdepots ein: Erstmals wurde das Depotvolumen zur Berechnung der Provisionen des Kreditinstituts herangezogen. Um ihre Marktposition weiter auszubauen, machte die Comdirect Bank den Wertpapierhandel zu einem Schwerpunkt ihrer Kommunikation. Seit Mitte 1998 unterstützt das Kreditinstitut den Handel über Xetra. Außerdem forcierte man die Weitergabe von Börsenkursen in Echtzeit. In Kooperation mit T-Online wurde im großen Stil ein Depot vermarktet, für das sechs Monate keine Grundgebühren anfielen.
Börsengang im Neuen Markt Nach Anlaufverlusten in den ersten Jahren erreichte die Comdirect Bank schneller als erwartet die Gewinnschwelle. 1999 war die Website des Kreditinstituts eines der populärsten Angebote im deutschsprachigen World Wide Web. Aufgrund des wirtschaftlichen Erfolgs expandierte die Comdirect Bank ins europäische Ausland. Die Zentrale in Quickborn wurde massiv ausgebaut. Um das weitere Wachstum zu finanzieren, kündigte die Commerzbank an, einen Minderheitsanteil ihrer Tochtergesellschaft an die Börse zu bringen. In Vorbereitung dieses Schrittes wurde die Comdirect Bank im November 1999 zunächst in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 2000 vereinbarten die Commerzbank und die Deutsche Telekom eine umfassende Kooperation ihrer beiden Tochtergesellschaften, der Comdirect Bank und T-Online International. Im Zuge eines Aktientauschs erwarb T-Online 25 Prozent der Comdirect Bank. Zusätzlich koordinierten beide Unternehmen ihre internationale Strategie. Im März des Jahres 1999 gab die Comdirect Bank die Übernahme des französischen Online-Brokers Paresco Bourse bekannt. Außerdem präsentierte das Kreditinstitut einen deutlichen Anstieg seiner Kundenzahl und Erträge.
Analysten sagten ein großes Interesse am Börsengang der Comdirect Bank voraus, weshalb sie bei der Zuteilung von Aktien Kunden des eigenen Hauses und der Commerzbank bevorzugen wollte. Darin erkannte zum Beispiel die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre eine unangemessene Benachteiligung anderer Aktionäre. Der Börsengang der Comdirect Bank erfolgte schließlich am 5. Juni 2000 im Neuen Markt der Deutschen Börse. Die Aktie war mehrfach überzeichnet und startete mit einem Kurssprung von 22,6 %. In den Medien war von einem gegen den Markttrend die Rede. Bei einem Ausgabepreis von 31 € lag der Emissionserlös der Commerzbank bei 790 Millionen Euro.
Expansion und Konsolidierung Im August 2000 stieg die Comdirect Bank temporär in den Vertrieb von Versicherungen über das Internet ein. Des Weiteren baute das Kreditinstitut ein eigenes Investmentbanking auf und begann, Baufinanzierungen online zu vermitteln. Außerdem setzte die Comdirect Bank ihre internationale Expansion fort: Nach Frankreich und Großbritannien wollte man auch Italien und Spanien erschließen. Dafür war auch die Übernahme anderer Direktbanken im Gespräch. Die Comdirect Bank wurde immer unabhängiger vom Mutterkonzern, der den Kurs seiner Tochtergesellschaft jedoch ausdrücklich unterstützte. Man forcierte den außerbörslichen Handel und erreichte im deutschen Markt durch werbewirksame Aktionen wie beispielsweise die 2001 begonnene Zusammenarbeit mit Web.de eine breite Öffentlichkeit.
Bereits im Verlauf des Jahres 2000 bekam die Comdirect Bank das Platzen der Dotcom-Blase zu spüren: Im November 2000 verlor der Aktienkurs an einem Tag mehr als 10 %, Mitte des Monats fiel er auf ein Rekordtief. Das Wachstum des Unternehmens verlangsamte sich. Nach mehreren erfolgreichen Jahren kündigte die Comdirect Bank 2001 wieder Verluste an. Dafür war vor allem das Auslandsgeschäft verantwortlich. Die Kooperation mit T-Online erwies sich als nicht so wirksam wie erwartet. Nachdem die Comdirect Bank im Verlauf des Jahres 2001 immer tiefer in die roten Zahlen rutschte, legte der Vorstand ein Sparprogramm auf, um insbesondere den Verwaltungsaufwand zu reduzieren. Auch ein Stellenabbau war vorgesehen. Anfang Oktober 2001 musste das Kreditinstitut für einen Teil seiner Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden.
Verkauf der Auslandstöchter und Konzentration auf Deutschland Im November 2001 gab die Comdirect Bank bekannt, sich auf Deutschland und Großbritannien konzentrieren zu wollen. Die defizitären Geschäfte in Frankreich und Italien wurden zum Verkauf gestellt. 2002 wurde die französische Tochtergesellschaft verkauft und die italienische Dependance geschlossen. In Deutschland sparte die Comdirect Bank unter anderem durch die Bündelung ihrer Aktivitäten in Quickborn weitere Kosten, was zur Schließung des Kieler Standorts führte. Nach dem Ende der Kurzarbeit stabilisierte sich die Comdirect Bank bis Ende 2002.
Anders als in Frankreich und Italien hielt die Comdirect Bank zunächst an ihrer Tochtergesellschaft in Großbritannien fest. Sie vereinbarte eine Kooperation mit der Finanzgruppe Lloyds TSB und erbrachte fortan Dienstleistungen im Bereich Brokerage für vermögende britische Privatkunden. Dazu zählte zum Beispiel die Annahme und Abwicklung von Aufträgen für den Wertpapierhandel über das Internet oder Callcenter. 2004 verkaufte die Comdirect Bank auch ihr britisches Geschäft an Lloyds TSB. Damit trennte sich das Unternehmen von seiner letzten ausländischen Tochter.
Das Kreditinstitut forcierte in Deutschland den Ausbau der Produktpalette und legte größeren Wert auf die Beratung der Kunden. Ein Beispiel dafür war die Gründung einer spezialisierten Tochtergesellschaft für Vorsorge und Vermögensaufbau unter dem Namen Comdirect Private Finance. Parallel zahlte sich der Sparkurs aus. Der Geschäftsverlauf übertraf Erwartungen von Analysten. 2004 zahlte die Comdirect Bank erstmals seit ihrer Gründung eine Dividende. Im weiteren Verlauf eröffneten die Kunden zwar weniger Wertpapierdepots, jedoch mehr Girokonten. 2005 begann die Comdirect Bank damit, Kreditkarten von American Express auszugeben. Später übernahm Comdirect 45.000 Privatkunden von American Express. Im Juni 2005 stockte die Commerzbank ihre Beteiligung an der Comdirect Bank bis fast 80 % auf. Dazu erwarb der Konzern die verbleibenden Aktien von T-Online, die das Internetunternehmen seit 2000 gehalten hatte. 2005 und 2006 erwirtschaftete die Comdirect Bank stabile Erträge und erhöhte daraufhin auch ihre Investitionen. Das Geschäft mit Giro- und Tagesgeldkonten wurde forciert. Größere Aufmerksamkeit erhielt das Kreditinstitut mit Einführung eines Sparplans für börsengehandelte Indexfonds im Jahr 2007. Um den Vertrieb zu unterstützen, wurde mit dem Handelsunternehmen Tchibo zusammengearbeitet. Somit konnte die Comdirect Bank fortan über ein flächendeckendes Filialnetz und reichweitenstarke E-Commerce-Websites ihre Produkte absetzen.
Entwicklungen nach der Finanzkrise Auch während der globalen Finanzkrise ab 2007 blieb das Geschäft stabil, die Comdirect Bank profitierte sogar vom Anstieg der Transaktionen im Wertpapierhandel. Im Geschäft mit Einlagen auf Tages- und Festgeldkonten erwirtschaftete sie ebenfalls signifikante Gewinne. 2008 hatte die Comdirect Bank erstmals eine Million Kunden. 2009 schloss die Comdirect Bank einige kleinere Geschäftsstellen, die sie zwischenzeitlich aufgebaut hatte. Dort waren rund 100 freiberufliche Berater tätig. Comdirekt führte ein neues Girokonto ein, für das unabhängig vom Geldeingang keine Grundgebühr anfiel.
Als wichtig für das weitere Wachstum des Unternehmens erwies sich ferner die Übernahme der European Bank for Financial Services (abgekürzt Ebase) von der Konzernmutter Commerzbank. Dadurch verdoppelte die Comdirect Bank die Zahl ihrer Wertpapierdepots. Der Zukauf ermöglichte den Ausbau des Geschäfts mit Finanzdienstleistern und Vermögensverwaltern: Diese nutzen die Fondsplattform von Ebase zum Beispiel für ihre Angebote im Bereich der Riester-Rentenversicherung. In den folgenden Jahren wandelte sich Ebase zum reinen Business-to-Business-Dienstleistungsunternehmen.
Fortschritte bei der Digitalisierung Die Comdirect Bank baute das Marketing aus, um weitere Kunden für das Kreditinstitut zu gewinnen. Zusätzlich investierte sie in digitale Angebote: 2010 stellte die Comdirect Bank beispielsweise ihre erste Mobile-App vor, die auch den Abruf von Konten anderer Kreditinstitute unterstützt. Später wurde unter anderem eine Funktion hinzugefügt, mit der Anwender Überweisungsträger in Papierform fotografieren und in der App freigeben konnten. 2015 rief das Kreditinstitut einen Ideenwettbewerb für Gründer aus der Finanzbranche ins Leben. Auf diesem Weg wollte die Comdirect Bank neue Geschäftsmodelle frühzeitig entdecken und fördern. Daraus entwickelte sich später eine Plattform zur Unterstützung von Start-up-Unternehmen, welche die Comdirect Bank vor allem in der Gründungs- und Aufbauphase mit Know-how unterstützt. Seit 2011 zeichnet die Comdirect Bank mit dem „finanzblog award“ Blogger aus, die unabhängig, kompetent und verständlich zu Finanzthemen informieren.
Onvista-Kauf und Cominvest-Start und Konzentration auf Privatkunden 2016 kündigte die Comdirect Bank die Übernahme von Onvista an. Neben der Onvista Bank kam dadurch auch das Unternehmen Onvista Media, das unter anderem das Finanzportal onvista.de betreibt, unter das Dach des Kreditinstituts. Mit der Akquisition wollte die Comdirect Bank den Wertpapierhandel stärken und gleichzeitig das Geschäft mit Wirtschaftsinformationen ausbauen. Schon vor der Übernahme betrieb die Comdirect Bank mit dem sogenannten „Informer“ ein reichweitenstarkes Finanzportal. Die Comdirect Bank verschmolz die Onvista Bank auf die Muttergesellschaft, plante aber den Namen beizubehalten. Die Tochter Onvista Media wurde als eigenständige Tochtergesellschaft fortgeführt.