Dame Rachel Whiteread, DBE (* 20. April 1963 in Essex) ist eine englische Bildhauerin. miniatur|260px|Rachel Whiteread, Holocaust-Mahnmal, Wien, Judenplatz
Biografie Rachel Whiteread studierte von 1982 bis 1985 Malerei am Brighton Polytechnic mit dem Abschluss Painting BA. Von 1985 bis 1987 absolvierte sie ein Studium der Bildhauerei u. a. bei Phyllida Barlow an der Slade School of Fine Art und erwarb den akademischen Grad Sculpture MA. Ebenso studierte sie an der Akademie der Künste Zypern.
Whiteread erstellt Objekte, Skulpturen, Installationen, Mixedmedia sowie Zeichnungen. Deswegen lässt sie sich nicht eindeutig als Bildhauerin einordnen. Einen hohen Bekanntheitsgrad hat Whiteread durch ihre plastischen Arbeiten erreichen können:
Die Künstlerin nimmt Abdrücke mit Gips, Gummi, Kunststoffen und anderen Materialien von Alltagsgegenständen und architektonischen Details bis hin zum Abdruck ganzer Räume, sogar eines Hauses (House 1993, zerstört 1994). Diese weißen Objekte bilden einerseits den Gegenstand (die Wirklichkeit) ab, dokumentieren Gebrauchsspuren, spiegeln ihren Gegenstand jedoch andererseits und haben aufgrund des weißen Materials eine hohe Abstraktionswirkung. Viele von ihr genommenen Abdrücke dokumentieren insofern deutlicher den Leerraum (die Leere) um Gegenstände; das gilt z. B. für Abdrücke von Bücherregalen oder den von der Unterseite eines Waschbeckens. Für Rachel Whiteread wurden international Ausstellungen ausgerichtet. 1998 schuf sie den Water Tower für den öffentlichen Raum in New York.
Für Wien gestaltete sie im Jahre 2000 das Holocaust-Mahnmal auf dem Judenplatz. Es stellte im Stile von Whitereads Leerräumen eine Bibliothek dar, deren Bücher nach außen zeigen. Das Mahnmal kann als Würdigung des Judentums als eine Religion des Buches verstanden werden, es spricht aber auch die durch den Völkermord an den europäischen Juden entstandene kulturelle Leerstelle an (Erinnerung und Verlust).
Eine Weiterentwicklung ihrer künstlerischen Arbeit lässt sich an Whitereads Ausstellung in der Tate Modern, London, im Jahre 2005/2006 ablesen. Rachel Whiteread goss 14.000 Pappkartons mit Polyethylen aus. Diese Abgüsse sind in der großen Eingangshalle des Museums wie eine bizarre Landschaft ausgestellt. Das Motiv des Pappkarton-Abgusses beruht auf einem von Whitereads Mutter hinterlassenen Karton, in dem Weihnachtsschmuck aufbewahrt wurde. Die Abgüsse sollen nach der Ausstellung recycelt werden.
Ausstellungen (Auswahl) 1992: documenta IX, Kassel 1994: Kunsthalle Basel, Schweiz 1996: Tate Gallery, Liverpool, Großbritannien 1997: Skulptur.Projekte Münster 2000: Tate Modern, London, Großbritannien 2002: Kunsthalle Basel, Schweiz 2002: Deutsche Guggenheim, Berlin 2003: Kunstmuseum Wolfsburg 2003: Carnegie Museum of Art American Federation of Arts, New York, USA 2004: Museu de Arte Moderna, Rio de Janeiro, Brasilien 2004: Museu de Arte Moderna, São Paulo, Brasilien 2005: Kunsthaus Bregenz, Österreich 2005: Tate Modern, London, Großbritannien 2005/2006: Staatliches Museum Schwerin (Katalog) 2007/2008: Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg
Auszeichnungen 1993: Britischer Turner Preis 1996: Prix Eliette von Karajan 1997: Medaille der Biennale in Venedig 1997: Ablehnung der Mitgliedschaft in der Royal Academy of Arts, London 2006: Commander of the Order of the British Empire (CBE) 2007: August Seeling Preis (Freundeskreis Wilhelm Lehmbruck Museum), Duisburg 2017: Ada-Louise-Huxtable-Preis im Rahmen der Women in Architecture Awards 2019: Dame Commander des Order of the British Empire (DBE)
Weblinks
Jon Bird: Die Kunst der Rachel Whiteread: Das Innere nach außen kehren In: Le Monde diplomatique. 11. Januar 2018.
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Turner-Preisträger Kategorie:Dame Commander des Order of the British Empire Kategorie:Künstler (documenta) Kategorie:Absolvent der Slade School of Fine Art Kategorie:Engländer Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1963 Kategorie:Frau