Mühlhausen ist ein Markt im Landkreis Erlangen-Höchstadt (Mittelfranken, Bayern) und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Höchstadt an der Aisch.
Geographie Geographische Lage Mühlhausen liegt südwestlich von Bamberg an der Reichen Ebrach. Zwischen Mühlhausen und Simmersdorf mündet der Allbach in die Reiche Ebrach.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Burgebrach, Pommersfelden, Höchstadt an der Aisch, Lonnerstadt, Wachenroth, Schlüsselfeld.
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat sechs Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Decheldorf (Dorf) Lempenmühle (Einöde) Mühlhausen (Hauptort) Neumühle (Einöde) Schirnsdorf (Dorf) Simmersdorf (Dorf)
Es gibt die Gemarkungen Mühlhausen und Schirnsdorf (nur Gemarkungsteil 1). Die Gemarkung Mühlhausen hat eine Fläche von 12,027 km². Sie ist in 2104 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5716,26 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Decheldorf, Neumühle und Simmersdorf.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Der Ort wurde 1008 als „Mulinhusun“ erstmals urkundlich erwähnt. Das Grundwort des Ortsnamens ist eine Pluralform des althochdeutschen Wortes hûs (Haus), das Bestimmungswort ist mulîn (Mühle). Demnach bedeutet der Ortsname Häuser bei einer Mühle.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 152.
Der Markt Mühlhausen war ab 1372Markt Mühlhausen, Website bis um 1800 unter der Herrschaft der Freiherren von Egloffstein, als reichsritterliche Herrschaft, die zum Ritterkanton Steigerwald des Fränkischen Ritterkreises gehörte. Johann von Egloffstein baute 1646 das im Dreißigjährigen Krieg abgebrannte Schloss wieder auf und 1746/48 wurde es im Barockstil umgebaut.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Mühlhausen aus 103 Anwesen. Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Wachenroth aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Rittergut Mühlhausen. Grundherren waren das Hochstift Bamberg (Kastenamt Wachenroth: Kirche, 1 Halbhof, 5 Sölden, 1 Mühle, 1 Brau- und Schenkstatt, 2 Häuser, 2 Häuslein; Kastenamt Schlüsselau: 1 Sölde), das schwarzenbergische Kastenamt Markt Scheinfeld (3 Güter), die schönborn’sche Herrschaft Pommersfelden (6 Sölden, 2 Halbgüter, 2 Halbsölden, 2 Tropfhäuser, 2 halbe Tropfhäuser, 2 Häuser, 1 Mühle), das Rittergut Mühlhausen (Schloss, 2 Wirtshäuser, Schafhof, Schmiede, Mühle, 10 Güter, 14 Gütlein, 38 Häuser).H. H. Hofmann: Höchstadt-Herzogenaurach, S. 75.
Mit der Rheinbundakte 1806 kam der Ort an Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurden 1808 der Steuerdistrikt und die Ruralgemeinde Mühlhausen gebildet, zu dem bzw. zu der Decheldorf, Neumühle und Simmersdorf gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Höchstadt zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Höchstadt. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 89 Anwesen dem Patrimonialgericht Mühlhausen (bis 1837), 23 Anwesen dem PG Pommersfelden (bis 1848) und 3 Anwesen dem Castell’schen Herrschaftsgericht Burghaslach (bis 1849). 1818 wurde Simmersdorf nach Wachenroth umgemeindet, was 1824 wieder rückgängig gemacht wurde. 1820 wurde Warmersdorf eingemeindet. Am 9. September 1854 wurde der Ort an die Gemeinde Weingartsgreuth abgegeben.H. H. Hofmann: Höchstadt-Herzogenaurach, S. 133. Ab 1862 gehörte Mühlhausen zum Bezirksamt Höchstadt an der Aisch (1939 in Landkreis Höchstadt an der Aisch umbenannt) und weiterhin zum Rentamt Höchstadt (1919 in Finanzamt Höchstadt umbenannt, 1929–1972: Finanzamt Forchheim, seit 1972: Finanzamt Erlangen). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Höchstadt (1879 in das Amtsgericht Höchstadt an der Aisch umgewandelt), von 1959 bis 1973 war das Amtsgericht Forchheim zuständig, seitdem ist es das Amtsgericht Erlangen. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 12,034 km².
21. Jahrhundert Gegen Ende des Jahres 2010 ist Mühlhausen durch den Abriss des denkmalgeschützten Rosenzweighauses aus dem 16. Jahrhundert überregional in die Schlagzeilen geraten.
Religionen mini|Jüdischer Friedhof Mühlhausen wurde über Jahrhunderte von Juden mitgeprägt, die dort von den Freiherrn von Egloffstein und den Markgrafen aufgenommen worden waren. Davon zeugt der Judenfriedhof, der direkt vor dem Dorf liegt und 1738 erworben und angelegt wurde.Haus der Bayerischen Geschichte: Jüdischer Friedhof in Mühlhausen Wahrscheinlich als Ausgleich für die Einnahmen, die den evangelischen Ortspfarrern durch jedes jüdische Haus entgingen, hatten Juden in Mühlhausen von 1716 bis 1881 ein sogenanntes „Judenneujahrsgeld“ zu entrichten. Die Synagoge wurde 1754 erbaut, 1833 umfassend renoviert und neu eingeweiht. 1938 wurde sie geschändet und völlig verwüstet. Das Synagogengebäude ist noch erhalten. Die letzten jüdischen Einwohner wurden 1942 deportiert.alemannia-judaica.de
Im Jahr 1910 lebten 861 Protestanten, 108 Katholiken und 66 Juden in Mühlhausen.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Juli 1974 Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Schirnsdorf eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Mühlhausen Jahr 1819 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2008 2013 2017Einwohner 897 1324 1094 1137 1212 1191 1184 1206 1201 1086 1079 1029 1040 1035 1008 1026 977 912 1542 1469 1120 1116 1373 1676 1684 1713HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben, die als Wohngebäude bezeichnet wurden. 224 210 204 213 200 199 221 381 355Quelle Für die Gemeinde Mühlhausen zuzüglich der Einwohner von Decheldorf (S. 17).
Ort Mühlhausen Jahr 1819 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2019Einwohner 767 784 846 855 708 710 1095 853 872 947 1450Häuser 143 149 143 143 163 253 Quelle Gemeindezahlen auf der Website muehlhausen.de
Politik Marktgemeinderat Die Kommunalwahlen 2020, 2014, 2008 und 2002 führten zu folgenden Sitzverteilungen im Marktgemeinderat: CSU Freie Wähler SPD Bürgervereinigung/ABM Unabhängige Bürger Gesamt 2020 6 6 n. a. n. a. n. a. 12 Sitze 2014 7 5 n. a. n. a. n. a. 12 Sitze 2008 5 4 3 n. a. n. a. 12 Sitze 2002 5 n. a. 2 4 1 12 Sitze
Bürgermeister Bürgermeister ist Klaus Faatz (CSU), der 2014 mit 80,5 % der Stimmen wiedergewählt wurde.
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist weiß-rot.
Baudenkmäler
Bodendenkmäler
Verkehr Die Staatsstraße 2260 verläuft nach Wachenroth (4,2 km westlich) bzw. über Stolzenroth nach Steppach (3 km nordöstlich). Die Staatsstraße 2763 verläuft an Schirnsdorf vorbei zur Anschlussstelle 78 der Bundesautobahn 3 (2,3 km südöstlich) und weiter über Nackendorf nach Höchstadt an der Aisch (6 km südöstlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße verläuft nach Decheldorf (4 km nordwestlich).
Alternative Energieversorgung mini|Mühlhausen Mühle Anlässlich einer Dorferneuerung 2009 hat die Gemeinde überlegt, was man „sonst noch alles“ unter dem Straßenbelag unterbringen muss. Dabei entstand die Idee der Nahwärmeversorgung. Später folgten Windenergie, Solarenergie, Wasserkraft und Biogas. Inzwischen produziert die Gemeinde mehr Strom, als sie selber verbraucht. Die Gemeinde wurde als „Energie-Kommune“ ausgezeichnet.Auszeichnung als Energie-Kommune Der „Energiepfad“ beschreibt und dokumentiert die Alternative Strom- und Wärmeproduktion im Ort auf einem 5 Kilometer langen Rundweg.Energie-Pfad
Persönlichkeiten Tobias Koen (1763–1849), Chirurg und Hof-Pediküre Kaiser Napoleons Anton Lessing (1840–1915), deutsch-russischer Großindustrieller Simon Lessing (1843–1903), Unternehmer und Brauereibesitzer
Literatur
Weblinks
Markt Mühlhausen: Erneuerbare Energie
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Erlangen-Höchstadt Kategorie:Ersterwähnung 1008 Kategorie:Markt in Mittelfranken Kategorie:Gemeindegründung 1808 Kategorie:Ort an der Reichen Ebrach Kategorie:Gemarkung im Landkreis Erlangen-Höchstadt