Die Bremer Vulkan AG [] war eine Großwerft und einer der wichtigsten Arbeitgeber in Bremen-Nord.
Die Werft baute Schiffe aller Kategorien (Frachtschiffe, Passagierschiffe, Tanker, Fischdampfer, U-Boote, Containerschiffe, Fregatten und andere) und gehörte bis in die 1990er Jahre zu den großen Werften Europas. Zusammen mit den Schiffen der Vorgängerwerft entstanden über 1000 Schiffe auf dem Bremer Vulkan.
Zu keiner Zeit wurde durch die Eigentümer ein nachhaltiges strategisches Investitionskonzept entwickelt, das geeignet gewesen wäre, in Wettbewerb mit asiatischen, insbesondere koreanischen und chinesischen Werften zu treten. Der Eintritt in den Marineschiffbau – außer zwangsweise in den Kriegsjahren hatte der Vulkan ausschließlich zivile Schiffe gebaut – konnte die Wettbewerbsschwäche nicht beheben. Mitte der 1990er Jahre geriet das Unternehmen aufgrund unzureichenden Eigenkapitals, fehlender nationaler Zielsetzung und daher weitgehend fehlender Investitionstätigkeit im zivilen Schiffbau in finanzielle Schwierigkeiten. Nach dem Vorwurf der Veruntreuung von Geldern, die für Investitionen an ostdeutschen Werftstandorten gedacht waren, meldete die Bremer Vulkan AG 1996 Insolvenz an und stellte im August 1997 den Schiffbau in der Stammwerft in Bremen-Vegesack ein.
Im Gegensatz zu der geologischen Bezeichnung Vulkan wird der Name der Werft in der Bremer Umgangssprache auf der ersten Silbe betont ([]). Er leitet sich ab von Vulcanus, dem römischen Gott des Feuers und der Schmiedekunst. Die Beschäftigten des Bremer Vulkan bezeichneten sich selbst als Vulkanesen.
Geschichte mini|Gründeraktie des Bremer Vulkan Schiffbau und Maschinenfabrik vom November 1893 mini|Blick vom Schulschiff Deutschland über die Mündung der Lesum in die Weser bei Vegesack auf die ehemalige Werft „Bremer Vulkan“ im Hintergrund
Gründung Nach dem Zollanschluss von 1888, der Weserkorrektion von 1887 bis 1895 und dem Hafenausbau fand in Bremen eine Industrialisierung statt,Dorothea Schmidt: Die Großen und die Kleinen – Industrie und Handwerk in Bremen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg, in Beiträge zur Sozialgeschichte Bremens, Heft 19, 1997, S. 10–47 und es entstand 1893 der Bremer Vulkan (nachfolgend BV genannt) durch die Fusion der Vegesacker Werften und zählte mit den über 1000 Beschäftigten schon zu Beginn zu den Bremer „Riesenbetrieben“.
Der 23. Oktober 1893 ist der Gründungstag. Im Bremer Handelsregister wird das Unternehmen als Bremer Vulkan Schiffbau und Maschinenfabrik in Vegesack mit einem Grundkapital von 300.000 Mark eingetragen. Zu den ersten Aktionären gehörten der neuernannte Vulkan-Direktor Victor Nawatzki, die Bremer Kaufleute Schütte und Loose, die Bremer Reeder Wätjen und Bischoff, der Schiffsmakler Bunnemann, der Direktor der Bremer Wollkämmerei Zschörner sowie der Papenburger Werftbesitzer Meyer und der Bremer Werftbesitzer Ulrichs.
Vorausgegangen war für 225.000 Mark der Kauf des Bremer Teils der Langeschen Werft. Die Werft befand sich damals sowohl auf dem Gebiet der Republik Bremen (Vegesack) als auch auf dem Gebiet des Königreichs Hannover (Grohn), wobei ein „kleiner Grenzverkehr“ zolltechnisch nicht ungünstig gewesen sein dürfte. Diese Werft war 1805 von Johann Lange, einem talentierten und sozial engagierten Unternehmer, gegründet worden. Nach seinem Tod 1844 wurde die Werft von dem ältesten Sohn Carl Lange und nach dessen frühen Tod 1887 von seiner Witwe weitergeführt. Geschäftsführer wurde der vorher bei der Meyer-Werft in Papenburg beschäftigte Ingenieur Nawatzki, ein gebürtiger Schlesier.
1895, also nur zwei Jahre später, kaufte der BV für 500.000 Mark das Gelände der mit Absatzproblemen kämpfenden Bremer Schiffbau Gesellschaft, eine Nachfolgerin der 1883 gegründeten Werft von Hermann Friedrich Ulrichs. Auch diese Werft befand sich auf bremischem (Vegesack) und hannoverschem Gebiet (Fähr). Die Ulrichs-Werft hatte bereits 1872 komplett auf den Bau von Eisenschiffen umgestellt.
Nawatzki erhöhte mehrfach das Grundkapital des BV und kaufte weiteres Gelände in Fähr-Lobbendorf hinzu; die Gesamtfläche betrug damit 325.000 m² und hatte eine Uferlänge von 1.500 m. Im Spätsommer 1896 verlegte er die Werft vom Langeschen auf das Ulrichs-Gelände in Fähr; die Verwaltung blieb vorerst am alten Platz. Außer dem Schiffbaubetrieb gab es dadurch eine komplette Maschinenfabrik mit Gießerei, Kesselschmiede, elektrischen Kränen und Werkzeugmaschinen.
1900 bis 1933 mini|Der Bremer Vulkan am Weserufer um 1910
Die folgenden Jahre waren von Erfolgen gekennzeichnet. Nawatzki hatte es geschafft, dass deutsche Reeder ihre Schiffe nicht mehr überwiegend im Ausland oder bei Werften an der Ostsee bestellten.
Durch eine Wirtschaftskrise sank die Zahl der Mitarbeiter im Jahr 1908 von 2400 auf 800, die Produktion im Schiffbau wurde um 25 % zurückgefahren. 1911 wurde wieder ein Rekordjahr, die Zahl der Beschäftigten stieg auf 3600. Der BV wurde im zivilen Schiffbau in den Jahren 1909 bis 1912 mit jährlich durchschnittlich 40.000 abgelieferten Bruttoregistertonnen (BRT) vor den Flensburger Schiffbaubetrieben mit 30.000 BRT, der Tecklenborg Werft in Bremerhaven mit 27.000 BRT und dem Stettiner Vulcan mit 22.500 BRT die Nummer eins unter den deutschen Werften. Mit dem Aufstieg der Werft war auch der Aufstieg der damaligen Stadt Vegesack verbunden.
Während des Kriegsjahrs 1915 begann das Reichsmarineamt Einfluss auf die Produktion zu nehmen, der BV lieferte insgesamt elf Minensuchfahrzeuge und acht U-Boote ab, erhielt aber den zivilen Schiffbau weitgehend aufrecht.
Während des Ersten Weltkriegs beteiligt sich der Industrielle August Thyssen durch Aktienkäufe am BV. Von 1916 an war die Familie Thyssen Mehrheitsgesellschafterin. Die Beschäftigtenzahl stieg 1920 auf mehr als 4000. 1922 wechselte Nawatzki aus Altersgründen vom Vorstand in den Aufsichtsrat, nahm aber weiter regen Anteil an der operativen Führung des Unternehmens. Von der Weltwirtschaftskrise war das Unternehmen im Gegensatz zu anderen Werften trotz erheblicher Produktionsrückgänge nicht in seiner Existenz gefährdet. In der zweiten Hälfte der 1920er und dem Beginn der 1930er Jahre schüttete BV seinen Aktionären Dividenden von bis zu acht Prozent aus. Damit war es eines der rentabelsten deutschen Unternehmen.
1933 bis 1945 Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 sollte die Deutsche Arbeitsfront die Rolle der Gewerkschaften in den Betrieben übernehmen. Hans Neumann und Bernhard Göhner organisierten den Widerstand der illegalen KPD auf dem BV. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs organisierten die Vulkanarbeiter Hans Neumann und Leo Drabent ein Widerstandsnetz der Bremer Werften in Verbindung mit der Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe in Hamburg.
Immer mehr Aufträge aus dem Ausland, insbesondere Skandinavien, erreichten in der Folgezeit den BV, 1937 waren es fast 70 % der Neubauaufträge. Wegen der Devisenbeschaffung wurden diese Aufträge bewusst niedrig kalkuliert. Insbesondere im Spezialschiffbau für Tanker, Fracht- und Kühlschiffe besaß der BV einen international guten Ruf.
1938 wurde als Tochterunternehmen die Vegesacker Werft GmbH mit dem Ziel gegründet, den zivilen und zu erwartenden militärischen Schiffbau – insbesondere U-Boote – zu trennen. Ab 1940 wurde der zivile Schiffbau weitgehend eingestellt. Vorstandsmitglied Robert Kabelac erwirkte bei der Reichsregierung erhebliche finanzielle Zuschüsse für die Umstellung auf die Rüstungsproduktion und stieg in den folgenden Jahren zu einem der wichtigsten Berater des NS-Staats in Fragen der Marinerüstung auf. Von 1940 bis 1945 stammten 85 Prozent der Erlöse für den Neubau von Schiffen aus der Rüstungssparte. Bis 1944 entstanden insgesamt 74 U-Boote unterschiedlicher Typen auf der Werft. Vulkan–Beschäftigte waren 1941/42 bis 1944 u. a. in Lorient/Frankreich tätig bei der Reparatur von U-Booten; sie waren in Arbeiterlagern u. a. in Hennebont untergebracht. Vulkan–Beschäftigte beaufsichtigten 1943 in Marseille den Umbau von Handelsschiffen für militärische Zwecke.Feldpost-Briefe von Rolf Chantelau, Archiv im Denkort Bunker Valentin
mini|Erinnerungstafel auf dem Werftgelände an den Bombenangriff vom 18. März 1943
Die Werft wurde mehrfach angegriffen. Der schwerste Luftangriff erfolgte im März 1943 durch amerikanische Bomber mit 108 Toten und weit über 100 Verletzten. Der Sachschaden war relativ gering. Die am 28. Juni 1944 von Vulkan übernommene Dachsmag wurde bereits am 30. Juni durch Alliierte Flugzeuge zerstört.
In den Jahren 1943–45 erfolgte der Bau der Bunker-Anlage Valentin etwa zehn Kilometer weiter weserabwärts in Bremen-Rekum durch Insassen des Konzentrationslagers Neuengamme, des Arbeitserziehungslagers der Gestapo Bremen und des Gefangenenlagers Bremen-Schwanewede. In dem Bunker sollten unter Leitung des BV ab Mitte 1945 monatlich mindestens 14 U-Boote aus vorgefertigten Sektionen von Blohm & Voß und der AG Weser, die auf Fährpontons angeliefert werden, montiert werden. Die Anlage wurde jedoch nicht mehr fertiggestellt, es wurden nie U-Boote dort montiert.
Durch Bombenschäden und den um sich greifenden wirtschaftlichen Zusammenbruch war der BV von Mitte 1944 an immer weniger in der Lage, die Produktionsvorgaben der Reichsregierung zu erfüllen. Im Frühjahr 1945 begann das Unternehmen unter Kabelac mit der klandestinen Vorbereitung auf die erwartete Nachkriegszeit: Befehle zur Auskämmung von Personal und zur Demontage oder Zerstörung von Maschinen und Anlagen wurden verschleppt oder ignoriert, Produktionsplätze für den zivilen Schiffbau wieder hergerichtet. Die alliierten Truppen, die Anfang April 1945 die Kontrolle über Bremen übernahmen, stellten für sie überraschend geringe Schäden an den Anlagen des BV fest.
Die Besitzverhältnisse waren von den politischen und kriegerischen Entwicklungen nicht betroffen: Heinrich Thyssen war der größte Anteilseigner und übernahm Mitte der 1930er Jahre weitere Anteile aus dem Portfolio seiner Geschwister. Auf die Geschäftstätigkeit nahmen er und sein Generalbevollmächtigter Wilhelm Roelen kaum Einfluss. Das BV-Direktorium handelte weitgehend unabhängig vom Mehrheitseigentümer.
Nachkriegszeit mini|Taufe des Fischdampfers Berlin durch den stellvertretenden Oberbürgermeister Berlins Ferdinand Friedensburg im Jahr 1949
Der BV war organisatorisch eng in den Neustart der maritimen Wirtschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eingebunden. Mitte 1945 ernannte die US-Militärverwaltung Kabelac zum Leiter der Shipbuilders Association of the Enclave, die eine zivile Neuausrichtung und Wiederbelebung des Schiffbaus in Bremen und Bremerhaven organisieren sollte.