KT4 ist die Typenbezeichnung für einen Einrichtungs-Kurzgelenktriebwagen des tschechoslowakischen Straßenbahn-Fahrzeugherstellers ČKD Tatra.
Typen Zwischen 1975 und 1997 wurden insgesamt 1801 Fahrzeuge von ČKD gebaut, die in damals vier Staaten zum Einsatz kamen. KT4 steht für kloubová tramvaj (Gelenkstraßenbahn) mit vier Achsen. Gemäß der ab Mitte der 1970er Jahre gültigen Typen-Nomenklatur des Herstellers lautet die vollständige Typenbezeichnung eigentlich KT4A2. Da es vom Obertyp KT4 jedoch keinerlei Bauartvarianten wie beim späteren T6 gab, entfiel der Zusatz „A2“. Die elektrische Ausrüstung entsprach entweder der überarbeiteten Version des Typs T4 mit Beschleuniger- oder der des Typs T6A2 mit Thyristorsteuerung. Die beiden 1972 gebauten Prototypen wurden anfangs in Prag und ab 1974 in Potsdam erprobt, dort wurden sie 1975 bis 1989 im Liniendienst eingesetzt. Einer von ihnen ist heute noch in Potsdam als historischer Triebwagen erhalten. Im Jahr 1976 wurde eine Nullserie von 33 Wagen in die DDR geliefert. Zwei Wagen gingen nach Plauen, drei nach Berlin, acht nach Leipzig und zwanzig nach Erfurt. Von außen waren sie durch einen veränderten Anstrich (abgesehen von Leipzig, wo nie Wagen im Prager Anstrich verkehrten) und an den eckigen Rändern der Front- und Heckscheibe zu erkennen. Die in Gummi gefassten Einsätze über den Türen entfielen, an ihrer Stelle wurde das Blech versteifend nach außen geprägt. Bei folgenden Hauptuntersuchungen wurden die Front- und Heckfenster der späteren Serienbauart angeglichen. Auch der Anstrich wurde angepasst.
KT4D Unter der Bezeichnung KT4D wurden Wagen nach Berlin, Brandenburg an der Havel, Cottbus, Erfurt, Frankfurt (Oder), Gera, Gotha, Görlitz, Leipzig, Plauen, Potsdam und Zwickau geliefert; nach Schöneiche gelangten erst nach der Wende überzählige Wagen aus Cottbus; Jena erwarb 2013 einen Erfurter Wagen als Arbeitsfahrzeug (unechter Zweirichtungswagen 435). Auch Magdeburg erwarb im Jahr 2020 acht KT4Dm aus Berlin. Mit ihnen sollte bis zur Anschaffung von neuen Niederflurwagen der Verkehrszuwachs bewältigt werden. Obwohl die KT4 konstruktiv vor allem für enge Bögen und bergige Strecken vorgesehen waren, erhielt Berlin die meisten Wagen. Hier bestand ein hoher Bedarf an neuen Fahrzeugen, da die Berliner Verkehrsbetriebe keine Tatra-Großraumwagen (T4D/B4D) beschafft hatten.
Bis auf die Wagen für Gera und Leipzig wurden alle KT4D in Prager Farben geliefert, Elfenbein mit einem breiten roten Streifen unterhalb der Fenster. Bei den Prototypen und Nullserienfahrzeugen war dieser rote Streifen an den Seitenwänden noch etwas breiter ausgeführt, vergleichbar mit den T3 und T4D. Die acht Wagen für Leipzig wurden für Versuche mit neuen Farbkombinationen genutzt. Zwei erhielten den klassischen Leipziger Anstrich in Elfenbein mit blauer Zierlinie, zwei die Prager Aufteilung, jedoch in Elfenbein und Blau und vier in Elfenbein und Orange. Kurze Zeit lief ein Wagen in einer umgekehrten Blau-Elfenbein-Kombination. Zum 750-jährigen Stadtjubiläum 1987 sollten die Berliner Nahverkehrsmittel in einem einheitlichen Schema, dem sogenannten »Hauptstadtlack«, lackiert werden. Dabei war für die Seitenwände lichtgrau vorgesehen, kombiniert mit einer Kennfarbe für die Stirnseiten und die Türen. Während das bei Bussen und U-Bahn-Wagen auch passierte, hinterließen Probelackierungen bei Straßen- und S-Bahn-Wagen wegen der Wagenkastenformen und der Türaufteilung einen unbefriedigenden und unruhigen Eindruck. Daraufhin wurden die Straßenbahnwagen klassisch waagerecht unterteilt lackiert, Elfenbein mit einem breiten umlaufenden orangen Streifen unter den Fenstern, unterhalb der Fußbodenhöhe dunkelbraun. In diesem Anstrich wurden bis auf die ersten zwei alle KT4Dt mit Thyristorsteuerung geliefert. Die letzte Lieferung für Erfurt erhielt auch eine andere Lackierung, vom Dach bis zur Fensterunterkante rot, Seiten- und Stirnwände weiß mit roten Streifen. Die Wagen 544, 546, 547, 550, 551, 554 und 555 aus der letzten Serie gingen nach Cottbus. Dort wurde das Farbschema bei der Modernisierung und Umbau zu KTNF6 weiterverwendet.
In Gotha wurden die KT4D in Elfenbein mit roter Zierlinie umlackiert, später dann je drei in Blau-Weiß für die Stadt und in Gelb-Weiß für die Waldbahn.
Die KT4 können einzeln sowie in Doppel- oder Dreifachtraktion eingesetzt werden. Dreifachtraktionen im Planbetrieb gab es jedoch nur in Erfurt und wenige Monate (Herbst 1989 bis Frühjahr 1990) in Cottbus. In Erfurt, Cottbus und Plauen waren die Wagen auch in Heck-an-Heck-Traktion im Planeinsatz, um bei Baumaßnahmen Strecken ohne Wendeschleifen bedienen zu können. Außer in Berlin, wo 99 Triebwagen mit Thyristorsteuerung (TV3) eingesetzt wurden (erkennbar an den kleineren Lüftern auf der linken Fahrzeugseite und Bezeichnung KT4Dt), hatten alle Wagen ab Werk die Beschleunigersteuerung und ähneln damit technisch dem Typ T4D. Die Wagen für Plauen und Zwickau erhielten eine geänderte Getriebeübersetzung, um die dortigen Steigungen bewältigen zu können; ihre Höchstgeschwindigkeit beträgt daher nur 55 km/h. Die Wagen mit Standardübersetzung erreichen nach Herstellerangaben 65 km/h. Es wurden jedoch auch höhere Geschwindigkeiten gefahren. So erreichten Fahrzeuge dieses Typs auf der Sternstrecke in Potsdam mit ihren eisenbahntypisch überhöhten Kurven Geschwindigkeiten von annähernd 80 km/h.
Die Wagen befinden sich heute noch in vielen Städten, in die sie geliefert wurden, im aktiven Planeinsatz. Ausnahmen sind Berlin und Leipzig. In Leipzig gab man sämtliche Wagen 1984 nach Berlin ab. Grund dafür war die geringere Kapazität einer KT4D-Doppeltraktion gegenüber T4D-Großzügen (Dreifachtraktionen von KT4D konnten wegen der zu gering dimensionierten Stromversorgung nicht eingesetzt werden), weswegen man keine weiteren Fahrzeuge dieses Typs beschaffte und für die acht vorhandenen keine gesonderte Wartungslinie aufrechterhalten wollte. Mittlerweile wurde der Triebwagen mit der Leipziger Nummer 1308 nach Leipzig zurückgebracht. Nach einer längeren Abstellzeit gelangte er doch in das Leipziger Straßenbahnmuseum und wurde in den Anlieferungszustand zurückversetzt. In Berlin wurden die KT4D im Mai 2021 ausgemustert und beispielsweise nach Polen und in die Ukraine verkauft. In Cottbus wurden 26 KT4D modernisiert und zu KTNF6 (s. u.) umgebaut und die übrigen Fahrzeuge außer Triebwagen 65 abgegeben. Bei allen Betrieben wurden die Fahrzeuge nach der Wende auf unterschiedliche Weise modernisiert. Die Potsdamer KT4DM und die Cottbusser KTNF6 erhielten im Zuge der Modernisierung eine leicht veränderte Frontpartie mit tieferliegendem Knick über den Scheinwerfern.
Während sie vor allem bei kleineren Betrieben noch länger zum Alltag gehören werden, sind sie in den größeren Städten teilweise durch Niederflurfahrzeuge ersetzt worden und aus dem Dienst ausgeschieden. Gleichzeitig führten bei einigen Betrieben Probleme bei der Abnahme der Niederflurfahrzeuge zu weitaus längeren Einsatzzeiten der KT4DM als zunächst vorgesehen, so zum Beispiel in Potsdam.
Die KT4 sind vom Hersteller für den Betrieb mit 600 Volt Gleichspannung ausgelegt worden. Bei einer Erhöhung der Spannung auf 750 V werden Altfahrzeuge mit Beschleuniger (also nur mit Dachwiderständen ohne elektronische Bauelemente) in der Regel ausgemustert, weil eine Umrüstung zu aufwändig und damit zu teuer wäre. KT4-Wagen mit darauf angepasster Chopper-Steuerung können dagegen auch mit 750 V betrieben werden.
Umbau zu unechten Zweirichtungswagen mini|ET 317 in Gotha, Führerstand am B-Ende In Erfurt (Wagen 405, später 434 und 435; Umbau 1985 bzw. 1987) und Gotha (Wagen 316 und 317; Umbau 2010/2012) erhielten einige Wagen am B-Ende einen zusätzlichen Führerstand, es wurden aber keine Türen auf der linken Seite eingebaut. Mittlerweile sind die zwei Zweirichtungswagen 405 und 435 nicht mehr in Erfurt. Der 405 ging in das Eisenbahnmuseum Weimar und der 435 im Jahr 2013 nach Jena. Dort ist er zum Arbeitswagen 490 geworden. Während die Erfurter Wagen für den Baustellenbetrieb vorgesehen waren, verkehrt einer der Gothaer Zweirichtungswagen planmäßig auf der Linie 6 in Waltershausen und erspart die Rangierfahrt am Gleisdreieck.
Auch die Stadt Jewpatorija auf der Halbinsel Krim baute ihre drei KT4 mit den Nummern 31, 38 und 39 zu unechten Zweirichtern um. Hierbei wurde ein zusätzlicher Einholmstromabnehmer auf die B-Teile aufgesetzt.
Ein echter Zweirichtungswagen wurde für die Lockwitztalbahn projektiert. Er sollte gesickte Seitenwände und drei Türen pro Fahrzeugseite erhalten. Wegen der Streckenstilllegung im Dezember 1977 wurde das Projekt nicht weiterverfolgt.
KT4D-Modernisierung in Berlin Zwischen 1993 und 1997 wurde die Hälfte der Fahrzeuge des Typs KT4D umfangreich modernisiert. Die übrigen wurden bis 1999 verkauft oder verschrottet. Eine erneute Modernisierung der Hochflur-Typen KT4D-t mod / KT4D mod wird aus wirtschaftlichen Gründen von der BVG abgelehnt. Dennoch erhielten 2014 zwanzig, später weitere 20, KT4D-mod-Wagen eine nach § 57 der BOStrab für vier Jahre geltende Hauptuntersuchung, um Nachfragesteigerungen abfangen zu können. Die letzten Wagen wurden im Mai 2021 abgestellt.
Modernisierung in Gotha Die in Gotha und auf der Thüringerwaldbahn eingesetzten Tatras Typ KT4D von 1981 und 1982 wurden allesamt zwischen 1997 und 1999 mit Kiepe Elektrik modernisiert. Seitdem wird für diese Fahrzeuge die Bezeichnung KT4D mod (mod für „modernisiert“) verwendet.
Modernisierung Erfurt In Erfurt wurden die Wagen im Innenraum erneuert und neue Fenster und Sitze eingebaut. Viele Wagen bekamen Düwag-Falttüren, darunter die unechten Zweirichtungswagen 405 und 435. Die Beschleunigersteuerung wurde beibehalten. Die Wagen 512, 520, 522 und 530 erhielten eine Choppersteuerung. Im Oktober 2014 wurde die Fahrdrahtspannung von 600 auf 750 Volt erhöht. Die darauf nicht ausgelegten Wagen mit Beschleunigersteuerung wurden zu diesem Zeitpunkt ausgemustert und der Linienverkehr mit den KT4D beendet.
Modernisierung Potsdam In Potsdam wurde die Inneneinrichtung und Fahrerkabine erneuert. Die Triebwagen bekamen eine Choppersteuerung und neue Schwenktüren. Dabei wurden sie in führende (mit 100er Nummer) und geführte (200er Nummer) Triebwagen unterteilt. Die geführten Triebwagen behielten dabei ihre Führerstände. Bei einem Unfall wurde der KT4D 068 (ex Berlin 219 531) an der Frontpartie so stark beschädigt, dass er beim Waggonbau Bautzen eine neue Front bekam. Sie war weiter nach unten gezogen und hatte eckige Frontscheinwerfer. Der Wagen erhielt später die Nummer 156. Diese neue, stärker nach unten gezogene Front wurde im Rahmen der Modernisierung bei weiteren Wagen eingebaut. Das betraf auch Cottbuser Wagen.
KTNF6