Teamviewer (Eigenschreibweise TeamViewer) ist ein börsennotiertes Softwareunternehmen mit Hauptsitz in Göppingen. Es ist nach der Fernwartungssoftware Teamviewer Remote benannt. Diese ist heute Teil einer Plattform zur Vernetzung, Überwachung und Steuerung von Computern, Maschinen und Anlagen sowie anderen Geräten.
Geschichte mini|Hauptsitz in Göppingen Die Gründung von Teamviewer geht auf die Veröffentlichung der ersten Version der Teamviewer-Software im Jahr 2005 zurück. Um Reisen zu Kunden zu reduzieren, wurde die Teamviewer-Software entwickelt. Das Geschäftsmodell erlaubt privaten Anwendern eine kostenlose Nutzung der Software, während Firmen eine kostenpflichtige Lizenz erwerben müssen. Dieses Modell wird bis heute fortgeführt.
2010 wurde Teamviewer von GFI Software gekauft. 2014 übernahm die britische Private-Equity-Investor Permira Teamviewer und unterstützte das Unternehmen bei der Entwicklung der internationalen Kundenbasis und der Erweiterung des Anwendungsbereichs der Produkte. Mit einem Kaufpreis von rund einer Milliarde US-Dollar wurde das Unternehmen als sogenanntes „Einhorn“ eingestuft.
Ab Anfang 2018 stellte das Unternehmen sein Geschäftsmodell vom Lizenzverkauf auf Abonnements um. Zur Vorbereitung des Börsengangs etablierte man 2019 eine neue Unternehmensstruktur mit einer neuen AG als Eigentümerin der dann umbenannten Firma Teamviewer Germany.
Die Erstnotierung an der Frankfurter Wertpapierbörse im September 2019 stieß auf starkes Interesse der Anleger. Mit einem Emissionsvolumen von 2,2 Milliarden Euro war es der größte Börsengang eines deutschen Technologieunternehmens seit dem Jahr 2000 und der größte Börsengang Europas im Jahr 2019. Ende 2019 wurde die Aktie der Teamviewer in den MDAX und den TecDAX aufgenommen.
In den folgenden Jahren investierte Teamviewer verstärkt in den Ausbau von Lösungen für die Industrie 4.0. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Digitalisierung kompletter Wertschöpfungsketten, einschließlich der Interaktion mit Kunden beispielsweise im Vertrieb und Kundendienst. Im Jahr 2020 wurde Ubimax, ein Spezialist für Augmented-Reality-Software übernommen. Es handelte sich um den ersten größeren Zukauf in der Firmengeschichte. Später wurde das Portfolio von Teamviewer durch weitere Übernahmen ergänzt.
Im Juni 2024 wurde TeamViewer eigenen Angaben zufolge Ziel eines Angriffs durch die russische Hackergruppe APT29. Der Vorfall beschränkte sich auf die interne IT-Umgebung, Kundendaten waren nicht betroffen. Laut Angaben des Unternehmens gab es keinen Zugriff auf die separate Produktumgebung oder die Konnektivitätsplattform.
Im Dezember 2024 wurde bekannt, dass TeamViewer das britische Unternehmen 1E übernimmt, ein führender Dienstleister für Digital-Employee-Experience-(DEX)-Software.
Ende 2025 führte Teamviewer den KI-Agenten Tia ein. Dieser kann simple technische Probleme selbstständig beheben.
Im März 2026 wechselte die Teamviewer-Aktie aufgrund ihrer Marktkapitalisierung vom MDAX in den SDAX.
Unternehmensstruktur Teamviewer ist eine Europäische Aktiengesellschaft. Ihre Aktien werden im regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt. Das Unternehmen ist Bestandteil des SDAX, TecDAX und STOXX Europe. Von 2019 bis März 2026 war Teamviewer im MDAX gelistet. Stand März 2026 befinden sich 100 % der Aktien im Streubesitz. Größter institutioneller Aktionär (Stand: März 2026) ist BlackRock (4,8 %). Im Eigenbesitz der TeamViewer SE befinden sich 3,5 % der Aktien. Das Management hält ebenfalls Aktien (1,91 %).
Der Vorstand von Teamviewer besteht aus Oliver Steil, Michael Wilkens, Mark Banfield und Mei Dent. Zusätzlich gibt es eine erweiterte Geschäftsführung (Senior Leadership Team). Vorsitzender des mehrköpfigen Aufsichtsrats ist Ralf W. Dieter.
Die Hauptverwaltung des Unternehmens befindet sich in Göppingen. Dort sind unter anderem die Entwicklung und der Vertrieb für den Europäischen Wirtschaftsraum angesiedelt. Das Gebäude war von der Stadt errichtet worden und sollte ursprünglich als Erweiterung des Rathauses genutzt werden, bevor es dem Unternehmen angeboten wurde, um es in Göppingen zu halten.
TeamViewer war im Geschäftsjahr 2024 mit Tochtergesellschaften in 15 Ländern vertreten.TeamViewer SE, Jahres- und Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2024 zum 31.12.2024, veröffentlicht im Unternehmensregister am 16. April 2025, abgerufen am 27. August 2025. Das Geschäft in Nord- und Südamerika wird von Largo, Florida aus koordiniert. Die Standorte Singapur und Adelaide sind für den asiatisch-pazifischen Raum zuständig. Dazu kommen Zentren für Forschung und Entwicklung in Ioannina, Linz, und Porto, sowie weitere Standorte in Mumbai, Shanghai, Singapur, Tokio und Jerewan (Armenien).
Kennzahlen Die Unternehmenskennzahlen haben sich wie folgt entwickelt: Jahr201720182019202020212022202320242025Umsatz (in Mio. Euro)138,47258,16390,19455,61501,10565,87626,69671,42767,5Ergebnis nach Steuer (in Mio. Euro)−69,15−12,41103,86103,0350,0567,60114,02123,08118,25Bilanzsumme (in Mio. Euro)940,37948,21958,921.063,421.546,671.172,701.111,531.070,341.675,78Anzahl Mitarbeiter6386528411.2561.4771.3861.4611.5861.925
Produkte Bekannt wurde Teamviewer vor allem mit einer Lösung für den Fernzugriff auf sowie die Fernsteuerung und die Fernwartung von Computern und mobilen Endgeräten. Die Teamviewer-Plattform ermöglicht den Zugriff auf und die Vernetzung von einer Vielzahl von Geräten in Unternehmen und fungiert so als Plattform für einen digitalen Arbeitsplatz. Die Software unterstützt alle gängigen Desktop-, Smartphone- und Tablet-Betriebssysteme, einschließlich Microsoft Windows, macOS, Linux und auf Betriebssystemen für Mobilgeräte wie Android und iOS. Es gibt Schnittstellen zu Software und Diensten wie beispielsweise Microsoft Teams. Für die private, nicht-kommerzielle Nutzung ist die Software im Funktionsumfang eingeschränkt und kostenlos nutzbar.
Durch die Übernahme des Softwareunternehmens 1E integrierte TeamViewer Funktionen im Bereich der Digital Employee Experience (DEX), die der frühzeitigen Erkennung sowie der automatisierten Behebung von Geräteproblemen dienen, um potenzielle Auswirkungen auf die Produktivität zu reduzieren. In diesem Zuge führte das Unternehmen mit TeamViewer One eine übergreifende Plattform ein, die Remote-Anwendungen und DEX-Funktionen bündelt. Darüber hinaus bietet Teamviewer Augmented-Reality-Anwendungen an, um Arbeitsprozesse in der Industrie zu erleichtern, etwa bei der Wartung und Reparatur von Maschinen und Anlagen.
Sponsoring 2020 wurde Teamviewer Hauptsponsor der Handballbundesligamannschaften von Frisch Auf Göppingen. Das Engagement wurde mit Ablauf der Saison 2025/26 eingestellt.
Von der Saison 2021/2022 bis zur Saison 2023/2024 war das Unternehmen Trikotsponsor von Manchester United. Teamviewer gab im Dezember 2022 bekannt, das Engagement im Einvernehmen mit dem Fußballunternehmen substantiell reduzieren zu wollen, um einem geänderten Marktumfeld Rechnung zu tragen.
Ebenfalls 2021 schloss Teamviewer eine Partnerschaft mit dem Formel-1-Team Mercedes-AMG Petronas und dem Formel-E-Team Mercedes-EQ. Letztere endete mit dem Ausstieg des Mercedes-Teams aus der Formel E nach der Saison 2022.
Kritik
Cyberangriff auf das Unternehmensnetzwerk im Jahr 2019 2019 berichtete Der Spiegel über eine Cyberattacke auf das Teamviewer-Netzwerk. Das Unternehmen stellte klar, man habe keine Belege für die Entwendung von Kundendaten oder die Infektion von Kundensystemen gefunden. Auch der Quelltext der Teamviewer-Software sei nicht manipuliert worden.
Bußgeld nach Cyberangriff im Jahr 2024 Am 20. Juli 2026 wurde bekannt, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gegen TeamViewer ein Bußgeld in Höhe von 240.000 Euro festgesetzt hat. Anlass war die nicht unverzüglich veröffentlichte Insiderinformation über einen Cyberangriff aus dem Jahr 2024 auf die interne IT-Umgebung von Teamviewer, den das Unternehmen Ende Juni 2024 bestätigt hatte. Nach Unternehmensangaben leitete es anschließend Untersuchungen und Maßnahmen zur Eindämmung des Sicherheitsvorfalls ein. Die Bafin bewertete den Vorfall als veröffentlichungspflichtige Insiderinformation, die nach der Marktmissbrauchsverordnung unverzüglich veröffentlicht werden musste. Nach Auffassung der Behörde erfüllte die Veröffentlichung auf der Unternehmenswebsite diese Anforderungen nicht, da eine formgerechte Ad-hoc-Mitteilung über die vorgesehenen Informationskanäle erforderlich gewesen wäre.
Einzelnachweise
Kategorie:Unternehmensgründung 2005 Kategorie:Softwarehersteller (Deutschland) Kategorie:Unternehmen (Göppingen) Kategorie:Unternehmen im TecDAX Kategorie:Unternehmen im MDAX (ehemalig)