Tage der Finsternis (, transkribiert ) ist ein preisgekrönter sowjetischer Spielfilm aus dem Jahr 1988 des Regisseurs Alexander Sokurow. Das Drehbuch schrieben Juri Arabow und Pjotr Kadotschnikow nach dem Science-Fiction-Roman Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang von Arkadi und Boris Strugazki ().
Handlung Dmitri Maljanow, ein junger Arzt, der aus Gorki stammt und erst kürzlich in Moskau sein Examen gemacht hatte, hat auf eigenen Wunsch eine Stellung in der Stadt Krasnowodsk (heute Türkmenbaşy) in der Turkmenischen SSR, einer abgelegenen, heißen und sehr armen Region der Sowjetunion, angenommen. Er versorgt Patienten in der Stadt, als auch in den Steppen Turkmeniens, sowie in einer psychiatrischen Klinik. Neben seiner täglichen Arbeit als Kinderarzt erforscht Maljanow die Auswirkungen religiöser Gebräuche auf die menschliche Gesundheit. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass Religion und der Glaube an Gott tatsächlich die Gesundheit der Gläubigen verbessern können. Bei dem Versuch, seine These aufzuschreiben, kommt es zu einer Folge von seltsamen, bizarren Ereignissen und Maljanow gelangt zu der Ansicht, dass eine unbekannte Kraft ihn daran hindert, seine Forschung abzuschließen.
Eines dieser seltsamen Geschehnisse ist die Lieferung eines Paketes, welches er nicht bestellt hatte. Der Paketbote entwendet beim Gehen einen Stapel Manuskriptseiten seiner Untersuchungsergebnisse und lässt die Blätter auf dem Hof fliegen. Etwas später kommt Alexander Wetscherowski, ein Geologe und Einheimischer zu Besuch, der einzige wahre Freund Dmitris in dieser Stadt. Während der, an einem vergitterten Fenster sitzend, genüsslich ein Baguette isst, kommt von außen ein großer Waran immer näher, dem er den Namen Joseph gegeben hat und will etwas von dem Gemüse abhaben. Nun packt Dmitri das zuvor erhaltene Paket aus und findet darin einen großen, in Gelee verpackten Hummer. Alexander möchte nun wissen, was ihn in diese verlassene Gegend getrieben hat, weil er doch ein Russe ist und bekommt zur Antwort, dass er sich an Gorki kaum noch erinnert, obwohl ihm seine Schwester ständig schreibt, dann war er sechs Jahre in Moskau, doch hier fühlt er sich freier. Nur wenn seine Patienten Turkmenisch mit ihm reden, wird er wütend und stellt sich stumm, da er die Sprache nicht richtig versteht. Hier hat er auch festgestellt, dass die Zahl der Erkrankungen bei den Einwohnern, fünf Mal höher liegt, als bei den Altgläubigen. Dann bringt er Alexander noch ein Stück des Wegs.
Als er nach Hause kommt, sitzt Dmitris Schwester in seinem Zimmer. Sie hat ein Telegramm von ihm bekommen, das er jedoch nie geschickt hat. Auch sie fragt ihn, was er in dieser Gegend verloren hat und warum alles so dreckig und unaufgeräumt ist. Als sie in das Schlafzimmer geht, schreit sie laut auf, da sie eine Riesenschlange auf dem Fußboden sieht. Mit dem Hinweis, dass diese Schlange Eva in Versuchung gebracht hat, legt er sie sich über die Schulter und bringt sie aus dem Zimmer. Hier trifft er auf den Militäringenieur Snegowoi, mit dem er in dessen Wohnung geht, da der ihm ein Buch gibt, das er jedoch noch einmal gegen eines mit seinen persönlichen Bemerkungen austauscht. Snegowois Fragen sind etwas verwirrend, so will er wissen, ob Dmitri an einer geheimen Sache arbeitet, was dieser jedoch verneint, denn seine Forschungen sind rein privater Natur und außergewöhnliches in seinem Umfeld hätte er in der letzten Zeit nicht festgestellt. Wieder zu Hause angekommen, stellt er fest, dass die Erde bebt und äußert die Vermutung, dass jemand gegen ihn sein muss. Dann unterhält er sich noch eine Zeit mit seiner Schwester, die ihm vorwirft, ein Egoist zu sein, da er unter dem Vorwand seine Studien fortzuführen, nicht wieder nach Gorki zurückgekommen ist. Deshalb musste sie weiter die Mutter pflegen und konnte deshalb den Mann nicht heiraten, den sie liebte, da der in Kiew lebte.
Am nächsten Morgen ist die Wohnung Snogowois voller Polizei und medizinischen Personal, da der sich in der Nacht selbst erschossen hat. Dmitri kann nur noch zusehen, wie er mit dem Leichenwagen abtransportiert wird und fährt mit seinem Fahrrad eine längere Zeit durch die Gegend, um sich abzulenken. Zurück in seinem Büro, findet er einen Briefumschlag mit Geld von seiner Schwester, die inzwischen überraschend wieder abgereist ist. So setzt er sich an seine Schreibmaschine und als es an der Tür klingelt, öffnet er und wird umgehend von einem Mann in Uniform mit einer Kalaschnikow bedroht, der behauptet, ihn zu einem Reservistenlehrgang abholen zu wollen. Doch schnell stellt es sich heraus, dass es sich um den desertierten Offizier der Sowjetarmee Gubar handelt, der schon längere Zeit gesucht wird. Er will nur bis zum Abend bleiben und dann weiterziehen. Doch er muss schon früher das Haus verlassen, denn durch seine Warnschüsse auf Dmitri hat er sein Versteck verraten und die Suchkommandos der Armee sind ihm auf der Spur. In den naheliegenden Bergen wird Gubar eingekesselt und erschossen, was Dmitri aus nächster Nähe beobachtet. Da der keine Ruhe finden kann, fährt er mit dem Fahrrad zum Leichenschauhaus, um sich den Leichnam Snegowois anzusehen. Dieser dreht sich plötzlich zu ihm um und beginnt zu sprechen. Das sei hier kein Ort für Lebende und für ihn ist es sehr qualvoll, wenn Arme und Beine nicht mehr gehorchen. Außerdem ist allen Menschen der Kreis beschieden, aus dem man nicht ausbrechen darf, denn sonst kommen die Wächter und stellen ihre Ordnung wieder her. Man ahnt nicht, welche Wächter man weckt und welche Macht man gegen sich richtet. Jetzt, da Snegowoi mit Dmitri spricht, stößt er ihn dadurch für immer ins Verderben, denn jetzt ist sein Platz neben ihm.
Umgehend begibt sich Dmitri zu seinem Freund Alexander, um das soeben erlebte mit ihm gemeinsam auszuwerten, denn die Angelegenheit hat ihn sehr stark mitgenommen. Als Alexander für kurze Zeit das Zimmer verlässt, findet Dmitri ein Buch mit Bildern von Adolf Hitler und blättert darin, während im Radio eine Rede von Leonid Breschnew an die Komsomolzen übertragen wird. Aus der Wohnung kann man auf das Kaspische Meer blicken und Dmitri stellt fest, dass er noch nie am Schwarzen Meer war. Doch Alexander war bereits vor langer Zeit dort und fügt dazu, dass nur wenige dort sind, wo sie hingehören (wörtlich: „…sein sollten.“) Sein Großvater starb in der Nähe seines Geburtsortes unweit von Jalta. Als sein Vater starb, bemühte sich seine Mutter bei Simferopol als Ingenieurin um eine Zuzugserlaubnis, die sie aber ebenso wenig, wie eine Arbeit bekam. Nur durch den Verkauf von Gemüse aus ihrem Garten konnte sie die Familie am Leben erhalten. Der einzige Grund für diese und andere Schikanen war ihre Zugehörigkeit zu den Krimtataren. Alexander erzählt, dass bei der Umsiedlung die Hälfte der Bevölkerung umgekommen ist. Wegen dieser Umsiedlungen sind auch seine jetzigen Eltern hier in Turkmenien, denn als Wolgadeutsche hatten sie das gleiche Schicksal. Sie hinterließen ihm das Haus, in dem er jetzt nach deren Umzug wohnt, das er aber nicht wolle, stattdessen wünsche er sich für seine Kinder, dass ihre Nationalität keine Rolle spiele.
Als Dmitri wieder in seinem Büro ankommt, liegt auf dem Hof, vor seiner Tür, ein kleiner Junge, der Hunger hat. Erst wird er gründlich gewaschen und dann gibt es etwas zu essen. Zu dieser Zeit wird im Radio eine katholische Messe aus Rom übertragen. Der Junge erzählt, dass er sehr krank ist. Wenn er Dmitri anschaue, könne er ihm beim Altern zusehen. Er möchte auch nicht, dass seine Eltern gesucht werden, denn Dmitri ist daran schuld, wenn er von ihnen wegen seiner Forschungen verprügelt wird. Nach dem Gespräch nimmt Dmitri einen großen Teil seiner Niederschriften, geht damit auf die Straße und verbrennt sie, um Frieden zu schaffen. Doch er denkt um und sortiert einen Teil davon, den er vor den Flammen rettet. Wieder im Büro, kommt der kleine Junge hinzu und wird von Dmitri untersucht. Am Nachmittag will er mit ihm zum Augenarzt gehen, doch der Junge sagt ihm, dass er nicht dazu kommen wird. Dann klingelt es an der Tür und der Junge weiß sofort, dass er abgeholt wird. Dmitri wehrt sich dagegen, kann jedoch nichts unternehmen, da der Vater mit dem Kind, das die Flügel ausbreiten soll, offenbar wie ein Engel über die Häuser davon schwebt.
Dmitri fährt sichtlich verwirrt aus der Stadt, wo er einen Berghang in Riesengestalt durch die knietief kleinen Wohnhäuser läuft, um sich mit Alexander über das Erlebte auszutauschen. Der hat bereits Besuch von seinem ehemaligen Geschichtslehrer Gluchow und gemeinsam betrachten sie einen mysteriösen Kabelbrand in der Wohnung, während Gluchow auf Dmitri einredet, sich nirgendwo einzumischen und einfacher zu leben. Als das Telefon klingelt, bittet Gluchow inständig, nicht den Hörer abzunehmen. Als Dmitri den Hörer abnimmt und sich meldet, hört er unverständliche Worte, vermutet Deutsch, dann wird auf der anderen Seite aufgelegt. Deutsch, in der Sowjetära nach dem Weltkriegstrauma die Sprache des Fremden, des Feinds, aber in der friedlichen Ära von Glasnost und Perestroika auf Angst vor einer abstrakten indifferenten Gefahr im inneren zurück projiziert (die Sowjetunion war von Zerfall gekennzeichnet, Turkmenien isoliert und die Bürger weiterhin staatlich überwacht). Der Kontrast zwischen Heimatliebe und Paranoia verstärkt sich durch die Aufforderung Gluchows, Dmitri solle sich nun wieder den schönen Bergen im Fotoalbum des Geschichtslehrers zuwenden, bevor er auf den Zuruf Alexanders, wer angerufen habe, antwortet „Alles in Ordnung, vielleicht war es sein Vater“ und forderte den Arzt auf, er solle keine Bücher schreiben und nichts erfinden, und äußert gefährliches traditionelles Falsch- und Halbwissen über Heilmethoden, wie z. B. mit Knoblauch Angina pectoris zu heilen, worauf Dmitri mit lakonischer Ironie antwortet „…und mit Schmerztabletten den Krebs.“ (In dieser Zeit brach die pharmazeutische Versorgung teilweise komplett zusammen und die Menschen waren auf traditionelle Heilmethoden angewiesen.) Als es dann an der Haustür klingelt, soll die Tür auch nicht geöffnet werden, doch es ist Marina mit ihrem Kind, die nur Gluchow abholen will, da er sonntags nicht weggehen sollte.
Ohne Dmitri zu benachrichtigen, beschließt Alexander diese unwirkliche Gegend für immer zu verlassen und in die Heimat seiner Eltern zu ziehen. Doch Dmitri bekommt das mit und begleitet seinen Freund auf dem Weg zum Hafen, wo der auf eine Fähre steigt. Kurz vor der Abfahrt des Schiffes übergibt Alexander seine Tagebücher und bittet Dmitri, seine Stiefeltern über seine Abreise zu informieren, da auch sie nicht Bescheid wissen. Gegenseitig versichern sie sich ihrer Freundschaft, bis sie endgültig getrennt sind und Dmitri blickt dem Schiff noch lange hinterher.
Produktion Das Drehbuch weicht in weiten Teilen von der Romanvorlage ab; offenbar geschah dies mit dem Einverständnis der Autoren, die im Abspann genannt werden. Der Film, in dem sich Dokumentarisches und Spielfilmelemente mischen, wurde abwechselnd in Schwarzweiß und in Farbe im 35-mm-Filmformat gedreht. Für den Kameramann Sergeij Jurisditski war es einer von fünf Filmen, die er zusammen mit Sukorow drehte.Birgit Beumers, Nancy Conden: The Cinema of Alexander Sukorow. London: Tauris 2011. S. 246–246. Mit Juri Khanon hatte Sukorow bereits 1978 für seinen Examensfilm für das Gerassimow-Institut für Kinematographie zusammengearbeitet, der Film wurde aber als Abschlussarbeit abgelehnt. 1988 entstand eine restaurierte Fassung, für die Krzysztof Penderecki die Musik schrieb und die beim Locarno Festival mit einem Bronzenen Leoparden ausgezeichnet wurde.The Lonely Voice of Man and Yuri Khanon abgerufen am 14. Februar 2019