mini|hochkant|Friedrich Schwinge, 1903. Foto von Wilhelm Dreesen, Bomann-Museum, Celle mini|Der Maler und die Kinder, Gouache, 1899 mini|Landschaft mit Dünen, Gouache, 1901 mini|Abendstimmung, auch Abendstimmung in der Heide, Öl auf Leinwand, 1902 oder 1904 mini|hochkant|Giek-Ewer, Aquarell, Museum für Hamburgische Geschichte mini|Malerinnen im Freien, Schülerinnen von Friedrich Schwinge, 1886, Aquarell mini|Selbstporträt im Garten, Gouache
Friedrich Wilhelm Andreas Schwinge (* 30. März 1852 in Hamburg; † 22. Oktober 1913 ebenda) war ein deutscher Landschafts- und Marinemaler der Düsseldorfer Malerschule.
Leben Friedrich Schwinge wurde als Sohn des Gemüsehändlers Hermann Diedrich (auch Diederich) Schwinge und dessen Frau Caroline Maria Dorothea, geborene Hansen, in Hamburg geboren. Bald nach seiner Geburt zog die Familie nach OttensenSchwinge, Friedrich. In: Ausstellung von Gemälden und Skulpturen Schleswig-Holsteinischer Künstler, zur Erinnerung an das 25jährige Bestehen der Kunsthalle in Kiel, S. 34. in ein strohgedecktes Bauernhaus an der Ecke Papenstraße (heute ein Teil der Ottenser Hauptstraße) und Rothestraße.Gustav Proppe: In: Altonaer Nachrichten. 31. August 1932, S. 6.Gustav Proppe: In: Altonaer Nachrichten. 10. September 1938, S. 6. Nach dem Schulbesuch in Ottensen absolvierte er aus der Liebe zur Kunst eine Lehre als Holzschneider.
Durch einen Zufall und aus Mangel an passender Arbeit wurde er zunächst Tenor auf kleinen Bühnen, bis er als Operettentenor und Schauspieler am Mädicke-Theater in Kiel wirkte. Jede freie Zeit übte er sich im Malen und Zeichnen und kopierte ab 1877 Gemälde in der alten Kieler Kunsthalle, darunter ein Marktplatz in Italien von Albert Flamm, ein Mondscheinbild von Sophus Jacobsen, ein Idyll aus England von Max Schmidt und die Schmiede im Winter von Hermann Kauffmann. Für einen Kunstfreund kopierte er auf Bestellung Die Wegführung der Kaiserin Eudoxia und ihrer Kinder (Eudocia und Placidia) durch den Vandalenkönig Geiserich von Gustav Spangenberg. Aufgrund seiner guten Leistungen wurde ihm das Stipendium Hegewischianum für das Jahr 1879 zuerkannt. Er fertigte zudem ein Porträt des Kunstsammlers und Begründers des Kieler Thaulow-Museums Gustav Ferdinand Thaulow an, das allgemeinen Anklang fand. Der Dichter Johann Meyer war in dieser Zeit ihm ein Freund, Förderer und Ratgeber.Gustav Proppe: Dem Andenken Friedrichs Schwinges. In: Altonaer Anzeiger, 27. Oktober 1913, S. 1.
Von 1879 bis 1884 studierte Schwinge an der Kunstakademie Düsseldorf bei Johann Peter Theodor Janssen, Eugen Dücker, Hugo Crola und Heinrich Lauenstein. der Kunstakademie Düsseldorf (Link unten auf der Seite). Eingetragen für die Schuljahre 1879 bis einschließlich 1883 (das vermutlich bis 1884 ging) Für Studienzwecke erhielt er ein Stipendium der Akademie, das er fleißig nutzte. 1882 kaufte der Schleswig-Holsteinische Kunstverein auf der Ausstellung von Gemälden und Skulpturen Schleswig-Holsteinischer Künstler in der alten Kieler Kunsthalle sein Ölgemälde Im Kiefernwald für die Verlosung von Werken Schleswig-Holsteinische Künstler.Resultat der Verlosung von Werken schlesw.-holstein. Künstler. In: Altonaer Nachrichten. 9. September 1882, S. 6.
Mitte 1884 ließ Schwinge sich in Hamburg nieder.Kunstausstellung. In: Hamburger Nachrichten, 3. Juli 1884, S. 9. Am 2. Juni 1886 heiratete er standesamtlich in Ottensen die verwitwete Fernanda Georgine Wilhelmine Brügmann, geborene Durchbach (* 14. November 1852 in Hamburg),Staatsarchiv Hamburg: Heiratsregister 1874-1920, Ottensen 1886 (eingesehen bei ancestry.de). Beim Heiratseintrag wurde auch nachträglich die Scheidung vermerkt. die ihren Sohn Edgar Brügmann mit in die Ehe brachte. Am 6. Oktober 1898 verstarb dieser im Alter von 23 Jahren und 9 Monaten.Traueranzeige von Friedrich Schwinge und seiner Frau für ihren Sohn Edgar. In: Hamburger Nachrichten, 7. Oktober 1898, S. 6.Staatsarchiv Hamburg: Sterbeeintrag vom 7. Dezember 1898 im Sterberegister, Hamburg 03, 1898, Band 05, Nr. 2035 (eingesehen bei ancestry.de) Von 1884 bis 1885 wohnte Friedrich Schwinge am Neuen Wall 46 in Hamburg-Neustadt,Bekanntmachung: „Friedrich Schwinge aus Düsseldorf wohnte jetzt: Neuerwall 46, 2. Etg.“ In: Hamburger Nachrichten, 13. September 1884, S. 10.Eintrag im Hamburger Adressbuch von 1885 ohne Berufsbezeichnung von 1885 bis 1893 in der Dammtorstraße 6 in Hamburg-Neustadt,Eintrag im Hamburger Adressbuch von 1886 mit Berufsbezeichnung (weitere Adressen ebenfalls aus den Adressbüchern) von 1893 bis 1898 An der Alster 29 in Hamburg-St. Georg und von 1898 bis 1901 in die Hartungstraße 1 in Hamburg-Rotherbaum. Das wegen der Choleraepidemie von 1892 entstandene Hülfs-Comité Neustadt-Nordertheil V. Bezirk verloste im Januar 1893 eine Gouache des Hamburger Hafens, die Friedrich Schwinge gemalt und dem Komitee gestiftet hatte.Bekanntmachung der Verlosung. In: Hamburger Nachrichten, 20. Januar 1893, S. 8. Im Oktober 1894 im Hamburger Conventgarten und Januar 1895 im Berliner Passage-Panoptikum wurden sogenannte „wandernde Lichtbilder“ von H. Heitmann von Heitmann & Sohn gezeigt, die eine Höhe von 8 cm hatten und von Friedrich Schwinge auf Glas gemalt wurden. Sie wurden mittels Hydrooxygenlicht auf eine 6 m² große Bildfläche projiziert. Die Motive der Lichtbilder Schwinges reichten von einer Flusslandschaft bei Dordrecht über eine Elbpartie bei Hamburg, Hamburger Motiven, Nordseemotiven, verschiedene Fjorde bis hin zu heimischen Waldmotiven.Mit einer Neuheit. In: Hamburger Nachrichten, 19. Oktober 1894, S. 4.Passage-Panoktikum. In: Volks-Zeitung, 4. Januar 1895, S. 2.Das Passage-Panoptikum. In: Berliner Tageblatt, 6. Januar 1895, S. 6. Für die Vegetationshalle der Internationalen Gartenbauausstellung 1897 (Planten un Blomen) in Hamburg schuf er eine Vegetationsgalerie, bestehend aus zehn Dioramen mit natürlichen Vordergründen und gemalten Hintergründen. Unterstützt wurde er von dem Maler Robert Gleich (1859–1912), dem Bildhauer Max Meißner (1859–1942) und dessen Schüler Ellenberg. Die Idee zu der Vegetationsgalerie stammte von dem Ingenieur Carl Georg Rodeck (1876–1935). Neben Darstellungen unter anderen einer deutschen Heidelandschaft, einer mexikanischen Hochebene, einer neuseeländischen Farnlandschaft, einer Alpenhalde, einem Urwald, einem Park und einer japanischen Landschaft war auch eine Darstellung eines Garten der Erfurter Gartenbaufirma J. C Schmidt, die Blumen, Blüten und Bäume für das Diorama lieferte.Die Allgemeine Gartenbau-Ausstellung. In: Neue Hamburger Zeitung, 24. Januar 1897, S. 5.Ein Rundgang der Presse durch die Gartenbau-Ausstellung. In: Börsen-Halle, 26. April 1897, S. 1.Oskar Schwindrazheim: Internationale Gartenbau-Ausstellung. I. (Schluß.). In: Der Kunstwart, 10. Jahrgang, Heft 20, zweites Juliheft 1897, S. 318. Die Dioramen wurden auf der Ausstellung mit einer Großen Goldmedaille ausgezeichnet.Friedrich Schwinge. In: Hamburgischer Correspondent, 22. Oktober 1913, S. 3.
1886 kaufte der Kunstverein in Hamburg für die jährliche Vereinsverlosung von Schwinge das Aquarell Von der Elbe, das der Jurist und spätere Bürgermeister Werner von Melle gewann. Für die Ausstellungslotterie der Großen Kunstausstellung 1894 des Kunstvereins in der Hamburger Kunsthalle kaufte dieser von Schwinge auf der Ausstellung das Aquarell Bei Dordrecht an., Kunstverein in Hamburg, PDF-S. 6, 93. Auf der Großen Kunstausstellung 1896 kaufte der Kunstverein von Schwinge das Gemälde Kühe in der Heide für die Ausstellungslotterie an. Ab 1896 ist Schwinge in der Mitgliederliste des Kunstvereins als Mitglied mit einer Familienmitgliederkarte aufgeführt, ab 1902 ohne Familienmitgliederkarte, dafür trat seine Frau Fernanda Schwinge dem Kunstverein bei. Am 12. April 1897 wurde Friedrich Schwinge als Ersatz für den verstorbenen Hauptpastor Georg Heinrich Röpe in den Ausschuss des Vereins gewählt, der für die Zeit von 1894 bis 1898 zuständig war. Der Ausschuss bildete die ständige Vertretung der Vereinsmitglieder. Ab 1898 gehörte Schwinge dem Vereinsvorstand an und dadurch auch dem Ausschuss. In dem Jahr kaufte der Verein für die Vereinsverlosung von ihm die Gouache In blühender Heide, die der Bürgermeister Johann Georg Mönckeberg gewann. 1899 kaufte der Verein von Schwinge die Gouache Im Haferfeld für die Verlosung, in der er selbst das Aquarell Die Stadt Cromer an der englischen Küste des Glasgower Malers John Terris (1865–1914) gewann. In dem Jahr gehörte er auch der Ausstellungskommission der ständigen Ausstellung an, die sich noch in Räumen unter den Börsenarkaden der Handelskammer am Adolphsplatz befand,Jahresberichte des Kunstvereins Hamburg 1895–1899, Kunstverein in Hamburg, PDF-S. 53, 59, 69, 75, 95, 104, 122, 128. ein Jahr später jedoch am Neuen Wall 14. 1900 kaufte der Verein für die Verlosung Schwinges Gemälde Trüber Tag in der Heide an, dass der Senator Otto Eduard Westphal gewann, 1901 die Gouache Ein Hinderniss, die der Kaufmann Adolph Vorwerk (1839–1919, Sohn des Kaufmanns Georg Friedrich Vorwerk) gewann und 1902 das Gemälde Kuhgespann. In der Verlosung von 1903 gewann er einen Kohledruck eines Werkes des Barockmalers Guido Reni mit dem Titel Ecce homo!. 1904 schied Friedrich Schwinge statutengemäß aus dem Vorstand aus, saß jedoch noch, wie alle ehemaligen Mitglieder des Vorstandes, im Ausschuss.
Fernanda Schwinge, mit der er den gemeinsam Sohn Kurt hatte, der später Amateurfilmer wurde,Kiebitz: Steckenpferd – meisterlich geritten. In: Altonaer Nachrichten. 24. März 1937, S. 5. war in der Mitgliederliste des Kunstvereins von 1904 an nicht mehr verzeichnet., Kunstverein in Hamburg, PDF-S. 17, 37, 57, 67, 104. Am 1. Mai 1904 wurde die am 11. März 1904 am Landgericht Hamburg verhandelte Scheidung von Friedrich und Fernanda Schwinge rechtskräftig. Am 5. August heiratete Friedrich Schwinge standesamtlich in Hamburg die 25 Jahre jüngere Martha Christine Margarethe Hüttmann (* 14. April 1878 in Hamburg), die Tochter eines Hamburger Steinkohlehändlers.Staatsarchiv Hamburg: Heiratsregister 1874-1920, Hamburg 03, 1904 Band 03 (eingesehen bei ancestry.de).
Für die Weltausstellung in Paris 1900 schuf Friedrich Schwinge 1899 eine Anzahl Aquarelle (mit Gouache erhöhte Aquarelle) auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg. 14 Aquarelle und ergänzende Fotos von Georg Koppmann dienten auf der Ausstellung zum Verständnis der Terrainbildung und des landschaftlichen Schmuckes für einen Reliefplan des Friedhofs, der unter der Leitung von Wilhelm Cordes hergestellt und als Teil der dortigen Kollektivausstellung des Vereins deutscher Gartenkünstler von der Hamburgischen FriedhofsdeputationDer Centralfriedhof zu Hamburg-Ohlsdorf und Weifs.: Verein Deutscher Gartenkünstler. In: Die Gartenkunst, 1900, S. 133, 79. im Palais de l'Horticulture ausgestellt wurde.Exposition Universelle de 1900 – Catalogue officiel de la Section Allemande., S. 238. Der Friedhof wurde aufgrund dieser Präsentation auf der Weltausstellung mit einem Grand Prix ausgezeichnet.1900 Ohlsdorf schreibt Geschichte. auf friedhof-hamburg.de Die japanische Regierung interessierte sich für die Exponate und bot zum Tausch Gegenstände japanischer Herkunft. Der Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg und Mitglied des Preisgerichts der Weltausstellung Justus Brinckmann führte die Verhandlung. Da sich die Hamburgische Friedhofsdeputation von dem Reliefplan und den Fotos, jedoch nicht von den Aquarellen trennen wollte, kam es zu keinem Tausch. Der Reliefplan, die Aquarelle und die Fotos wurden stattdessen 1903 bei der Deutschen Städteausstellung in Dresden, 1905 bei der Ausstellung des Vereins der deutschen Friedhofsbeamten in Berlin, 1907 bei der Hygiene-Ausstellung in Berlin, 1910 bei der Allgemeinen Städtebau-Ausstellung in Berlin, 1911 bei der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden und 1912 in Antwerpen wieder ausgestellt.Barbara Scharf: Der Ohlsdorfer Friedhof im Spiegelbild großer Ausstellungen. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Nr. 78, 1992, S. 145, 148, 149, 153.