mini|350px|Siedlungsgebiet der Yoruba in Nigeria Als Yoruba (Eigenbezeichnung: èdè Yorùbá, d. h. ‚die Yoruba-Sprache‘, umgangssprachlich auch yorubisch genannt) bezeichnet man ein Dialektkontinuum in Westafrika mit mehr als 30 MillionenMetzler Lexikon Sprache Sprechern. Auch die geschriebene Standardsprache wird so genannt. Die zu den Niger-Kongo-Sprachen gehörende Yoruba-Sprache ist die Sprache der Yoruba. Sie wird neben anderen Sprachen hauptsächlich in Südwest-Nigeria und z. T. in Benin und Togo gesprochen. Daneben gibt es Sprecher in Brasilien und Kuba, wo sie Nago genannt wird. Yoruba ist eine isolierende Tonsprache mit Subjekt-Prädikat-Objekt-Syntax.

Yoruba gehört zum Zweig der yoruboiden Sprachen der Benue-Kongo-Sprachen. Dieser besteht aus Igala, einer Sprache, die östlich des Yoruba-Gebiets von etwa 800.000 Menschen gesprochen wird, und der Edekiri-Gruppe, deren Einzelsprachen in Benin und Nigeria gesprochen werden. Edekiri umfasst die Ede-Sprachengruppe (einschließlich Ede Ica, Ede Cabe, Ife, Ede Ije und Ede Nago), Itsekiri mit 500.000 Sprechern und das eigentliche Yoruba.

Das angestammte Yoruba-Gebiet im Südwesten von Nigeria wird gemeinhin Yorubaland genannt und umfasst heute die Bundesstaaten Oyo, Ogun, Ondo, Kwara und Lagos sowie den westlichen Teil von Kogi. Geografisch gesehen liegt das Yorubaland auf einem Plateau (Höhe 366 m), das im Norden und Osten vom Niger begrenzt wird. Ein großer Teil des Gebietes ist dicht bewaldet; der Norden (einschließlich Oyo) ist jedoch Savannengebiet.

Geschichte miniatur|links|Die erste Bibel auf Yoruba in Badagry Nach der mündlichen Überlieferung ist Oduduwa, der Sohn des obersten Yoruba-Gottes Olúdùmarè, der Stammvater der Yoruba-Sprecher. Obwohl sie eine gemeinsame Geschichte haben, hat sich ein gemeinsamer Name für die Kinder von Oduduwa erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herausgebildet. Vor der Abschaffung des Sklavenhandels waren die Yoruba unter den befreiten Sklaven von Freetown bei den Europäern als Akú bekannt, ein Name, der vom ersten Wort von Begrüßungsformeln wie Ẹ kú àárọ̀ (guten Morgen) und Ẹ kú alẹ́ (guten Abend) abgeleitet ist.für eine Diskussion siehe Hair (1967: 6), Fagborun (1994: 13) Später kam die Bezeichnung Yariba oder Yoruba in Gebrauch, zunächst beschränkt auf das Ọyọ-Königreich. Die Bezeichnung wurde bei den Hausa benutzt; ihre Herkunft ist allerdings unklar.Fagborun bemerkt: „[i]t is definitely not morphologically indigenous“ (1994: 13).

Unter dem Einfluss des Yoruba Samuel Ajayi Crowther, des ersten Bischofs von Westafrika und des ersten dortigen Bischofs der Church of England überhaupt, sowie späterer Missionare und auch aufgrund der Entwicklung einer geschriebenen Yoruba-Sprache wurde die Bezeichnung Yoruba auf die Sprecher aller Yoruba-Dialekte ausgedehnt. Crowther hatte ab 1850 erste Teile der Bibel ins Yoruba übersetzt, 1865 hatte er das Neue Testament fertiggestellt.Ype Schaaf: L'histoire et le rôle de la Bible en Afrique, CETA, HAHO et CLE, Lavigny 2000, ISBN 9966-886-72-9, S. 57–59

Erst 1819 erschien der erste Druck in einem Yoruba-Dialekt, ein schmales Vokabular von Bowdich, einem englischen Diplomaten im Aschantireich.Bowdich, T. E. (1819): Mission from Cape Coast Castle to Ashantee, S. 209, 505; zitiert nach Hair (1967). Das ist relativ spät für eine so weitverbreitete Sprache wie Yoruba (vgl. Akan, 1602; Ewe, 1658) und kann der Tatsache zugeschrieben werden, dass vor dem 19. Jahrhundert an der Yoruba-Küste praktisch kein europäischer Handel stattfand. Die linguistische Erforschung mit den Methoden der Vergleichenden Sprachwissenschaft, Glottochronologie, Dialektologie und anderer Disziplinen – unter Berücksichtigung der traditionell-mündlichen geschichtlichen Quellen und der archäologischen Funde – hat auch etwas Licht in die Geschichte der Yoruba und ihrer Sprache vor dieser Zeit gebracht. So zeigen beispielsweise die nordwestlichen Yoruba-Dialekte mehr sprachliche Neuerungen. Zusammen mit der Tatsache, dass die südöstlichen und zentralen Yoruba-Gebiete im Allgemeinen die älteren Siedlungen besitzen, spricht dies für einige Forscher für eine spätere Besiedlung der nordwestlichen Gebiete.Adetugbọ (1973: 192f.)

Varietäten Dialekte Das Yoruba-Dialektkontinuum besteht aus mehr als fünfzehn Varietäten, die drei Hauptdialekten zugeordnet werden können: Nordwest-, Zentral- und Südost-Yoruba.Diese weithin akzeptierte Klassifikation basiert auf Adetugbọs dialektologischer Untersuchung von 1982 und geht zurück auf seine Dissertation The Yoruba Language in Western Nigeria: Its Major Dialect Areas. von 1967. Siehe auch Adetugbọ (1973: 183–193). Natürlich können dabei keine klaren Grenzlinien gezogen werden und Randgebiete eines Dialektgebietes zeigen oft Ähnlichkeiten zu benachbarten Dialekten.

Nordwest-Yoruba (NWY) Gebiete Abeokuta, Ibadan, Oyo, Osun und Lagos Zentral-Yoruba (ZY) Gebiete Igbomina, Ile-Ife, Ekiti, Akure, Efon und Ijesa Südost-Yoruba (SOY) Gebiete Okitipupa, Ondo, Owo, Sagamu und Teile von Ijebu.

In Lagos bildete sich unter englischem und portugiesischem sowie unter dem Einfluss des Patois von Sierra Leone ein spezieller Dialekt heraus, der sich von den Dialekten des ländlichen Raumes deutlich unterschied.Karin Barber: Print Culture and the First Yoruba Novel: I.B. Thomas's 'Life Story of Me, Segilola' and Other Texts. Leiden 2002, S. 65.

Im NWY sind die Proto-Yoruba-Laute /gh/ (der velare Frikativ ) und /gw/ zu /w/ zusammengefallen. Die Vokale /i ̣/ und /ụ/ wurden gehoben und fielen mit /i/ und /u/ zusammen, wie auch ihre nasalen Gegenstücke, was zu einem Vokalsystem mit sieben oralen und drei nasalen Vokalen geführt hat.

Im SOY hat sich der ursprüngliche Kontrast zwischen /gh/ und /gw/ erhalten. Die nasalen Vokale /ịn/ und /ụn/ wurden hier gesenkt und fielen mit /ẹn/ und /ọn/ zusammen. Die Formen der zweiten und dritten Person Plural werden nicht mehr unterschieden, so dass àn án wá entweder ihr kamt oder sie kamen bedeuten kann, während im NWY die Formen ẹ wá (ihr kamt) und wọ́n wá (sie kamen) lauten. Die Ausbildung einer Höflichkeitsform im Plural mag den Zusammenfall der beiden Formen in den Dialekten des NWY verhindert haben.

Das ZY bildet insofern einen Übergang, weil der Wortschatz dem NWY ähnelt, während das Gebiet viele ethnologische Merkmale mit dem Südosten gemeinsam hat. Das Vokalsystem ist das konservativste der drei Dialektgruppen. Es hat neun orale und sechs oder sieben nasale Vokale sowie ein umfassendes System der Vokalharmonie bewahrt.

Außerhalb Afrikas spielt Yoruba, von Kuba ausgehend, eine Rolle als liturgische Sprache der Santería. In dieser Variante sind die Töne verloren gegangen.

Standard-Yoruba miniatur|Das Vaterunser auf Yoruba in der Paternosterkirche von Jerusalem Standard-Yoruba, meist einfach Yoruba genannt, ist eine eigenständige Varietät der Dialektgruppe. Es ist die geschriebene Form der Sprache, die in der Schule gelernte Standardvarietät, die auch von Nachrichtensprechern im Radio gesprochen wird. Standard-Yoruba hat seine Ursprünge in den 1850er Jahren, als Samuel Ajayi Crowther, ein Yoruba und erster afrikanischer Bischof, eine Grammatik des Yoruba veröffentlichte und mit der Übersetzung der Bibel begann.

Obwohl Standard-Yoruba zu großen Teilen auf den Ọyọ- und Ibadan-Dialekten basiert, weist es verschiedene Merkmale von weiteren Dialekten auf.vergleiche z. B. folgende Bemerkung bei Adetugbọ (1967), zitiert nach Fagborun (1994: 25): „While the orthography agreed upon by the missionaries represented to a very large degree the phonemes of the Abẹokuta dialect, the morpho-syntax reflected the Ọyọ-Ibadan dialects.“ Darüber hinaus besitzt es einige Merkmale, die keinem der Dialekte eigen sind – wie z. B. das vereinfachte System der Vokalharmonie –, aber auch Strukturen aus fremden Sprachen, wie Lehnübersetzungen aus dem Englischen, die ihren Ursprung in frühen Übersetzungen religiöser Werke haben.

Weil der Gebrauch von Standard-Yoruba nicht das Resultat einer bewussten Sprachpolitik ist, gibt es viele Kontroversen darüber, was authentisches Yoruba ausmacht. Einige Autoren sind der Meinung, dass der Ọyọ-Dialekt die reinste Form darstellt, andere behaupten, dass es authentisches Yoruba überhaupt nicht gibt. Standard-Yoruba, die in der Schule gelernte und in den Medien gebrauchte Varietät, war nichtsdestoweniger ein machtvoller stabilisierender Faktor bei der Herausbildung einer gemeinsamen Identität der Yoruba.

Schriftsystem Das Schriftsystem der Yoruba-Sprache geht zurück auf Missionare der Church Missionary Society (CMS), die bei den damals Aku genannten Yoruba in Freetown arbeiteten, vor allem auf Kilham und Raban. Sie legten Wortlisten an und veröffentlichten kurze Anmerkungen zur Grammatik des Yoruba. Einer ihrer Informanten in Sierra Leone war Crowther, der sich später anschicken sollte, seine Muttersprache Yoruba zu studieren. In seinen frühen grammatischen Veröffentlichungen und Übersetzungen von Teilen der englischen Bibel gebrauchte Crowther das lateinische Alphabet im Allgemeinen ohne Tonzeichen. Das einzige benutzte Diakritikum war ein Punkt unter bestimmten Vokalen, um ihre offene Realisierung zu markieren, z. B. <ẹ> und <ọ> für und . Im Lauf der Jahre wurde die Orthografie einer Revision unterzogen, u. a. um Tonmarkierungen zu ermöglichen. 1875 organisierte die CMS eine Konferenz zur Yoruba-Orthografie. Der dort erarbeitete Standard bildete die Basis der Rechtschreibung des kontinuierlichen Stroms religiöser und bildender Literatur der kommenden siebzig Jahre.

Die gegenwärtige Orthografie des Yoruba ist abgeleitet von einem Bericht des Yoruba Orthography Committee (Yoruba-Rechtschreibkomitee) aus dem Jahr 1966 und von Ayọ Bamgboṣes Yoruba Orthography aus dem Jahr 1965, einer Studie früherer Orthografien und ein Versuch, die Yoruba-Orthografie so weit wie möglich mit der gesprochenen Sprache in Einklang zu bringen. Die neue Orthografie, welche der alten immer noch sehr ähnlich ist, verwendet das lateinische Alphabet, modifiziert durch den Gebrauch des Digrafs <gb> und bestimmter Diakritika, darunter die traditionelle vertikale Linie unter den Buchstaben E̩/e̩, O̩/o̩ und S̩/s̩. In vielen Veröffentlichungen wird diese Linie durch einen Punkt ersetzt (Ẹ/ẹ, Ọ/ọ, Ṣ/ṣ). Die vertikale Linie wird vor allem benutzt, um die vollständige Überdeckung durch Unterstreichungen zu vermeiden.

ABDEẸFGGbHIJKLMNOỌPRSṢTUWYabdeẹfggbhijklmnoọprsṣtuwy

Die lateinischen Buchstaben c, q, v, x, z werden nicht verwendet.

Die Lautwerte der Buchstaben ohne Diakritikum stimmen mehr oder weniger mit denen ihrer Entsprechungen im Internationalen Phonetischen Alphabet überein, mit Ausnahme der labial-velaren Plosive (geschrieben <p>) und (geschrieben <gb>), bei denen beide Konsonanten nicht nacheinander, sondern gleichzeitig gesprochen werden. Das Diakritikum unter Vokalen zeigt einen offeneren Vokal an, der mit zurückverlagerter Zungenwurzel gesprochen wird; beispielsweise werden <e̩> und <o̩> als und artikuliert. <s̩> repräsentiert den postalveolaren Konsonanten (wie deutsch <sch>), <y> den palatalen Approximanten (wie deutsch <j>) und <j> den stimmhaften palatalen Plosiv, wie es in vielen afrikanischen Schriftsystemen üblich ist.

Neben der vertikalen Linie kommen drei weitere Diakritika bei Vokalen und Nasalen zur Anwendung, um die Töne anzuzeigen: ein Akut für den hohen Ton, ein Gravis für den tiefen Ton und ein optionaler Längestrich für den mittleren Ton. Wenn mehrere Tonzeichen in einer Silbe gebraucht werden, kann der Vokal einmal mit jedem Zeichen geschrieben werden (z. B. *òó für einen Vokal mit steigendem Ton) oder die Diakritika können, im heutigen Gebrauch seltener, zu einem einzigen Tonzeichen zusammengefasst werden. In diesem Fall wird ein Hatschek für den steigenden Ton benutzt (das vorherige Beispiel würde ǒ geschrieben) und eine Tilde für andere Realisierungen.

ÁÀĀÉÈĒẸ/E̩Ẹ́/É̩Ẹ̀/È̩Ẹ̄/Ē̩ÍÌĪÓÒŌỌ/O̩Ọ́/Ó̩Ọ̀/Ò̩Ọ̄/Ō̩ÚÙŪṢ/S̩áàāéèēẹ/e̩ẹ́/é̩ẹ̀/è̩ẹ̄/ē̩íìīóòōọ/o̩ọ́/ó̩ọ̀/ò̩ọ̄/ō̩úùūṣ/s̩