Der Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Enziane (Gentiana) innerhalb der Familie der Enziangewächse (Gentianaceae).

Beschreibung mini|Illustration aus Sturm mini|Blüte

Vegetative Merkmale Der Lungen-Enzian ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 15 bis 40 Zentimetern erreicht; sie kann in Brachen aber auch Wuchshöhen von bis zu 1 Meter erreichen. Der aufrechte Stängel ist unverzweigt.

Es ist keine grundständige Blattrosette vorhanden. Die einfache Blattspreite ist meist einnervig und bei einer Länge von höchstens 5 Zentimetern sowie bei einer Breite von 2 bis 5, bis höchstens 8 Millimetern eilanzettlich bis linealisch oder linealisch-lanzettlich und am Rand oft nach unten gerollt.

Generative Merkmale Blütezeit ist je nach Blühsippe von Juni bis Oktober. Je Stängel sind eine bis mehrere Blüten vorhanden (wenn mehrblütig, dann stehen ein bis drei Blüten an der Stängelspitze, die übrigen einzeln in den Achseln der oberen Laubblätter). Die Blütenstiele sind kurz.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf grünen Kelchblätter sind bis zur Hälfte ihrer Länge eng glockenförmig verwachsen; mit schmalen Kelchzipfeln. Der Kelch ist zwischen den Zähnen häutig. Die fünf Kronblätter sind auf dreiviertel ihrer Länge eng glockenförmig verwachsen. Die tiefblaue Krone ist 2 bis 5 Zentimeter lang und kann fünf grünliche Längsstreifen aufweisen. Die Kronzipfel sind dreieckig. Die Staubbeutel sind miteinander verklebt. Der Griffel endet in kurzen, aufrechten Narbenlappen.

Die Kapselfrucht ist lang gestielt. Die Samen sind bei einer Länge von etwa 1,5 Millimetern spindelförmig und ungeflügelt.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 26.

Ökologie Die jungen Raupen des Lungenenzian-Ameisenbläulings (ein Schmetterling) leben monophag vom Lungen-Enzian; ältere Raupen werden dann von Knotenameisen der Gattung Myrmica, die durch Zuckersaft angelockt und durch Pheromone besänftigt werden, in ihre Nester geschleppt und bis zur Verpuppung dort verköstigt. Man kann hier von einem Brutparasitismus sprechen, ähnlich wie beim Kuckuck.

mini|Habitat auf der Schwäbischen Alb mini|Briefmarke der DDR-Post Vorkommen und Gefährdung Das Verbreitungsgebiet von Gentiana pneumonanthe umfasst weite Teile Europas und das gemäßigte Asien. In Deutschland kommt der Lungen-Enzian vom Niederrhein, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern bis zum Voralpenraum vor. In Österreich ist er in allen Bundesländern zerstreut bis sehr selten. In der Schweiz ist er zerstreut bis selten. In Belgien ist er nur im Hohen Venn bekannt. Er steigt in Mitteleuropa bis in Höhenlagen von 1200 Metern auf.

Der Lungen-Enzian gedeiht meist auf sandigen oder torfigen, mäßig sauren bis neutralen Böden. Standorte sind oft nährstoffarme und wechselfeuchte Feuchtwiesen (Pfeifengraswiesen), Borstgrasrasen und Flachmoorwiesen vom Tiefland bis zur montanen Höhenstufe. Im Nordwestdeutschen Tiefland tritt er vor allem in Feuchtheiden und am Rande von Heideweihern auf. Der Lungen-Enzian ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Molinion-Verbands, kommt aber in Nordwestdeutschland auch in Pflanzengesellschaften des Juncion squarrosi vor.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4w+ (sehr feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).

Durch Intensivierung der Grünlandwirtschaft und Trockenlegung von Feuchtwiesen und -heiden ist der Lungen-Enzian in Europa „stark gefährdet“. In der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Deutschlands war Gentiana pneumonanthe in der vorigen Version in Kategorie 3+ = „gefährdet“ (regional „stärker gefährdet“). Demgegenüber hat sich die Bewertung in der Roten Liste nach Metzing et al. 2018 auf Kategorie 2 = „stark gefährdet“ verschlechtert, da ein starker Rückgang der Bestände erfolgt ist. Der Lungen-Enzian ist in Deutschland durch die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) „besonders geschützt“.

Taxonomie Die Erstveröffentlichung von Gentiana pneumonanthe erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 228.

Nutzung Früher galten die unterirdischen Pflanzenteile und Blüten (Radix et Flores Pneumonanthes) und die Laubblätter (Herba Anthirrhini caerulei) als wirksames Heilmittel bei Lungenkrankheiten.

Sonstiges Der Lungen-Enzian war 1980 Blume des Jahres und erschien bereits 1966 auf einer Briefmarke der Serie Geschützte heimische Pflanzen.

Volkstümliche Bezeichnungen Blauglocken (Bremen-Oberneuland), Biekerbleomen (Halle/Westfalen), Königsbloom (Schleswig-Holstein), Lungenblume, Kiweitsblome (Hasegegend), Hungerkraut, Wiesenenzian (Sylt).

Literatur

Thomas Gaskell Tutin: Gentiana. In:

Einzelnachweise Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3. Verlag Carl Hanser, München 1966. S. 2000–2002.

Weblinks

Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).

Kategorie:Enziane Kategorie:Alpenflora