Die Hochschule für Musik und Tanz Köln ist eine der größten Musikhochschulen Europas und befindet sich in der Kölner Altstadt-Nord. Sie ist auch unter dem bis 2009 gültigen Namen Hochschule für Musik Köln bekannt. Umgangssprachlich ist weiterhin die Bezeichnung Musikhochschule Köln sehr geläufig.
Geschichte mini|Musikhochschule Köln – Anzeige mit Lehrkörper vom Juli 1888, Wolfsstraße 3 Die Musikhochschule Köln ist nach Würzburg (1804) Deutschlands zweitälteste Musikhochschule und begann 1845 als städtische Einrichtung und auf Betreiben der Stadtverordnetenversammlung als „Rheinische Musikschule“. Als ihr Gründer gilt der Komponist Heinrich Dorn, der 1843 in Köln die musikalische Leitung des Kölner Schauspielhauses an der Komödienstraße zu einem Jahresgehalt von 1000 Talern übernahm.Dietmar von Capitaine: Conservatorium der Musik in Coeln. 2009, S. 21. (books.google.de) Zusammen mit dem Geiger Franz Hartmann gründete er 1845 eine „Musikalische Lehranstalt für Köln und die Rheinprovinz“, die ein Haus am Marienplatz hinter St. Maria im Kapitol bezog. Bei Gründung fanden sich neun Schüler, doch bereits 1849 schmolz ihre Zahl auf drei zusammen. Heinrich Dorn wechselte 1849 an die Berliner Oper.Dietmar von Capitaine: Conservatorium der Musik in Coeln. 2009, S. 22. Bei seiner Abschiedsfeier am 4. Oktober 1849 spielte auch der Komponist Ferdinand von Hiller, den Dorn als seinen Nachfolger vorschlug.Dietmar von Capitaine: Conservatorium der Musik in Coeln. 2009, S. 23. mini|Musikhochschule Köln – Konzertsaal Wolfsstraße 5 (um 1905) Die Stadt berief ihn tatsächlich als Nachfolger, so dass das neue Konservatorium am 4. April 1850 am Marienplatz mit 17 Schülern starten konnte. Die geringe Schülerzahl bewog Oberbürgermeister Friedrich Wilhelm Graeff, am 23. Dezember 1850 einen Aufruf zur Bildung einer „Gesellschaft zur Förderung der Musikschule“ zu erlassen. Die eintretende stetige Vergrößerung des Hochschulbetriebs erforderte im Jahre 1859 einen Umzug ins Gebäude Glockengasse 13–15. Seitdem bezuschusste die Stadt die Schule, nach 1871 betrug der Zuschuss 1.500 Mark. Hier erhielt sie den Namen „Conservatorium der Musik in Coeln“, das 1861 die Rechtsform einer juristischen Person des öffentlichen Rechts erhielt. Die Hochschulbibliothek entstand im Jahre 1872, 1884 zählte die Schule 152 Schüler und 17 Freischüler und nahm 35.640 Mark Schulgeld ein.Dietmar von Capitaine: Conservatorium der Musik in Coeln. 2009, S. 29. Am 18. April 1873 bezog die Schule einen repräsentativen Neubau auf dem Grundstück Wolfsstraße 3.Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2, 1991, S. 142. Im Jahre 1883 beschloss der Schulvorstand, das Nachbargebäude Wolfsstraße 5 anzukaufen.Dietmar von Capitaine: Conservatorium der Musik in Coeln. 2009, S. 39. Am 1. Oktober 1884 musste der schwer erkrankte Hiller sein Entlassungsgesuch einreichen, bereits am 10. Mai 1885 verstarb er. Während seiner Amtszeit durchliefen 1382 Schüler das Konservatorium, darunter die berühmten Komponisten August von Othegraven (1881–1884), Engelbert Humperdinck (1872–1877) oder Hugo Grüters (1867–1871).
Im September 1884 übernahm Franz Wüllner die Leitung.Dietmar von Capitaine: Conservatorium der Musik in Coeln. 2009, S. 37. Während der Amtszeit Fritz Steinbachs (1902–1914) entstanden Pläne für einen Hochschulneubau, weil die auf 824 angewachsene Schülerzahl in den bisherigen Räumlichkeiten keinen Platz mehr fand. Für den vom Architekten Carl Moritz geplanten Neubau lag im Juni 1914 bereits die Baugenehmigung vor, als sich mit der Julikrise der Erste Weltkrieg anbahnte. Bereits am 1. Juli 1914 legte Steinbach sein Amt nieder.Dietmar von Capitaine: Conservatorium der Musik in Coeln. 2009, S. 60. und nach dem Kriegseintritt Deutschlands am 1. August 1914 war an die Bauausführung nicht mehr zu denken.
Die Hochschule musste 1923 inflationsbedingt schließen, konnte jedoch bereits am 5. Oktober 1925 wieder eröffnen. Nach Einführung einer neuen Studien- und Prüfungsordnung teilte sich 1925 die Musikausbildung in die weiterhin existierende Rheinische Musikschule und eine inhaltlich neu aufgestellte Musikhochschule auf, die daraufhin nach Leipzig und Berlin als dritte Staatliche Hochschule für Musik anerkannt wurde. Sie bot nach dem Zweiten Weltkrieg ausschließlich berufsbildende Studiengänge an. Ihr neuer Standort war die heutige Adresse Unter Krahnenbäumen 87, nachdem das Gebäude an der Wolfsstraße am 29. Juni 1943 durch Bomben zerstört worden war.Dietmar von Capitaine: Conservatorium der Musik in Coeln. 2009, S. 121. Die Musikhochschule war in den Kriegsjahren nicht geschlossen; der Unterricht wurde weitergeführt, wenn auch unter erschwerten Bedingungen.Reinhold Wecker: Karl Hermann Pillney. Künstler, Komponist und Pädagoge. 2002, S. 24.
Die wieder zusammengeführten Musikschulen zogen nach einem Festakt am 9. Mai 1946 in das leicht kriegsbeschädigte und ungenutzte Palais Oppenheim, bis sie 1953 wieder das seit April 1934 genutzte ehemalige Funkhaus vom WDR Unter Krahnenbäumen 87 bezogen. Das Land Nordrhein-Westfalen übernahm im Jahr 1968 die Trägerschaft für die Musikhochschule. Seit 1972 ist sie ein organisatorischer Teil des Verbundes „Staatliche Hochschule für Musik Rheinland“ zusammen mit den bis dahin selbständigen Konservatorien in Wuppertal und in Aachen. Im Jahre 1977 konnte die Hochschule das neuerrichtete Hauptgebäude in der Dagobertstraße beziehen. Im Jahr 1995 wurde Tanz als akademische Disziplin an die Hochschule für Musik und Tanz Köln überführt und 2009 das Zentrum für Zeitgenössischen Tanz (ZZT) gegründet. Daraufhin wurde die „Hochschule für Musik Köln“ umbenannt in „Hochschule für Musik und Tanz Köln“. Seit 2023 ist das ZZT ein eigener Fachbereich an der Hochschule mit Standort in der Turmstraße in Köln-Nippes, der auf vielfältige Berufsfelder im Tanz und Kulturbereich vorbereitet und an dem seit 2022 ein zweisprachiger Masterstudiengang Tanzvermittlung angeboten wird.
In Zukunft sollen die dezentralen Einrichtungen der Hochschule in Köln in einem Campus im Kunibertsviertel in direkter Nähe zum Hauptgebäude zusammen geführt werden. Für den neuen Campus wird zum einen das Bestandsgebäude der ehemaligen Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (FHöV) am Thürmchenswall saniert, in dem künftig Studienflächen, Büros und Nebenräume und eine sich über drei Etagen erstreckende, großzügige Bibliothek untergebracht werden. Zum anderen wird auf der der Dagobertstraße zugewandten Seite des Grundstücks ein Erweiterungsneubau für weitere Studienflächen, ein Café und einen Konzertsaal, der ebenso als Tanzsaal genutzt werden kann, geschaffen. Der sich zur Dagobertstraße hin öffnende Innenbereich des Grundstücks wird als Grünanlage mit 32 neugepflanzten Bäumen angelegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Fertigstellung des Erweiterungsbaus wird mit Ende 2026/Anfang 2027 kommuniziert. Daran anschließend soll das Stammhaus in sechs bis sieben Jahren grundsaniert werden.Maria Gambino: Rektor der Musikhochschule Köln. Machtmissbrauch: „Müssen den Studierenden die Angst nehmen, zu reden“. In: Kölner Stadt-Anzeiger Köln. 18. Februar 2025. Abgerufen am 20. Februar 2025.
Architektur mini|Musikhochschule Köln – Hauptgebäude in Köln, Dagobertstraße 38/Unter Krahnenbäumen 87 (2019) Das Hauptgebäude der Hochschule für Musik und Tanz in der Dagobertstraße in Köln ist ein Beispiel des Brutalismus im Rheinland, einem Baustil der Klassischen Modernen. Das junge Kölner Architektenkollektiv Bauturm gewann 1969 mit ihrem Entwurf den vom Land Nordrhein-Westfalen ausgeschriebenen Architektenwettbewerb für ein neues Hauptgebäude. Bis 1977 hat das Kollektiv, nun als Werkgruppe 7 und Bauturm, ihre Pläne in zwei Abschnitten realisiert. 1975 wurde die Staatliche Hochschule für Musik mit dem renommierten Kölner Architekturpreis ausgezeichnet. 1979 folgte eine Lobende Erwähnung beim Architekturpreis Beton:
Im Jahr 2015 wurde vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW ein Architektenwettbewerb für einen Erweiterungsneubau in direkter Nachbarschaft des Hauptgebäudes ausgelobt, den das Düsseldorfer Architekturbüro HPP mit seinem Entwurf für sich entschieden.
Struktur Fachbereiche Es gibt sieben Fachbereiche sowie jeweils einen Standort in Aachen und Wuppertal. Darüber hinaus richtete die Hochschule an ihrem Standort in Köln seit dem Wintersemester 2005/2006 das Pre-College Cologne für musikalisch Hochbegabte ein.
Fachbereiche: Fachbereich 1: Komposition, Tasteninstrumente, Tonsatz, Hörerziehung, Zupfinstrumente, Institut für Neue Musik, elektronische Komposition Fachbereich 2: Streichinstrumente, Orchesterleitung, Institut für Alte Musik Fachbereich 3: Blasinstrumente, Schlagzeug, Harfe Fachbereich 4: Gesang, Musiktheater Fachbereich 5: Musikwissenschaft, Musikpädagogik, Kirchenmusik, Chorleitung Fachbereich 6: Jazz/Pop Fachbereich 7: Zentrum für Zeitgenössischen Tanz (ZZT)
Pre-College Cologne Mit Wirkung zum Wintersemester 2005/2006 wurde unter dem Namen Pre-College Cologne ein Ausbildungszentrum eingerichtet, an dem musikalisch hochbegabte Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 16 Jahren für die Instrumente Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass und Klavier auf ein Musikstudium vorbereitet werden. Seit dem Wintersemester 2009/2010 wurde das Angebot auf alle Instrumente der künstlerischen Instrumentalausbildung ausgeweitet. Die Unterrichtseinheiten, bestehend aus Einzelunterricht, Ausbildung in einem Zweitinstrument, Kammermusik, Harmonie- und allgemeine Musiklehre, finden an jeweils an drei Wochenenden im Monat außerhalb der Schulzeiten statt. Erfolgreich absolvierte Fächer können in einem anschließenden Vollstudium auf Antrag anerkannt werden. Die künstlerische Leitung des Pre-College Cologne wurde der Professorin und Violinistin Ute Hasenauer-Ramirez übertragen.
Studiengänge mini|Übungsdirigat im Orgelsaal (2018) Seit dem Wintersemester 2008/09 werden Bachelor- und Master-Abschlüsse angeboten in der Ausprägung B of Music, B of Arts in Dancing, B of Education in Music sowie Master of Music. Zum Bachelor oder Master of Music zählen unter anderem die Fächer: Künstlerische Instrumentalausbildung Künstlerische Gesangsausbildung Dirigieren Komposition Jazz, Populäre Musik, Weltmusik Evangelische und katholische Kirchenmusik Zum Studiengang Bachelor oder Master of Arts zählen die Fächer: Musikpädagogik Lehramt Musik für Gymnasien und Gesamtschulen Musikwissenschaft Musikpädagogik Tanzwissenschaft Die Gesamt-Studierendenzahlen lag im Wintersemester 2023/2024 bei rund 1400 Studierende, davon: in Köln: 1.104 in Wuppertal 166 in Aachen: 128
Standort Aachen mini|hochkant|Standort Aachen (2012) Der Standort Aachen ist mit seinen rund 140 Studierenden die kleinste Abteilung und ging hervor aus dem ehemaligen Grenzlandkonservatorium Aachen (Grenzland-Institut der Staatlichen Hochschule für Musik Rheinland). Er zeichnet sich neben seiner qualifizierten Lehrtätigkeit insbesondere durch eine intensive Zusammenarbeit mit der städtischen Oper und dem Sinfonieorchester der Stadt Aachen aus, die durch einen Kooperationsvertrag seit 1993 fest geregelt wurde. So finden hier von Fall zu Fall beispielsweise gemeinsame Opernproduktionen aber auch spezielle künstlerisch-musikalische Projektarbeiten statt. Ebenso bietet das Theater Aachen den Musikstudentinnen und Musikstudenten die Gelegenheit, berufsbezogene Praktika in ihren Abteilungen zu absolvieren.
Das aktuelle (2025) Direktorium setzt sich zusammen aus Timo Handschuh als Geschäftsführendem Direktor sowie Skerdjano Keraj und Andreas Frölich als Vertreter.Pedro Obiera: Präsenz der Musikhochschule soll gestärkt werden, in: Aachener Zeitung vom 7. April 2025