mini|Emblem der GST mini|GST-Funker, 1976 mini|Qualifikationsspange Kraftfahrer mini|Fallschirmspringer der GST, Flugplatz Gera-Leumnitz (1977) mini|Sporttaucher der GST nach einem Tauchgang im Helenesee, 1978 mini|Linientreue QSL-Karte von Funkamateuren

Die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) war eine paramilitärische Massenorganisation der DDR, gebildet 1952 zur vormilitärischen Ausbildung für den „Schutz der Heimat“. Sie war nicht für Kampfeinsätze vorgesehen und ist daher nur bedingt zu den bewaffneten Organen der DDR zu zählen.Paul Heider: Die Gesellschaft für Sport und Technik (1952–1990). In: Torsten Diedrich, Hans Ehlert, Rüdiger Wenzke (Hrsg.): Im Dienste der Partei. Handbuch der bewaffneten Organe der DDR. Ch. Links, Berlin 1998, ISBN 3-86153-160-7, S. 169; dort auch das Zitat aus der Gründungsbesprechung des Chefs der Sowjetischen Kontrollkommission mit der SED-Führung im April 1952 S. 170. Sie wurde Dachverband für Sportarten wie Sportschießen, Motorsport, Marine- und Seesport, Tauchsport, Segelfliegen, Funksport und Fallschirmspringen sowie für den Schiffsmodellsport, den Automodellsport und den Flugmodellsport. Die GST war neben der Nationalen Volksarmee zuständig für die vormilitärische Ausbildung, die an Schulen, Universitäten und in den Betrieben durchgeführt wurde, wodurch die GST auch zur Militarisierung der Gesellschaft der DDR, zur Disziplinierung der Jugend und der Förderung der Wehrbereitschaft der Bevölkerung beitrug.Torsten Diedrich, Hans Ehlert, Rüdiger Wenzke (Hrsg.): Im Dienste der Partei: Handbuch der bewaffneten Organe der DDR. Ch. Links Verlag, 1998, S. 196.

Die GST wurde am 7. August 1952 als Körperschaft des öffentlichen Rechts gegründet und war zunächst unter der Anleitung des Ministeriums des Innern tätig. Auf Verordnung des Ministerrates vom 14. September 1968 wurde die GST dem Ministerium für Nationale Verteidigung unterstellt. Ab Mitte der 1970er Jahre bezeichnete sich die GST als „sozialistische Wehrorganisation der DDR“.Ringo Wagner: Der vergessene Sportverband der DDR: die Gesellschaft für Sport und Technik. S. 68. Im Frühjahr 1990 wurde die GST aufgelöst.

Gründung Die Gesellschaft für Sport und Technik wurde im Zuge der von Josef Stalin veranlassten Wiederbewaffnung der DDR gegründet. Als Vorbild diente die 1951 gegründete sowjetische Massenorganisation DOSAAF.Ringo Wagner: Der vergessene Sportverband der DDR: die Gesellschaft für Sport und Technik. S. 42. Um die komplexen Verteidigungsvorbereitungen der DDR nach sowjetischem Vorbild auf den Weg zu bringen, wurden am 6. Mai 1952 durch mehrere Beschlüsse des Politbüros des ZK der SED die Bildung des Dienstes für Deutschland, des Deutschen Roten Kreuzes, des Staatssekretariats für Körperkultur und Sport und der Organisation Schutz der Heimat, aus der die spätere GST hervorging, beschlossen.Rüdiger Wenzke, Torsten Diedrich: Die getarnte Armee: Geschichte der Kasernierten Volkspolizei der DDR 1952 bis 1956. Band 1. Ch. Links Verlag, 2001, S. 87. Die GST sollte dem Zweck der Friedenssicherung dienen und deshalb zunächst Schutz der Heimat heißen. Kurze Zeit später entschloss man sich jedoch die eigentliche Intention der Organisation durch die Vergabe eines zivilen, sportlichen Namens zu verschleiern. Am 7. August 1952 erließ Otto Grotewohl als Vorsitzender des Ministerrates die Verordnung über die Bildung der GST als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die GST-Leitung sollte der Kontrolle des Innenministeriums unterliegen. Den Mitgliedergrundstock bildeten Mitglieder aus den Interessengemeinschaften für Sport der FDJ, die zur GST übertraten.Torsten Diedrich, Hans Ehlert und Rüdiger Wenzke: Im Dienste der Partei: Handbuch der bewaffneten Organe der DDR. Ch. Links Verlag, 1998, S. 171.

Aufbau und Finanzierung Die Kosten für die GST wurden nach ihrer Gründung in die Finanzplanung des Ministeriums des Innern (MdI) eingeordnet. Die finanziellen Aufwendungen für die Wehrsportorganisation GST lagen für die DDR-Steuerzahler 1952/53 auf fast demselben Niveau wie für den ebenfalls vom MdI finanzierten freiwilligen, kasernierten Dienst für Deutschland. Ab 1. September bis 31. Dezember 1952 kostete die Unterhaltung der GST 41,6 Millionen DM und 1953 45,5 Millionen DM. Bis 1955 wurde die GST zudem mit Geldern des FDGB unterstützt.Rüdiger Wenzke, Torsten Diedrich: Die getarnte Armee: Geschichte der Kasernierten Volkspolizei der DDR 1952 bis 1956. Band 1, Ch. Links Verlag, 2001, S. 307 f. Ende 1952 waren fast eine halbe Million DDR-Bürger Mitglied der GST.Rüdiger Wenzke, Torsten Diedrich: Die getarnte Armee: Geschichte der Kasernierten Volkspolizei der DDR 1952 bis 1956. Band 1, Ch. Links Verlag, 2001, S. 233.

Aufgaben und Tätigkeiten mini|hochkant|Motorradkolonne der GST auf dem Leipziger Karl-Marx-Platz, 1953 mini|hochkant|Schießübung mit KK-Gewehr in Vorbereitung für die III. Zentralen Meisterschaften der GST, in einem Trainingslager bei Mirow, 1967

Die GST spielte neben der FDJ zunächst eine besondere Rolle bei der Personalwerbung und Rekrutierung für die künftigen Streitkräfte der DDR. Die GST war für die Gewinnung und Disziplinierung Jugendlicher und die Überwindung pazifistischer Anschauungen zuständig und übernahm die vormilitärische Ausbildung. Die Vernachlässigung des sportlichen Charakters der GST zugunsten eines militärischen Anstrichs Anfang 1953 führte die GST mit dem Aufstand vom 17. Juni 1953 in eine Existenzkrise, die sie politisch nur knapp überstand.Ringo Wagner: Der vergessene Sportverband der DDR: die Gesellschaft für Sport und Technik. S. 44.

Im Januar 1955 wies das Politbüro der SED der GST die folgenden vier zentralen Aufgaben zu, von denen wesentliche Teile nie realisiert worden sind: „vormilitärische Ausbildung der jugendlichen Arbeiter und werktätigen Bauern sowie der Söhne der fortschrittlichen Intelligenz, um sie für den Dienst in der KVP vorzubereiten; vormilitärische Ausbildung aller Arbeiter und werktätigen Bauern, um sie zur Verteidigung der Heimat zu befähigen; Vermittlung von militärischen und militärtechnischen Kenntnissen unter den Werktätigen; Erziehung der Arbeiter und werktätigen Bauern zum Haß gegen die Kriegstreiber und Feinde der DDR sowie zur Liebe zur Heimat und zur Erkenntnis der Notwendigkeit ihrer bewaffneten Verteidigung durch eine breite mündliche und schriftliche Agitation und Propaganda.“Zitiert nach Paul Heider: Die Gesellschaft für Sport und_Technik (1952–1990). In: Im Dienste der Partei: Handbuch der bewaffneten Organe der DDR. herausgegeben von Torsten Diedrich, Hans Ehlert, Rüdiger Wenzke, S. 173.

Nach diesem Beschluss sollten die Arbeiter und Bauern im Alter von 20 bis 50 Jahren durch die GST allgemein vormilitärisch und außerdem an allen Handwaffen und automatischen Waffen ausgebildet werden. Andere Schichten, wie Angehörige des gewerblichen Mittelstandes, die vermutlich als Gegner forcierter Wehrerziehung galten, blieben außen vor. Die GST sollte zum hauptsächlichen Werbeträger für die KVP gemacht werden.Paul Heider: Die Gesellschaft für Sport und_Technik (1952–1990). In: Im Dienste der Partei: Handbuch der bewaffneten Organe der DDR. herausgegeben von Torsten Diedrich, Hans Ehlert, Rüdiger Wenzke, S. 173. Neue Kameraden wurde generalstabsmäßig geworben und viele Funktionäre mutmaßten bereits, „daß die GST ‚eine KVP im Kleinen‘ sei“, und es kam im Zuge dessen zu ersten kaderpolitischen Säuberungsaktionen in den Bezirken.

Nachdem per Gesetz vom 18. Januar 1956 die Nationale Volksarmee geschaffen worden war, fungierte die GST als ihr Hauptwerbeträger. Der hauptamtliche Apparat der GST wurde im Laufe der Zeit überwiegend mit ehemaligen NVA-Offizieren besetzt. Obschon das Politbüro am 16. Oktober 1956 die GST ausdrücklich zu einer engen Verzahnung mit den Wehrkommandos verpflichtete, kam es unter den GST-Mitgliedern nach dem in Ungarn im Herbst 1956 blutig niedergeschlagenen Volksaufstand zu Stagnationserscheinungen, weil die Mitglieder mit Austritt drohten, da sie sich nicht mit der militärischen Grundausrichtung der GST identifizieren wollten und die der GST zugedachten Rolle als bester Freund der NVA nicht goutierten. Zudem wollten die GST-Mitglieder die Ausreise aus der DDR als Privatangelegenheit betrachtet wissen und nicht als Verrat am Arbeiter-und-Bauern-Staat. Nach Überwindung der Anfangsschwierigkeiten entwickelte sich die GST zu einer der Massenorganisationen, die den Machterhalt der SED-Herrschaft pseudoplebiszitär stützten.Ringo Wagner: Der vergessene Sportverband der DDR: die Gesellschaft für Sport und Technik. S. 52 und S. 55 f.

1962 leitete der neue Verteidigungsminister Heinz Hoffmann die zukünftigen Aufgaben der GST aus denen der NVA ab. Er verlangte „einen politisch bewußten, disziplinierten, standhaften und militärisch gut vorgebildeten Soldaten“, und sah in dieser Vorbildung den Kern der künftigen Aufgabe der GST.Paul Heider: Die Gesellschaft für Sport und_Technik (1952–1990). In: Im Dienste der Partei: Handbuch der bewaffneten Organe der DDR. herausgegeben von Torsten Diedrich, Hans Ehlert, Rüdiger Wenzke, S. 177.

Bis zur Einführung des Wehrkundeunterrichts als Pflichtfach buhlte die GST um Einfluss und Profilierung an Schulen und Universitäten und verstärkte ab 1963 die Arbeit in Schulen, woraufhin in fast allen Fächern vormilitärische und technische Kenntnisse vermittelt wurden. Das führte zu einem anhaltenden Mitgliederschwund und 1964 kam es zu einer Austrittswelle von über 10.000 Mitgliedern.Ringo Wagner: Der vergessene Sportverband der DDR: die Gesellschaft für Sport und Technik. S. 63.

Die Bedeutung der Organisation wuchs weiterhin vom bloßen Wehrsport zur „Schule des Soldaten von morgen“. Sie betrieb Ausbildungsbasen und Schießstände, führte Wehrausbildungslager und Wettkämpfe durch. Durch die im Wehrdienstgesetz festgeschriebene Teilnahme an der vormilitärischen Ausbildung kamen fast alle jungen Männer mit der GST in Kontakt, die diese Übungen organisierte, auch wenn sie keine Mitglieder der GST waren. Ein Teil der Oberschüler (EOS) war Mitglied der GST. Das Gleiche galt für Lehrlinge in Großbetrieben. Sie zahlten einen geringen Mitgliedsbeitrag (0,25 Mark für Schüler).

Neben der allgemeinen vormilitärischen Ausbildung wurden Wehrlager (für Jungen zwei Wochen am Ende der 9. Klasse) und ein Marsch der Bewährung für ca. fünf Tage im Jahr während der Berufsausbildung (an der EOS einmalig am Ende der 11. Klasse) und Wettkämpfe (Wehrspartakiaden) durchgeführt.

Die Funktion der GST bestand zunächst in der Wehrerziehung und vormilitärischen Ausbildung der Gesamtbevölkerung. Jugendliche nahmen ursprünglich auf freiwilliger Basis an den Wehrerziehungskursen teil. Während des Mauerbaus 1961 rief der GST-Vorsitzende Staimer zur Bildung von Einsatzgruppen auf, um die LPGs zu sichern, angebliche Provokateure und Saboteure, die im kommunistischen Sprachgebrauch Diversanten genannt wurden, zu bekämpfen und oppositionelle Flugblattverteiler festzunehmen, was in den Grundorganisationen mitunter auf Ablehnung stieß.Paul Heider: Die Gesellschaft für Sport und Technik (1952–1990). In: Torsten Diedrich, Hans Ehlert, Rüdiger Wenzke (Hrsg.): Im Dienste der Partei: Handbuch der bewaffneten Organe der DDR. Ch. Links Verlag, 1998, ISBN 3-86153-160-7, S. 175 f.

Ab 1969 wurde die vormilitärische Ausbildung von Lehrlingen und Abiturienten durch die GST dann obligatorisch. In den zentralen Ausbildungslagern für die vormilitärische Ausbildung von Lehrlingen und Abiturienten waren die Lebensbedingungen in einigen Fällen wegen Mängeln (Essensversorgung, sanitäre Anlagen und medizinische Versorgung) kritikwürdig.H-Soz-Kult . Christian Th. Müller: online-Rezension von „Paul Heider: Die Gesellschaft für Sport und Technik (1952–1990).“ Diese Form der obligatorischen Wehrerziehung war unabhängig von der Tätigkeit der GST gegenüber ihren Mitgliedern. Es handelte sich dabei um obligatorische Lehrgänge für Lehrlinge, welche von den Mitgliedern und Funktionären der GST durchgeführt wurden.