mini|Logo mit ARD-Dachmarke Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) ist eine gemeinsame Landesrundfunkanstalt für die Freie und Hansestadt Hamburg und die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Der Sitz des NDR ist Hamburg. Der NDR entstand 1954 durch die Spaltung des NWDR in NDR und WDR. Am 1. April 1956 nahm er den Sendebetrieb auf. Er ist Mitglied der ARD und hat die Rechtsform einer gemeinnützigen Anstalt des öffentlichen Rechts. Beim NDR waren zum Jahresende 2015 insgesamt 3.426,5 Mitarbeiter (Planstellen) beschäftigt. Mit dem 1929 von der NORAG begründeten Hamburger Hafenkonzert strahlt NDR 90,3 am Sonntag von 6 bis 8 Uhr morgens die älteste bestehende Radiosendung der Welt aus.

Auftrag Der NDR soll mit seinem Programm die Rundfunkteilnehmer der Länder Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein informieren, bilden, beraten, unterhalten und insbesondere Beiträge zur Kultur anbieten. Im NDR-Staatsvertrag ist auch die angemessene Berücksichtigung der vielfältigen norddeutschen Regionen sowie ihrer Kultur und Sprache im Programm vermerkt. Deshalb soll der NDR sein Programm auch grundsätzlich in allen vier Ländern seines Sendegebiets herstellen.

§ 50 des NDR-Staatsvertrags ermöglicht, dass weitere Bundesländer dem Staatsvertrag beitreten können.

Finanzierung Beitragseinnahmen des NDR aus dem Rundfunkbeitrag: Jahr Beitragseinnahmen Quelle 2013 949.968.515,85 € 2014 1.025.389.521,78 € 2015 988.625.118,66 € 2016 972.061.911,48 € 2017 968.918.797,00 € 2018 965.542.497,11 € 2019 971.965.802,27 € 2020 979.293.558,80 € 2021 1.021.517.825,81 € 2022 1.029.520.660,22 € 2023 1.084.293.738,86 €

Standorte des NDR mini|Verwaltung und Hörfunk des NDR in Hamburg-Harvestehude mini|NDR-Landesfunkhaus Niedersachsen in Hannover

Der Sitz des NDR ist Hamburg. In der Stadt hat der Sender zwei größere Standorte: das Funkhaus an der Rothenbaumchaussee in Harvestehude mit der Intendanz, der Verwaltung und großen Teilen des Hörfunks sowie ein Gelände in Lokstedt. In Lokstedt ging 1953 das Fernsehstudio des damaligen NWDR in Betrieb, aus dem das NDR-Fernsehzentrum entstand. Zuletzt wurden auch Teile des Hörfunks nach Lokstedt verlagert.

In den Landeshauptstädten Hannover, Kiel und Schwerin sowie in Hamburg befinden sich Landesfunkhäuser für Hörfunk und Fernsehen, die vorwiegend Regionalprogramme für das jeweilige Land gestalten. Darüber hinaus unterhält der NDR in mehreren Städten seines Sendegebiets Regionalstudios und Korrespondentenbüros: Niedersachsen: Studios in Braunschweig, Göttingen, Lüneburg, Oldenburg, Osnabrück; Korrespondentenbüros in Lingen/Emsland, Cuxhaven, Esens/Ostfriesland, Vechta, Verden (Aller), Hameln/Weserbergland und Wilhelmshaven. Schleswig-Holstein: Studios in Flensburg (NDR-Studio Flensburg), Heide, Kiel, Lübeck und Norderstedt. Mecklenburg-Vorpommern: Studios in Greifswald, Neubrandenburg und Rostock.

Der NDR betreibt die ARD-Auslandsstudios in London, Stockholm, Peking, Tokio und Singapur. Die Leitung des ARD-Studios in Washington, D.C. wechselt regelmäßig zwischen NDR und WDR. Daneben ist der Sender am ARD-Hauptstadtstudio in Berlin sowie an den ARD-Studios in Moskau, Warschau, Brüssel, New York City und Los Angeles beteiligt.

Der NDR beherbergt in Hamburg-Lokstedt zudem die Nachrichten-Redaktion ARD-aktuell. Die Gemeinschaftseinrichtung der ARD-Anstalten publiziert unter anderem die Tagesschau und weitere journalistische Angebote unter dieser Medienmarke.

Programme mini|Ehemalige Reformsynagoge Oberstraße, Hamburg, Rolf-Liebermann-Studio des NDR mini|Eingang zum Gelände des NDR-Fernsehens in Hamburg-Lokstedt Der NDR produziert alleinig oder steuert Inhalte an folgenden Rundfunk- bzw. Fernsehanstalten Fernseh- und Hörfunkprogramme bei:

Fernsehen Das Erste (Erstes Deutsches Fernsehen) – Gemeinschaftsprogramm der ARD NDR Fernsehen (ehemals N3 bzw. Norddeutsches Fernsehen) – regionales Fernsehprogramm für Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Bremen (in Bremen gemeinsam mit Radio Bremen) Phoenix – gemeinsamer Ereigniskanal der ARD und des ZDF KiKA – Kinderkanal von ARD und ZDF Arte – deutsch-französischer Kulturkanal 3sat – Kulturkanal von ARD, ZDF, ORF und SRF tagesschau24 – Informationssender One – Dokumentations- und Unterhaltungssender

Beitrag zum Gemeinschaftsprogramm Das Erste Zu den Programminhalten des Fernsehprogramms Das Erste, dem Gemeinschaftsfernsehprogramm der neun öffentlich-rechtlichen Regionalrundfunkanstalten, die in der ARD organisiert sind, trägt der NDR 17,45 % bei. Damit liegt der NDR hier nach dem WDR und dem SWR auf Platz 3.

Unter anderem ist beim NDR in Hamburg die Nachrichtenredaktion ARD-aktuell angesiedelt. Dort werden die Tagesschau, die Tagesthemen und der Nachrichtensender tagesschau24 produziert. Der NDR war die verantwortliche Rundfunkanstalt für die Talkshow Anne Will, die sie bis zur Einstellung im Dezember 2023 im Auftrag von der Will Media GmbH produzieren ließ. 2024 übernahm der Polittalk Caren Miosga den Sendeplatz, moderiert von der gleichnamigen Moderatorin.

Außerdem hat der NDR die deutsche Federführung für den Eurovision Song Contest und repräsentiert somit die ARD bei einer der größten internationalen Medienveranstaltungen. Nachdem Lena den Wettbewerb 2010 in Oslo hatte für sich entscheiden können, war der NDR für die Ausrichtung des Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf verantwortlich.

Hörfunk

Der NDR produziert in den vier Landesfunkhäusern je ein Landesprogramm pro Bundesland, nämlich

NDR 90,3 – für Hamburg NDR 1 Niedersachsen – für Niedersachsen aus Hannover mit starker Regionalberichterstattung, Oldies, Pop und deutschen Kulthits NDR 1 Welle Nord – für Schleswig-Holstein aus Kiel mit teilweiser Regionalisierung, Hits, Oldies und deutschsprachiger Musik NDR 1 Radio MV – für Mecklenburg-Vorpommern aus Schwerin mit teilweiser Regionalisierung

Im ganzen Sendegebiet werden die sogenannten Zentralprogramme aus Hamburg ausgestrahlt, nämlich

NDR 2 – Popwelle. NDR 2 darf als einziges NDR-Hörfunkprogramm Radiowerbung ausstrahlen NDR Kultur (ehemals NDR 3 bzw. Radio3 als befristete Kooperation mit SFB und ORB) – Klassik-dominiertes Kulturprogramm NDR Info (ehemals NDR 4 bzw. NDR 4 Info) – Informationsradio NDR Info Spezial – erweiterte Version von NDR Info mit Seewetterberichten, Ausländerprogramm und Sportübertragungen – Verbreitung ausschließlich über Kabel, DVB-S, DAB+ & Webstream N-Joy (ehemals N-Joy Radio) – Jugendradio

Daneben gibt es zwei ausschließlich digital ausgestrahlte Programme, nämlich NDR Blue – Musikprogramm mit Musik abseits des Mainstreams – Verbreitung ausschließlich über DAB+, DVB-C, DVB-S, Webstream und diverse Kabelnetze NDR Schlager – Schlagerradio – Verbreitung ausschließlich über DAB+, DVB-S und Webstream. NDR Schlager wird aus dem Landesfunkhaus Niedersachsen in Hannover gesendet.

Online Mit NDR.de betreibt der NDR ein Online-Angebot, verantwortet vom Programmbereich Online & Multimedia, der den Programmdirektionen Hörfunk (federführend) und Fernsehen zugeordnet ist. Auf der Website werden Meldungen aus den Bereichen Nachrichten, Sport, Ratgeber, Unterhaltung und Kultur bereitgestellt.

Außerdem publiziert der Norddeutsche Rundfunk via YouTube-Beiträge in Form von Dokumentationen, welche auf einem Kanal namens „NDR Doku“ zur Verfügung gestellt werden.

Institutionen im NDR

NDR Media GmbH Im März 2006 wurde die NDR Media GmbH als hundertprozentiges privatwirtschaftliches Tochterunternehmen des öffentlich-rechtlichen NDR gegründet. Sie fungiert als Finanzholding für Tochterunternehmen und Beteiligungen des Senders. Die Media GmbH arbeitet als sogenannter Mediendienstleister dem NDR zu. Über die Media GmbH vermarktet die Anstalt Werbezeiten im Hörfunk und Fernsehen. Das NDR Event- und Kooperationsmarketing, Sponsoring durch den NDR und der NDR Ticketshop sind im Eigentum der GmbH.

Klangkörper Der NDR verfügt in der Abteilung „Orchester, Chor und Konzerte“, die der „Programmdirektion Hörfunk“ unterstellt ist, über vier eigene Klangkörper: NDR Elbphilharmonie Orchester Das Orchester wurde 1945 als „Sinfonieorchester des NWDR“ in Hamburg gegründet und von 1955 bis 2016 vom NDR als „NDR Sinfonieorchester“ weitergeführt. 2016 wurde der Name geändert in NDR Elbphilharmonie Orchester. Chefdirigenten waren u. a. Hans Schmidt-Isserstedt, Günter Wand, John Eliot Gardiner, Christoph Eschenbach, Christoph von Dohnányi und Thomas Hengelbrock. NDR Radiophilharmonie Das 1950 als „Rundfunkorchester Hannover des NWDR“ gegründete Orchester heißt seit 2003 „NDR Radiophilharmonie“. Chefdirigenten waren u. a. Willy Steiner, Bernhard Klee und Eiji Ōue. Für genreübergreifende Konzerte tritt das Orchester auch unter dem Namen „NDR Pops Orchestra“ auf. NDR Chor Der Chor wurde 1946 vom damaligen NWDR in Hamburg gegründet und trägt seit 1955 seinen heutigen Namen; er ist insbesondere der Alten Musik verpflichtet, widmet sich jedoch auch zeitgenössischer Musik. NDR Bigband Gegründet 1945 vom damaligen NWDR, wird sie seit 1955 vom NDR in Hamburg weitergeführt. Seit 1971 trägt sie ihren heutigen Namen. Zuvor hieß sie „NDR-Studioband“.

Verbreitungswege und Sendernetz Der Norddeutsche Rundfunk betreibt in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg ein eigenes Sendernetz zur terrestrischen Ausstrahlung seiner Hörfunk- und Fernsehprogramme. In Mecklenburg-Vorpommern werden diese Leistungen im Auftrag und auf Rechnung des NDR vom Unternehmen Uplink Network GmbH erbracht.

An 16 Standorten betreibt der NDR eigene Grundnetzsender (NDR-Bezeichnung, ggf. Ort/Gemeinde):

In Lübeck betreibt der NDR einen eigenen UKW-Sender, den Sender Lübeck-Wallanlagen. Dazu kommt eine Vielzahl von NDR-eigenen Füllsendern und Sendern der Deutschen Funkturm, die im Auftrag und auf Rechnung des NDR betrieben werden.

Ab Mai 1951 betrieb der NDR mit weiteren ARD-Anstalten im Kreis Pinneberg die NDR-Mess- und Empfangsstation Wittsmoor zur Überwachung der Rundfunkbänder. Inzwischen wird dieser Standort als Sender Wedel genutzt.

Geschichte Die Anfänge bis 1945 1924 wurde in Hamburg die „Nordische Rundfunk AG“ (NORAG) gegründet, die am 2. Mai 1924 ihren Sendebetrieb aufnahm. Im Mai 1925 entstand in Berlin als Dachorganisation der regionalen Rundfunkgesellschaften im Deutschen Reich die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG), der auch die NORAG beitrat. Seit 1928 wurden die Sendungen in der Rothenbaumchaussee in Hamburg produziert. 1933 wurde die Nordische Rundfunk AG in die „Norddeutsche Rundfunk GmbH“ umgewandelt. Nach der Machtergreifung der NSDAP wurden die regionalen Gesellschaften zu Filialen der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft.

Der Sender erhielt im Sommer 1933 eine Eindrahtantenne, die in Form eines Bronzedrahts senkrecht von dem 145 Meter hohen Funkturm in der Nähe des Bahnhofs Billwerder-Moorfleth herabhing. Hier steht auch heute noch die Sendeantenne Billwerder-Moorfleet. Die Sendeleistung betrug 60 kW. Nach dem Luzerner Wellenplan änderte sich die Sendefrequenz von 806 auf 904 kHz.

Ab dem 1. April 1934 waren die bisherigen Namen nach dem Schema: Reichssender (Sitz) vereinheitlicht und der Norddeutsche Rundfunk wurde zum Reichssender Hamburg. Er war damit Teil des deutschen Einheitsrundfunks, der ab dem 1. Januar 1939 unter dem Namen Großdeutscher Rundfunk sendete.

NWDR-Zeit mini|100px|Logo des NWDR Wenige Tage vor der deutschen Kapitulation übernahm die britische Armee am 4. Mai 1945 den Reichssender Hamburg, der als „Radio Hamburg“ zunächst weiter sendete.