mini|Luisa Neubauer, 2025 Luisa-Marie Neubauer (* 21. April 1996 in Hamburg) ist eine deutsche Klimaschutzaktivistin und Publizistin. In Deutschland ist sie eine der Hauptorganisatorinnen des von Greta Thunberg inspirierten Schulstreiks Fridays for Future („Klimastreik“). Sie tritt für eine Klimapolitik ein, die mit dem Übereinkommen von Paris vereinbar ist, und wirbt für einen Kohleausstieg Deutschlands bis 2030. Neubauer ist Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen und engagiert sich in verschiedenen Nichtregierungsorganisationen.
Leben Luisa Neubauer wuchs in Hamburg-Iserbrook als jüngstes von vier Geschwistern auf. Ihre Mutter, Frauke Neubauer (geborene Reemtsma), ist Krankenschwester und leitet ein Altenpflegeheim. Neubauers Vater leitete das Altenheim mit ihr gemeinsam bis zu seinem Tod im Jahr 2016. Ihre Mutter engagierte sich in der Anti-Atomkraft-Bewegung der 1980er Jahre und sensibilisierte Luisa Neubauer für das Klimaproblem. 2020 nannte Neubauer ihre Großmutter Dagmar Reemtsma ihr großes Vorbild. Dagmar Reemtsma, deren Vater während der Zeit des Nationalsozialismus in einem Konzentrationslager ermordet wurde, war als Aktivistin für Umwelt, Frieden und globale Gerechtigkeit aktiv. Unter anderem trat sie seit den 1980er Jahren als Organisatorin von Demonstrationen gegen Kohle- und Atomkraftwerke auf und engagierte sich in der Umweltgruppe Elbvororte, die über Umweltgefahren informierte. Neubauers Cousine Carla Reemtsma nimmt bei Fridays for Future in Deutschland ebenfalls eine führende Stellung ein. Ihr Bruder Lennard Neubauer ist Deutschland-Chef der Essens-Bestellplattform Lieferando.
Neubauer wurde evangelisch getauft und konfirmiert, und ihr gesellschaftspolitisches Engagement begann in der Kirche. Als Schülerin nahm sie an einem Austauschprogramm in Namibia teil. 2014 legte sie ihr Abitur am Marion-Dönhoff-Gymnasium in Hamburg-Blankenese ab. Im Jahr danach arbeitete sie nach eigenen Angaben für ein Entwicklungshilfeprojekt in Tansania und auf einem Biobauernhof in England.
Im Wintersemester 2015 begann sie ein Studium der Geographie an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie absolvierte ein Auslandssemester am University College London und erhielt ein Deutschlandstipendium sowie ein Stipendium der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung. Im Sommersemester 2020 schloss sie dieses Studium mit dem Bachelor of Science ab. Anschließend begann sie den Masterstudiengang Geographie: Ressourcenanalyse und -management, ebenfalls in Göttingen.
Im Jahr 2020 absolvierte Luisa Neubauer das sechsmonatige Leadership Program der Obama Foundation.
Der Fernsehmoderator und Schauspieler Louis Klamroth, der seit Januar 2023 die politische Fernsehsendung hart aber fair moderiert, ist ihr Lebensgefährte. Seit Juli 2025 ist Neubauer Kolumnistin beim deutschen Wirtschaftsmagazin Surplus und schreibt die Kolumne Heißzeit. Sie nahm 2025 am Presseball in Berlin teil und trug dort ein Kleid mit der Aufschrift „Hot Hotter Dead“ (deutsch: „Heiß, Heißer, Tot “). Auf der Berlinale 2025 demonstrierte sie ihre Kritik an Friedrich Merz durch das Tragen eines Kleids mit der Aufschrift „Donald & Elon & Alice & Friedrich?“. 2025 war sie auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag an mehreren Veranstaltungen beteiligt.https://www.kirchentag.de/service/aktuelles/durchfuehrung/luisa-neubauer Ebenfalls 2025 hielt sie eine Kanzelrede zum Reformationstag in der Bonner Kreuzkirche.„Nur Mut!“: Nachdenkliche Bonner Reformationsfeier am 31. Oktober mit Kanzelrede von Luisa Neubauer – Predigt zum Nachlesen und Link zum Video hier 2026 nahm Neubauer an einer Antarktis-Expedition auf der Segelyacht Malizia Explorer teil, bei der sie ein Live-Webinar abhielt.
Klimapolitisches Engagement In der Öffentlichkeit ist Neubauer hauptsächlich als Klimaschutzaktivistin tätig und bekannt. Ihr diesbezügliches Engagement zeigt sich im Wirken für Nichtregierungsorganisationen, bei der Mitorganisation von Klimastreiks, in ihrer mit Kritik verbundenen Mitgliedschaft bei Bündnis 90/Die Grünen und in einer Vielzahl politischer Kontroversen, die sie mit Vertretern des politischen Establishments austrägt.
Mitwirken in Nichtregierungsorganisationen Seit 2016 ist sie Jugendbotschafterin der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisation ONE. Zudem engagierte sie sich bereits für die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, die internationale Klimaschutzorganisation 350.org, die Right Livelihood Award Foundation, die Klimakampagne Fossil Free und die deutsche NGO Das Hunger Projekt.
Gemeinsam mit anderen Studierenden erreichte sie mit der Kampagne Divest! Zieht euer Geld ab!, dass die Universität Göttingen künftig nicht mehr in Industrien investiert, die mit Kohle, Öl oder Gas Geld verdienen.
2018 nahm sie als eine von vier deutschen Delegierten am Weltjugendgipfel Y7, einer Ergänzung des G7-Gipfeltreffens, in der kanadischen Hauptstadt Ottawa teil. Die Delegation initiierte im Oktober 2018 als Reaktion auf die geplanten Rodungen im Hambacher Forst einen offenen Brief an die Bundesregierung, in dem sie diese zur Verurteilung des Vorgehens des Energieerzeugers RWE im Hambacher Forst aufforderte und für Generationengerechtigkeit in der Klimapolitik plädierte. Der Brief wurde von 100 jungen Menschen wie den Aktivisten Ali Can und Felix Finkbeiner und der BUND-Jugendorganisation unterzeichnet.
Im Dezember 2018 war sie als Jugenddelegierte für die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen beim Weltklimagipfel in Kattowitz und begegnete dort unter anderem der Initiatorin der Fridays for Future Greta Thunberg. Bei dem EU-Gipfel in Sibiu im Mai 2019 traf Neubauer zusammen mit anderen Klimaaktivisten Emmanuel Macron und acht weitere Staats- und Regierungschefs von EU-Ländern.
2021 beteiligte sie sich an der laufenden Kampagne Rewriting Extinction, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit Hilfe von Comics Bewusstsein für die Klima- und Biodiversitätskrise zu schaffen. Sie arbeitete an der Comicgeschichte The Concrete Ceiling mit, die am 28. Oktober 2021 in dem Buch The Most Important Comic Book on Earth von Dorling Kindersley veröffentlicht wurde. Bei dem Projekt wirkten Aktivisten, Prominente und Künstler gleichermaßen mit, beispielsweise Jane Goodall, Cara Delevingne und War and Peas.
Mitorganisation von Klimastreiks mini|Neubauer (links) mit Greta Thunberg im März 2019 bei einer Demonstration von Fridays for Future in Hamburg mini|Neubauer beim Klimastreik in Berlin, November 2019 mini|Luisa Neubauer spricht auf dem Fridays for Future Global Strike am 15. September 2023 in der Nähe des Brandenburger Tors, Berlin
Anfang 2019 wurde sie als eine der führenden Aktivisten der Fridays for Future in Deutschland bekannt. In vielen Medien gilt Luisa Neubauer als „das deutsche Gesicht“ bzw. als das Sprachrohr dieser Bewegung. Aufgrund ihrer Prominenz konnte sie die Ziele der Bewegung mitgestalten, und Fridays for Future Deutschland übernahm teilweise die von Neubauer geäußerten Ansichten, um Konflikte zu vermeiden.
Neubauer sagte 2019, die von den Schülern ausgehenden Streiks für eine wirksame Klimaschutzpolitik seien nicht das Ziel ihres Engagements. Wichtiger sei die Arbeit im Hintergrund: Gestaltung von Strukturen und Veranstaltungen sowie Führen von Grundsatzdebatten. Man schaffe etwas Neues: eine moderne politische Bewegung ohne detailliertes Programm und ohne Mitgliedschaft. Im März 2019 gab es 250 Ortsgruppen in Deutschland.
Nachdem die Beteiligung von Siemens am Bau des Steinkohlebergwerks Carmichael der Adani Group kritisiert worden war, traf sich Joe Kaeser am 10. Januar 2020 mit Aktivisten von Fridays for Future und bot dabei Luisa Neubauer einen Aufsichtsratsposten bei Siemens Energy an. Auf die Frage, ob es der Aufsichtsrat oder ein anderes Gremium sei, antwortete Kaeser, dass Neubauer dies selbst entscheiden könne. Neubauer lehnte das Angebot mit der Begründung ab, dass sie dann den Interessen des Unternehmens verpflichtet wäre und Siemens nicht mehr unabhängig kommentieren könnte. Ihren Vorschlag, den Aufsichtsratsposten stattdessen mit einem Vertreter von Scientists for Future zu besetzen, lehnte Kaeser ab; er sagte, Siemens habe bereits genügend Experten und Wissenschaftler. Kaeser bestritt später, Neubauer einen Aufsichtsratsposten angeboten zu haben, dem widersprach Fridays for Future wiederum. Laut Kaeser entstand dieser Eindruck, weil er auf die Nachfrage eines Journalisten, ob er Neubauer einen Sitz in einem Kontrollgremium oder ein Aufsichtsratsmandat angeboten habe, gesagt habe, das könne sie sich aussuchen.
Mitglied und Kritikerin der Grünen Neubauer ist seit 2017 Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen und der Grünen Jugend, nach eigenem Bekunden 2019 jedoch nicht aktiv. Fridays for Future mache sich generell mit keiner Partei gemein.
Auf dem Grundsatzkonvent von Bündnis 90/Die Grünen am 29. März 2019 hielt Neubauer eine Rede, in der sie ein Emissionsbudget für Deutschland forderte. Neubauer sagte im April 2019 in einem taz-Interview, es gebe speziell bei den Grünen ein massives Aufklärungsversagen. Es bräuchte Ehrlichkeit in Bezug auf anstehende Veränderungen für Gesellschaft und Wirtschaft und die Überwindung des Paradigmas „Klimaschutz gefährdet Wohlstand“. Man traue sich nicht, Klartext zu reden, weil radikale Maßnahmen notwendig seien und das unbequem für alle werde. Ihre Ansprache auf dem Parteitag der Grünen am 16. Oktober 2022 wurde vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen im Dezember 2022 als „Rede des Jahres 2022“ ausgezeichnet.
Verfassungsbeschwerde 2020 Im Januar 2020 reichten mehrere Umweltverbände gemeinsam mit mehreren Klimaaktivisten, darunter u. a. auch Neubauer, Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht ein, die das Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) zum Gegenstand hatte. Das Bundesverfassungsgericht erklärte mit Beschluss vom 24. März 2021 § 3 Abs. 1 Satz 2 und § 4 Abs. 1 Satz 3 KSG in Verbindung mit Anlage 2 (Zulässige Jahresemissionsmengen) mit den Grundrechten für unvereinbar. Die Verfassungsbeschwerde der Umweltverbände war somit in Teilen erfolgreich.
Publizistisches Wirken
Bucherscheinungen mini|Luisa Neubauer bei der Vorstellung von „Was wäre, wenn wir mutig sind“ auf der Leipziger Buchmesse am 27. März 2025 Im Oktober 2019 veröffentlichte Neubauer zusammen mit Alexander Repenning das Buch Vom Ende der Klimakrise – Eine Geschichte unserer Zukunft. In ihrer den Possibilisten gewidmeten Abhandlung zum menschengemachten Klimawandel untersuchen Neubauer und Repenning Entstehungsursachen und Zukunftsperspektiven der Klimakrise, ausgehend von der Frage: „Was tun, wenn man mitten in der größten Krise der Menschheit steckt und niemand handelt?“Luisa Neubauer, Alexander Repenning: Vom Ende der Klimakrise – Eine Geschichte unserer Zukunft. Stuttgart 2019, S. 13.