mini|Balthasar Balduin Balthasar Balduin (* 5. Februar 1605 in Dresden; † 29. April 1652 in Regensburg) war ein deutscher lutherischer Theologe.

Leben Balthasar wurde als Sohn des Theologen Friedrich Balduin und dessen erster Frau Dorothea Meissner geboren. Er besuchte die Wittenberger Stadtschule und bezog die Universität Wittenberg. Hier absolvierte er zunächst Studien an der Philosophischen Fakultät. Zu jener Zeit lehrten in Wittenberg August Buchner die Dichtkunst, Jakob Martini die Moralphilosophie, Reinhold Franckenberger die Geschichte, Erasmus Schmidt die griechische Sprache, Johann Avenarius die Redekunst und Georg Wecker die Physik. Zudem wurden die beiden Lehrstühle der höheren Mathematik von Ambrosius Rhode und der niederen Mathematik von Tobias Tilemann besetzt.Heinz Kathe: Die Wittenberger philosophische Fakultät. (1502-1817). Böhlau Verlag, Köln / Weimar / Wien 2002, ISBN 3-412-04402-4. Bei diesen Lehrkräften dürfte er sich ausreichend Wissen erworben haben, so dass er am 16. März 1624 den akademischen Grad eines Magisters erlangte.Bernhard Weissenborn: Album Academiae Vitebergensis. Jüngere Reihe Teil 1 (1602–1660). Selbstverlag der historischen Kommission, Magdeburg 1934, S. 162 Nachdem er im Februar 1625 die Vorleseerlaubnis an Hochschulen als Magister legens erworben hatte, wechselte er im Sommersemester 1626 für theologische Studien an die Universität Jena.Georg Mentz, Reinhold Jauernig: Die Matrikel der Universität Jena. Band I 1548 bis 1652. Verlag Gustav Fischer, Jena 1944, S. 10

In Jena lehrten die damals einflussreichen Theologen Johannes Major, Johann Gerhard und Johann Himmel, bei denen er sich für seinen weiteren Werdegang manches theologisches Wissen aneignen konnte. 1627 kehrte er wieder nach Wittenberg zurück, um seine theologischen Studien, unter anderem bei Paul Röber, Wilhelm Leyser und Wolfgang Franz, fortzusetzen.Armin Kohnle, Beate Kusche: Professorenbuch der Theologischen Fakultät der Universität Wittenberg 1502 bis 1815/17. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2016, ISBN 978-3-374-04302-6. 1630 bot sich die Gelegenheit, sein umfangreiches theoretisches Wissen in der Praxis anzuwenden: Er folgte im April 1631 einer Berufung als Pfarrer nach Döbeln.Obeliscus Honoris Et Congratulationis Viro Reverenda Dignitate ac Eruditione omnigena et singulari Clarissimo Balthasari Balduino, Magni quondam D. Friderici Balduini ... Filio, SS. Theologiae Candidato, Cum Ad Officium Pastoris Döbelensis, Adjunctique ephorias Oschatiensis, divina omnino auctoritate, vocaretur, Anno aerae usitatae MDCXXXI. mense Aprili / erectus a Dnn. Praeceptoribus, Affinibus, Fautoribus ac Amicis. Johann Hake, Wittenberg, 1631 (Online) Hier erlebte er die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges, die ihn teilweise in seiner Amtsausübung einschränkten. Dieses besserte sich, als er 1636 die Stelle eines Oberpfarrers und Superintendenten in Chemnitz übernahm. Um den Anforderungen eines Superintendenten gerecht zu werden, avancierte Balduin am 8. Mai 1638 an der Wittenberger Hochschule zum Lizentiaten der Theologie und am 28. August 1638 wurde er zum Doktor der Fachrichtung promoviert.

In Zwickau, wo er seit 1638 als Oberpfarrer und Superintendent tätig war, holten ihn die Schrecken des Krieges wieder ein. Denn ab 1639 gab es ständig neue Besetzungen der Stadt durch kaiserliche und schwedische Truppen. Dies besserte sich erst, als mit dem Waffenstillstand von Kötzschenbroda 1645 Frieden in die sächsischen Lande einkehrte.Tobias Schmidt: Chronica Cygnea Oder Beschreibung Der sehr alten, Löblichen, und Churfürstlichen Stadt Zwickau. Von derselben Lager, Erbauung, Gebäuden, Einwohnern, Gelegenheit, von ihren Regenten, wie auch Beampten in Geist und Weltlichen Stande. Ingleichen was sich Schrifftwürdiges, zu Kriegs und Frieds-Zeiten, allda und derselben Nachtbarschafft begeben, und zugetragen. Darbey auch sonsten viel denckwürdige Sachen mit angeführet werden. Alles aus glaubwürdigen, theils eines H. und W. Weis. Rats, und andern Archiven, theils aus vieler bewehrten Autoren Schrifften, und Büchern, theils auch aus eigener Erfahrung zusammen gebracht, und zum Druck verfertigt. Melchior Göpner, Zwickau, 1656 (Online) Seine letzte Wirkungsstätte wurde 1648 Regensburg, wo er bis zu seinem Ableben ebenfalls die Stelle eines Oberpfarrers und Superintendenten versah. Hier erlebte er das Ende des Dreißigjährigen Krieges. Als der Westfälische Friede geschlossen war, hielt er mehrere Predigten, welche diesen feierten.

Balduin verfasste Literatur zur christlichen Erbauung und Homiletik. Am bedeutendsten ist die Ausgabe eines Regensburger Gesangbuches, welches mehrere Auflagen erlebte.

Familie Balduin war ab 1629 mit Clara Sophia Hahn (* 14. September 1609 in Magdeburg; † nach 17. März 1684), der Tochter des Magdeburger Dompredigers Philipp Hahn, verheiratet. Aus der Ehe stammen 10 Kinder, sieben Söhne und drei Töchter. Von den Kindern kennt man:

So. Friedrich Philipp Balduin (* 11. Juni, ~ 13. Juni 1630 in Wittenberg; † 9. November 1669 in Großenhain)25. April 1648 Uni. Leipzig; 1651 Uni. Wittenberg, 1652 Mag. phil. ebd., 1655 Bildungsreise Prag, Regensburg, Wien und Preßburg/Ungarn, 1657 Dresden Privatprediger bei Graf Steno Bielke, 1659 Subdiakon Großenhain, 4. April 1661 Mesodiakon ebd., 22. März 1669 Archidiakon ebd., verh. 18. Oktober 1659 mit Barbara Elisabeth Leutteritz, To. d. Bürgermeisters Großenhain Valentin Leutteritz, 8. Kinder, u. a. So. N.N. Balduin (* & † 18. Januar 1661 in Großenhain); So. N.N. Balduin (* & † 15. Februar 1662 in Großenhain), To. Clara Aemilia Balduin (* 21. April 1663 in Großenhain), So. Johann Friedrich Balduin (* 16. September 1664 in Großenhain; † 2. November 1664 ebd.), To. Sophia Elisabeth Balduin (* 10. Oktober 1665 in Großenhain); To. Dorothea Renate Balduin (* 6. April 1667 in Großenhain), So. Johann Adolph Balduin (* 15. Januar 1669 in Großenhain), Ki. N.N. Balduin (ungeboren), vgl. Gottfried Meisner: Das Rechte Hauß der Außerwehlten In Einer Den 12. Nov. Anno 69. Bey Beerdigung Des WohlEhrwürdigen/ VorAchtbaren und Wohlgelahrten Herrn M. Friederich Philipp Balduini, Treufleißigen ArchiDiaconi zum Hayn/ über Psalm. 73/ 23. 24. gehaltenen Leichen-Predigt betrachtet und durch den Druck vorgestellet. Christoph Günter, Meissen, 1670, (Online); auch In: Fritz Roth: Restlose Auswertungen von Leichenpredigten und Personalschriften für genealogische und kulturhistorische Zwecke. Band 2. Boppard am Rhein 1961, S. 128, R 1219; So. Christian Adolf Balduin (* 29. Juni 1632 in Döbeln; † Dezember 1682 in Großenhain) kurf. sächs. Amtskommissar und Alchemist So. Balthasar Balduin (* 31. August 1632 in Döbeln; † 8. November 1634 in Wittenberg) So. Gottfried Balduin (* 19. Oktober 1635 in Döbeln; † 5. Dezember 1635 in Döbeln) To. Dorothea Sophia Balduin (* 21. Mai 1637 in Chemnitz; † 11. Juni 1685 in Oedenburg/Ungarn) verh. I. am 13. Oktober 1654 mit dem Pfarrer in Pressburg/Ungarn und in Leutschau/Ungarn Christoph Böhm (* 24. September 1626 in Radeberg/Sachsen; † 19. März 1660 in Leutschau/Ungarn)Er war der Sohn des Richters in Radeberg/Sachsen Hans Böhm und dessen Frau Catharina Geiseler († 1633), besuchte die Schulen in 1634 & 1639 in Dresden, 1636 in Kamenz und 1641 in St. Afra Meißen, 1644 Uni. Wittenberg, 1649 Hauslehrer Gommern, dann Hauslehrer Max Ferdinand Hoe von Hoenegg, 1650 Uni. Jena, 16. August 1650 Mag. phil. ebd. 1650 Hauslehrer bei August Buchner in Wittenberg, 1652 Adj. phil Fak. Uni. Wittenberg, 27. August 1653 wurde er Rektor der Schule in Pressburg berufen, welches Amt er am 1. Februar 1654 übernahm, 23. Dezember 1654 wurde er Pfarrer in Pressburg und 1658 Pfarrer in Leutschau, begr. 25. Mai 1660 in Leutschau, (2. Sö. & 2. Tö.) vgl. Hiob Zabler: Tröstlicher und seeliger Abschied aus diesem Leben, thewrer und trewer Lehrer Jesu Christi. Bey den hochbetrübten Leichbegängnüß, des weyland WohlEhrwürdigen, VorAchtbaßren und Wohlgelährten Herrens, M. Christophori Böhms, bißhero gewesetzen treuwachsamen Pfarrherrns der deutschen E. Kirchen, der Königlichen Freyen Stadt Leutschau, und deß Gymnasii Inspectoris etc. Der hochbetrüben Wittib und Kindern, auch VVolckreichen Gemeine und Geleit, aus den Luc. 2 vorgestellet am Grünendonnerstag des Jahrs 1660. Lorenz Brewer, Leutschau, 1660; Gabor Bibza: Die deutschsprachige Leichenpredigt der frühen Neuzeit in Ungarn (1571-1711). Verlag Hopf, Berlin 2010, ISBN 978-3-643-10403-8, S. 152. Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde A. B. zu Pozsony – Preßburg. Band 2. Pozsony 1906, S. 17, verh. II. am 13. Februar 1662 mit dem Syndicus, Stadtrichter & Bürgermeister in Oedenburg Johann Serpilius (* 30. Januar 1623 in Leibitz; † 1. Dezember 1686 in Oedenburg)Kinder der Ehe sind unter anderem: Samuel Serpilius (* 1. Pfingsttag 1661 in Oedenburg; † 11. Dezember 1661 ebd.), Samuel Serpilius (* & † 1663 Oedenburg), Euphrosina Serpilius (* 1665 Oedenburg; † 1667 ebd.), Georg Serpilius verh. 28. August 1702 mit Euphrosina Ostermejer, To. des Augsburger Kaufmanns David Ostermejer und der Anna Maria Christiane König, Gottlieb Serpilius (* 13. Januar 1670 in Oedenburg; † 1670 ebd.), Augustin Serpilius (* 13. Januar 1670 in Oedenburg; † 1670 ebd.), Balthasar Serpilius (* 15. Mai 1671 in Oedenburg; † 1671 ebd.), Christian Serpilius (* 15. August 1672 in Oedenburg; 20. August 1742 ebd.) Pfr. Modern & Oedenburg, verh. 15. Februar 1700 Anna Susanna Artner, To. d. Bürgermeisters und Stadtrichters in Oedenburg Wilhelm Artner und der Anna Rosina Praun, Elisabeth Serpilius (* & † 18. Mai 1674 in Oedenburg), Samuel Serpilius (* 9. Juli 1677 in Oedenburg) Pfarrer in Bösing, 1712 Pfarrer Regensburg, verh. 22. November 1706 in Modern mit Susanna Catharina Weißbeck (* 20. Februar 1689 in Pressburg), To. des Pfarrers in Pressburg Johann Weißbeck und der Eva Attin. Johann Seifert: Stam-Taffeln Gelehrter Leute. Band 2. Johann Georg Hofmann, Regensburg, 1717, 1, S. 64 (books.google.com) To. Clara Renate Balduin (* 28. Oktober 1638 in Zwickau) So. Gottlieb Balduin (* 9. September 1640 in Zwickau; † 17. März 1684 in Regensburg) 25. April 1659 Uni. Wittenberg, 15. Oktober 1661 Mag. phil. ebd., 1664 Gym.-Prof. Regensburg, 1667 Pfarrer ebd., Kirchenlieddichtersiehe: Christian Heinrich Kleinstäuber: Ausführliche Geschichte der Studien-Anstalten in Regensburg. 1538–1880. In: Verhandlungen des historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg. Band 35, 27. Band n.F. Josef Mayr, Stadtamhof, 1880, S. 18; George Andreas Störinger: Uber den Sterbenden Ambrosius/ Den Weyland Wohl-Ehrwürdigen/ Groß-Achtbaren und Hoch-gelehrten Herrn/ M. Gottlieb Balduin/ Evangelischer Gemeine zu Regenspurg/ Treu-wachsam gewesenen Seelen-Hirten : welcher den (27.) 17. Mertzen/ 1684. in den besten Jahren unsrer Zeit/ dieser Sterblichkeit entnommen/ und den 23. darauff unter allgemeinen Beyleid/ seiner Mutter/ woraus Er gegangen/ wider einverleibet worden / Entwarff das Thränende Regenspurg. Paul Dansteiner, Regensburg, 1684 (Online) So. Johann Balthasar Balduin (* 14 (4.). Januar 1643 in Zwickau; † 14. Oktober 1715 in Ortrand) wurde Pfarrer in Ortrand, verh. Dorothea N.N. († 27. Juni 1722 in Ortrand)Veronika Albrecht-Birkner: Pfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen. Band 1. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2003, ISBN 3-374-02083-6, S. 188 So. Emanuel Gotthilf Balduin (* 26. Juni 1646 in Zwickau; † 1646 jung ebenda) To. Philippina Rosina Balduin (* 19. März 1648 in Zwickau)

Werke (Auswahl) Praecognitorum Theologicorum Disputatio VII. De Praecipuis Tfrminis Theologicis. Präs.: Balthasar Meisner. Wittenberg, 1625 (Online) In Systematis Theologici Partem Primam Generalem De Religione Et Eius Articulis Generatim consideratis Disputatio IV. De Argumentis Papistarum, Quae Religioni Lutheranae In Genere Opponunt. Präs.: Balthasar Meisner. Wittenberg, 1625 (Online) De Messia: Ex Evangelio Dom. 1. Ad. Präs.: Wilhelm Leyser. Wittenberg 1628 (Online) Locustae papales cum rege apocalyptico : ex cap. 9. Apocal. Johann. Wittenberg, 1630 (Online)