Domburg () ist ein niederländisches Seebad mit knapp 1765 Einwohnern an der Nordseeküste. Es liegt auf der Halbinsel Walcheren in der Provinz Zeeland und ist Verwaltungssitz der Gemeinde Veere. Wahrzeichen der Stadt ist der Wasserturm (), der weithin auf Walcheren zu sehen ist und auch Ortsunkundigen den Weg nach Domburg weist.
Name Der Ortsname leitet sich nicht vom Bauwerk „Dom“ ab. Er wird im Niederländischen mit kurzem o gesprochennl.forvo.com und bedeutet für einheimische Ohren „Dummburg“, worauf sich eine volksetymologische Ortserzählung bezieht.verhalenbank.nl Tatsächlich ist die älteste Namensform jedoch Duinburcht (), woraus durch Verkürzung und Assimilation der heutige Name entstand.plaatsengids.nl
Geschichte Domburg entstand in der Nähe eines römischen Tempels, der für die Göttin Nehalennia erbaut wurde. Der Tempel wurde im 3. Jahrhundert überflutet und im Jahr 1647 wiederentdeckt.
Domburg erhielt im Jahr 1223 Stadtrecht. Die Stadt bezeichnet sich seit 1834 offiziell als Badeort und ist damit der älteste Badeort in Zeeland. Badetourismus gab es jedoch schon vorher.
Ende des 14. Jahrhunderts entstand in Domburg eine Gemeindekirche, die im scheldegotischen Baustil errichtet wurde und ursprünglich dem Patrozinium Johannes der Täufer geweiht war.
Einen großen Aufschwung als Kurort erfuhr Domburg im Jahr 1886, als sich der Amsterdamer Arzt und Physiotherapeut Johann Georg Mezger in Domburg niederließ (seine Frau stammte aus Middelburg) und dort erfolgreich praktizierte. In den Sommermonaten gehörten nicht nur Angehörige des europäischen Adels, sondern auch Einwohner von Zeeland zu seinen Patienten.
mini|Carmen Sylva, Oktober 2016 Im Jahr 1889 besuchte die rumänische Königin und Schriftstellerin Elisabeth zu Wied den Ort. Sie verweilte häufig in der heute als Rijksmonument () geschützten Villa von Carl Erbschloe, die er anschließend nach ihrem Pseudonym Villa „Carmen Sylva“ umbenannte.Rijksmonumenten: Villa Carmen Sylva Heute gibt es in Domburg insgesamt 26 Bauwerke, die als Nationaldenkmäler im Rijksmonumentenregister eingetragen sind.Urlaub in Domburg – Küste & Kultur vereint. In: urlaub-in-zeeland.de. Abgerufen am 2. September 2025.
Anfang des 20. Jahrhunderts wirkte in Domburg eine Gruppe von Künstlern, darunter Piet Mondriaan, Jan Toorop, Jacoba van Heemskerck und Mies Elout-Drabbe (1875–1956).Francisca van Vloten: Marie Jeannette Sophie Lucia Drabbe. Moen. Tussen Toorop en Mondriaan: De kunstenares Mies Elout-Drabbe 1875-1956. Den Boer/De Ruiter, Vlissingen 2004, ISBN 90-74576-48-6. Der Maler Lesser Ury hielt sich die Sommer 1912 und 1913 in dem Seebad auf.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Domburg am 17. Mai 1940 von deutschen Truppen besetzt. In den Folgejahren wurde die Küste bei Domburg mit Bunkeranlagen für den Fall einer Landung der Alliierten ausgebaut.Comité Herdenking Domburgse Oorlogsslachtoffers 1940–1945 (Hrsg.): Domburg bevrijd 1 november 1944. Hoe de mensen het beleefden. Domburg 2004, ISBN 90-90-18436-8. Anfang November 1944 wurde Domburg nach mehrtägigem Kampf von Truppen des britischen 41 (Royal Marine) Commando befreit.Manfred Gans: Life gave me a chance. Lulu Press, Raleigh 2010, ISBN 978-0-557-20305-5, S. 197–216. 500 gefallene britische Soldaten wurden nahe Domburg beigesetzt.
Kultur und Brauchtum Ende Juni, beginnend mit dem Freitag nach St. Johannis, findet die Kirmes statt. Dabei schießen die Mitglieder des örtlichen Schützenvereins De Domburgse Gaaischieters auf Eichelhäher, dargestellt durch einfache Holzklötze, die auf je einer Spitze von insgesamt zwei dreizackigen Pfählen gesteckt werden. Der mittlere Block wird dabei in der Regel mit einem Schaubild und einem politischen Kommentar versehen (wie bei den großen Karnevalswagen in z. B. Düsseldorf oder Köln). Geschossen wird mit altertümlichen Gewehren, oftmals Vorderlader, freihändig im Sitzen. Die Wettbewerbe dauern den gesamten Tag. Samstags findet im Rahmen der Kirmes ein Ringreiten statt, bei dem die Reiter im Galopp mit ihrer Lanze einen an einer Schnur aufgehängten Ring aufspießen müssen. Dieser „Bauernsport“ wird auch als „Ringstechen“ bezeichnet und hat seinen Ursprung in Wehrtüchtigkeitswettbewerben kriegsdienstpflichtiger Bauern seit dem Mittelalter.
Jedes Jahr findet im September in Domburg und umliegenden Orten ein Jazz-Festival namens „Jazz by the Sea“ statt.
Sport Im Westen Domburgs liegt ein Neun-Loch-Golfplatz des Domburger Golfclubs.
Jedes Jahr findet in der dritten Juli-Woche das traditionelle Tennisturnier des Domburger Tennisclubs LTC Domburg statt. Es wird seit Mitte des 20. Jahrhunderts veranstaltet.
Natur Die Dünen des Ortes sind größtenteils Teil des Naturschutzgebietes Manteling, welches das Hinterland im Nordwesten Walcherens gegen den Seewind schützen soll.
Sehenswürdigkeiten Evangelische Pfarrkirche aus dem 14./15. Jahrhundert Ehemaliges Rathaus von 1667 Windmühle „Weltevreden“ von 1817 Villa Carmen Sylva von 1887 Badpaviljoen von 1889 St. Willibrord-Kapelle von 1933 Wasserturm von 1933 Marie Tak van Poortvliet Museum von 1994
Galerie
Literatur
H[uibert] M[artin] Kesteloo: Domburg in woord en beeld. Middelburg 1913, Nachdruck Utrecht 1973 Jan Warners: Domburg 150 jaar badplaats. Domburg 1984 René van den Berge: Domburg. Bergschenhoek 2014, ISBN 978-90-820494-2-8 Joachim Hofmann-Göttig: Fotografischer Führer Fotografische Gids Domburg. Domburg 2021, ISBN 978 90 823448 4 4
Weblinks
Website des Touristikbüros (deutsch, niederländisch, englisch, französisch) Domburg: Website des Fremdenverkehrsvereins VVV Zeeland (deutsch, niederländisch, englisch)
Einzelnachweise
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