Die Hochschule für Business und angewandte Wissenschaften „Varsovia“ (bis Juni 2024 Collegium Humanum – Warsaw Management University, auch C.H. Warsaw Management University) mit Sitz im Zentrum von Warschau, Polen ist eine in Polen anerkannte private Hochschule ohne Promotionsrecht. Sie war berechtigt, die polnischen Hochschulgrade licencjat (dt.: Lizentiat) und magister (dt.: Magister) zu verleihen.

Seit März 2024 steht die Hochschule wegen laufender staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen bezüglich Titelhandels und anderer Vergehen unter staatlicher Zwangsverwaltung. Motiv des Titelerwerbs soll in vielen Fällen die Möglichkeit gewesen sein, mittels MBA in Aufsichtsräte öffentlicher Institutionen zu kommen.

Geschichte Im Jahr 2011 wurde das Humanum Institute for International Studies and Education gegründet, das Bücher und Journale herausgab sowie nach eigenen Angaben wissenschaftliche Symposien und Vorträge organisierte und Forschung durchführte. Bis 2022 wurde unter anderem eine Zeitschrift Humanum herausgegeben. Im Jahr 2018 bekam das Humanum Institute vom polnischen Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung die Zulassung, eine private Hochschule zu gründen, was im August geschah (Reg. Nr. 383). Collegium Humanum war Teil eines Firmengeflechts aus GmbHs (Sp. z o.o.).

Seit November 2021 war Collegium Humanum Teil des Erasmus+ Programms der EU. Im Studienjahr 2022/23 studierten am Collegium Humanum rund 35.000 Personen in verschiedenen Modi.https://stat.gov.pl/download/gfx/portalinformacyjny/pl/defaultaktualnosci/5488/8/9/1/szkolnictwo_wyzsze_w_roku_akademickim_2022-2023_-_wyniki_wstepne._dane.xlsx Die Lehrkräfte von C.H. waren hauptberuflich meist an öffentlichen Hochschulen beschäftigt. Für diese gilt eine Klausel, die eine verhältnismäßig hohe Quote von akademischen Lehrern vorsieht. Private Hochschulen müssen dies nicht erfüllen und können dadurch wesentlich mehr Studenten bei einer unzureichenden Betreuungssituation annehmen. Collegium Humanum pflegte eine aufwändige Öffentlichkeitsarbeit mit Festakten und Galas, prominenten Testimonials und PR-Aktionen. So wurden Geistliche einbezogen, ein Roboter zum Professor „ernannt“ oder Awards an Prominente aus der Populärkultur und Politiker vergeben, die zum Teil auch Funktionen in Gremien der Hochschule verliehen bekamen. Der Namenswechsel vom Sommer 2024 sollte einen Imagewechsel bewirken und geht auf die Prorektorin Magdalena Stryja zurück, die sich in der Partei Polska 2050 engagiert. Im Oktober folgte sie Paweł Poszytek als nunmehr dritter Rektor nach dem im Frühjahr 2024 festgenommenen Gründer Paweł Czarnecki. Im September 2026 wurde bekannt, dass dieser Collegium Humanum für gut 20 Mio. Złoty verkaufen will.

Ein Netzwerker und Fürsprecher von Collegium Humanum war der ehemalige Senator (PO) und Betreiber einer Agentur zur Arbeitskräfte-Entsendung Tomasz Misiak, gegen den unter anderem wegen großangelegtem Sozialversicherungsbetrug ermittelt wird. Er stellte beispielsweise den Kontakt zum Journalisten und Politiker Michał Kobosko (PL 2050) her; dieser vermittelte seinen Parteikollegen, den späteren Parlamentspräsidenten Szymon Hołownia an die Hochschule.

Campus Standort: Warschau Größe: ca. 800 m² Lage: Nähe U-Bahn-Station „Świętokrzyska“ und den Bahnhöfen „Warszawa Centralna“ und „Warszawa Śródmieście“

Am Campus bestanden ein Karrierezentrum, ein Language Centre für internationale Studierende und der Sitz der Hochschülerschaft. 2023 wurde ein neuer Sitz in Warschau eröffnet. mini|263x263px|Hauptgebäude von Varsovia, ehemals Collegium Humanum, Warschau (2024)

Studienangebot Die Hochschule war berechtigt, die polnischen Hochschulgrade licencjat (dt.: Lizentiat, entspr. Bachelor) und magister (dt.: Magister) zu verleihen. Darüber hinaus umfasste das Studienangebot auch diverse Bachelor- und Masterstudiengänge und postgraduale Weiterbildungen. Das Bildungsangebot reichte von IT Management über HR & Talent Management bis hin zu International Business Management. Viele Studiengänge wurden auch in englischer Sprache angeboten.

Ende 2024 gab das polnische Bildungsministerium bekannt, dass einige Fachbereiche nach Maßgabe der Akkreditierungsagentur geschlossen werden sollen. In der Presse wurde von einer „Psychologenarmee“ geschrieben, die das Collegium Humanum „schnell und preiswert“ absolviert habe.

Bachelorstudiengänge Die Collegium Humanum – Warsaw Management University bot diverse Bachelor-Studiengänge an, die den Studierenden einen praxisorientierten akademischen Abschluss nach 6 Semestern ermöglichen sollten. Die Studiengänge wurden als Vollzeit- oder berufsbegleitendes Studium angeboten:

HR and Talent Management International Business Management International Commercial and Business Law International Hospitality and Tourism Management IT Management Preventive and Health Science Management

Masterstudiengänge Die Masterstudiengänge des Collegium Humanum sollten den Studierenden nach dem Bachelor-Abschluss eine weitere Vertiefung ermöglichen und gleichzeitig eine intensivere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der von ihnen gewählten Thematik bieten. Besonderer Wert wurde laut C.H. auf die Vermittlung von Management Skills und Führungskompetenzen gelegt. Die Masterstudiengänge wurden, wie die Bachelorstudiengänge, als Vollzeit- oder berufsbegleitendes Studium angeboten und sollten in 4 Semestern absolvierbar sein:

Executive International Business Management HR and Talent Management International Commercial and Business Law International Hospitality and Tourism Management IT Management Preventive and Health Science Management

Weiterbildungsstudiengänge Die Weiterbildungsstudiengänge (postgraduale Studien) mit verschiedenen Vertiefungen wurden berufsbegleitend angeboten und boten einen praxisorientierten Abschluss nach 2 bis 3 Semestern. Die Grade sind keine Hochschulgrade im Sinne des polnischen Hochschulgesetzes, sondern berufliche Weiterbildungsangebote (poln.: studia podyplomowe), die keine akademische Berechtigung vermitteln.

MBA MSc DBA LL.M Business und International Law EMBA Magister

Einige Weiterbildungsstudiengänge des Collegium Humanum waren in Österreich bei der Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria (AQ Austria) mit Gültigkeit bis November 2023 registriert,Verzeichnis gemäß § 27 Abs. 6 HS-QSG der gemeldeten ausländischen Hochschulen und von diesen in Österreich durchgeführten Studiengänge (PDF; 0,3 MB), auf aq.ac.at während die dortige Meldung in anderen Fällen verweigert wurde. Im November 2024 wurde die Anerkennung als postsekundäre Bildungseinrichtung aufgehoben, nachdem ein österreichischer Kooperationspartner die Zusammenarbeit beendet hatte.https://www.aq.ac.at/P27MAS_EXTERNAL/decisiondocument/3efa2a1e-d9bf-4068-a4b3-4c5c928d7636

Die Grade „Bachelor of Business Administration (BBA)“, „Master of Business Administration (MBA)“, „Master of Laws (LL.M.)“, „Master of Science in Management (MSc)“, „Doctor of Business Administration (DBA)“ und weitere englischsprachige Bezeichnungen sind keine Hochschulgrade im Sinne des polnischen Hochschulgesetzes. Es handelt sich hierbei um berufliche Weiterbildungsangebote (poln.: studia podyplomowe), die gemäß polnischem Hochschulgesetz nicht zu einem Hochschulgrad führen und keine akademischen Berechtigungen vermitteln. Vor dem Hintergrund der deutschen länderrechtlichen Vorgaben für die Führung ausländischer Hochschulgrade sind sie somit in Deutschland nicht führbar.

Skandal um Vergabe akademischer Abschlüsse seit 2022 und Ermittlungen seit 2024 Im Februar 2024 wurde bekannt, dass die polnischen Behörden nach ersten Untersuchungen von Ende 2022 erneut Ermittlungen gegen die Hochschule anstellten. Der Hauptvorwurf lautete auf unlautere Vergabe akademischer Titel, etwa MBA, gegen Geldzahlungen, bei mangelhafter Prüfungssituation und binnen kürzester Frist. Unter den bekannten Kunden und Absolventen befinden sich Funktionäre öffentlicher Institutionen und Unternehmen aus dem Umfeld der im Herbst 2023 abgelösten Regierungspartei PiS sowie zahlreiche (Kommunal-)Politiker verschiedener Parteien, außerdem öffentliche Bedienstete und einige höhere Offiziere, auch Generäle. Abschlüsse des Collegium Humanum besitzen auch der Breslauer Oberbürgermeister Jacek Sutryk und Personen aus seiner Entourage, die der Bürgerplattform (PO) nahestehen. Die Breslauer Stadtverwaltung erstattete den Kadern 80 % der Kosten. Sutryk wurde im November 2024 festgenommen. Auch Posener höhere Verwaltungsbeamte absolvierten das MBA-Programm des Collegium Humanum. Breslauer und Posener Kader verschafften sich in mehreren Fällen Posten im jeweils anderen Einflussbereich. Das C.H. warb in den Regionen für sein MBA-System und gründete u. a. in Lublin und Rzeszów Zweigstellen. Ferner bestand eine Schulungsvereinbarung mit dem staatlichen Sozialversicherungsträger ZUS. Während die Causa Collegium Humanum aufgrund P. Czarneckis Nähe zur PiS anfänglich als eine der Affären im Nachgang der achtjährigen Regierungszeit von Zjednoczona Prawica galt, zeigte sich im späteren Verlauf, dass die Mehrzahl der Kader mit CH-Titeln in großen Stadtverwaltungen beschäftigt war, die von der Bürgerplattform oder ihr nahestehenden Lokalkomitees kontrolliert wurden. Eine Ursache für diese Diskrepanz liegt darin, dass die PiS in den meisten Großstädten wenig Zuspruch findet, während die von ihr dominierten Kleinstädte und Landgemeinden insbesondere des östlichen Polens keine vergleichbare Zahl von Posten für politiknahe Kader bieten.

Medienrecherchen Vorwürfe bezüglich der Titelvergabe hatte zuerst die polnische Newsweek erhoben, die seit 2021/22 zu der Hochschule recherchierte und publizierte. Gegen die Redaktion hatte Collegium Humanum, begleitet von der PiS-nahen Presse, einige Gerichtsverfahren angestrengt und konnte so mehrere Urteile zulasten des Magazins erwirken, wobei dieses Rechtsmittel einlegte. Eine Rüge des Medienethikrates gegenüber Newsweek war im November 2022 revidiert worden. Zuletzt klagte die Hochschule im Januar 2024 gegen das Magazin wegen der Veröffentlichung eines „parteiischen Interviews“ zum Collegium Humanum.

Im April 2026 suspendierte TVP die beiden Leiter seiner Breslauer Dependance. Sie hatten hausintern eine Dokumentation zurückgehalten, die den angeklagten Stadtpräsidenten Sutryk belastete und sich auf die erstmals eingesehene Klageschrift des zuerst angelaufenen Gerichtsverfahrens stützte.

Hauptverdächtige Die polnische Antikorruptionsbehörde CBA nahm im Februar 2024 sieben Verdächtigte als Kern einer kriminellen Vereinigung fest, darunter den bis März amtierenden Rektor und Philosophen Paweł Czarnecki (* 1980), laut der Presse ein Neffe des ehemaligen Europaparlamentariers Ryszard Czarnecki (Partei PiS - Recht und Gerechtigkeit), der sich als Testimonial und Netzwerker von Collegium Humanum betätigt hatte. Dem Rektor wurden anfänglich 30 Vergehen zur Last gelegt, darunter sexuelle Nötigung von Personal. Den meisten Verstrickten und Kunden des Collegium Humanum wurde noch im Frühjahr 2024 eine Kronzeugenregelung angeboten. In Polen ist das Führen gekaufter Titel grundsätzlich strafbewehrt, wenn daraus finanzielle Vorteile erwuchsen.