mini|Selbstbildnis ca. 1893 Carlos Baca-FlorDer vielfach zu lesende Namenszusatz Soberon, der spanischer Namensbezeichnung folgend auf den Familiennamen der Mutter hinweist, ist falsch (* 1867 oder 1869 in Islay, Provinz Arequipa, Peru; † 20. Februar 1941 in Neuilly-sur-Seine, Paris) war ein peruanischer Maler, der die meiste Zeit seines Lebens in Frankreich und den USA verbrachte und dort als Porträtist bedeutender Persönlichkeiten hohes Ansehen genoss. Entgegen den Kunstströmungen seiner Zeit bewahrte er bei seinen naturalistischen Porträts einen konservativ akademischen Malstil, jedoch ohne zu schönen oder idealisieren, bedacht nicht nur auf die äußerliche Richtigkeit, sondern zugleich auf die innere Wahrheit, während seine sonstigen Werke Einflüsse des Symbolismus und Postimpressionismus erkennen lassen.

Biografie mini|Abel muerto 1886Carlos Baca-Flor wurde nach Angabe seiner Biographen in dem Hafenort Islay in der peruanischen Provinz Arequipa als Sohn des Bolivianers Carlos Baca-Flor y Huáscar und der Peruanerin Julia Falcon geboren. Über sein Geburtsdatum gibt es unterschiedliche Angaben.Nach Jochamowitz, dem die ganz überwiegende Literatur gefolgt ist, war sein Geburtsjahr 1867. Dies stimmt mit der eigenen Altersangabe des Künstlers in seinem Antrag auf ein Stipendium vom 18. Juni 1889 an den peruanischen Minister für Justiz, Kultur, Instruktion und Wohlfahrt, abgedruckt bei Kusunoki et.a. S. 247, und im Archiv des Congresses von Peru http://www.congreso.gob.pe/Archivo/?K=4216 überein, desgleichen einem Zeitungsbericht von El Comercio de Lima vom 3. April 1891 S. 2, zitiert nach Villegas Torres S. 58. Nach Lavarello Vargas, der das Museo de Arte de Lima (MALI) folgt, sei gemäß der von ihr ermittelten, in ihrem Blog abgebildeten französischen Sterbeurkunde Geburtsdatum der 11. Juni 1869. Canyameres setzt demgegenüber als Geburtsjahr 1864 an als das Jahr seines Todes von General Belzu (richtig wäre hier 1865); auch die Todesnachricht von Baca-Flor im Journal Revista Turismo vom Mai 1941 nannte als Geburtsjahr 1864 Ebenso widersprüchlich sind die Angaben über seinen Vater: dieser soll mehrere Fremdsprachen und verschiedene indigene Dialekte beherrscht haben, Sekretär des bolivianischen Generals und vormaligen Präsidenten Belzu gewesen, und nach dessen Ermordung im Jahr 1865 nach Peru geflohen,Canyameres S. 28–30 nach anderen AngabenDelboy S. 9 aber nur ein einfacher Arbeiter gewesen sein. Die Mutter des Künstlers Julia Falcon de Baca-Flor war eine hochgebildete, in Chile aufgewachsene Frau, zu der ihr Sohn lebenslang ein sehr inniges Verhältnis hatte. Zur Familie gehörte ein älterer Halbbruder aus einer früheren nichtehelichen Beziehung des Vaters und eine jüngere Schwester. Spätestens 1871, als die Fährverbindungen von Islay eingestellt wurden, wahrscheinlich aber früher, zog die Familie nach Santiago de Chile, wo der Vater vermutlich 1872 verstarb und die Mutter die Kinder durch Handarbeiten und Klavierunterricht durchbringen musste. Nach Beendigung der Schulzeit und einer kurzen Lehre bei einem Zahnarzt durfte der Junge 1882 in die Academia de Bellas Artes de Santiago eintreten, wo er fünf Jahre durch die Professoren Giovanni Mochi und Cosme San Martín Kunstunterricht erhielt. Er erwies sich als so begabt, dass er in den Jahren 1883 bis 1886 für seine Arbeiten jeweils erste Preise der Akademie erhielt und bei Kunstausstellungen mit seinen Gemälden Aufsehen erregte. Dadurch, dass er in drei aufeinander folgenden Jahren die besten Arbeiten an der Academie geliefert hatte, erfüllte er die Voraussetzung für den Rom-Preis, ein von der chilenischen Regierung ausgelobtes Stipendium für ein fünfjähriges Studium in Rom. Da dies aber die chilenische Staatsangehörigkeit voraussetzte und sein Stolz es Baca-Flor verbot, seine peruanische angesichts der demütigenden Niederlage Perus im vorhergegangenen sog. Salpeterkrieg aufzugeben, lehnte er die Annahme dieses Stipendiums ab.Dieses Schlüsselereignis wird bei seinen Biographen jeweils sehr plastisch und mit wörtlichen Zitaten, jedoch unterschiedlich dargestellt, so dass diese Darstellungen eher legendenhaft als historisch verbürgt erscheinen.

Dies machte ihn für den peruanischen Botschafter in Santiago Carlos Maria Elias zu einem Helden, den er 1887 auf Einladung des Staatspräsidenten Andrés Avelino Cáceres nach Lima brachte mit der Zusage eines Stipendiums in gleicher Höhe durch den Staat Peru. Die Bewilligung dieses Stipendiums durch das Parlament des nach dem verlorenen Krieg hoch verschuldeten Staates zog sich jedoch hin. Wie schon zuvor in Santiago fertigte der junge Künstler auch in Lima eine Reihe von Porträts. So malte er den Präsidenten von Peru, dessen Ehefrau und Töchter, deren eine, Hortencia, seine erste und einzige große Liebe bleiben sollte. 1890 schließlich konnte Baca-Flor nach Europa aufbrechen; seine bis dato in Santiago gebliebene Mutter nahm er auf diese Reise mit. Nach kurzem Aufenthalt in Paris reiste Baca-Flor weiter nach Rom, wo er die Aufnahmeprüfung an der Academia de San Lucas unter 84 Bewerbern als Bester bestand.Kusunoki et al. S. 218; Canyameres S. 63 Hier musste er erneut von Grund auf mit dem Studium von Anatomie, Ästhetik, Perspektive, Architektur und Kunstgeschichte beginnen, was ihm als bereits akademisch ausgebildeten Maler Unverständnis seitens seiner Kommilitonen einbrachte.Delboy S. 17; Canyameres S. 65 Anerkennung fand er hingegen beim Leiter der spanischen Akademie in Rom, Francisco Pradilla, der ihn in seinen Bemühungen bestärkte.Kusunoki et al. S. 218; Canyameres S. 65; Villegas TorresS. 58 Freundschaft schloss Baca-Flor mit dem Bildhauer Miquel Blay, der 1892 eine Bronce-Büste Baca-Flors schuf und sie ihm als seinem besten Freund widmete.Villegas Torres S. 59

mini|Academia femenina 1893Als die erste Hälfte des Stipendiums verbraucht war und die neue Regierung Perus mit der Auszahlung der zweiten Hälfte lange zögerte, durchlitten Baca-Flor und seine Mutter Zeiten großer Not. So schrieb Baca-Flor im Winter 1892: „Ich, der so große Hoffnungen, so viel Vertrauen in die ersten Impulse jener Zeit der Jugend hatte, habe den Tod all meiner Illusionen vor Augen… Ich verbringe die Stunden in meinem Atelier mit gekreuzten Armen, gehe auf und ab wie ein Löwe, ohne Geld um ein Modell zu bezahlen, ohne Farben und sogar ohne in diesem furchtbaren Winter ein Stück Holz für den Ofen zu haben.“Delboy S. 20 Und: „Ich habe nicht einen Centavo und das seit 3 Monaten. Ich habe alles verkauft bis auf die Leinwände und Rahmen…“.Jochamowitz S. 26 Während andere weniger talentierte Studenten für ihren Lebensunterhalt Bilder verkauften, weigerte sich Baca-Flor, mit seinen Arbeiten auf den Markt zu gehen, weil das seiner Vorstellung von der Berufung eines Künstlers total zuwiderlief.Wuffarden S. 14 Heimliche finanzielle Unterstützung erhielt er nur durch seine verehrte Hortencia Caceres.Jochamowitz S. 27; Wuffarden S. 12, 38 Fn. 27 Um sich und seine Mutter durchzubringen, gab er selbst Malunterricht. Als schließlich zu Anfang des Jahres 1892 der 2. Teil seines Stipendiums eintraf, bezahlte er seine Schulden, schickte seine Mutter mit einem Teil des Geldes und allem, was er nicht brauchte samt den in Rom gemachten Studien zurück in die Heimat und begab sich auf Pradillas Rat nach Paris.

mini|Paris Nocturne 1897–1901Hier schrieb er sich in der Académie Julian ein und übte sich in Zeichnung, Malerei und Skulptur an unbekleideten Modellen. 1894 unternahm er nach einer Auseinandersetzung mit deren Leiter Jean Paul Laurens erneut eine Reise nach Rom, Neapel und Sizilien. Zweifelnd an seinem Können ging er 1894 zurück nach Paris um sich in der Academie Julian einer Konkurrenz zu stellen und gewann dort neun erste Preise.Jochamowitz S. 33 Ab diesem Zeitpunkt begann Baca-Flor seinen Stil zeitgenössischen Tendenzen anzunähern. Er pendelte zwischen Paris und Rom, wo er die alten italienischen Meister studierte, und mit Antonio Mancini Freundschaft schloss.Canyameres S. 81 Schließlich gewann er die Regierung von Peru, ihm erneut 30.000 Francs für die Ausführung eines großen historischen Werkes, das aber nie zur Ausführung kam, zu gewähren. In dieser Zeit schloss er auch Freundschaft mit dem katalanischen Maler Hermenegildo Anglada Camarasa, mit dem zusammen er die Pariser Cabarets und Concert-Cafes durchstreifte. Vom Pariser Nachtleben fertigten sie vor Ort postimpressionistische Farbskizzen großer stilistischer Ähnlichkeit, wovon Bilder in der Sammlung der Caixa im ehemaligen Grand Hotel von Palma als auch im Museo de Arte de Lima (MALI) zeugen.Dieses Museum besitzt auch ein Porträt der Malerin Isabelle Beaubois, der 1. Ehefrau Anglada Camarasas. Es war Baca-Flor, der früher als der Katalane diesen Malstil gefunden hatte,Villegas Torres S. 66 woraus sich erklärt, dass jener den Peruaner später seinen Meister nannte.Francesc Fontbona, Francesc Miralles: Anglada Camarasa. Poligrafia, Barcelona 1981 Fn. 252