Die Hamburgische Künstlerschaft e. V. war von 1920 bis 1932 eine Dachorganisation des Hamburger Künstlervereins und der Hamburgischen Sezession sowie von 1929 bis 1933 die Hamburger Bezirksgruppe des Reichsverbandes bildender Künstler. Sie verlor danach an Einfluss und Bedeutung.

Der Verein Weimarer Republik Vom 15. Mai bis zum 18. Juli 1920 veranstaltete der Kunstverein in Hamburg in der Hamburger Kunsthalle eine Frühjahrsausstellung der Hamburgischen Künstlerschaft., PDF – S. 9–10. Eine Zusammenarbeit des Hamburger Künstlervereins und der Hamburgischen Sezession war dabei nur deshalb möglich, weil man der Sezession außergewöhnliche Sonderrechte zubilligte. Statt einer Jury in der Sparte Malerei und Graphik gab es nun zwei, von denen eine aus Mitgliedern der Sezession bestand. Zudem mussten im Ausstellungskatalog Mitglieder der Sezession als solche gekennzeichnet werden. Von den 16 Abbildungen im Katalog wurden 8 der Sezession zuerkannt, obwohl von den 152 Teilnehmern der Ausstellung nur 17 der Sezession angehörten.

Laut Volker Detlef Heydorn führte der erfolgreiche Verlauf der gemeinsamen Ausstellung im Herbst 1920 zur Gründung einer Dachorganisation, der man den Namen Hamburgische Künstlerschaft gab und sie in das Vereinsregister eintragen ließ.Die Gründung der „Hamburgischen Künstlerschaft“ (1). In: Volker Detlef Heydorn: Maler in Hamburg, Band 1: 1886–1945. Hrsg.: Berufsverband Bildender Künstler, Hamburg. Hans Christians Verlag, Hamburg 1974, S. 158. Streitigkeiten innerhalb der Sezession führten 1920 zum Austritt von 14 Mitgliedern aus der Sezession,Die Gründung der Hamburgischen Secession. In: Volker Detlef Heydorn: Maler in Hamburg. Band 1: 1886–1945. Hrsg.: Berufsverband Bildender Künstler, Hamburg. Hans Christians Verlag, Hamburg 1974, S. 100.Uta Schoop: Arnold Fiedler (1900–1985) – Eine Künstlermonographie (PDF) Hamburg 2011, S. 56, Fußnote 321. die größtenteils, meist 1920, der Hamburgischen Künstlerschaft beitraten,Verschiedene Künstlerbiografien. In: Familie Rump (Hrsg.): Der neue Rump. Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs. Überarbeitete Neuauflage des Lexikons von Ernst Rump, Ergänzt und überarbeitet von Maike Bruhns. Wachholtz, Neumünster 2013, ISBN 978-3-529-02792-5. oder, laut Maike Bruhns, die alle zusammen die Hamburgische Künstlerschaft gründeten.Maike Bruhns: Ausgegrenzte Avantgarde: Becket in den Künstlerkreisen der ehemaligen Hamburgischen Sezession. In: Das Raubauge in der Stadt – Beckett liest Hamburg. Hrsg. Michaela Giesing, Gamy Hartel, Carola Veit, Wallstein Verlag, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0193-1, S. 89 (Eingeschränkte Ansicht books.google.de). Die 14 waren Ludolf Albrecht, Lotte Benkert, Willy Davidson, Lore Feldberg-Eber, Fritz Flinte, Fred Hendriok, Paul Henle, Maximilian Jahns, Hugo Johnsson, Ludwig Kunstmann, Alexandra Povòrina, Karl Prahl, Emil Smidt und Heinrich Steinhagen.

Die Vereinssatzung der Hamburgischen Künstlerschaft wurde am 23. September erstellt. Das Ziel des Vereins war laut Satzung „… die Förderung der bildenden Künste, sowie die allgemeine öffentliche Vertretung der Künstlerschaft.“ In einer Vollversammlung wurden Vorstand und Künstlerrat gewählt, die beide aus Mitgliedern des Künstlervereins und der Sezession bestanden. Am 1. November zählte der Verein 247 Mitglieder. Der 1. Vorsitzende des Vereins war von 1920 bis April 1924 der Maler und Grafiker Arthur Illies. Auf ihn folgte von April 1924 bis 1930 als 1. Vorsitzender der Maler Friedrich Ahlers-Hestermann.

Bei der Vorbereitung einer umfassenden Ausstellung der Hamburgischen Künstlerschaft in der Hamburger Kunsthalle kam es 1927 zu größeren Differenzen mit der Sezession. Die Sezession forderte eine gesonderte Hängung in eigenen Räumen, die aber die Ausstellungsleitung ablehnte. Darauf verzichteten die Mitglieder der Sezession mit Ausnahme von Ivo Hauptmann auf die Teilnahme an der Ausstellung, was bedauerlich für die Künstlerschaft war, weil man mit der Ausstellung die Notwendigkeit der Schaffung eines eigenen Ausstellungshauses unterstreichen wollte.Hamburgische Künstlerschaft und Sezession (1). In: Volker Detlef Heydorn: Maler in Hamburg. Band 1: 1886–1945. Hrsg.: Berufsverband Bildender Künstler, Hamburg. Hans Christians Verlag, Hamburg 1974, S. 159.

Nach mehrmonatigen Verhandlungen wurde am 20. Februar 1929 das Kartell Hamburger Künstlerverbände gegründet. Das Kartell war ein Zusammenschluss aller freien Künstler Hamburgs zu einem Dachverband, der eine Einflussnahme auf die mit der Kunst sich befassenden Gesetzgebung als Ziel hatte und zugleich eine Standesvertretung war. Mitglieder des Vereins waren neben der Hamburgischen Künstlerschaft der Hamburger Künstlerverein, die Hamburgische Sezession, der Altonaer Künstlerverein, der Reichsverband bildender Künstler, der Schriftsteller-Schutzverband Nordwestgau und die Vereinigung Hamburgischer Komponisten. Den Vorsitz hatte der Schriftsteller Hans Henny Jahnn.Hamburgs schaffende Künstler in Not – Bildung eines Kartells Hamburger Künstlerverbände. In: Altonaer Nachrichten. 18. März 1928, S. 7 (Digitalisat)

Im selben Jahr fusionierte die Hamburgische Künstlerschaft mit der Gaugruppe Nordwestdeutschland des Reichsverbandes Bildender Künstler und stellte nun deren Bezirksgruppe Hamburg dar. In ihren Arbeitsbereichen entsprach sie etwa dem heutigen Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler, verfügte aber im Gegensatz zu diesem über Mittel für soziale Hilfeleistungen, da ihr auch die Verwaltung der anfallenden Gelder aus der Künstlernothilfe, der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse (Preußenkasse) und der Reichsbeihilfe übertragen wurde, die insgesamt etwa 3.000 Reichsmark (RM) im Jahr ausmachten. Unter anderem war es ihr nun möglich, kleine Darlehen an Künstler zu vermitteln, die als Sicherheit oder Abgeltung ihr Werke zur Verfügung stellten, die sie dann teilweise, zur Abgeltung, verkaufte, oder zu verkaufen versuchte. So wurden zum Beispiel zwischen dem 11. Januar 1932 und dem 5. Juli 1933 insgesamt 25 Ölgemälde, 69 Aquarelle, 60 Zeichnungen und Grafiken, 15 Plastiken sowie eine kleine Anzahl an Gebrauchsgrafiken und Werkkunst-Arbeiten von ihr verkauft.Soziale Tätigkeit der "Hamburgischen Künstlerschaft" (1). In: Volker Detlef Heydorn: Maler in Hamburg. Band 1: 1886–1945. Hrsg.: Berufsverband Bildender Künstler, Hamburg. Hans Christians Verlag, Hamburg 1974, S. 159.Der Reichsverband bildender Künstler Deutschlands … und … die Hamburgische Künstlerschaft e. V. …. In: Hamburger Nachrichten. 29. April 1933, S. 9 (Digitalisat).

Das besondere Anliegen der Hamburgischen Künstlerschaft, die Erfüllung des Wunsches nach einem eigenen Ausstellungshaus, war auch ein Wunsch des Kunstvereins. Die gemeinsamen Bemühungen waren erfolgreich. 1928 erwarb der Kunstverein für 180.000 RM das Villengrundstück Neue Rabenstraße 25/26 in Hamburg-Rotherbaum. Die Umbaukosten wurden auf 120.000 Reichsmark geschätzt. Der Hamburger Senat gewährte zur teilweisen Deckung der Kosten ein zinsloses Darlehen in Höhe von 180.000 RM.Gesellschaftspolitische Aktivität der HK bis 1933 (1). In: Volker Detlef Heydorn: Maler in Hamburg. Band 1: 1886–1945. Hrsg.: Berufsverband Bildender Künstler, Hamburg. Hans Christians Verlag, Hamburg 1974, S. 159. Über 100.000 RM wurden durch Einwerbung von Spenden durch die Hamburgische Künstlerschaft und den Kunstverein aufgebracht.Dritte Phase nationalsozialistischer Kulturpolitik 1936–1945. In: Volker Detlef Heydorn: Maler in Hamburg. Band 1: 1886–1945. Hrsg.: Berufsverband Bildender Künstler, Hamburg. Hans Christians Verlag, Hamburg 1974, S. 177–178. So stiftete zum Beispiel der Verein Künstlerfeste 30.000–35.000 RM. Das Gebäude wurde nach den Plänen des Architekten Karl Schneider umgebaut. Am 4. Mai 1930 wurde das Gebäude mit einer Ausstellung Hamburger Künstler eröffnet. Die Eröffnungsreden hielten der 1. Vorsitzende des Kunstvereins, Regierungsdirektor Robert Johannes Meyer, der Erste Bürgermeister Rudolf Roß und der neue 1. Vorsitzende der Hamburgischen Künstlerschaft Ludolf Albrecht. Der Hamburgischen Künstlerschaft war durch eine Senatsverfügung ein Ausstellungsrecht in dem Gebäude zugesichert worden.

Der Ausstellungsausschuss war in Fraktionen aufgeteilt mit unterschiedlichen Interessen. Er bestand aus zwei Vertretern der Dachorganisation Hamburgische Künstlerschaft, zwei Vertretern des Hamburger Künstlervereins, zwei Vertretern der Hamburgischen Sezession sowie zwei Delegierten des Kunstvereins, und zwar dessen 1. Vorsitzenden Robert Johannes Meyer und dessen Geschäftsführer Kunsthändler Hildebrand Gurlitt. Die Leitung des Kunstvereins, repräsentiert durch Meyer und Gurlitt, empfand die vertragliche Bindung an die Hamburgische Künstlerschaft als Hemmnis für freie Entscheidungen. Auf der Sitzung des Ausstellungsausschusses am 15. Januar 1932 kam es zum Bruch. Laut einem Bericht über die Sitzung, den Ludolf Albrecht am 19. Januar schrieb, beschloss die Sezession, dass ihre Mitglieder geschlossen aus der Hamburgischen Künstlerschaft auszutreten haben, zu einem Zeitpunkt, ganz nach Belieben des Sezessionsvorstandes. Die Sezession lehnte zudem die geplante Kölner Ausstellung im Rahmen der Hamburgischen Künstlerschaft, die das Thema der Sitzung war, ab. Die Vertreter des Kunstvereins erklärten, dass für sie jede Möglichkeit entfiele, die Kölner Ausstellung in der bisher besprochenen Weise zu veranstalten. Der Vorsitzende des Kunstvereins Meyer betonte, dass er mit dem Austritt der „Prominenten“ die Hamburgische Künstlerschaft nicht mehr als Vertreter der Hamburger Künstler anerkennen könne und damit für ihn auch die Möglichkeit bestände, die Hamburgische Künstlerschaft nicht mehr als Vertragspartner bezüglich des Hamburger Kunstausstellungsgebäudes anzuerkennen. Weiter heißt es in dem Bericht, dass Ludolph Albrecht als 1. Vorsitzender der Hamburgischen Künstlerschaft versuchte habe, die Sezession umzustimmen, indem er ihr für die Kölner Ausstellung eine eigene Jury, eine eigene Hängekommission und gesonderte Hängung zubilligte, was jedoch von den Vertretern der Sezession und des Kunstvereins abgelehnt wurde.Hamburgischen Künstlerschaft und Sezession (1). In: Volker Detlef Heydorn: Maler in Hamburg. Band 1: 1886–1945. Hrsg.: Berufsverband Bildender Künstler, Hamburg. Hans Christians Verlag, Hamburg 1974, S. 160.

Deutsches Reich 1933 bis 1945