Szprotawa [] (deutsch: Sprottau) ist eine Stadt in der Stadt- und Landgemeinde Szprowawa im Powiat Żagański der Woiwodschaft Lebus in Polen. Es liegt 37 Kilometer südwestlich von Głogów (Glogau) an der Mündung der von rechts in den Bóbr (Bober) einfließenden Szprotawa.

Ortsteile von Szprotawa sind: Śródmieście mit den Siedlungen Osiedle Słoneczne, Osiedle B. Chrobrego, Osiedle T. Kościuszki und Osiedle Koszary Zabobrze, mit den Siedlungen Osiedle Piastowskie, Puszczyków und Komarów und Iława.

Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes ergibt sich aus einem Treffen des deutschen Kaisers Otto III. mit dem polnischen Herzog Bolesław Chrobry in der Burg „Ilva“ im Jahre 1000 auf dessen Weg zur Heiligsprechung des Prager Bischofs Adalbert in Gnesen.Chronik des Thietmar von Merseburg. Diese Burg wird heute gleichgesetzt mit der mächtigen ehemaligen Burganlage Chrobry im Ortsteil Iława (Eulau).

mini|Rathaus Sprottau mini|Mariä-Himmelfahrts-Kirche mini|St.-Andreas-Kirche mini|Ruine der evangelischen Kirche mini|Saganer Tor mini|Postamt mini|Wohnturm Wittgendorf im Ortsteil Witków mini|Sprottau, südwestlich der Stadt Posen, westsüdwestlich der Stadt Glogau und ostsüdöstlich von Sagan, auf einer Landkarte von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung)

Der erste Glogauer Herzog Konrad II., der ab 1251 zugleich Herzog des Herzogtums Sprottau war, erteilte im Jahre 1254 Sprottau das Magdeburger Stadtrecht.Erhaltene Quellen der Stadt stammen aus dem Jahre 1263. Dessen Sohn Konrad III. „Köberlein“ bestätigte der Stadt Sprottau das Stadtrecht und die bisherigen Privilegien, auch die Innenorganisation des „Concilium Magistratus“. Zusammen mit dem Herzogtum Glogau gelangte Sprottau 1331 als ein Lehen an die Krone Böhmen, die ab 1526 die Habsburger innehatten. 1510 bis 1524 währte eine Fehde mit dem Grundherrn von Niederleschen, bei der um die Hutungsrechte im Bürgerwald gestritten wurde und dem Ratsherrn und Vater des Nickel Jacob unrechtens beide Hände abgehackt wurden.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Sprottau mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. König Friedrich II. ließ die Kolonien Eckhartswaldau (1775), Reußenfeldau (1776), Sprottischwaldau (1776)Jürgen Gerner: Sprottischwaldau, Chronik der Kolonie 1776–1945. Eine friderizianische Siedlung in Niederschlesien, Schwerin 2009, SelbstverlagDokumente lfd. Nummer 770–773 martin-opitz-bibliothek.de und aus Mittelküpper Charlottenthal (1786) errichten, in denen nur „Ausländer“ (Sachsen, Böhmen u. a.) als Freigärtner angesetzt wurden. Diese Untertanen durften nicht mit Frondiensten belegt und nur dem König von Preußen unterstellt werden.Die Gründung und Etablierung der neuen Forstkolonie bei Sagan 1775. S. 361 in: Die friderizianische Siedlung Reußenfeldau bei Rückersdorf, Kr. Sprottau. Sprottau 1936, Selbstverlag Die Königliche Glogauer Kriegs- und Domänenkammer beaufsichtigte die Stadt Sprottau beim Anlegen ihrer neuen Stadtdörfer.Georg Steller: Die friderizianische Siedlung Reußenfeldau bei Rückersdorf, Kr. Sprottau. Sprottau 1936, Selbstverlag, S. 11, S. 14, Vorbereitungen: „Diese mussten ihren Untertanen die Loslassung gewähren, sobald sie siedeln wollten.“ VI. Fridirizianische Siedlungen um Sagan und Sprottau (S. 57), 1. Eckartswaldau, S. 58, 2. Sprottischwaldau, S. 59.

Die Napoleonischen Kriege setzten der Stadt durch mehrere Durchzüge von Truppen zu. 1812 marschierten die Franzosen mit ihren Verbündeten nach Russland, 1813 kamen sie von dort besiegt wieder durch die Stadt. Je nach Kriegslage lagerten die befeindeten Armeen abwechselnd in der Stadt. Am 3. Februar 1813 stellten die Sprottauer eine freiwillige Verteidigungseinheit mit 70 Offizieren und 4426 Mann verschiedener Truppengattungen auf. Am 27. Mai 1813 kam es in Sprottau zu einem Überfall durch die französische Kavallerie auf zwei in Sprottau lagernde russische Batterien. Die Franzosen eroberten 22 Kanonen, 80 Pulverwagen und 500 Mann, die Russen meldeten einen Verlust von 13 Kanonen und 200 Mann. Bei den Scharmützeln kam es 500 Meter westlich von Sprottischwaldau durch die Explosion von Pulverwagen zu einem großen Waldbrand.Carl von Plotho: Der Krieg in Deutschland und Frankreich in den Jahren 1813 und 1814, Verlag Carl Friedrich Amelang, Berlin, 1817. Diese Nachricht ließ von Bülow nicht wie vorgesehen mit seinen Truppen nach Berlin ziehen. Er schwenkte stattdessen ab nach Krossen, um die Franzosen am Übergang über die Oder zu hindern, den er mit 3000 Mann verteidigte.

Nach der Neugliederung Preußens gehörte Sprottau ab 1815 zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Sprottau eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Von 1850 bis in die 1870er Jahre war Emil August von Wiese und Kaiserswaldau Bürgermeister der Stadt.

Seit Gründung der Stadt vor dem 14. Jahrhundert war der Magistrat der Stadt bestrebt gewesen, durch Ankauf von Dörfern und Liegenschaften zusätzlichen Grundbesitz zu erwerben und diesen zu erhalten, eine Politik, die Sprottau bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der reichsten Stadtgemeinden Schlesiens gemacht hatte. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stand die Stadt wirtschaftlich in hoher Blüte durch Eisen-, Textil- und Wachswarenindustrie, darunter insbesondere die Wilhelmshütte Eisen- und Emaillierwerke Aktiengesellschaft im Stadtteil Eulau, deren Ofenfabrik mehr als 400 Arbeiter beschäftigte. Um 1935 gab es in Sprottau unter anderem drei Bankhäuser, eine Bierbrauerei, zwei Bürstenfabriken, eine Drahtzaunfabrik, eine Eisengießerei, ein Eisenhüttenwerk, ein Emaillierwerk, zwei Holzsägewerke, eine Lederfabrik, eine Maschinenfabrik, drei Möbelfabriken, drei Mühlen, eine Ofen- und Tonwarenfabrik, eine Pianofortefabrik, drei Strumpfwaren- und Handschuhfabriken, zwei Waagenfabriken, eine Wachswarenfabrik und Wachsbleiche, zwei Wagenfabriken, zwei Zeitungsverlage, zwei Zementwarenfabriken und zwei Ziegeleien.Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs für Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe, Band 1 B, Berlin 1935, 2. Teil, Provinz Schlesien, S. 1763–1764 (Google Books). 1939 hatte die Stadt 12.578 Einwohner.

Bei Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurde Sprottau am 12. Februar 1945 vom 102. Schützenkorps (13. Armee) der Roten Armee eingenommen. Das den Ort verteidigende Panzerkorps „Großdeutschland“ zog sich am 13. Februar nach unterhalb Sagans zurück. Der Ort war zu annähernd 90 % zerstört. In der Folge des Krieges wurde der Ort Teil Polens und in Szprotawa umbenannt. Durch Flucht und Vertreibung sank die Einwohnerzahl, 1946 waren es nur noch 2672 Einwohner. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war. Zwangsweise wurden auch Lemken in den entleerten Siedlungen angesiedelt.Georg W. Strobel: Ukrainer und Polen als Problem der nationalen Strukturwandlung und Umschichtung in Ostmitteleuropa nach dem Zweiten Weltkrieg. Köln 1965, online (PDF; 6,8 MB)

Stadtbrände 1473 Kirche und das Kloster brennen ab, Verlust aller Urkunden der Vorzeit 1630 Rathaus, Schloss und Georgenkirche gehen in Flammen auf 1672 Feuersbrunst zerstört die ganze Stadt 1702 Dritter Großbrand der Stadt 1796 21 Häuser brennen ab

Einwohnerentwicklung + Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 1793 2086 331 Häuser; Garnison: 1. Dragoner Esquadron von Voß 1803 2439 StadtAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 384–391, Ziffer 693 (Google Books). 1810 2381 1816 2509 davon 2088 Evangelische, 532 Katholiken und 19 Juden 1821 2767 Stadt mit 351 Privatwohnhäusern, liegt an der Sprotta und dem Bober 1825 2914 davon 616 Katholiken und 27 JudenJohann Georg Knie: Alphabethisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Breslau 1830, S. 1023–1024 (books.google.de). 1840 3725 davon 2951 Evangelische, 710 Katholiken und 64 JudenJohann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage. Breslau 1845, S. 929–932 (books.google.de). 1843 4102 am Jahresende, davon 3273 Evangelische, 773 Katholiken und 56 Juden 1852 5045 am JahresendeUebersicht des Flächenraums und der Einwohnerzahl des Preussisches Staates, und Alphabetisches Verzeichniss der Städte in demselben, mit Angabe der Civil-Einwohnerzahl am Schlusse des Jahres 1852. Decker, Berlin 1854, S. 25 (Google Books). 1867 6192 am 3. Dezember 1871 6209 am 1. Dezember, davon 4828 Evangelische, 1286 Katholiken, zehn sonstige Christen und 85 JudenKönigliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871. Berlin 1874, S. 188–189, Ziffer 2 (Google Books). 1885 7516 Franz Schroller: Schlesien – Eine Schilderung des Schlesierlandes, Dritter Band, bei Carl Flemming, Glogau 1889, S. 190–194 (Google Books). 1890 7644 am 1. DezemberKönigliches statistisches Bureau: Viehstandslexikon für den preußischen Staat – VI: Provinz Schlesien. Auf Grund der Materialien der Viehzählung vom 1. Dezember 1892 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1894, S. 86 (Google Books). 1895 7676 am. 2. DezemberKönigliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen. Generalregister. Band II: L–Z, Berlin 1989, S. 422 (Google Books). 1905 7900 mit der Garnison (ein Regiment Feldartillerie Nr. 5), davon 1762 Katholiken und 66 Juden 1910 7735 Stadt mit einer evangelischen Pfarrkirche und einer katholischen PfarrkircheSprottau, Kreisstadt, an der Sprotta-Mündung in den Bober, Regierungsbezirk Liegnitz, Provinz Schlesien, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Sprottau (meyersgaz.org). 1925 10.366 davon 8398 Evangelische, 1806 Katholiken, sechs sonstige Christen und 45 Juden 1933 11.992 davon 8769 Evangelische, 2013 Katholiken, fünf sonstige Christen und 35 Juden 1939 11.974 davon 9562 Evangelische, 2060 Katholiken, 34 sonstige Christen und 13 Juden 2011 12.630 Główny Urząd Statystyczny, Ludność - struktura według ekonomicznych grup wieku Stand vom 31. März 2011, abgerufen am 11. Dezember 2025 2024 10.554 Główny Urząd Statystyczny, Powierzchnia i ludność w przekroju terytorialnym w 2024 roku, abgerufen am 27. März 2026

Sehenswürdigkeiten Mariä-Himmelfahrts-Kirche (kościół parafialny pw. Wniebowzięcia NMP) aus dem 13. Jahrhundert mit dem nach Hans LutschMaciej Boryna: Sensacje Ziemi Szprotawskiej. 1. Auflage. Maciej Boryna, Zielona Góra 2000, ISBN 83-913508-0-0, S. 12. ältestem dokumentierten Grabstein Schlesiens von 1316. Rathaus Sprottau Evangelische Kirche erbaut 1744–1747 im Barockstil, nach 1945 nicht mehr genutzt und verfallen. Magdalenerinnenkloster, später Amtsgericht Sprottau Jüdischer Friedhof aus der Mitte des 19. Jahrhunderts Stadtmauern aus dem 14. Jahrhundert mit einem Verteidigungsturm an der früheren evangelischen Kirche und dem Saganer Stadttor aus dem 14. Jahrhundert, heute Sitz des Muzeum Ziemi Szprotawskiej (Museum des Sprottauer Landes) Rathaus mit zwei Türmen: der östliche im Renaissance-Stil stammt aus dem 16. Jahrhundert, der westliche wurde im 17. Jahrhundert errichtet. Gebäude aus dem 16. und 17. Jahrhundert Evangelische Schule von 1773 Wohnhaus pl. Ewangelicki 3 Wohnhaus von 1899, ul. Konopnickiej 13