Paul Heinrich August Wolters (* 1. September 1858 in Bonn; † 21. Oktober 1936 in München) war ein deutscher Klassischer Archäologe.
Leben und Werk Nach einer beruflichen Versetzung seines Vaters, des Theologen Albrecht Wolters, 1874 von Bonn nach Halle an der Saale studierte er zunächst an der Universität Halle Klassische Philologie, von 1880 bis 1882 in Bonn und Straßburg Klassische Archäologie. An der Universität Bonn wurde Wolters 1882 mit der Dissertation „De epigrammatum Graecorum anthologiis“ bei Reinhard Kekulé von Stradonitz promoviert. 1883/84 erhielt er das Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts. Anschließend bearbeitete als „wissenschaftlicher Hilfsarbeiter“ am Königlichen Museum in Berlin den Katalog der Gipsabgüsse antiker Skulpturen neu. 1886/87 erhielt er erneut das Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts und nahm an Grabungen in Italien, Griechenland und Kleinasien teil. Von 1887 bis 1900 war er neben Wilhelm Dörpfeld zweiter Sekretär der Abteilung Athen des Deutschen Archäologischen Instituts. In dieser Zeit leitete er unter anderem die Ausgrabungen des Kabirions bei Theben, einem ländlichen Heiligtum mit Tempel und Theater.
1900 kam Wolters zurück nach Deutschland. Er wurde Ordinarius für Klassische Archäologie an der Universität Würzburg und gleichzeitig Leiter der Antikensammlung des Martin von Wagner Museums, wo er die Gemäldegalerie neu ordnete und eine Filialgalerie der Münchner Neuen Pinakothek einrichtete.Volker Hoffmann: Das Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg. In: Peter Baumgart (Hrsg.): Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift (= Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Würzburg. Band 6). Degener & Co. (Gerhard Gessner), Neustadt an der Aisch 1982, ISBN 3-7686-9062-8, S. 253–265; hier S. 260.
Von 1908 bis 1935 war er als Nachfolger von Adolf Furtwängler Professor für Klassische Archäologie an der Universität München und in dieser Funktion auch ehrenamtlich Direktor des Museums für Abgüsse Klassischer Bildwerke, des Antiquariums und der Glyptothek München. Mit Gabriel Welter führte Wolters 1924 Ausgrabungen im Aphaiaheiligtum von Ägina durch.
Paul Wolters wurde auf dem Alten Friedhof in Bonn bestattet. Dort liegt auch seine Frau Auguste, geb. Engels; über ihre Schwestern Clara und Amalie war Wolters mit dem Althistoriker Friedrich Münzer bzw. mit dem Archäologen Bruno Sauer verschwägert. Der Nachlass von Paul Wolters befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek in München sowie im Archiv der Zentrale des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin.
Auszeichnungen und Titel 1892: Ritterkreuz II. Klasse mit Eichenlaub des Ordens vom Zähringer Löwen 1894: Kommandeur des griechischen Erlöser-Ordens 1900: Österreichischer Orden der Eisernen Krone III. Klasse 1900: Roter Adlerorden IV. Klasse 1909: Verdienstorden vom Heiligen Michael IV. Klasse 1917: „Königl. Geheimer Hofrat“, verliehen durch König Ludwig III. von Bayern 1926: „Geheimer Rat“, verliehen durch die Regierung des Freistaates Bayern 1930: Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (Abteilung für Wissenschaft)
Mitgliedschaften 1886: Korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts 1887: Ordentliches Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts 1888: Mitglied der Archäologischen Gesellschaft in Athen 1896: Ehrenmitglied in der Gesellschaft für Aufführung griechischer alter Dramen. 1897: Korrespondierendes Mitglied der Akademie Sankt Petersburg 1899: Ehrenmitglied der Société Archéologique d’Alexandrie 1899: Institutsmitglied im Ausland des Österreichischen Archäologischen Instituts in Wien 1900: Ehrenmitglied der Archäologischen Gesellschaft in Athen 1903: Korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1908: Ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1909: Mitglied der Zentraldirektion des Deutschen Archäologischen Instituts, zugleich Mitglied des Engeren Ausschusses der Zentraldirektion 1924: Korrespondierendes Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften 1933: Ausländisches Mitglied in der Akademie von Athen Ehrenmitglied der Society for the Promotion of Hellenic Studies
Veröffentlichungen (Auswahl) mini|hochkant|Von Wolters 1885 überarbeitet De epigrammatum graecorum anthologiis. Dissertation Bonn 1882 Die Gipsabgüsse antiker Bildwerke in historischer Folge erklärt. Bausteine zur Geschichte der griechisch-römischen Plastik. Von Carl Friederichs. Neu bearbeitet von Paul Wolters. Berlin 1885 Der Westgiebel des olympischen Zeustempels, München 1908 (Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Philologische und Historische Klasse 1908, 7) Die Kunst des Altertums (Handbuch der Kunstgeschichte 1), von Anton Springer. Bearb. von Paul Wolters. 9.–12. Auflage. Leipzig 1910–1922 Führer durch die K. Glyptothek in München, München 1911. 1916. 1922. 1928. 1935 Äginetische Beiträge I–III; vorgetragen am 7. Mai 1910 und 8. Juni 1912, München 1912 (Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Philologische und Historische Klasse 1912, 5) Der geflügelte Seher, München 1928 (Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Philologische und Historische Klasse 1928, 1) Die Tafel von Tarragona, München 1930 (Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Abteilung 1930, 6) Das Kabirenheiligtum bei Theben. Band 1. Unter Mitwirkung mehrerer Fachgenossen bearbeitet von Paul Wolters; fertiggestellt von Gerda Bruns. Walter de Gruyter, Berlin 1940.
Literatur Festschrift Paul Wolters zum 70. Geburtstage, gewidmet vom Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst. München 1928. [Sonderausgabe von: Münchner Jahrbuch der Bildenden Kunst N.F. Band 5, 1928, Nr. 3] Heinrich Bulle: Paul Wolters. Rede zu seinem 70. Geburtstag, 1. September 1928. In: Neue Jahrbücher für Wissenschaft und Jugendbildung. Band 4, 1928, S. 513–519. Heinrich Bulle: Paul Wolters †. In: Gnomon. Band 13, 1937, S. 57–60. Johannes Sieveking: Nachruf auf Paul Wolters. In: Biographisches Jahrbuch für Altertumskunde. Band 275, 1941, S. 49–58 (mit Schriftenverzeichnis). Reinhard Lullies: Paul Wolters 1858–1936. In: Reinhard Lullies, Wolfgang Schiering (Hrsg.): Archäologenbildnisse. Porträts und Kurzbiographien von Klassischen Archäologen deutscher Sprache. Zabern, Mainz 1988, ISBN 3-8053-0971-6, S. 124–125.
Weblinks
Eintrag im Dictionary of Art Historians Eintrag im Portal Rheinische Geschichte Nachlass in der Bayerischen Staatsbibliothek
Anmerkungen
Kategorie:Klassischer Archäologe Kategorie:Hochschullehrer (Ludwig-Maximilians-Universität München) Kategorie:Hochschullehrer (Julius-Maximilians-Universität Würzburg) Kategorie:Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts Kategorie:Mitglied des Österreichischen Archäologischen Instituts Kategorie:Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Akademie von Athen Kategorie:Mitglied der Society for the Promotion of Hellenic Studies Kategorie:Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Antikensammlung Berlin Kategorie:Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Martin von Wagner Museums Kategorie:Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek Kategorie:Träger des Ordens der Eisernen Krone (III. Klasse) Kategorie:Träger des Ordens vom Zähringer Löwen (Ritter II. Klasse) Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 4. Klasse Kategorie:Träger des Bayerischen Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst Kategorie:Träger des Erlöser-Ordens (Komtur) Kategorie:Ritter IV. Klasse des Verdienstordens vom Heiligen Michael Kategorie:Geheimer Hofrat Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1858 Kategorie:Gestorben 1936 Kategorie:Mann