I gioielli della Madonna (deutscher Titel: Der Schmuck der Madonna) ist eine Oper in drei Akten „aus dem neapolitanischen Volksleben“ von Ermanno Wolf-Ferrari (Musik) mit einem Libretto von Enrico Golisciani und Carlo Zangarini nach einem Szenarium des Komponisten. Die Uraufführung der Erstfassung fand am 23. Dezember 1911 in der Kurfürstenoper Berlin in einer deutschen Übersetzung von Hans Liebstöckl statt, die der Zweitfassung am 25. Dezember 1933 im Opernhaus Hannover.
Handlung
Erster Akt. Bei einem fröhlichen Volksfest zu Ehren der Madonna wird deren juwelengeschmückte Statue vorbei getragen. Der Schmied Gennaro liebt seine wilde Adoptivschwester Maliella. Diese ist jedoch von dem Camorrista Rafaele fasziniert, der ihr verspricht, den Schmuck der Madonna zu rauben und ihr zu Füßen zu legen. Gennaro warnt sie vor dem Charakter seines Rivalen.
Zweiter Akt. Maliella ist entschlossen, das Elternhaus zu verlassen, um ihre Freiheit zu finden. Gennaro erklärt ihr seine Liebe, kann ihren Auszug aber nur gewaltsam verhindern. Bevor sie sich höhnisch in ihr Zimmer zurückzieht, ruft sie ihm zu, dass sie nur den einen lieben könne, der ihr die Juwelen rauben wolle. Gennaro besorgt sich Einbruchswerkzeug und schleicht aus dem Haus. Kurz darauf kommt Rafaele. Er und Maliella schwören sich ihre Liebe. Sie verspricht, ihm am nächsten Tag zu folgen. Als Maliella wieder allein ist, kehrt Gennaro mit dem geraubten Schmuck zurück. Maliella ist davon so fasziniert, dass sie sich Gennaro wie in Trance hingibt.
Dritter Akt. In ihrer Höhle feiern die Camorristi eine wilde Orgie. Da erscheint die verzweifelte Maliella mit dem Schmuck und gesteht, dass Gennaro ihr die Unschuld genommen habe. Rafaele verstößt sie rücksichtslos. Als nun auch Gennaro eintrifft, wirft Maliella ihm den Diebstahl vor. Verzweifelt ertränkt sie sich im Meer. Die Camorristi fliehen vor der herannahenden wütenden Menschenmenge. Gennaro stößt sich reuevoll ein Messer ins Herz.
Die folgende Inhaltsangabe ist im Wesentlichen eine Übersetzung aus Gustav Kobbés The Complete Opera Book von 1919.Gustav Kobbé: The Complete Opera Book. 1919 (online im Project Gutenberg). Die Szenenbeschreibungen sowie die italienischen und deutschen Zitate stammen aus dem Klavierauszug der Oper.
Erster Akt
Eine Piazzetta am Meer in Neapel
Zur Linken neben einem Häuschen das Haus der Carmela mit Balkon und Tür, zu der einige Stufen führen. Weiter nach hinten, aber mehr der Bühne zugekehrt, die Werkstätte des Schmiedes Gennaro. Ein Amboss vor dem Eingang. Rechts im Vordergrund das verfallene Häuschen des Schreibers Biaso. Mehr rückwärts neben einem Torbogen der Laden eines Makkaroni-, Käse- und Obsthändlers. Dann die Osteria mit Tischen vor der Tür. […] Es ist Madonnentag, ein herrlich strahlender Nachmittag. Die Piazzetta ist erfüllt von einer lärmenden Menschenmenge, die sich des schönen Tages freut und ihn mit jener Festesfreude begeht, die halb karnevalsmäßig, halb religiös und für Süd-Italien charakteristisch ist […]
Ein Großteil der Menge folgt den Musikanten, die zuvor den Platz überquert haben. Gennaro legt in seiner Schmiede letzte Hand an einen selbst gefertigten Kandelaber. Er legt ihn auf den Amboss wie auf einen Altar, kniet davor nieder und singt ein Gebet an die Madonna („Madonna, con sospiri“).
Maliella eilt aus dem Haus, gefolgt von Gennaros Mutter Carmela. Maliella ist ein ruheloses und eigensinniges Mädchen, besessen von dem Wunsch, der Enge des Haushalts zu entfliehen und sich in das Stadtleben zu werfen. Sie ist wild – eine mögliche Carmen, der bisher nur die Gelegenheit fehlte. Mit Bravado-Haltung und trotz der Proteste Gennaros verkündet sie ihre rebellischen Gedanken in der „Canzone di Cannetella“ („Diceva Cannetella vedendosi inserata“).
Eine Menge versammelt sich, um Maliella zuzuhören. Aus der Richtung des Meeres erklingt der Chor der sich nähernden Camorristi. Maliella und die Menge tanzen wild. Als Carmela mit einem Wassereimer auf dem Kopf zurückkehrt, jagt das ausgelassene Mädchen schreiend und lachend den Kai entlang.
Carmela erzählt ihrem Sohn die kurze Geschichte Maliellas: Als Gennaro im Kindesalter an einer schweren Krankheit litt, schwor Carmela der Madonna, ein in Sünde gezeugtes krankes Mädchen zu suchen und zu adoptieren: „Ich fand sie auf der Straße, als du genesen.“ In einem bewegenden Duett für Mutter und Sohn fordert Carmela ihn auf, zu gehen und zur Madonna zu beten, und Gennaro bittet um ihren Segen, bevor er sie verlässt, um das zu tun. Carmela geht anschließend ins Haus.
Maliella eilt herein, verfolgt von den Camorristi mit ihrem Anführer Rafaele im Wagen. Er ist ein gut aussehender, grell gekleideter Rüpel. Als er versucht, sie zu ergreifen und zu küssen, zieht sie eine dolchartige Hutnadel heraus. Lachend wirft er wie ein Duellant seinen Mantel von sich, fasst sie und hält sie fest. Sie sticht in seine Hand, die zu bluten anfängt, und wirft die Nadel dann fort. Zuerst ist er verärgert, dann lacht er verächtlich auf und küsst leidenschaftlich die Wunde. Während die anderen Camorristi Blumen eines vorbeiziehenden Blumenmädchens kaufen und daraus einen Teppich machen, hebt Rafaele die Hutnadel auf, kniet vor Maliella nieder und überreicht sie ihr. Maliella steckt sie langsam in ihr Haar. Dann steckt Rafaele ihr eine Blume, die sie zuvor zurückgewiesen hatte, an die Brust, was sie nun gestattet. Einige Augenblicke später zieht sie sie heraus und wirft sie fort. Rafaele hebt die Blume auf und steckt sie sorgfältig in sein Knopfloch. Etwas später geht er in die Wirtsstube, blickt sie an und hebt sein gefülltes Glas in ihre Richtung. Sie dreht sich im selben Moment aufgrund eines unerklärlichen Einflusses zu ihm um.
Glocken, Böllerschüsse und Gejohle künden vom Nahen der Madonnenprozession. Während Hymnen an die Jungfrau gesungen werden, flüstert Rafaele leidenschaftliche Worte in Maliellas Ohren. Das mit Juwelen geschmückte Bild der Jungfrau wird vorbei getragen. Rafaele versichert Maliella, dass er aus Liebe zu ihr die Juwelen der Madonna rauben und sie damit schmücken werde. Das abergläubische Mädchen ist entsetzt.
Gennaro, der in diesem Moment zurückkehrt, warnt Maliella vor Rafaele: Er sei „der traurigste Geselle im ganzen Viertel“. Er beordert sie ins Haus zurück. Rafaeles höhnisches Lachen macht ihn wütend. Die Männer stehen offenbar kurz vor einem Kampf. Gerade jetzt kehrt die Prozession zurück, und alle müssen niederknien. Rafaeles Blicke jedoch folgen Maliella, die sehr bewusst auf das Haus zugeht, ihre Augen ständig in seine Richtung gewandt. Er wirft ihr die Blume zu, die sie zuvor verschmäht hatte. Sie hebt sie auf, legt sie zwischen ihre Lippen und läuft ins Haus.
Zweiter Akt
Der Garten im Haus Carmelas; in der linken Wand eine Holzstiege; darunter ein vergittertes Tor; später Abend
Carmela betritt das Haus, nachdem sie den Tisch abgeräumt hat. Gennaro kommt, um mit Maliella zu sprechen. Sie entgegnet, dass sie ihre Freiheit wolle, und zieht sich über die Stiege in ihr Zimmer zurück. Dort packt sie ihre Sachen und summt den Gassenhauer „E ndringhete, ndranghete“ („Ich will ins Weite gehen“).
Maliella kommt mit ihrem Bündel herunter, um das Haus zu verlassen. Gennaro erinnert sie flehentlich an ihre glückliche Kindheit und gesteht ihr seine Liebe. Sie lacht ihn jedoch nur aus – er sei ihr Bruder, und sie könnte nur einen lieben, „der alles täte mir allein zu gefallen“. „In Erinnerung versunken, träumend, die Augen halb verschlossen“, erinnert sie sich an Rafaeles Angebot, die Juwelen der Madonna für sie zu rauben. Gennaro ist zunächst schockiert über das Sakrileg. Dann scheint er allmählich zu einem verzweifelten Entschluss zu kommen. Er verstellt Maliella wütend den Weg, verschließt das Tor und blickt sie mit weit aufgerissenen Augen starr an. Höhnisch lachend steigt sie die Stufen wieder hinauf.
Ihr Lachen noch in den Ohren, hat sich Gennaro nicht mehr unter Kontrolle. Er geht zum Schrank unter den Stufen, nimmt eine Kiste heraus, öffnet sie beim Licht der Tischlampe und sucht sich einige Dietriche und Feilen hervor, die er in ein Stück Leder packt und an seiner Brust verwahrt. Nach einem Blick zum Fenster Maliellas bekreuzigt er sich und schleicht hinaus.
Die Szene ist jetzt hell vom Mond erleuchtet, und das Meer glänzt in der Ferne. Vom Meeresufer erklingen Männerstimmen mit neapolitanischen Volksweisen. Kurz darauf erscheint Rafaele mit seinen befreundeten Camorristi am Tor. Musikalisch begleitet von ihren Mandolinen und Gitarren trägt er Maliella ein lebhaftes walzerartiges Ständchen vor. Das Mädchen kommt heraus. Sie trägt einen weißen Unterrock mit einem leichten roten Schal. Die beiden singen ein leidenschaftliches Liebesduett: Maliella: „T’amo, sì, t’amo“ („Ich lieb Dich unsäglich“) – Rafaele: „Stringimi forte“ („Drücke mich fest“) – beide: „Oh strette ardenti!“ („Glühend Umfangen!“). Sie verspricht, am folgenden Tag zu ihm zu kommen. Dann geben Rafaeles Gefährten ein Zeichen, dass sich jemand nähert.
Wieder allein, erblickt Maliella im Mondlicht Gennaros offene Werkzeugkiste und weckt in ihr eine böse Vorahnung. Da erscheint Gennaro, wie ein Nachtwandler, mit einem Bündel aus rotem Kirchendamast. Er ist zu konzentriert auf sein Vorhaben, als dass er ihre Anwesenheit im Garten – zu dieser späten Stunde und so leicht gekleidet – in Frage stellen würde. Er legt Maliella das Bündel zu Füßen und öffnet es. Darin befinden sich die Schmuckstücke der Madonna.
Maliella ist zutiefst erschrocken. Gennaro beschreibt ihr mit „einer Art mystischen Leidenschaft, mit heroischer Tollheit“ den Diebstahl. Er versichert ihr, dass die Madonna seinen frommen Sinn kenne und ihm den schweren Frevel vergeben habe. Maliella ist vom Glanz des Schmuckes vollständig gefangen. „In fast andächtiger Haltung“ küsst sie eine Kette und „schließt voll Wollust die Augen“. Dann legt sie sich den Schmuck an. Sie sieht jetzt in Gennaro das Bild Rafaeles, des Mannes, der ihr die Juwelen versprochen und ihre Leidenschaft geweckt hat, und leistet keinen Widerstand mehr. Als Gennaro sie unter einem blühenden Orangenbaum ergreift, überlässt sie sich seiner Umarmung. „Ihre Lippen finden sich und beide fallen zu Boden auf den Grasteppich unter dem alten Baum.“
Dritter Akt
Die Höhle der Camorristi in der Umgebung von Neapel
Ein weites und nacktes Gemach mit einem Plafond aus Balken […] An der linken Wand […] ein rohes Freskogemälde, darstellend „die Madonna von Monte Vergine“, die das Volk „Mamma Schiavona“ nennt. Vor dem Bild eine Art Altar […]
Die Camorristi versammeln sich. Es sind Männer und Frauen, letztere allesamt von zweifelhaftem Charakter. Man singt und tanzt – den „Apache“, die „Tarantella“. Die bedeutendsten Frauen sind Stella, Concetta, Serena und Grazia, die Tänzerinnen. Sie sehen Maliellas erwarteter Ankunft nicht mit großer Freude entgegen. Als Rafaele hereinkommt, fragen sie ihn, was er an ihr bewundere. Er vergleicht Maliella mit einer „kaum erblühten Rose“ – „Non sapete… di maliella… la preziosa qualità?“ („Wollt ihr wissen, was Maliella vor Euch hat voraus?“).
Inmitten eines orgienhaften Tanzes, den Rafaele auf einem Tisch stehend mit einer Peitsche anfeuert, und bei dem sich die Tänzerinnen ihrer Kleider entledigen, stürzt Maliella herein – bleich und mit zerrauften Haaren. Sie ruft um Hilfe und beschwört Rafaele, sie zu rächen. Sie sei nach seinem Abschied „wie trunken“ von ihm gewesen. Gennaro habe sie in diesem Zustand angetroffen und ihre Unschuld genommen. Die Frauen lachen Rafaele höhnisch aus. Rafaele zeigt keine Spur mehr von seiner Verzauberung. Dass sie Gennaro mit ihm verwechselt haben und sich nur deshalb dem jungen Schmied hingegeben haben will, interessiert ihn nicht. Für ihn ist sie nur noch eine gepflückte Rose, die man dem Verwelken überlassen kann. Er weist sie wütend ab und schleudert sie zu Boden. Dabei fallen die Juwelen der Madonna aus ihrem Mantel. Sie sind leicht zu erkennen, da sie in dem Wandfresko dargestellt sind.