mini|Deutscher Soldatenfriedhof in Blumberg bei der Evangelischen Kirche (2019)
Das Kriegsende im Südschwarzwald wurde eingeleitet mit der Rheinüberquerung der französischen 1. Armee zwischen Mannheim und Karlsruhe Ende März 1945 und deren Vormarsch durch den Schwarzwald nach Osten und in die oberrheinische Tiefebene nach Süden.
Nachdem der südbadische Raum nahe der Schweizer Grenze von unmittelbaren Kriegsereignissen während des Zweiten Weltkriegs weitgehend verschont geblieben war, kam es Ende April 1945 durch den Rückzug eines deutschen Armeekorps durch den Südschwarzwald in Richtung Bayern im Raum Blumberg zu heftigen Kämpfen mit französischen Einheiten, die dem Truppenverband den Weg abgeschnitten hatten. Dabei wurden mehrere Dörfer zerstört und es kam zu Verlusten unter den Soldaten beider Seiten und zu Opfern unter der Zivilbevölkerung.
Die Präsenz französischer Truppen im Südwesten Deutschlands war eine Folge der Konferenz von Jalta. Dort hatten im Februar 1945 die drei Hauptmächte der Anti-Hitler-Koalition beschlossen, ein Gebiet aus der britischen und der amerikanischen Besatzungszone zu bestimmen, das durch französische Streitkräfte besetzt werden konnte. Charles de Gaulle, seit Oktober 1944 Präsident einer völkerrechtlich anerkannten französischen Regierung, hatte auf Frankreichs Mitwirkung bei einer Nachkriegsordnung Europas bestanden.
Vorgeschichte Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges gerieten die deutschen Armeen an der Ostfront gegen die Rote Armee und nach der westalliierten Invasion in Italien im Herbst 1943 im Süden Europas zunehmend in die Defensive. Stalin hatte zur Entlastung seiner Truppen zudem eine „Zweite Front“ in Frankreich gefordert, die jedoch wegen Schwierigkeiten in Planung und Logistik bei der Überquerung des Ärmelkanals immer wieder verzögert worden war. Erst im Sommer 1944 gelang Briten, Amerikanern und Kanadiern die Landung an der Küste Nordwestfrankreichs am deutschen „Atlantikwall“.
Kriegslage 1944 mini|Alliierte Landungsboote vor der Normandie Nach der Landung der Westalliierten am 6. Juni 1944 in der Normandie und am 15. August 1944 in der Provence, brach nach heftigen Abwehrkämpfen um den Landekopf im Norden und der folgenden Befreiung von Paris (25. August 1944) die deutsche Besatzung Frankreichs zusammen. Über den Winter 1944/1945 stabilisierte sich die deutsche Front jedoch wieder an Westwall und Rhein. Die von Adolf Hitler gegen seine Generalität durchgesetzte Ardennenoffensive Mitte Dezember 1944 blieb ohne Erfolg und brachte nur eine kurzzeitige Entlastung. Nach einem letzten, gescheiterten Versuch, über Neujahr das Elsass (Unternehmen Nordwind) zurückzugewinnen, konnte der Oberbefehlshaber West nur noch die Defensive organisieren.
„Am 11. Dezember 1944 wurde die Heeresgruppe Oberrhein gebildet, […] um das Überschreiten des Rheins durch amerikanische und französische Truppen zu verhindern.“ Hier „standen dem Oberkommando der Wehrmacht keine kampfkräftigen Einheiten zur Verfügung. Dafür wurden aus Sicherungs-, Zollgrenzschutz- und Festungseinheiten, Volkssturm und den Resten zusammengeschlagener Regimenter neue Brigaden und Divisionen gebildet, […] die einem modern ausgerüsteten Gegner nicht gewachsen waren. Diese neu gebildeten Einheiten wurden im Dezember 1944 im XVIII. SS-A.K. und im LXIV. A.K. zusammengefasst und der 19. Armee unterstellt.“Hermann Riedel: Halt! Schweizer Grenze! Verlag des Südkurier, Konstanz 1983, S. 15.
Das LXIV. A.K. besetzte die nördliche Hälfte der Front am Oberrhein südlich Karlsruhe bis zum Kaiserstuhl, das XVIII. SS-Armeekorps besetzte den Frontabschnitt vom Kaiserstuhl (Trennlinie Leopoldskanal) bis zur Schweizer Grenze bei Basel (Weil am Rhein). Am 12. Januar 1945 wurde der General der Waffen-SS Georg Keppler zum Kommandeur des XVIII. SS-Armeekorps berufen.
Oberrheinfront 1945 mini|Anfang Februar 1945 aufgegebener deutscher Brückenkopf im Elsass Ab Februar 1945 gelang es den westalliierten Truppen, die deutschen Gebiete fast überall bis an das linke Rheinufer zu besetzen. Im Süden hielten deutsche Truppen im Raum Colmar noch einige Wochen einen Brückenkopf.
„Ende Januar/Anfang Februar war die Räumung des Brückenkopfes Elsaß durch die 19. Armee erfolgt. Er gelang trotz starken feindlichen Drucks unter Erhaltung der Masse des Materials.“Bericht Generalleutnant Willy Seeger, Kommandeur der Division Nr. 405. In: Hermann Riedel: Halt! Schweizer Grenze!, S. 21. Seeger führte im Januar und Februar 1945 für jeweils drei Wochen vertretungsweise das XVIII. SS-A.K. Die letzten deutschen Truppen verließen den Brückenkopf am 9. Februar.
Seit dem Herbst 1944 war der Oberrheinraum zur Verteidigung eingerichtet worden, doch konnten keine zusammenhängenden Abwehrlinien mehr ausgestattet und besetzt werden.
Nach der Aufgabe des Brückenkopfes wurden an der gesamten Länge des Flusses Übersetzversuche des Gegners erwartet. Der dort nach Westen hin zur Verteidigung eingerichtete deutsche Abschnitt von Basel bis Karlsruhe stand – wie sich zeigen sollte – gleichsam in ‚verkehrter Position‘, denn er wurde von den Franzosen von Nord nach Süd aufgerollt.
Französische Schwarzwaldoffensive mini|Angriffsraum der französischen Armee
Nachdem amerikanische Truppen unter Beteiligung französischer Einheiten ab Mitte März die Front im Norden Badens und Württembergs durch die Eroberung des Saar-Mosel-Dreiecks bis an den Rhein vorgeschoben hatten (Operation Undertone), setzte die hauptsächlich aus Kolonialtruppen reorganisierte französische 1. Armee mit ihrem II. Armeekorps am 30. und 31. März bei Speyer und Germersheim [Karte zwischen Mannheim und Karlsruhe] – eigenständig, ohne Absprache mit der US-Armee – über den Fluss.
Dieser Hauptangriff hatte Stuttgart zum Ziel – geplant war, den Amerikanern dorthin zuvorzukommen. Die zweite Stoßrichtung zielte dem Rhein entlang südwärts nach Freiburg. Am 2. April fiel Bruchsal, am 4. April Karlsruhe und am 8. April Pforzheim an die Franzosen.
Nun setzte auch die 9. Koloniale Infanteriedivision über den Fluss und verstärkte den Angriff nach Süden auf Rastatt (13. April), von Offenburg (15. April) ins Kinzigtal sowie den Rhein entlang nach Lahr (15. April).
Ein weiterer Rheinübergang zielte noch südlicher quer zum laufenden Vormarsch von West nach Ost durch den mittleren Schwarzwald: „Am 16. April überschreitet das französische I. Armeekorps bei Straßburg/Kehl den Rhein und erreicht am 17. April durch das Renchtal kommend (heute: B28), den strategischen Knotenpunkt Freudenstadt.“Fred Trendle: 10 Tage im April. Das Kriegsende in der Baar und an der oberen Donau im April 1945. Selbstverlag, Kirchen-Hausen 2003. Zeitgleich erreichte die 9. Koloniale Infanterie-Division den Kaiserstuhl und stand am 19. April 1945 vor Freiburg.
Die deutsche 19. Armee, die am Oberrhein verteidigt hatte, war in Folge der Angriffe in verschiedene Teile aufgespalten. Das im Süden eingesetzte XVIII. SS-Armeekorps war schon bald von Nachbarverbänden abgeschnitten und wurde von Teilen dreier französischer Divisionen weiträumig umfasst.
Überlieferung Zum Thema liegen zwei gedruckte Bände von Hermann Riedel, 1983, und Fred Trendle, 2003, vor (siehe Literaturangaben), die dieser Darstellung zugrunde liegen. Bekannt sind auch drei eigenständige Veröffentlichungen von Zeitzeugen, die sich im Archiv Reimer, Blumberg, befinden. Diese sind im Artikel mit eingearbeitet.
Quellen Literatur 1. Standardwerk zum Geschehen ist der Band Halt! Schweizer Grenze von Hermann RiedelHermann Riedel: Halt! Schweizer Grenze! Das Ende des Zweiten Weltkrieges im Südschwarzwald und am Hochrhein in dokumentarischen Berichten deutscher, französischer Und Schweizer Beteiligter und Betroffener. Südkurier Verlag, Konstanz 1983. ISBN 3-87799-023-1., der die Vorgänge im gesamten südbadischen Raum im Überblick und im Raum der Schweizer Grenze anhand oben angeführter Dokumente und den dokumentierten Zeugenaussagen protokollarisch wiedergibt, ohne jedoch den genauen Verlauf der Operationen beider Seiten und des Ausbruchsversuchs des deutschen Armeekorps zu rekonstruieren.Die Dokumente sind nach Parteien – Militärs beider Seiten, Schweizer Grenzwächter und zivilen Berichterstattern geordnet und die letzteren nach ihren Ortschaften. Ein zeitlicher Ablauf, eine Chronik der Ereignisse fehlt dort. Diese fehlte auch in der späteren Aufarbeitung (Presseartikel, Jahrestage). Eine Reihe von allgemeinen Annahmen konnte korrigiert werden.
Riedel hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seines Standardwerkes bereits zwei vorbereitende Arbeiten verfasst:
Aasen – Schicksal einer Division [Division 805] und Auswegslos ...! – Letzter Akt des Krieges im Schwarzwald, in der Ostbaar und an der oberen Donau Ende April 1945. Beide Publikationen: Villingen-Schwenningen 1975.
2. Fred Trendle: 10 Tage im April 1945, beschreibt die Ereignisse vom 20. bis zum 30. April 1945 nach Tagen geordnet jeweils in Ortschaften unterteilt und bezieht dabei auch Städte und Dörfer nördlich Blumberg ein. (Hier fehlen dann die Hochrhein-Orte). Er beschreibt dabei auch den Durchbruchsversuch der späteren „Nordgruppe“ des XVIII. SS-A.-K. in Richtung Immendingen.Während H. Riedel in erster Linie eine Sammlung von Dokumenten, Truppentagebüchern beider Seiten und Zeugenberichten erstellte, gelang es Fred Trendle, der 2003 auf den Band von Riedel zurückgreifen konnte, die Zusammenhänge zwischen den Truppenbewegungen und Kampfplätzen genauer zu beschreiben, doch reduziert er durch zahlreiche emotionale und rhetorische Einlassungen den Wert seiner Darstellung. Auch fehlt die Zuordnung seiner Informationen zur verwendeten Literatur. Bedeutsam auch seine Zusammenstellung der Luftangriffe in der Baar von Ende 1943 bis April 1945, sowie die im Vergleich zu Riedel erweiterte Sammlung von Abbildungen. Um die Beschreibung in Zitaten nicht zusätzlich zu dramatisieren, wurde zum Präsenz der Zitate Trendles in den verbindenden Textteilen die Vergangenheitsform gewählt. Im Interesse der Lesbarkeit und um den Nachweisapparat nicht unnötig zu überlasten, wurden die häufig genutzten Quellen (Riedel, Trendle) in den Fließtext kurz in Klammern gesetzt.
Berichte beteiligter Militärs Auf Kommandoebene liegen Berichte der deutschen Seite vom Stab des XVIII. SS-A.K. vor: Das Tagebuch des kommandierenden Generals der Waffen-SS Georg Keppler vermittelt einen Überblick über Planung, Verlauf und die taktischen Überlegungen, hinzu kommen spätere Darstellungen von Stabsoffizieren und auch einigen Soldaten, die aus der Region stammten.
In einigen Aspekten ergänzt wird die Kommandoebene von der Niederschrift des Kommandeurs der französischen 1. Armee, Jean de Lattre de Tassigny, der jedoch einen umfassenden Befehlsbereich besaß und dessen südlichsten Bereich nur streifte. Detailliert sind die Tagebücher der drei am Feldzug beteiligten französischen Divisionen.
Quellen wie der Wehrmachtsbericht und ähnlich die französischen Heeresberichte geben wenig Hinweise auf die Vorgänge – sie sind durchgängig fehlerhaft bzw. geben Ereignisse erst mit Verspätung und durch überzogene Verlaufsmeldungen wieder.
Zeitzeugen Ein exakter Ablauf der Ereignisse lässt sich in Verbindung mit einer Gesamtanalyse der Zeitzeugen gewinnen, da hier zahlreiche Querverifizierungen vorgenommen werden können, welche die Kommandoebenen differenzieren und – Irrtümer ausgenommen – auch kleinere Teilereignisse beschreiben. Fehleinschätzungen gibt es nur dort, wo sich Zeitzeugen umfassendere Kommentare erlauben.