mini|Die Weihinschrift des Titus Fabius Liberalis () mini|Ziegelstempel der Cohors I Aquitanorum. Lesefund aus dem Lagerdorf des Kastells Arnsburg Die Cohors I Aquitanorum [veterana] [equitata] () war eine römische Auxiliareinheit. Sie ist durch Militärdiplome, Inschriften und Ziegelstempel belegt.
Namensbestandteile Aquitanorum: der Aquitanier. Die Soldaten der Kohorte wurden bei Aufstellung der Einheit aus den verschiedenen Stämmen der Aquitanier auf dem Gebiet der römischen Provinz Gallia Aquitania rekrutiert.
veterana: die altgediente/die altbewährte. Der Zusatz wurde vermutlich benutzt, um sie von der Cohors I Aquitanorum Biturigum zu unterscheiden, die ebenfalls in der Provinz Germania stationiert war. Der Zusatz kommt in Militärdiplomen und einigen Inschriften vor.
equitata: teilberitten. Die Einheit war ein gemischter Verband aus Infanterie und Kavallerie. Der Zusatz kommt in der Inschrift () vor.
Da es keine Hinweise auf den Namenszusatz milliaria (1000 Mann) gibt, war die Einheit eine Cohors (quingenaria) equitata. Die Sollstärke der Kohorte lag bei 600 Mann (480 Mann Infanterie und 120 Reiter), bestehend aus 6 Centurien Infanterie mit jeweils 80 Mann sowie 4 Turmae Kavallerie mit jeweils 30 Reitern.
Geschichte Die Kohorte war in den Provinzen Germania und Germania superior (in dieser Reihenfolge) stationiert. Sie ist auf Militärdiplomen für die Jahre 74 bis 134 n. Chr. aufgeführt.Das hier angegebene Szenario geht von zwei verschiedenen Kohorten mit dieser Bezeichnung aus: der Cohors I Aquitanorum (Britannia), die in der Provinz Britannia stationiert war und der Cohors I Aquitanorum (Germania), die in der Provinz Germania stationiert war. John Spaul geht dagegen nur von einer einzigen Kohorte aus, die in diesen Provinzen stationiert war.
Der erste Nachweis der Einheit in Germania beruht auf einem Diplom, das auf 74 datiert ist. In dem Diplom wird die Kohorte als Teil der Truppen aufgeführt (siehe Römische Streitkräfte in Germania), die in der Provinz stationiert waren. Weitere Diplome, die auf 90 bis 134 datiert sind, belegen die Einheit in Germania superior.
Der letzte Nachweis der Einheit beruht auf der Inschrift (), die auf 249 datiert wird.
Standorte Standorte der Kohorte in Germania waren möglicherweise: Kastell Arnsburg Kastelle bei Friedberg: Die Weihinschrift des Marcus Iunius Iovinianus wurde hier gefunden. Kastell Stockstadt: Mehrere Inschriften wurden hier gefunden.
Ziegel mit den Stempeln der Einheit wurden in Arnsburg, Butzbach, Friedberg, Kleestadt und Saalburg gefunden.
Angehörige der Kohorte Folgende Angehörige der Kohorte sind bekannt.
Kommandeure Iulius R[uf]us Pap[irianus] Sentiu[s] Gem[el]lus, ein Präfekt () L(ucius) Caecilius Caecilianus, ein Präfekt (, ) Marcus Arrecinus Gemellus: er wird auf den Diplomen von 90 als Kommandeur genannt. M(arcus) Gennius Carfinianus: er wird auf dem Diplom von 82 als Kommandeur genannt. Q(uintus) Caecilius Optatinus,Alle Soldaten, bei denen aus der Literatur sowie der jeweiligen Inschrift nicht hervorgeht, um welche der beiden Einheiten es sich handelt, wurden der Cohors I Aquitanorum (Germania) zugeordnet. ein Präfekt () T(itus) Fabius Liberalis, ein Präfekt ()
Sonstige Burrius, ein Soldat () C(aius) Paulinius Iustus, ein Beneficiarius () Decumus, () L(ucius) Valerius Pudens, ein Fußsoldat: das Diplom von 82 wurde für ihn ausgestellt. M(arcus) Iuni[us] Iovin[ian]us, ein Soldat () Mucaporis, ein Reiter: ein Diplom von 90 () wurde für ihn ausgestellt. [P]apias, ein Signifer () Rufus Valentinus, () Tarcho, ein Soldat () Tharsa, ein Reiter: ein Diplom von 90 () wurde für ihn ausgestellt. Thaves, ein Reiter: ein Diplom von 90 () wurde für ihn ausgestellt.
Weitere Kohorten mit der Bezeichnung Cohors I Aquitanorum Es gab noch zwei weitere Kohorten mit dieser Bezeichnung:
die Cohors I Aquitanorum (Britannia). Sie ist durch Militärdiplome von 122 bis 140/154 belegt und war in der Provinz Britannia stationiert. die Cohors I Aquitanorum Biturigum. Sie ist durch Diplome von 74 bis 134 belegt und war in den Provinzen Germania und Germania superior stationiert.
Siehe auch Liste der römischen Auxiliareinheiten Römische Streitkräfte in Germania
Weblinks
Anmerkungen
Einzelnachweise Jörg Scheuerbrandt: Exercitus. Aufgaben, Organisation und Befehlsstruktur römischer Armeen während der Kaiserzeit. Dissertation, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau 2003/2004, S. 159 Tabelle 3 (PDF S. 161). John Spaul: Cohors². The evidence for and a short history of the auxiliary infantry units of the Imperial Roman Army, British Archaeological Reports 2000, BAR International Series (Book 841), ISBN 978-1841710464, S. 139–144 Militärdiplome der Jahre 74 (), 82 (), 90 (, , ), 116 () und 134 (). Werner Eck, Andreas Pangerl: Neue Diplome für die Heere von Germania superior und Germania inferior. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik (ZPE), Band 148 (2004), S. 259–268, hier S. 261 (Online). Werner Eck, Andreas Pangerl: Sex. Iulius Frontinus als Legat des niedergermanischen Heeres. Zu neuen Militärdiplomen in den germanischen Provinzen. In: ZPE, Band 143 (2003), S. 205–219, hier S. 218 (Online). Ziegelstempel: Arnsburg (), Butzbach (), Friedberg (), Kleestadt () und Saalburg ().
Kategorie:Kohorte (Hilfstruppe) Kategorie:Aquitanier