Rafael Alexandre da Conceição Leão (* 10. Juni 1999 in Almada) ist ein portugiesischer Fußballspieler. Der Flügelstürmer steht in Diensten von Galatasaray Istanbul und ist Nationalspieler von Portugal. Mit der AC Mailand gewann er in der Saison 2021/22 die italienische Meisterschaft und wurde für seine Leistungen zu Italiens Fußballer des Jahres 2022 ausgezeichnet. Mit der Nationalmannschaft gewann er die UEFA Nations League 2024/25.

Persönliches Leão wurde in Almada geboren und wuchs in Seixal auf. Beide Städte liegen am südlichen Ufer des Tejo und gehören zur Metropolregion Lissabon. Seine Eltern wanderten aus Afrika nach Portugal ein. Sein Vater stammt ursprünglich aus Angola, während seine Mutter aus dem Inselstaat São Tomé und Príncipe kommt.

Neben seiner Karriere als Fußballer ist Leão auch als Musiker und Musikproduzent tätig. Unter dem Namen Way 45 veröffentlicht er seit 2021 eigene Alben und Singles.

Im Februar 2024 erschien im Piemme-Verlag seine italienischsprachige Biografie Smile: La mia vita tra calcio, musica e moda („Lächeln: Mein Leben zwischen Fußball, Musik und Mode“).

Vereinskarriere Karrierebeginn in Lissabon Im Jahr 2005 wurde Rafael Leão beim Fußballspielen mit Freunden vom damaligen Jugenddirektor Luís Santos des Amora FC entdeckt. Er überzeugte den Jungen und seine Eltern davon, es im Verein zu versuchen, woraufhin der Klub Leão auch Sportkleidung und Schuhe zur Verfügung stellte. Bereits kurze Zeit später wechselte er in die gemeinnützige Talentschmiede Foot 21, wo er im Jahr 2008 die Aufmerksamkeit der beiden großen Lissabonner Fußballvereine auf sich zog. Obwohl zunächst Benfica Lissabon eine Zusage erhalten hatte, entschieden sich Leão und seine Eltern schließlich für den Stadtrivalen Sporting Lissabon, dessen Jugendakademie er sich im Alter von neun Jahren anschloss. links|mini|262x262px|Leão (zweiter von oben links) für Sporting Lissabon in der UEFA Youth League (2018) Ab Mai 2017 spielte Leão für die Reservemannschaft von Sporting in der zweitklassigen Liga Portugal 2. Bis Dezember 2017 schoss er in der Liga sieben Tore bei zwölf Einsätzen. Unter Trainer Jorge Jesus debütierte Leão am 12. Oktober 2017 im Alter von 18 Jahren für die erste Mannschaft, als er im Pokalspiel gegen den drittklassigen ARC Oleiros in der zweiten Halbzeit für Gelson Dala eingewechselt wurde und dabei auch direkt sein erstes Pflichtspieltor erzielte. Drei weitere Einsätze in der Liga mit einem Treffer und einer in der Europa League folgten für Leão im Februar und März 2018. Anschließend verpasste er den Rest der Saison wegen einer Muskelverletzung. In seiner Abwesenheit verspielte die Mannschaft den zweiten Tabellenplatz und damit die Teilnahme an der Champions League. Daraufhin stürmten etwa 50 Maskierte das Trainingsgelände und griffen Spieler und Vereinsmitarbeiter an. Zusammen mit weiteren Spielern kündigte Leão infolge der Ereignisse sein Arbeitsverhältnis bei Sporting Lissabon einseitig.

Ein Jahr beim OSC Lille Nachdem es zwischenzeitlich Gerüchte um einen Wechsel zu Borussia Dortmund gegeben hatte, trat Leão am 8. August 2018 dem französischen Verein OSC Lille nach einem ablösefreien Transfer bei und unterschrieb einen Fünfjahresvertrag. Sporting Lissabon ging anschließend gegen die einseitige Kündigung und den Vertragsabschluss vor und bekam nach jahrelangen Gerichtsverfahren, unter anderem vor dem Internationalen Sportgerichtshof, recht. Im Juli 2023 musste Lille nachträglich 19,6 Millionen Euro für den Transfer von Leão nachzahlen. Bereits im Sommer 2018 hatte es aufgrund finanzieller Schwierigkeiten Probleme gegeben, weshalb der Vertrag erst im September 2018, nach Ende des Transferfensters, von der Finanzaufsicht des französischen Profifußballs genehmigt werden konnte.

Sportlich spielte Leão ab Ende Oktober regelmäßig für seinen neuen Verein und kam in der gesamten Saison auf wettbewerbsübergreifend 26 Einsätze, in denen er acht Tore erzielte. Er beendete die Spielzeit 2018/19 mit dem Verein auf dem zweiten Tabellenplatz, allerdings deutlich mit 16 Punkten Rückstand auf Meister Paris Saint-Germain. In den Pokalwettbewerben schied der Verein jeweils früh aus.

Topspieler in Mailand Am 1. August 2019 wurde Leão von der AC Mailand verpflichtet und unterschrieb bei den Italienern einen Vertrag bis zum 30. Juni 2024. Der Portugiese spielte von Beginn an regelmäßig für die Mailänder und kam in seiner ersten Saison auf 31 Pflichtspiele, in denen er sechs Tore erzielte. Dabei wurde er 19-mal ein- und siebenmal ausgewechselt. Ein ähnliches Bild zeigte sich auch in der Saison 2020/21, in der er 30 Partien absolvierte, erneut sechs Tore erzielte sowie achtmal ein- und 15-mal ausgewechselt wurde. Leão erhielt zwar regelmäßig Einsatzzeiten, der endgültige sportliche Durchbruch blieb ihm zunächst jedoch verwehrt. Am 20. Dezember 2020 erzielte Leão beim 2:1-Auswärtssieg gegen die US Sassuolo Calcio nach 6,7 Sekunden das bis dahin schnellste Tor der Geschichte der Serie A. Den vorherigen Rekord hatte Paolo Poggi im Jahr 2001 mit einem Treffer nach 8 Sekunden aufgestellt. Diese beiden Spielzeiten waren für den Verein einerseits von der COVID-19-Pandemie, andererseits vom sportlichen Aufschwung nach dem Trainerwechsel von Marco Giampaolo zu Stefano Pioli geprägt. Im Mai 2021 qualifizierte sich die AC Mailand nach einem 2:0-Auswärtssieg bei Atalanta Bergamo erstmals seit 2013 wieder für die Champions League.mini|225x225px|Leão bei der AC Mailand (2022) Zwar verpassten die Italiener in diesem Wettbewerb in einer Gruppe mit dem FC Liverpool, Atlético Madrid und dem FC Porto den Einzug ins Achtelfinale. Dafür konnte in der Liga am Ende der Saison 2021/22 nach einem langen Titelkampf mit dem Stadtrivalen Inter Mailand die 19. Meisterschaft der Vereinsgeschichte gefeiert werden. Leão war dabei ein prägender Spieler dieser Mannschaft, der im Laufe der Saison zum besten Spieler der Liga aufstieg. Mit elf Toren war er zusammen mit Olivier Giroud der torgefährlichste Spieler des Vereins in der Liga, außerdem bereitete er zehn weitere Treffer vor. Von der Liga wurde er zum Spieler der Saison gewählt, außerdem zeichnete ihn die italienische Fußballspielervereinigung Associazione Italiana Calciatori als Italiens Fußballer des Jahres aus. Eine Auszeichnung, die zuletzt im Jahr 2011 mit Zlatan Ibrahimović an einen Spieler der AC Mailand gegangen war, der zwischen 2020 und 2023 auch ein Teamkollege von Leão war. Ein weiterer prägender Teamkollege für den Portugiesen war der Linksverteidiger Théo Hernández, mit dem er in dieser Zeit eine der besten linken Seiten des Weltfußballs bildete.

Mit 15 Toren und elf Vorlagen konnte Leão seine individuellen Zahlen in der Spielzeit 2022/23 weiter ausbauen. In der Liga blieb die Titelverteidigung allerdings aus und die Mailänder beendeten die Saison mit 20 Punkten Rückstand auf Meister SSC Neapel auf dem vierten Tabellenplatz. In der Champions League gelang dagegen nach Siegen gegen Tottenham Hotspur und die SSC Neapel der Einzug in das Halbfinale des Wettbewerbs. Leão verpasste verletzungsbedingt das Hinspiel des Halbfinales und die AC Mailand musste sich dem Stadtrivalen Inter Mailand geschlagen geben. Im Sommer 2023 wechselte Leão von der Trikotnummer 17 auf die zehn, welche zuvor Brahim Díaz getragen hatte. Außerdem verlängerte er seinen Vertrag vorzeitig bis Juni 2028. Die Saison 2023/24 war die letzte unter Trainer Pioli, der durch die passende taktische Ausrichtung maßgeblich am Aufstieg des Portugiesen beteiligt war. Seine Amtszeit in Mailand endete mit dem zweiten Tabellenplatz, zu dem Leão in 34 Spielen neun Tore und zehn Vorlagen beitrug. In der Champions League endete das Turnier erneut in der Gruppenphase und führte anschließend in der Europa League bis ins Viertelfinale.

Im Juli 2024 übernahm Leãos Landsmann Paulo Fonseca das Amt des Cheftrainers, der den mittlerweile 25-jährigen Flügelspieler in der Hinrunde teilweise nur als Ersatzspieler einwechselte, da er mit dessen Leistungen und mangelnder defensiver Mitarbeit nicht einverstanden war. Zeitgleich rutschte der Verein auch ins Mittelfeld der Liga ab. Nach dem erneuten Wechsel auf der Trainerposition zu Sérgio Conceição zum Jahresbeginn 2025 gewann Leão mit dem italienischen Superpokal seinen zweiten Vereinstitel mit den Rossoneri. Zudem gelang der Einzug ins Pokalfinale, das der FC Bologna mit 1:0 gewann. Die Liga beendete die Mannschaft auf einem enttäuschenden achten Tabellenplatz, dem schlechtesten seit 2015. Leão kam in der Liga auf 34 Einsätze und erzielte neun Tore, stand aber nur 25-mal in der Startelf. Neutrainer Massimiliano Allegri stellte das System zur Saison 2025/26 auf eine 3-5-2-Grundordnung um und setzte die beiden etatmäßigen Flügelspieler Leão und Christian Pulisic im Sturmzentrum ein. Der Portugiese konnte in dieser Spielzeit erneut nicht an die Leistungen seiner besten Jahre anknüpfen, war mit neun Toren dennoch Milans bester Torschütze in der Liga. Im Saisonendspurt verspielte die Mannschaft mit sechs Niederlagen aus den letzten zehn Ligaspielen die Qualifikation für die UEFA Champions League und beendete die Spielzeit auf dem fünften Tabellenplatz.

Galatasaray Istanbul Im August 2026 gab Galatasaray Istanbul die Verpflichtung Leãos bekannt. Im Rahmen der Vereinbarung wird eine feste Ablösesumme in Höhe von insgesamt 38 Millionen Euro an den Verein des Spielers gezahlt. Zudem erhält die AC Mailand 20 % des bei einem zukünftigen Weiterverkauf des Spielers erzielten Gewinns. Mit dem Spieler wurde ein Vierjahresvertrag abgeschlossen. Demnach erhält er für jede Saison ein garantiertes Nettogehalt in Höhe von 10 Millionen Euro.

Nationalmannschaft Junioren-Nationalmannschaften Von Oktober 2014 bis Juni 2021 durchlief Leão die verschiedenen Junioren-Nationalmannschaften Portugals. Insgesamt stand er in dieser Zeit bei 61 Länderspielen auf dem Spielfeld und erzielte 14 Tore.

Mit der U17-Auswahl gewann er die U17-Europameisterschaft 2016 im Finale gegen Spanien. Leão kam dabei in fünf der sechs Spiele zum Einsatz, stand allerdings nur einmal in der Startelf. Knapp ein Jahr später scheiterte er mit der U19-Auswahl im Finale der U19-Europameisterschaft 2017 an England. Bei diesem Turnier stand er bei allen fünf Spielen auf dem Fußballplatz und erzielte in der Gruppenphase gegen Schweden ein Tor. Im Mai 2019 verpasste Leão als Stammspieler mit dem U20-Jahrgang in einer Gruppe mit Argentinien, Südafrika und dem späteren Finalisten Südkorea den Einzug in die K.o.-Runde.

Am 10. November 2017, im Alter von nur 18 Jahren, trat Leão sein erstes Länderspiel für die portugiesische U21-Nationalmannschaft an. Er spielte 31 Minuten bei einem 1:1-Unentschieden gegen Rumänien in der Qualifikation zur U21-Europameisterschaft 2019. Die Mannschaft verpasste in den Play-offs gegen Polen den Einzug in die Endrunde, konnte sich aber zwei Jahre später für die U21-Europameisterschaft 2021 qualifizieren. Bei dem Turnier verpasste Leão verletzungsbedingt die Gruppenphase, stand anschließend aber in allen drei K.-o.-Spielen auf dem Spielfeld. Portugal setzte sich dabei gegen Italien und Spanien durch, musste sich im Finale Deutschland jedoch mit 0:1 geschlagen geben. Für Leão war das Finale das letzte Spiel im Trikot einer Juniorennationalmannschaft.

A-Nationalmannschaft mini|300x300px|Leão (rechts) bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026