OLAF (Abkürzung für Organisation zur Lösung der Ausländerfrage) war ein aktivistisches, satirisches Kunstprojekt, das 2010 von Andreas Heusser, Christoph Nüssli und Christoph Oeschger mit dem Ziel lanciert wurde, der rechtspopulistischen Kampagne der Schweizerischen Volkspartei (SVP) zur Ausschaffungsinitiative entgegenzuwirken. Das Projekt bestand aus der Gründung der «Organisation zur Lösung der Ausländerfrage» (OLAF) und einer Reihe von Aktionen, die von den fiktiven Vertretern der Organisation, Alois B. Stocher und seinem Assistenten George Klein, durchgeführt wurden. mini|Alois Stocher, Präsident von OLAF, und sein Assistent George Klein am "Nationalen Sammeltag für Ausländer", Bundesplatz Bern, 2010
Kunst vs. Politik Wie Heusser und Nüssli in einem TV-Interview erklärten, ging es darum, mit den Mitteln der Kunst ein «Gegengewicht zur fremdenfeindlichen, millionenschweren Kampagne» der Schweizerischen Volkspartei zu schaffen.Beissende Ironie: Wie Satiriker auf populistische Kampagnen reagieren, SF-Kulturplatz, 1. Dezember 2010 Methoden wie Überidentifikation, Provokation und Parodie wurden eingesetzt, um die Aufmerksamkeit der Medien zu gewinnen, die als Multiplikatoren des Projekts dienten.
Vordergründig trat OLAF als Partnerorganisation der Schweizerischen Volkspartei (SVP) auf, die mit ihrer Ausschaffungsinitiative alle kriminellen Ausländer automatisch ausweisen wollte. Die Abstimmung wurde von der SVP mit der umstrittenen Schäfchenplakat-Kampagne und einer suggestiven Volksbefragung vorbereitet, die ihr den Vorwurf eintrug, Fremdenfeindlichkeit zu schüren und geltendes Völkerrecht zu verletzen.Hehli, Simon: «Volksbefreiung» kämpft gegen die SVP, Blick, 24. September 2010. OLAF ging noch einen Schritt weiter: Um das Ausländerproblem an der Wurzel packen, sollten nicht nur kriminelle Ausländer abgeschoben werden, so OLAF, sondern alle Ausländer, denn nur Ausländer könnten kriminelle Ausländer werden.Gauthier, Dino: Ohne Ausländer gibt es keine Ausländerkriminalität, WOZ, 30. September 2010.
In zahlreichen Propagandavideos, Broschüren und Postern nahm OLAF Elemente und Argumente der populistischen Kampagne der SVP auf und führte sie ad absurdum. Alois Stocher sammelte schnell Freunde aus dem rechten politischen Spektrum auf Facebook, die das Projekt nicht als Satire durchschauten, sondern sich von Stochers radikalen Ideen begeistert zeigten.Vgl.:
Provokation verbreitet sich im Internet, kampagnenpraxis.de, Report Nr. 31, 1. Dezember 2010
Dieses Gedankengut ist doch bei vielen vorhanden, 20min, 8 October 2010 Die OLAF-Website (volksbefreiung.ch) kopierte die Struktur und Ästhetik der Kampagnen-Website der SVP (volksbefragung.ch). Fotomontagen und mehrdeutige Texte parodierten die Positionen der SVP und brachten die Volkspartei in die Nähe der Nationalsozialisten.Vgl.:
ARD Tagesthemen, 21. November 2010
SF Kulturplatz, 1. Dezember 2010 In der Folge erhielten die Akteure massive Drohungen von Personen sowohl aus dem rechten als auch aus dem linken politischen Lager, die das Projekt und die Charakteren für bare Münze nahmen.Satiriker schockt Schweiz mit OLAF, Vorarlberg Online, 16. November 2010
Volksbefreiung Um die Schweizer Bevölkerung von der Überfremdung zu befreien, bot die Website des OLAF auch ein Online-Formular an, mit dem unerwünschte Ausländer zur Abschiebung vorgeschlagen werden konnten. Man konnte live verfolgen, welche Ausländer die meisten Stimmen erhielten, was in Form von grafischen «Ausschaffungscharts» dargestellt wurde. Die 10 Ausländer mit den meisten Stimmen würden jede Woche direkt ausgeschafft, versprach OLAF.Reding, Philip: Das Gesamtwerk Alois B. Stocher, KEH und OLAF. preding.wordpress.com, 27. Oktober 2010
Nationaler Sammeltag für Ausländer Die Kunstfiguren Alois B. Stocher und George Klein traten auch im realen Leben auf. Höhepunkt der OLAF-Kampagne war der so genannte «Nationale Sammeltag für Ausländer» auf dem Bundesplatz in Bern, wo ein gelber Container installiert wurde, um alle Ausländer einzusammeln und auszuschaffen, die die Schweizer Bevölkerung nicht mehr im Land haben wollte.Vgl.:
Ausländer markieren, sammeln, ausschaffen, BAZ, 4. November 2010 Das Theater um die Politik, NZZ am Sonntag, 7. November 2010 In den Container – und weg, Der Bund, 8. November 2010 Ausländer sammeln auf dem Bundesplatz, Tages-Anzeiger, 4. November 2010 Ausschaffung konkret: Alois Stocher verfrachtet Ausländer in Abschiebe-Container, Radio RaBe, 8. November 2010 Sammeltag für Ausländer – Protest gegen die Ausschaffungsinitiative, Radio Dreyeckland, 10. November 2010 Ausserdem gab es einen Stand mit Informationsmaterial zu OLAF und SVP sowie Armbänder (sortiert nach 5 Kulturkreisen), die zur präventiven Kennzeichnung von Ausländern verwendet wurden.Markieren, sammeln, ausschaffen, 20min, 6. Oktober 2010
Pressekonferenz-Intervention und inszenierte Klage Die Pressekonferenz vom 9. November wurde von der SVP angesetzt, um die Ergebnisse ihrer Volksbefragung zur Stimmungslage gegenüber Ausländern vorzustellen. Als Alois B. Stocher die Bühne betrat, um die Lösungen für die festgestellten Probleme zu präsentieren, wurde er vom Sicherheitspersonal aus dem Saal befördert.Die SVP weiss jetzt, wo der Schuh drückt, Blick, 9. November 2010 Als Ergebnis drohte die SVP mit einer Klage gegen OLAF, wie viele Medien berichteten.vgl.:
Attaques du site Olaf contre l ́UDC: Christoph Mörgeli manque d ́humour, 24heures.ch, 15. November 2010 L ́UDC est en froid avec un site humoristique, 24heures, 15. November 2010 Christoph Mörgeli n ́aime pas l ́humour d ́Olaf, 20min, 15. November 2010 Dies stellte sich jedoch als eine weitere Zeitungsente heraus, die von OLAF inszeniert wurde.vgl. Satire-Figur narrt Medien und Politiker, 20min, 16. November 2010 Gruppe Olaf inszeniert Mörgeli-Klage, Blick am Abend, 15. November 2010
Rezeption Das Projekt erregte grosse Aufmerksamkeit im In- und Ausland.vgl.:
ARD Tagesthemen, 21. November 2010 Black Sheep satire follows posters to limit, Worldradio, 20. November 2010 und wurde in Online-Magazinenvgl.: 3-Phasen-Lösung der Ausländerfrage, swiss-lupe.blogspot.com, 20. August 2010 Linke Lügen aufdecken, chblog.ch, 21. August 2010 Vorsicht OLAF, plapperstorch.de, 21. September 2010 Ausschaffungsinitiative: Ein heisser Kampf steht an, info8.ch, 6. Oktober 2010 Organisation zur Lösung der Ausländerfrage, suite101.de, undatiert Satirische Aktion zur Ausschaffungsinitiative, amtlich.ch, 4. November 2010 Das Neuste von OLAF: Alois B. Stocher gibt Gas, preding.wordpress.com, 27. Oktober 2010 Alois B. Stocher exklusiv im Interview, preding.wordpress.com, 27 October 2010 und Print-Medienvgl.: Weshalb Satire bei Abstimmungs-Kampagnen nicht wirkt, Tagesanzeiger.ch, 9. November 2010 Wahlsatire beeindruckt Schweizer nicht, 20min.ch, 9. November 2010 Politmarketing und Satire, nzz.ch, 10. November 2010 Jeu de rue pour fustiger l ́initiative UDC, Le Matin, 7. November 2010 Initiative discutée, Le Nouvelliste, 8. November 2010 Son humour menace-t-il vrainment l 'UDC, Le Matin, 10. November 2010 Splitter & Späne, Der Landbote, 4. Dezember 2011 kontrovers diskutiert. Die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung zeigte sich jedoch unbeeindruckt und stimmte am 28. November 2010 für die Annahme der Ausschaffungsinitiative der SVP.Swiss vote for deportation of foreigners who commit serious crimes, The Guardian, 29. November 2010
Lange Zeit wurde das Projekt bewusst anonym gehalten, um eine stärkere politische Wirkung zu erzielenDr. Alois Stocher, NZZ am Sonntag, 26. September 2010, bis Andreas Heusser von einer Boulevardzeitung unfreiwillig als Alois Stocher geoutet wurde.Satire-Figur narrt Medien und Politiker, 20min, 16. November 2010
Weblinks Alois B. Stocher bei Facebook Youtube-Kanal von OLAF Webauftritt von Andreas Heusser Webauftritt von Christof Nüssli Webauftritt von Christoph Oeschger
Einzelnachweise
Kategorie:Kunstprojekt Kategorie:Kunstwerk (Performance) Kategorie:Werk der Aktionskunst Kategorie:Kunst (Schweiz) Kategorie:Satire Kategorie:Fiktive Organisation Kategorie:Politische Kunst