Die Einkommensverteilung in Italien betrachtet die personelle Einkommensverteilung der in Italien lebenden Bevölkerung. Die personelle Einkommensverteilung beschreibt, wie das Einkommen einer Volkswirtschaft auf einzelne Personen oder Gruppen (z. B. Privathaushalte) verteilt ist. Bei der Deutung statistischer Daten ist die unterschiedliche Verwendung des Begriffs Einkommen zu beachten, weil dabei zwischen Bruttoeinkommen, Einkünften, zu versteuerndem Einkommen und Nettoeinkommen oder verfügbarem Einkommen unterschieden werden muss.
Für Italien lag der Gini-Index im Jahr 2017 bei 32,7 Punkten, das verfügbare Medianeinkommen bei EUR 16.542. Im Vergleich mit anderen Staaten der Europäischen Union befindet sich das Land damit im oberen Mittelfeld. Das heißt, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind die Einkommen in Italien relativ ungleich verteilt. Das 80/20 Verhältnis betrug im Jahr 2017 auf 5,9, die obersten 20 % in der Einkommensverteilung hielten also in etwa das 6-fache verfügbare Einkommen im Vergleich zu den untersten 20 %. Dieser Wert unterscheidet sich für Männer und Frauen in Italien nur marginal. Im EU-28 Durchschnitt lag das 80/20 Verhältnis mit einem Wert von 5,1 knapp darunter. 2017 waren 20,3 % der italienischen Bevölkerung armutsgefährdet, während es im EU-27 Durchschnitt 16,9 % waren.
Die Einkommensungleichheit in Italien hat eine starke räumliche Dimension. Allgemein ist zu beobachten, je südlicher die Region in Italien gelegen ist, desto niedriger sind die Einkommen und umso höher fällt der Anteil der von Armut und sozialer Ausgrenzung bedrohten Bevölkerung aus. Für die in den großen Städten Italiens lebende Bevölkerung findet man auf Basis der Einkommen ein ähnliches Nord-Süd-Gefälle. Die Armutsgefährdung lag 2017 hingegen in allen großen Städten nur bei 10 %.
Methoden zu Darstellung und Berechnung der Einkommensverteilung
Unterscheidung zwischen Markteinkommen, Sekundäreinkommen, verfügbarem Einkommen und Äquivalenzeinkommen Die Art und Aggregation des Einkommens nimmt eine entscheidende Rolle für die Interpretation und die Vergleichbarkeit der Indikatoren ein. Grundsätzlich werden zwei Einkommensarten unterschieden. Zum einen das Einkommen, das durch die unselbständige- und selbstständige Arbeit zustande kommt, welches als Markteinkommen oder Primäreinkommen bezeichnet wird. Zum anderen kennzeichnet das Einkommen nach Steuern und staatlichen Transfers das sogenannte Sekundäreinkommen. Das Markteinkommen setzt sich aus Einkommen aus Erwerbstätigkeit, Geschäftstätigkeit, Vermietung, Kapital vor Steuern und Abgaben zusammen. Das sekundäre Einkommen berücksichtigt Sozialabgaben, direkte Steuern sowie öffentliche (z. B. Sozialhilfe, Arbeitslosengeld) und private (z. B. Unterhalt) Transfers. Somit ist das Sekundäreinkommen das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte, welches für den privaten Konsum und das private Ersparnis zur Verfügung steht. Der Vergleich zwischen dem Markteinkommen und Sekundäreinkommen gibt Aufschluss über den Umfang der verteilungspolitischen Maßnahmen im Land.
Das Äquivalenzeinkommen ist jenes Einkommen, das jedem Mitglied eines Haushalts, wenn es erwachsen wäre und alleine leben würde, den gleichen (äquivalenten) Lebensstandard ermöglichen würde, den es innerhalb der Haushaltsgemeinschaft hat. Dazu wird das Einkommen des gesamten Haushalts addiert und anschließend mithilfe einer Äquivalenzskala gewichtet. Die Gewichtung richtet sich nach Anzahl und Alter der Personen der Haushaltsgemeinschaft.
Überblick über Einkommensindikatoren mini|Mittelwert und Median der Äquivalenzeinkommen in Italien 1996–2017;bereinigt mittels HVPI (2015 = 100)
Mittelwert und Median Der Mittelwert beschreibt hier den Durchschnitt der Einkommen. Ordnet man die Einkommen nach ihrer Höhe, so entspricht genau jenes Einkommen, welches in der Mitte dieser Verteilung liegt, dem mittleren Einkommen (Median). Grundsätzlich eignet sich der Median besser als der Mittelwert zur Analyse der Einkommensniveaus, da ersterer robuster gegenüber Ausreißern ist. Diese Ausreißer sind hohe Einkommen am oberen Ende der Einkommensverteilung.
Der Median des verfügbaren Äquivalenzeinkommen lag im Jahr 2008 bei EUR 15.640 und stieg bis 2015 auf EUR 15.846. Danach ist ein stärkerer Anstieg zu verzeichnen. Im Jahr 2017 lag es bei EUR 16.542. Einen ähnlichen Verlauf weist auch der Mittelwert des verfügbaren Äquivalenzeinkommens auf, mit nur leichter Steigerung im Zeitraum 2008 bis 2015 (von EUR 17.711 auf 17.890) und einer deutlicheren Steigerung bis 2017 auf EUR 18.714. Vergleicht man den Mittelwert und Median des Äquivalenzeinkommens, so zeichnet sich ein klar höherer Wert für den Mittelwert ab. Das höhere Niveau des Mittelwerts liegt an der für Einkommensdaten typischen Schiefe der Verteilung.
Von 1996 bis 2012 (mit Ausnahme von 2001–2003 wegen einer Datenlücke) sind die realen Äquivalenzeinkommen (Mittelwert und Median inflationsbereinigt mittels HVPI) deutlich höher als die nominellen Äquivalenzeinkommen. In den Jahren 2004–2010 sind deutliche Schwankungen in den realen Äquivalenzeinkommen zu erkennen. Ab 2010 bis 2012 sinkt das das reale Äquivalenzeinkommen.
Einkommensdezile mini|Anteil des zehnten Dezils am nationalen Äquivalenzeinkommen in Italien 2007–2017 Sortiert man Personen aufsteigend nach Einkommen und teilt diese in 10 gleich große Gruppen ein, in jeweils 10 % der Gesamtbevölkerung, so erhält man die Einkommensdezile einer Volkswirtschaft. So wird sichtbar, welchen Anteil ein Dezil (z. B. das zehnte Dezil) am Gesamteinkommen hat. Für die Berechnung wird als Einkommen das verfügbare Äquivalenzeinkommen herangezogen. Im Jahr 2008 verdiente das zehnte Einkommensdezil in Italien 23,8 % des gesamt erwirtschafteten verfügbaren Äquivalenzeinkommens. Dieser Wert stieg bis zum Jahr 2013 auf 24,9 %, sank jedoch bis 2017 wieder auf 24,4 %. Im Jahr 2005 hielten die obersten zehn Prozent der Einkommensverteilung den höchsten Anteil am verfügbaren Einkommen, 25,2 %. Der Anteil der obersten zehn Prozent der Einkommensverteilung in Italien lag in den Jahren 2007 bis 2017 mit Ausnahme der Jahre 2008/09 über jenem der EU-27.
S80/S20 Einkommensquintilsverhältnis Ein anderer Indikator für die Einkommensverteilung ist das S80/S20 Einkommensquintilsverhältnis. Dieses gibt an, in welchem Verhältnis das Einkommen des obersten Quintils, also der obersten 20 % der Einkommensverteilung, zum Einkommen des untersten Quintils steht. Der Faktor betrug in Italien im Jahr 2007 5,4 und stieg bis 2017 auf 5,9. Die obersten 20 % hatten 2017 also in etwa das 6-fache verfügbare Einkommen im Vergleich zu den untersten 20 %. 2017 betrug der Wert des EU-27 Durchschnitt 5,1. In Italien hält das oberste Quintil demnach einen höheren Anteil am verfügbaren Einkommen als der EU-27 Durchschnitt. S80/S20 Einkommensquintilsverhältnis in Italien und EU-2720072008200920102011201220132014201520162017EU-275,05,04,94,95,05,05,05,25,25,25,1Italien5,45,25,35,45,75,65,85,85,86,35,9
Gini-Koeffizient mini|OECD Gini-Koeffizient Italiens vor und nach Abzug der Steuern mini|EUROSTAT Gini-Index Italiens und seiner Nachbarländer (Österreich, Slowenien, Frankreich) und EU-27 Der Gini-Koeffizient liegt zwischen 0 und 1 und ist ein Maß für die Verteilung der Einkommen. Ein Gini-Koeffizient von 0 besagt, dass alle Individuen einer Volkswirtschaft exakt das gleiche Einkommen beziehen. Auf der anderen Seite stellt ein Gini-Koeffizient von 1 die größte Ungleichverteilung dar – eine Person hält das gesamte Einkommen. Der Gini-Koeffizient kann auch auf Basis einer Index-Skala abgebildet werden, dem Gini-Index, welcher zwischen 0 und 100 liegt. Wobei die Interpretation gleich dem Gini-Koeffizienten ist. Ein Wert von 0 bedeutet vollkommene Gleichheit und ein Wert von 100, vollkommene Ungleichheit der Einkommen.
Bei der Betrachtung des Gini-Koeffizienten ist zu beachten, dass die zur Berechnung zugrunde liegenden Daten nicht die Gesamtheit der Bevölkerung beinhalten. Individuen, die im informellen Sektor tätig sind, sowie Obdachlose fallen aus der Erhebung heraus. Des Weiteren macht der Gini-Koeffizient keine Angaben über die absolute Einkommenshöhe der jeweiligen Bevölkerung. Dies bedeutet, dass ein Land mit sehr niedrigen Einkommen zwar eine relativ gleiche Einkommensverteilung (geringer Gini) aufweisen, jedoch trotzdem eine arme Bevölkerung haben kann. In diesem Fall sind alle Personen in diesem Land verhältnismäßig gleich arm.
Ebenso ist beim Umgang mit dem Gini-Koeffizient zu beachten, welche Einkommenskategorie als Berechnungsgrundlage herangezogen wird. Dabei ist zwischen Markteinkommen, Sekundäreinkommen oder verfügbarem Einkommen zu unterscheiden. Der Vergleich zwischen dem Gini-Koeffizienten des Markteinkommens (vor Steuern und Transfers) und des verfügbaren Einkommens (nach Steuern und Transfers) gibt Aufschluss über die Verteilungsmaßnahmen eines Staates. Vergleicht man diese beiden Gini-Koeffizienten, so zeigt sich in Italien für die gesamte Zeitreihe von 2004–2016 ein höherer Gini vor Steuern und Transfers. Der Gini-Koeffizient des Markteinkommens in Italien lag 2004–2016 zwischen 0,49 und 0,52. Im Gegensatz dazu lag der Gini-Koeffizient des verfügbaren Einkommens in der gleichen Zeitspanne durchgehend zwischen 0,32 und 0,33. Hier ist ein deutlich niedrigerer Gini-Koeffizient nach staatlichen Umverteilungsmaßnahmen festzumachen. Das heißt, staatliche Umverteilung schafft eine signifikante Reduktion der Ungleichheit in Italien.
Vergleicht man den Eurostat Gini-Index (auf Basis des verfügbaren Einkommens) Italiens mit dem seiner Nachbarländer, so ist der Gini-Index Italiens im nationalen Vergleich seiner Nachbarländer stets höher. Darüber hinaus lag der Gini-Index der EU-27 Länder im Zeitraum von 2004 bis 2017 kontinuierlich unter jenem von Italien. Die Einkommensungleichheit in der EU war also durchschnittlich geringer als jene in Italien.
Geschlechtsspezifische Einkommensungleichheit
S80/S20 Einkommensquintilverhältnis mini|Verhältnis des Gesamteinkommens der 20 % der Bevölkerung mit dem höchsten Einkommen zum Gesamteinkommen der 20 % der Bevölkerung mit dem niedrigsten Einkommen in Italien, 1995–2017 Bei der Betrachtung des 80/20 Einkommensquintilverhältnisses (wieder auf Basis des verfügbaren Äquivalenzeinkommens) in den Jahren 1995–2017 zwischen den Geschlechtern ist zu erkennen, dass sich dieses Verhältnis für Männer und Frauen auf einem ähnlichen Niveau befindet und sich die Geschlechterunterschiede über den Zeitverlauf nur geringfügig verschieben. Über diesen Zeitraum liegt das 80/20 Einkommensquintilverhältnis für beide Geschlechter bei Werten zwischen 5 und 6,3. Ein Verhältnis von beispielsweise 5 bedeutet, dass die Top 20 % der Bevölkerung in der Einkommensverteilung rund 5 mal so viel Einkommen besitzen wie der Teil der Bevölkerung mit den niedrigsten 20 % der Einkommen. Über den Zeitverlauf hinweg sinkt das 80/20 Einkommensquintilverhältnis vom Beginn im Jahr 1996 bis 2000 kontinuierlich, bis es im Jahr 2000 sowohl für Frauen als auch für Männer, mit einem Verhältnis von jeweils 4,8 die geringste Differenz zwischen den Top 20 % und den niedrigsten 20 % der Einkommen erreicht. Nach 2004 befindet sich das 80/20 Einkommensquintilverhältnis auf einem deutlich höheren Niveau, fällt anschließend allerdings wieder bis etwa 2010. Ab 2010 ist schließlich ein positiver Trend in der Entwicklung des 80/20 Einkommensquintilverhältnis festzustellen, der im Jahr 2016 mit Werten über 6 für beide Geschlechter seinen Höhepunkt erreicht.
Geschlechtsspezifisches Verdienstgefälle mini|Geschlechtsspezifisches Verdienstgefälle (unbereinigt) in der NACE Kategorie Industrie, Baugewerbe und Dienstleistungen (ohne Öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung) in Italien und EU27, 2007–2017