Die Einkommensverteilung in der Schweiz betrachtet die personelle Verteilung der Einkommen in der Schweiz. Bei der Analyse der Einkommensverteilung wird im Allgemeinen zwischen der funktionalen und der hier behandelten personellen Einkommensverteilung unterschieden. Die personelle Einkommensverteilung betrachtet, wie das Einkommen einer Volkswirtschaft auf einzelne Personen oder Gruppen (z. B. Privathaushalte) verteilt ist, und zwar unabhängig davon, aus welchen Einkommensquellen es stammt. Die personelle Verteilung wird von Eurostat meist auf Basis von verfügbaren Äquivalenzeinkommen gemessen. Die aufgelisteten Verteilungsindikatoren stammen von Eurostat. Die Daten für die Schweiz werden im Rahmen der EU-SILC Umfrage vom Bundesamt für Statistik seit 2007 erhoben. Der Gini-Koeffizient als einer der wichtigsten Ungleichheitsindikatoren betrug für die Schweiz im Jahr 2023 31,5. Sie teilte mit Spanien und Italien den 9. Platz bei absteigender Sortierung unter 31 europäischen Ländern inklusive Türkei. Den höchsten Wert hatte die Türkei mit 44,2, den niedrigsten die Slowakei mit 21,6. Der Durchschnitt der Europäischen Union war 29,6. doi:10.2908/tessi190
Verteilungsindikatoren +Verteilungsindikatoren der verfügbaren Äquivalenzeinkommen im Zeitverlauf 2007–2016DurchschnittMedianGini-KoeffizientS80/S20-RatioArmutsgefährdungEinheitSFREURSFREUR% Vielfaches%200750.68932.22643.41427.60130,44,715200852.06431.69444.25826.94231,14,915,7200953.75233.86246.00928.98430,74,815,6201053.21535.24246.30830.66829,64,515201154.01839.13546.65333.79929,74,515201254.93244.56648.45039.30728,84,415,9201356.13146.57049.04440.69028,54,214,52014[b]54.79144.50646.95738.14329,54,413,8201555.17345.42547.99939.51829,64,515,6201654.42150.96147.13144.13429,44,414,7 [b]Zeitreihenbruch (Revision 2014)
+Verteilungsindikatoren der verfügbaren Äquivalenzeinkommen im Zeitverlauf 2017–2023Durchschnitt MedianGini-KoeffizientS80/S20-Ratio doi:10.2908/tespm151Armutsgefährdung doi:10.2908/tessi010EinheitSFREURSFREUR% Vielfaches%201755.01350.46147.68743.74130,14,6315,5201855.14849.60747.81743.01329,74,5014,6201955.00347.62247.65441.25930,64,7516,0202056.33050.63847.89043.05131,24,8915,5202156.78653.04647.90844.75331,44,8714,7202257.63253.30949.08845.40531,14,7915,8202357.92757.65649.56049.32831,54,9416,4
Durchschnitts- und Medianeinkommen Das Medianeinkommen ist das Einkommen, bei dem es genauso viele Menschen mit einem höheren wie mit einem niedrigeren Einkommen gibt. Anders ausgedrückt, bei einer Aufteilung der Bevölkerung nach der Höhe ihres Einkommens in zwei gleich große Gruppen, würde die Person die genau in der Mitte dieser Verteilung steht, das Medianeinkommen beziehen. Das Medianeinkommen kann somit auch als mittleres Einkommen verstanden werden und unterscheidet sich ausdrücklich von der Kennziffer Durchschnittseinkommen, welches das arithmetische Mittel einer Einkommensart bezogen auf die Anzahl der Einkommensbezieher wiedergibt. In der Verteilungsanalyse wird das Medianeinkommen der Kennziffer Durchschnittseinkommen vorgezogen, weil es als robuster gegenüber Ausreißern einer Stichprobe angesehen wird:
mini|288x288px|Abbildung 1. Entwicklung der nominalen und realen Durchschnitts- und Medianeinkommen in der Schweiz 2007–2016 Das reale Einkommen drückt, als ein Indikator für Kaufkraft, die Menge an Konsumgütern aus, die ein Konsument mit einem bestimmten nominalem Einkommen erwerben kann. Die realen Werte werden berechnet, indem die nominalen Einkommen bzw. die nominale Kaufkraft um einen Preisindex (z. B. das Preisniveau für Konsumgüterpreise) bereinigt/dividiert werden. Steigen die Preise der Konsumgüter, dann sinkt das Realeinkommen, weil man mit einem bestimmten Einkommen weniger Güter erwerben kann. Der Median des real verfügbaren Äquivalenzeinkommens misst, wie viel sich eine Person in der Mitte der Einkommensverteilung jährlich leisten kann und ist somit eine wichtige Größe zur Beurteilung des materiellen Wohlstandes.
Zwischen 2007 und 2013 stieg das durchschnittliche nominelle Äquivalenzeinkommen von 50.689 Schweizer Franken auf 56.131 bzw. um 10,7 %. Der Rückgang zwischen 2013 und 2014 ist auf die veränderte Stichprobe zurückzuführen, weswegen die Interpretation über den gesamten Zeitraum schwierig ist. Während das durchschnittliche Einkommen in Schweizer Franken gemessen zwischen 2014 und 2016 leicht rückläufig war, ist es in Euro gemessen durchgehend gestiegen. Dies liegt vor allem an der Veränderung des Wechselkurses. Seit 2007 ist der Kurs Schweizer Franken stark gestiegen, von 1,64 SFR für einen Euro im Jahr 2007 auf 1,09 SFR im Jahr 2016. Von 2017 bis 2023 stieg das Durchschnittseinkommen in Schweizer Franken von 55.013 auf 57.927, mit einem leichten Rückgang 2019; in Euro fiel es zuerst von 50.461 2017 auf 47.622 2019, dann stieg es von 50.638 2020 auf 57.656 2023. Der Wechselkurs des Euro stieg bis 2018 auf 1,15 SFR, fiel dann bis 2023 auf 0,97 SFr. für einen Euro.
Das Medianeinkommen weist in der Schweiz von 2007 bis 2013 einen durchgehend steigenden Trend auf. Auch beim Median muss ebenfalls der Zeitreihenbruch 2013/14 berücksichtigt werden. 2016 lag mit 47.131 Schweizer Franken leicht unter dem Jahr 2015. Die starke Aufwertung des Schweizer Franken lässt sich auch im Medianeinkommen beobachten. Während das Medianeinkommen in Franken im Jahr 2016 gesunken ist, ist es in Euro gemessen stark gestiegen. Reale und nominale Werte sind für den abgebildeten Zeitraum identisch. Von 2017 bis 2023 stieg das Medianeinkommen in Schweizer Franken von 47.687 auf 49.560, mit einem leichten Rückgang 2019; in Euro fiel es von 43.741 2017 auf 41.259 2019, stieg dann bis 2023 auf 49.328.
Gini-Koeffizient mini|286x286px|Abbildung 2. Der Gini-Koeffizient der Schweiz im Vergleich mit Nachbarländern Frankreich und Deutschland sowie mit dem EU-27 Durchschnitt, 2005–2017 Der Gini-Koeffizient ist ein oft verwendetes statistisches Standardmaß zur Messung der Ungleichheit einer Verteilung. Er eignet sich gut für die Bestimmung der Einkommensungleichheit und kann Werte zwischen 0 und 1 annehmen, oder auch 0 und 100, wie in den Statistiken von Eurostat. Je höher der Wert, desto stärker ausgeprägt ist die gemessene Ungleichheit der Einkommen. Beispielsweise bedeutet ein Gini-Koeffizient von 0, dass alle verglichenen Personen genau das gleiche Einkommen haben. Ein Wert von 1 dagegen bedeutet, dass eine Person das gesamte Einkommen erhält und alle anderen nichts. Bei der Interpretation des Gini-Koeffizienten als Verteilungsmaß muss allerdings berücksichtigt werden, dass er Schwächen bei der Messung der Ränder einer Verteilung aufweist. mini|287x287px|Abbildung 3. Gini-Koeffizient nach verfügbaren Einkommen und Markteinkommen in der Schweiz, 2005–2015
Der Gini-Koeffizient der verfügbaren Einkommen in der Schweiz lag im Jahr 2008 knapp über dem durchschnittlichen Wert der EU 27-Länder. Ab diesem Zeitpunkt reduzierte sich der Koeffizient bis zum Minimum im Jahr 2012. Ab diesem Zeitpunkt stagniert der Gini-Koeffizient auf einem Niveau von knapp unter 0,30. Ein Vergleich zu den Nachbarländern Frankreich und Deutschland zeigt ein ähnliches Niveau in allen drei Ländern.
Abbildung 3. gliedert die Gini-Einkommenskoeffizienten nach Markteinkommen und nach verfügbaren Einkommen. Beide Graphen zeigen in der Tendenz einen ähnlichen Verlauf, wobei der Gini-Koeffizient nach Markteinkommen deutlich höher ist. Optisch scheint der Gini-Koeffizient für Markteinkommen ab 2012 etwas stärker anzusteigen als der Gini-Koeffizient der verfügbaren Einkommen. Insgesamt ist die Differenz aus Markteinkommen und den Einkommen nach Steuern und Transfers im Beobachtungszeitraum angestiegen. Dies kann als ein Indiz für eine stärkere Nettoumverteilung interpretiert werden.
2023 lag der Gini-Koeffizient der Schweiz bei 31,5, 1,9 Punkte über dem Durchschnitt der EU (29,6), auch höher als in den Nachbarländern Deutschland (29,4), Oesterreich (28,1) und Frankreich (29,7), aber gleich hoch wie in Italien.
Top 10 % Anteil am Nationaleinkommen mini|287x287px|Abbildung 4. Anteil des oberen Dezils am Gesamteinkommen für die Schweiz und EU-27, 2007–2016 Dieser Indikator beschreibt wie hoch der Anteil des Nationaleinkommens der oberen 10 % ist. Somit zeigt dieser Richtwert wie konzentriert das Einkommen in einer Gesellschaft ist. Zudem wird mit dieser Größe die Ungleichheit greifbarer. Anhand der Abbildung 4. lässt sich zeigen, dass der Anteil der Top 10 % in der Schweiz sehr nahe am EU-27 Durchschnitt liegt. In den Jahren 2014, 2015 und 2016 liegen die Werte für die Schweiz über denen der EU-27. Außerdem scheint die Weltwirtschaftskrise 2008 einen größeren negativen Einfluss auf die Top 10 % Einkommen der Schweiz gehabt zu haben als in den anderen EU-Ländern.
2023 betrug der Anteil der obersten 10 % am Einkommen in der Schweiz 25,5 %, höher als im Durchschnitt der EU (23,4 %), in Deutschland (23,7 %), Frankreich (24,0 %), Italien (24,1 %) und Oesterreich (23,1).
Ungleichheit nach Geschlecht
S80/S20 Einkommensverhältnis nach Geschlechtern Das Einkommensquantilverhältnis ist das Verhältnis des Gesamteinkommens von 20 % der Bevölkerung mit den höchsten Einkommen (oberstes Quintil) zum Gesamteinkommen von den 20 % der Bevölkerung mit den niedrigsten Einkommen (unterstes Quintil). Demnach werden bei diesem Indikator die Haushalte nach der Höhe ihres Einkommens gereiht und in Fünftel(Quintile) eingeteilt. Die Summe der Einkommen aus dem obersten Quintil, dividiert durch die Summe der Einkommen aus dem untersten Quintil, ergibt den Wert für das S80/S20-Verhältnis. Dabei indiziert ein Verhältnis von 3,0, dass die obersten 20 % über dreimal so viel Einkommen verfügen als die untersten 20 %.EuroStat: S80/S20 Einkommensverhältnis nach Geschlecht Je höher der Faktor des Einkommensquintilverhältnisses, desto ausgeprägter ist die Einkommensungleichheit. Als Schwäche des Indikators muss angemerkt werden, dass die Ungleichheit tendenziell unterschätzt wird, da die zugrundeliegenden Daten meist die einkommensreichsten Haushalte nur unzureichend abdecken. mini|290x290px|Abbildung 5. S80/S20 Einkommensquantilverhältnis nach Geschlecht in der Schweiz 2007–2016 In der Periode ab 2008 bis 2013 erfolgte eine Reduktion der S80/S20 Relation sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Grundsätzlich gilt anzunehmen, dass die Ungleichheit bei den Einkommen der Männer in dieser Periode stärker ausgeprägt ist als bei Frauen. Von 2007 bis 2013 erzielten die oberen 20 % der Haushalte im Schnitt 4,6-mal so viel Einkommen wie die unteren 20 % der Einkommensverteilung. Zwischen 2014 und 2016 lag dieser Wert bei 4,4. Die oberen 20 Prozent verdienten in diesen Jahren also im Durchschnitt 4,4-mal so viel wie die unteren 20 %. 2007 bis 2016 ist ein sehr kurzer Zeitraum, der wenig Raum für Aussagen über Entwicklungen dieses Verhältnisses lässt. Doch lässt sich festhalten, dass das Verhältnis in diesen Jahren für beide Geschlechter gesunken ist. Der Verlauf der Graphen für Männer und Frauen ist nur zeitweise parallel und der geschlechterspezifische Abstand der Koeffizienten ist sehr wechselbar.
In den Jahren 2017 bis 2023 schwankte das S80/S20-Verhältnis in der Schweiz insgesamt zwischen 4,50 2018 und 4,94 2023. Bei den Frauen schwankte es zwischen 4,27 2018 und 4,83 2023, bei den Männern zwischen 4,72 2018 und 5,06 2021, 2023 betrug es 5,03. doi:10.2908/tessi180
Der Gender-Pay-Gap mini|292x292px|Abbildung 6. Gender-Pay-Gap in der Schweiz und in EU-27 im Sektor Industrie, Baugewerbe und Dienstleistungen, 2008–2017