Von Kinderlosigkeit wird im Kontext familienpolitischer und bevölkerungspolitischer Diskussionen dann gesprochen, wenn partnerschaftlich, insbesondere ehelich verbundene Paare als statistische Gesamtheit auffällig wenige (vgl. Geburtendefizit) oder wenn viele Einzelne gar keine Kinder haben. Für das Jahr 2024 lag die durchschnittliche Kinderzahl je Frau für die Schweiz bei 1,29, für Österreich bei 1,31 und für Deutschland bei 1,35. Der Anteil der Kinderlosen an den Frauen von 45 bis 49 Jahren lag in Deutschland 2022 bei 20 %.

Kinderlose findet man in der Phase vor der potenziellen Elternschaft, ein Zusammenleben ohne Kinder im Haushalt gibt es in der Phase nach dem Auszug des letzten Kindes aus dem elterlichen Haushalt und es gibt auch dauerhafte Kinderlose.Walter Bien, Hiltrud Bayer, Renate Bauereiß, Clemens Dannenbeck: Die soziale Lage von Kinderlosen. In: Walter Bien (Hrsg.): Familie an der Schwelle zum neuen Jahrtausend. Wandel und Entwicklung familialer Lebensformen. DJI Familiensurvey Bd. 6, Leske und Budrich, Opladen 1996, ISBN 3-8100-1713-2, S. 97–104. Zu unterscheiden sind also Noch-Kinderlose, Eltern ohne Kinder im Haushalt und dauerhaft bzw. lebenslang Kinderlose. Zu unterscheiden sind ferner Menschen, die kein Kind gezeugt bzw. geboren haben (biologisch Kinderlose), und Menschen, die nie ein minderjähriges Kind großgezogen haben (sozial Kinderlose).

Im Falle ungewollter Kinderlosigkeit wird auch von einem unerfüllten Kinderwunsch gesprochen.

Soziologische Einteilung Eine einheitliche Definition gibt es in der soziologischen und psychologischen Fachliteratur nicht. Nach Nave-Herz und Schneewind gibt es eine Gruppe, die aus medizinischen Gründen kinderlos bleibt, unabhängig davon, ob die Ursache organisch oder psychosomatisch bedingt ist, eine zweite Gruppe sind Paare, die sich bewusst gegen eigene Kinder entscheiden, während eine dritte Gruppe trotz Kinderwunsch noch keine Kinder hat. Schneewind fasst in diese Gruppe auch Paare zusammen, die sich prinzipiell für ein Kind entscheiden, aber die Zeugung so lange aufschieben, bis biologische Grenzen entstehen.Rosemarie Nave-Herz: Kinderlose Ehen. Eine empirische Studie über die Lebenssituationen kinderloser Ehepaare und die Gründe für ihre Kinderlosigkeit. Juventa, Weinheim/München 1988, ISBN 3-7799-0688-0Klaus A. Schneewind: Bewußte Kinderlosigkeit: Subjektive Begründungsfaktoren bei jungverheirateten Paaren. In: Bernhard Nauck, Corinna Onnen-Isemann (Hrsg.): Familie im Brennpunkt von Wissenschaft und Forschung. Luchterhand, Neuwied u. a. 1995, ISBN 3-472-02153-5.

Christine CarlChristine Carl: Leben ohne Kinder. Wenn Frauen keine Mütter sein wollen. Rowohlt, Reinbek 2002, ISBN 3-499-61384-0 unterscheidet drei Typen von Frauen, die lebenslang kinderlos bleiben: Frühentscheiderinnen („early articulators“): Diese Gruppe trifft die Entscheidung gegen Kinder bereits sehr früh (bis Mitte 20) und zudem alleine, also nicht innerhalb einer Partnerschaft Spätentscheiderinnen: Diese Gruppe trifft die Entscheidung gegen Kinder partnerschaftlich und zu einem späten Zeitpunkt (ab Mitte 30), also „vor dem Ablaufen der biologischen Uhr“. Während die Frühentscheiderinnen keinen selbstverständlichen Kinderwunsch artikulieren, ist für diese Gruppe der Kinderwunsch selbstverständlich. Aufschieberinnen („postponers“): Die letzte Gruppe trifft keine explizite Entscheidung für ein Leben ohne Kinder, d. h. sie „bleiben letztlich aufgrund äußerer Gründe (Operationen, medizinische Gründe oder Menopause) definitiv kinderlos.“ Diese Gruppe hat entweder den „richtigen Zeitpunkt“ verpasst oder keinen geeigneten Vater gefunden.Drei Gruppen gewollt Kinderloser. Single-Generation.de

Männer schieben eine Elternschaft durchschnittlich jedoch länger auf als Frauen. Zudem gibt in Befragungen ein höherer Anteil an Männern als Frauen an, kinderlos zu sein. In der Kohortenfolge zeigt sich ein immer deutlicherer Aufschub der Familiengründung und eine steigende Prävalenz dauerhafter Kinderlosigkeit. Unter den Frauen findet sich mit höherem Bildungsniveau ein höherer Anteil an Kinderlosen, wohingegen bei Männern der höchste Anteil an Kinderlosen in der Gruppe der Personen mit niedrigen Bildungsabschlüssen liegt.Christian Schmitt, Ulrike Winkelmann: Wer bleibt kinderlos? Sozialstrukturelle Daten zur Kinderlosigkeit von Frauen und Männern. (PDF; 290 kB) Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e. V., 2005.

Einer Milieustudie der Bundesregierung zufolge ist besonders die Mittel- und Oberschicht von Kinderlosigkeit betroffen. Dazu gehören v. a. Bürger, die Karriere und Individualität großen Wert beimessen. Bevölkerungsschichten, die eher konservativ oder hedonistisch geprägt sind, der bürgerlichen Mitte oder benachteiligten Milieus zuzuordnen sind, sind seltener ungewollt kinderlos.Ungewollte Kinderlosigkeit. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Paderborn 2015, S. 23.

Lage in Deutschland Statistische Erhebungen Die Kinderlosigkeit von Männern wird im Allgemeinen statistisch nicht erhoben. Auch beim Mikrozensus werden Männer nicht danach gefragt, ob sie Kinder gezeugt haben und wie viele. +Kinderlosigkeit von Frauen bestimmter GeburtsjahrgängeDirk Konietzka · Michaela Kreyenfeld (Hrsg.) - Ein Leben ohne Kinder - Kinderlosigkeit in Deutschland - Verlag für Sozialwissenschaften - GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007 - ISBN 978-3-531-14933-2spaltenweise ähnliche Erhebungsart, vergleichbare Zahlen KohorteGeburts-Jahrgänge Volkszählung 1970, nur deutsche Frauen, nur ehelich geborene Kinder, wiedergegeben nach Kreyenfeld Seite 27, Tabelle 5 Dorbritz, Jürgen; Schwarz, Karl 1996: Kinderlosigkeit in Deutschland – ein Massenphänomen? Analysen zu Erscheinungsformen und Ursachen. In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 21,3: 231-261 SOEP 2005, Für Kohorten 1900-39 basierend auf den Substichproben A und B des SOEP mit Gewichtungsfaktor bphrf. Für Kohorten 1940-59 Frauen der Substichproben A, B, D-F, die im Jahr 2005 in den westlichen Bundesländern lebten mit Gewichtungsfaktor vphrf. wiedergegeben nach Kreyenfeld Seite 28, Tabelle 6 Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwis- senschaften (ALLBUS) 2000, 2002, 2004, Daten gepoolt, Frauen über 40, Westdeutschland, Stief- und Adoptivkinder sind nicht berücksichtigt, wiedergegeben nach Kreyenfeld Seite 28, Tabelle 6 DJI-Familiensurvey 2000, Panelpopulation ausgeschlossen, Gewichtungsfaktor hr_hs, wiedergegeben nach Kreyenfeld Seite 28, Tabelle 6 Fertility and Family Survey 1992, deutschen Frauen, die im Jahr 1992 38-39 Jahre alt waren, wiedergegeben nach Kreyenfeld Seite 28, Tabelle 6WestMikrozensus, kinderloser Frauen im Alter 38-39, Westdeutschland, Mikrozensus 1973-1991: Die Berechnungen beziehen sich auf Personen in Privathaushalten am Hauptwohnsitz der Familie. Die Zahl der Kinder wurde aus der Summe der Kinder in der Familie generiert.Mikrozensus 1996-2004: Die Berechnungen beziehen sich auf Personen in Privathaushalten am Hauptwohnsitz der Lebensgemeinschaft. Die Zahl der Kinder wurde als Summe der Kinder in der Lebensgemeinschaft berechnet.OstMikrozensus, kinderloser Frauen im Alter 38-39, OstdeutschlandGes.Mikrozensus 2008, Deutschland, alle geborenen Kinder 1895–1904 33 % 1900–1909 20 % 1901–1905 26 % 1905–1909 33 % 1910–1914 28 % 1910–1919 19 % 1915–1919 25 % 1919–1921 17 % 1920–1924 25 % 16 % 23 % 1925–1929 25 % 18 % 23 % 1930–1934 22 % 18 % 11 % 1934–1935 16 % 1935–1939 18 % 12 % 13 % 1937–1938 15 % 1939–1940 10 % 1940–1944 13 % 16 % 12 % 1946–1947 16 % 1950–1954 17 % 14 % 14 % 23 % 16 % 1951–1952 22 % 10 % 1955–1959 19 % 17 % 18 % 1957–1958 24 % 8 % 1960–1964 21 % 1961–1962 25 % 10 % 1965–1966 26 % 14 %

Die Geburtenstatistik als amtliche Statistik reicht nicht zur Abschätzung der tatsächlichen Kinderlosigkeit aus, da die Geburtenfolge für Geburten vor 2008 nur für bestehende Ehen erfasst werden. Kinder, die außerhalb von Ehen geboren werden, tauchten bis 2008 in der Statistik nicht auf. Da keine amtlichen Daten zur Kinderlosigkeit in Deutschland vorliegen, muss auf Schätzungen des Mikrozensus und des Sozio-oekonomischen Panels zurückgegriffen werden.Institut für Wirtschaftsforschung e. V.: Beate Grundig: Kinderlose Frauen vs. Frauen ohne Kinder: Zum Problem der Messung der Kinderlosigkeit in Deutschland. In: ifo Dresden berichtet. 5/2006 (PDF 91 kB).

Aus dem 2011 veröffentlichten Bericht des Statistisches Bundesamt mit dem Titel Wie leben Kinder in Deutschland? geht hervor, dass in keinem EU-Mitgliedstaat der Anteil Minderjähriger so niedrig ist wie in Deutschland; nur noch 16,5 % der über 81 Millionen Einwohner waren jünger als 18 Jahre..

Mikrozensus Die meisten zitierten Daten über das Ausmaß der Kinderlosigkeit in Deutschland beruhen auf dem Mikrozensus. Der Mikrozensus ist eine repräsentative Befragung der Statistischen Landesämter zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Bevölkerung. Insgesamt werden 1 % aller Haushalte in Deutschland befragt, d. h. rund 370.000 Haushalte, in denen wiederum rund 820.000 Personen leben.

Bis 2007 Im Mikrozensus wurde bis 2007 nicht nach den geborenen Kindern einer Frau gefragt, sondern nur nach der Zahl der im Haushalt lebenden minderjährigen ledigen Kinder. Hierbei wird nicht zwischen leiblichen Kindern, Stief-, Adoptiv- und Pflegekindern unterschieden. Als kinderlos gelten dabei nach der Definition des Mikrozensus folgende Frauen: Frauen, die (noch) keine Kinder haben; Frauen, deren Kinder den elterlichen Haushalt bereits verlassen haben; Frauen, deren Kinder nicht im mütterlichen Haushalt leben; Frauen, deren Kinder noch im Haushalt leben, die aber nicht mehr ledig sind; Frauen, deren Kinder noch im Haushalt leben, die aber bereits volljährig sind.

Nur bei Frauen, die (noch) keine Kinder haben (Fall 1), liegt aber eine wirkliche Kinderlosigkeit vor.

Die so entstandenen Daten wurden von Kreyenfeld, Expertin am Max-Planck-Institut für Demographie in Rostock als „im europäischen Vergleich einzigartig unzuverlässig“ bezeichnet.Nicole Auferkorthe-Michaelis, Sigrid Metz-Göckel, Jutta Wergen, Annette Klein: Junge Elternschaft und Wissenschaftskarriere. (PDF; 350 kB) Zeit Online, S. 1, Uni Dortmund – Hochschuldidaktisches Zentrum; abgerufen am 11. März 2008.

Ab 2008

+ Kinderlosigkeit 2008 AlterFrau D West Ost 40–44 21 % 50–54 16 % 60–64 12 % 40–75 16 % 8 % 35–39 28 % 16 %

Im Jahr 2008 wurde im Mikrozensus erstmals die Frage nach den geborenen Kindern erhoben. Sie wird zukünftig regelmäßig im Abstand von vier Jahren allen Frauen im Alter von 15 bis 75 Jahren gestellt.Statistisches Bundesamt Deutschland: Neue Daten zu Kinderlosigkeit und Geburten. Pressemitteilung Nr. 470 vom 9. Dezember 2008.

Der Mikrozensus 2008Die Welt: Studie: Immer mehr deutsche Frauen bleiben kinderlos. 29. Juli 2009. brachte die folgenden Ergebnisse: Insgesamt waren 2008 unter den 40- bis 44-jährigen Frauen 21 % kinderlos, der Anteil bei den 50- bis 54-Jährigen lag bei 16 %. Unter den 60 bis 64 Jahre alten Frauen hatten 12 % keine Kinder geboren. In Ostdeutschland gibt es deutlich weniger kinderlose Frauen als im Westen. Unter den 40- bis 75-Jährigen im Westen haben 16 % keine Kinder, im Osten sind es 8 %. Bei den 35- bis 39-Jährigen haben im Westen bisher 28 % keinen Nachwuchs, im Osten lediglich 16 %. In Westdeutschland besteht ein Zusammenhang zwischen Bildungsstand und Kinderlosigkeit. 26 % der Frauen mit hoher Bildung haben keine Kinder, bei mittlerer Bildung liegt der Anteil bei 16 % und bei Frauen mit niedriger Bildung bei 11 %. Unter den westdeutschen Akademikerinnen zwischen 40 und 75 Jahren haben 28 % keine Kinder, bei den Ostdeutschen mit akademischen Grad nur 11 %. Von allen 25- bis 39-jährigen Frauen waren 2008 83 % der Ehefrauen auch Mütter. Unter den Geschiedenen, getrennt Lebenden oder verwitweten Frauen betrug der Mütteranteil 79 %. Unter den nicht verheirateten, aber in einer Lebenspartnerschaft lebenden Frauen waren 36 % Mütter. Unter den ledigen Frauen haben 15 % Kinder auf die Welt gebracht.