alternativtext=|mini|MPG für G3 und G36 (aufschraubbar) mini|MPG auf einer GUU-5/P, ein CAR-15-Derivat der US Air Force im Einsatz mini|M4 mit MPG beim Feuern Das Manöverpatronengerät (in der BRD kurz offiziell ManPatrGer, im Soldatenjargon auch einfach MPG oder ManPat), in Österreich Knallpatronengerät (kurz K-Gerät), ist ein Gewehrmündungsaufsatz für Übungseinsätze, der vor allem im militärischen Bereich bei der Verwendung von Platzpatronen benutzt wird. Je nach Waffe wird entweder der Rückstoßverstärker (z. B. beim Maschinengewehr MG3) oder der Mündungsfeuerdämpfer durch das Manöverpatronengerät ersetzt (z. B. bei den Sturmgewehren G3 und G36) oder in den Mündungsfeuerdämpfer eingeschraubt (z. B. bei den Gewehren Steyr AUG und M16).
Grundlagen Bei Manövern ist für Übungen von Gefechtssituationen die Verwendung scharfer Munition ausgeschlossen. Aus diesem Grund werden Platzpatronen mit Treibladung, aber ohne Projektil verwendet. Diese Platzpatronen werden im militärischen Sprachgebrauch als „Manövermunition“ bezeichnet. Beim Österreichischen Bundesheer sind es blaue Kunststoffpatronen welche als sog. K-Patronen bezeichnet werden.
Einsatz bei Gasdruckladern Bei Gasdruckladern dichtet das Geschoss einer scharfen Patrone beim Schuss vorübergehend den Lauf nach vorne ab. So kann sich ein Gasdruck aufbauen, der einerseits das Geschoss aus dem Lauf treibt und andererseits den Verschluss direkt oder indirekt nach hinten bewegt, um das Nachladen zu bewerkstelligen. Da Manövermunition kein Geschoss hat, wird der Lauf nicht verschlossen, und der für die ordnungsgemäße Funktion erforderliche Gasdruck kann sich nicht aufbauen. Die nötige Abdichtfunktion wird durch eine Verengung der Laufmündung erreicht.
Diese Aufgabe übernimmt die im aufgeschraubten Manöverpatronengerät einstellbare Drosselung des Gasaustritts aus dem Lauf. Bei nicht regelbaren Manövergeräten kann dies auch durch die Regelung am Gasdruckregler der Waffe geschehenPeter Dannecker: Verschlusssysteme von Feuerwaffen. dwj Verlags-GmbH, Blaufelden 2009, ISBN 978-3-936632-20-0, S. 468–469. Der für die Funktion nötige Gasdruck kann so wieder indirekt über das Gassystem oder direkt auf den Verschluss der Waffe wirken. Den Manöverpatronengeräten an Gasdruckladern ist gemein, dass sie nahe der Mündung der Waffe befestigt werden.
Einsatz bei Rückstoßladern Bei Rückstoßladern führen Platzpatronen zur Funktionslosigkeit, da für die Bewegung der Rohr-Verschlusskörpergruppe oder des gesamten Waffengehäuses der Bewegungsimpuls des Geschosses fehlt. Durch die fehlende Geschossbewegung ist kein Rückstoß vorhanden. Aus diesem Grund ist die Konzeption eines Manövergeräten bei diesen Waffen schwierig, da man sie von Rückstoßbetrieb auf Gasdruckbetrieb umarbeiten muss.
Am einfachsten ist die Umsetzung bei Waffen, welche über einen Rückstoßverstärker verfügen und somit bereits zum Teil als Gasdrucklader arbeiten. Hier muss lediglich ein stärkerer Gasstau herbeigeführt werden, welche auf die Rohrkrone drückt und damit das Rohr der Waffe zu einer Art Gaskolben umfunktioniert.
Bei Rückstoßladern mit beweglichen Läufen, die von sich aus keinen Rückstoßverstärker besitzen, muss ein solcher nachgerüstet werden. Dabei muss das Manövergerät, im Gegensatz zu seinem Gegenstück bei Gasdruckladern, am Gehäuse befestigt sein. Dies ist nötig, damit sich der Lauf einer Langwaffe vom Gehäuse, oder vom Griffstück einer Pistole, abstoßen und zurücklaufen kann. Auch hier wird der Lauf zum ersatzweißen GaskolbenEdward Clinton Ezell, Thomas M. Pegg: Small Arms of the World, Ausgabe 12, Verlag Barnes & Noble, 1993, ISBN 0880296011, S. 190.
Reine Rückstoßlader, welche den Rücklauf des gesamten Waffengehäuses für die Funktion benötigen, können nicht mit Manöverpatronen betrieben werden. Hier muss eine Umarbeitung von formschlüssig statischer zu karftschlüssig dynamischer Verriegelung erfolgen. Dadurch erhalten sie die funktionsweise eines Gasdruckladers und können mit Laufverengungen betrieben werden. Beliebt ist die Methode bei Filmwaffen, bei denen ein sichtbares Manövergerät an der Mündung das Bild stören würde.
Drosselung des Gasdrucks Die Drosselung des Gasausstoßes vieler Manöverpatronengeräte (z. B. für das G3 oder das G36) kann mit einem Werkzeug eingestellt werden. Im Manöver-Betrieb kann die korrekte Funktion nicht immer vorausgesetzt werden, da die notwendige Gasdruck-Justierung (abhängig auch vom Gewehr) häufig unterbleibt. Die Folge können Patronenklemmer beim Auswerfvorgang durch zu niedrigen Gasdruck im Lauf und somit Dauerfeuer-Versager bei der Schussabgabe sein.
Aus Sicherheitsgründen muss ein Manöverpatronengerät auch in der Lage sein, das Projektil einer eventuell irrtümlich unter die Manöverpatronen geratenen scharfen Patrone aufzufangen und zu verhindern, dass so unbeabsichtigt im Manöver ein scharfer Schuss abgegeben werden kann. Da die meisten modernen Ordonnanzwaffen vollautomatisch sind, muss ein Manöverpatronengerät sogar mehrere Projektile auffangen und zurückhalten können.
Weblinks
Auszug aus Der Reibert, dem Handbuch für den deutschen Soldaten, Teil C, S. 36–44 Auszug aus der Zentralrichtlinie A2-2090/0-0-1 (ehemals II-Besondere-Bestimmungen-fur-die-Verwendung-von-Manovermunition ZDv 44/10 „Schießsicherheit“) Verschiedene Manöverpatronengeräte der Firma Heckler & Koch
Literatur Thomas Enke: Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik. Walhalla Fachverlag, 4., aktualisierte Auflage, Regensburg, 2023, ISBN 978-3-8029-6198-4, S. 174 f.
Einzelnachweise
Kategorie:Komponente (Waffentechnik)