mini|thumbtime=29:00.1|Ein Schnellkäfer (Agrypnus murinus) „schnellt“ mini|Schnellkäfer auf dem Rücken. Der „Schnellmechanismus“ mit dem Haken ist gut zu erkennen mini|Schnellkäfer auf einem Ast
Die Schnellkäfer (Elateridae) sind eine Familie der Käfer innerhalb der Überfamilie Elateroidea. Weltweit sind knapp 10.000 Arten in mehr als 400 Gattungen bekannt. Das äußere Erscheinungsbild der Schnellkäfer ist sehr einheitlich. Charakteristisch ist ihre namensgebende Fähigkeit, sich mit Hilfe eines Sprungapparates selbst in die Luft zu katapultieren. Beim Hochschnellen ist ein knipsendes Geräusch zu hören, weswegen diese Käferfamilie im Englischen unter anderem auch „click beetles“ genannt wird. Die Larven leben grabend im Boden, in der Bodenstreu oder in Totholz, einige als Mitbewohner (Inquilinen) in Termitennestern. Sie ernähren sich saprophag, phytophag oder räuberisch. Einige Arten – beispielsweise die Drahtwürmer des Saatschnellkäfers – fressen an Wurzeln von Nutzpflanzen und sind als Agrarschädlinge bekannt.
Merkmale Käfer Die Käfer sind 0,9 bis 75 Millimeter lang. Ihr Körper ist mäßig bis sehr langgestreckt und 1,7 bis 5,2 Mal länger als breit. In der Regel sind die Körperseiten parallelrandig, wobei die Deckflügel (Elytren) an der Basis etwas verbreitert und an ihren Spitzen abgestutzt sind. Der Prothorax ist bei vielen Arten deutlich seitlich gekrümmt und hat am Anschluss an die Deckflügel seine schmalste Stelle. Die Käfer sind etwas abgeflacht bis am Rücken und den Seiten mäßig gekrümmt. Sie sind entweder unbehaart oder beflaumt. In der Regel unterscheiden sich Männchen und Weibchen nicht in ihrem Aussehen, bei manchen Arten sind die Weibchen jedoch größer, ihr Körper ist stärker konvex und hat stärker gekrümmte Seiten. Auch die Punktierung kann unterschiedlich sein.
Die Mundwerkzeuge sind nach vorne (prognath) bis mäßig stark nach unten gerichtet. Die Frontalregion am Kopf ist sehr variabel ausgebildet. Die Facettenaugen sind ungeteilt und häufig groß und hervortretend. Bei den Weibchen sind sie häufig kleiner. Sie sind unbehaart und fein facettiert; die Ommatidien sind exokon. Die Einlenkungen der Fühler sind mäßig bis weit voneinander getrennt. Sie sind von oben betrachtet sichtbar oder verdeckt. Bei manchen Arten sind sie erhöht oder befinden sich in schüsselförmigen Eindellungen. Die Fühler sind in der Regel 11-gliedrig, bei einigen Gattungen und Tribus haben sie jedoch 12 Glieder. Sie sind bei den meisten Arten fadenförmig oder gesägt, bei manchen Arten sind sie gefiedert, doppelt gefiedert oder lamellenförmig, wobei dann die Lamellen am dritten oder vierten Fühlerglied beginnen. Der Scapus ist meist viel länger als der Pedicellus. Bei den Arten mit lamellenförmigen Fühlern sind diese meist nur bei den Männchen so ausgebildet, wohingegen die Weibchen dann gesägte oder gefiederte Fühler haben. Die Mandibeln sind von kurz bis breit bis zu lang und schmal sichelförmig ausgebildet. An ihrer Basis befindet sich häufig eine Bürste aus Haaren.
Der Prothorax ist etwa 0,4 bis 1,35 mal so lang wie breit und in der Regel hinten am breitesten. Die Seiten sind mehr oder weniger bogenförmig, bei manchen Arten aber auch gerade oder nur vorne gekrümmt. Die vorderen Winkel sind abgerundet, abgestutzt oder leicht nach vorne gerichtet. Hinten sind sie mehr oder weniger spitz zulaufend und nicht selten stark nach hinten (posterior) oder seitlich nach hinten (posterolateral) verlängert. Sie sind häufig auch gerillt, wobei die Rillen manchmal bis auf die Scheibe des Pronotums reichen oder selten auch sublateral weiterlaufen. Der Hinterrand des Pronotums ist in der Regel deutlich gebogen oder mit unterschiedlich gekrümmten Rand. Der Prosternalfortsatz ist vollständig ausgebildet und hat parallele Seitenränder oder ist an der Spitze verjüngt. Er reicht in der Regel deutlich hinter die Hüften (Coxen) der Vorderbeine. Er ist leicht bist stark gekrümmt oder abrupt hinter den Hüften erhöht und passt in eine Einbuchtung am Mesoventrit. Die Einbuchtung ist mäßig bis sehr lang und tief, gelegentlich auch flach. Sie trägt ein Widerlager, in das der Prosternalfortsatz einrastet, um den Klickmechanismus auszulösen. Das Schildchen (Scutellum) ist gut entwickelt, bei manchen Arten abrupt erhöht. Die Deckflügel sind in der Regel zumindest doppelt so lang wie gemeinsam breit und zwei bis sechs Mal länger als das Pronotum. Sie tragen für gewöhnlich neun deutliche Punktreihen oder Streifen. Manche Arten sind unregelmäßig punktiert. Die Spitzen der Deckflügel bilden in der Regel eine gemeinsame Abrundung, bei manchen Arten sind sie aber jede für sich abgerundet, laufen spitz zu oder haben apikal Dorne. Es gibt auch Arten, bei denen der Apex der Deckflügel verkürzt ist, sodass die apikalen Tergite des Hinterleibs sichtbar sind, wie etwa bei den Weibchen mancher Arten der Cebrioninae. Die Hinterflügel sind bei fast allen Arten gut entwickelt. Nur bei wenigen Gruppen besitzen die Weibchen keine oder zurückgebildete Hinterflügel. Sie sind normalerweise 2,5 bis 3,5 Mal so lang wie breit. Die Radialzelle ist meist gut entwickelt und langgestreckt. Alle drei Beinpaare haben fünf Tarsenglieder. Sie sind meist einfach gebaut, bei manchen Arten tragen sie an der Unterseite behaarte Bereiche oder am vorletzten oder an mehreren Tarsengliedern membranöse Lamellen.
Der Hinterleib hat meist fünf Ventrite, nur bei den Cebrionini und Aplastini gibt es Arten, die sechs oder sieben besitzen. Die ersten vier sind meist verwachsen. Funktionale Stigmen befinden sich am achten Hinterleibssegment und am dritten bis siebten Hinterleibssegment in den Pleuralmembranen. Das neunte Tergit ist abgestutzt bis tief eingebuchtet oder fast vollständig in zwei Teile getrennt. Das zehnte Tergit ist in der Regel gut entwickelt und liegt frei. Nur selten ist es teilweise mit dem neunten verwachsen oder vollständig membranös.
Larve Die Larven werden 10 bis 60 Millimeter lang. Der Körper ist nahezu bei allen Arten langgestreckt und hat mehr oder weniger parallele Seitenränder. Er ist abgeflacht bis mehr oder weniger zylindrisch im Querschnitt. Bei den Tetralobini und Thylacosterninae ist der Körper breiter und madenförmig. Die Körperober- und Unterseite ist ähnlich dunkel oder hell pigmentiert. Bei hell pigmentierten Arten ist die Kopfkapsel und das neunte Tergum dunkel pigmentiert, die dorsale Körperseite ist außerdem dunkler als die ventrale oder die dorsale Oberfläche ist dunkel und hell gemustert. Die Cuticula ist in der Regel glatt, bei manchen Arten sind Tuberkel, schräge Rillen oder Bereiche mit speziellen Setae ausgebildet. Der Körper ist in der Regel fein behaart oder nur beflaumt. Bei den Tetralobini tritt dichter Bewuchs mit langen Haaren auf. Der Kopf ist in der Regel nach vorne oder leicht nach unten gerichtet, bei den Cebrionini und Aplastini ist er stark nach unten gewinkelt. Er ist mehr oder weniger abgeflacht, bei den Cebrionini und Aplastini ist er jedoch kugelig. Punktaugen (Stemmata) fehlen häufig, bei manchen Gruppen ist nur ein einzelnes Punktauge ausgebildet. Das Labrum ist vollständig mit dem Vorderrand der Frontoclypealplatte verwachsen und ist bei vielen Arten mittig stark nasenförmig ausgezogen. Die dreigliedrigen Fühler sind mäßig lang. Die Mandibeln sind symmetrisch. Sie sind in der Regel entweder schmal und sichelförmig, basal breit und schmal an der Spitze oder gedrungen und keilförmig. Sie haben ein bis drei Zähne. Die Maxillarpalpen sind viergliedrig, die Labialpalpen zweigliedrig.
Der Prothorax ist außer bei den Cebrionini und Aplastini nicht länger als der Meso- und Metathorax zusammen. Die Ventralseite des Prothorax trägt meist eine große, annähernd dreieckige Platte, die bei manchen Arten mittig geteilt ist und an die selten vorne ein kleines weiteres Sklerit angrenzt. Die anderen beiden Thoraxsegmente haben häufig keine deutlichen Platten an der Bauchseite. Die Beine sind meist gut entwickelt und entweder schlank oder stämmig. Sie tragen feine Setae oder kurze, kräftige Dornen. Inklusive des klauenförmigem Prätarsus sind sie meist fünfgliedrig und haben zwei Setae am Prätarsus. Bei den Thylacosterninae sind sie zurückgebildet, viergliedrig und haben keine Setae an den Klauen.
Die Terga des Hinterleibs sind bei vielen Arten einfach und sind fein behaart. Das neunte Hinterleibssegment ist ohne die Hinterleibsanhänge in der Regel kürzer oder nur etwas länger als das achte Segment, bildet keine bewegliche Platte und reicht immer auf die ventrale Seite, sodass das zehnte Segment ventral oder posteroventral orientiert ist. Bei den Cebrionini und Aplastini ist das neunte Segment hingegen viel länger. Das neunte Tergum ist sehr variabel und trägt häufig paarweise doppelt gegabelte Urogomphi. Das neunte Sternum ist immer teilweise oder vollständig frei, nur bei den Cebrionini und Aplastini ist es verdeckt. Es ist einfach oder manchmal U-förmig mit Hörnern oder Zähnen an den Seiten der Spitzen. Es ist nicht vom achten Sternum umschlossen. Das zehnte Segment bildet häufig einen kurzen, im Querschnitt zylindrischen Pygopod, der bei vielen Agrypninae von paarweise angeordneten Zähnen oder Haken flankiert wird. Bei den Cardiophorinae sind paarweise angeordnete, mäßig lange Pygopoden ausgebildet.
Schnellkäferlarven sind meist gut bis zur Gattungsebene bestimmbar, die Art ist jedoch meist erst durch das Durchzüchten bis zum adulten Käfer bestimmbar.
Puppe Die Puppe ist cremefarben oder weißlich-cremefarben gefärbt. Der Körper ist glatt oder trägt kurze oder lange Härchen oder Setae. Der Kopf ist von oben betrachtet mehr oder weniger vom Pronotum verdeckt. Die kleinen Augen sind von unten betrachtet teilweise von den Fühlern verdeckt. Die Mundwerkzeuge sind von dort gut sichtbar. Die Fühler liegen parallel auf der Ventralseite der Seiten des Prothorax. Das große Pronotum ist variabel ausgebildet. Bei manchen Arten ist ein Paar Vorsprünge und Setae in der Regel am Vorderrand und/oder nahe der Mitte oder an den Spitzen des Hinterrandes ausgebildet. Die Beine liegen frei und sind von der Bauchseite gesehen sichtbar. Das hintere Beinpaar ist fast vollständig von den Flügelscheiden bedeckt, lediglich die distalen Segmente der Tarsen sind sichtbar und ragen bis hinter das dritte oder vierte Ventrit. Der Hinterleib hat neun sichtbare Tergite und sieben oder acht sichtbare Sternite. Das neunte Tergit trägt bei manchen Arten paarige Anhängsel, die an die Urogomphi der Larven erinnern oder hat eine variable Ornamentierung. Die Tracheen des ersten bis siebten Segments befinden sich in den Pleuralmembranen und sind bei manchen Arten von oben aus betrachtet zu erkennen.
Vorkommen