mini|Reenactor mit Kavalleristen-Ausstattung. Der Brustgurt des Pferdes ist mit Riemenverteilern, perlenartigen Beschlägen, und Anhängern ausgestattet. Als Pferdegeschirr wird in der (provinzial-)römischen Archäologie die Ausrüstung römischer Kavallerieeinheiten bezeichnet, mit der der Reiter sein Pferd ausstattet. Dazu gehören neben den funktionalen Teilen wie Sattel und Zaumzeug auch zahlreiche dekorative bzw. dekorativ verzierte Elemente.

Geschichtlicher Überblick mini|Grabstein eines römischen Kavalleristen. Gut erkennbar sind Brust- und Schweifgurt des Geschirrs, die mit scheibenförmigen Phalerae ausgestattet sind. Datierung: 2. Hälfte 1. Jh. Fundort: Köln. In der republikanischen Zeit besaß die römische Armee keine eigenen Kavallerie-Einheiten. Für den Kampf zu Pferde griff man in dieser Phase auf die Truppen verbündeter Reitervölker zurück. Mit der beginnenden Kaiserzeit wurden die Reitereinheiten, Alae genannt, ein fester Bestandteil der römischen Truppen. Eine Ala bestand in der Regel aus 500 Reitern (ala quingenaria), in seltenen Fällen aus 1000 Reitern (ala milliaria).

Wegen ihrer hohen Beweglichkeit wurden sie vor allem zur Sicherung der Grenzen eingesetzt. Im Kampf auf dem Feld hatten sie durch ihre hoch aufragende Erscheinung und die schiere Kraft der Tiere zweifellos eine einschüchternde Wirkung auf den Feind.

Darstellung Um die jeweiligen Rüstungsteile des römischen Militärs richtig zuordnen zu können, ist es von Vorteil, auf erhaltene Bildquellen zurückgreifen zu können. Für die Rhein-Provinzen sind es insbesondere die Darstellungen auf Reitergrabsteinen, die bei der Rekonstruktion des Pferdegeschirrs helfen.

Bestandteile Das Pferdegeschirr der römischen Reitereinheiten bestand aus einem ledernen Sattel, einer Zäumung mit Gebiss (Trense) sowie allerlei Zierrat, der zum Teil aber auch eine technische Funktion hatte. Diese kleineren, meist aus Buntmetall gefertigten Teile gehören zu den häufigsten Militaria-Kleinfunden. Neben Anhängern unterschiedlichen Typs gibt es verschiedenste Verschlussteile, Riemenabschlüsse und -verteiler.Eckhard Deschler-Erb: Ad arma! Römisches Militär des 1. Jahrhunderts n. Chr. in Augusta Raurica (= Forschungen in Augst. Band 28). Römermuseum Augst, Augst 1999, ISBN 3-7151-0028-1, S. 49–66. Auch die sog. Melonenperlen aus Quarzkeramik sind in ihrer größeren Version (etwa 2,5 cm Durchmesser) beliebte Schmuckelemente.

Bezüglich ihrer geringen Größe, ihrer Menge und ihrer Anbringungsweise sind Anhänger, Phalerae und andere Zierelemente typische Verlustfunde. Das erklärt ihre relative Häufigkeit innerhalb der Rubrik Militaria-Kleinfunde und ermöglicht es den Forschern, Entwicklungen hinsichtlich der Form, Größe und Anbringungsart nachzuvollziehen. Davon abzugrenzen sind römische Pferdepanzerungen, die etwa auch Rossstirnen (Kopfschutzplatten für Pferde) umfassen.

Sattel

Als Hörnchensattel wird der Reitsattel römischer und keltischer Kavalleristen bezeichnet. Namensgebend hierfür sind die sogenannten Hörnchen, lederne oder bronzene Versteifungen an den Seiten der Sitzflächen, die für einen stabilen Halt im Sattel sorgen sollen.

Zaumzeug mini|480x480px|Rekonstruktionszeichnung eines römischen Kavalleriepferdes mit Zaumzeug und Hörnchensattel. Als Zaumzeug wird das Kopfgeschirr des Pferdes bezeichnet. Es besteht grundsätzlich aus einem Halfter, Zügeln und mindestens einem lenkenden Element. Beim römischen Pferdegeschirr gehörte dazu immer ein Gebissstück, das durch Metallzäume oder Kandaren ergänzt werden konnte.

Halfter und Zügel Halfter und Zügel bestanden üblicherweise aus Leder oder Seil, weshalb sie sich nicht im archäologischen Fundbild erhalten haben. Ihr Aufbau ist durch bildliche Überlieferung jedoch gut rekonstruierbar. Die Zusammensetzung aus Backen- und Genickstück sowie Stirn- und Kehlriemen ähnelt den heute üblichen Halftern stark.

Ringtrense Ringtrensen bestehen aus einem durchbrochenen Mundstück aus zwei, seltener drei, Metallstangen, die über Ösen miteinander verbunden sind. An ihren Enden sind sie mit jeweils einem Ring verbunden, in den Backenriemen und Zügel eingehängt werden können. Das Mundstück liegt auf der Zunge des Pferdes auf. Somit kann durch Anziehen der Zügel Druck auf Zunge und Unterkiefer ausgeübt werden. Eine Ringtrense lässt dem Pferd relativ viel Bewegungsfreiheit, um sich etwa durch Bewegen der Zunge oder ein Hochreißen des Kopfes dem Druck zu entziehen und damit vor ruckartigen oder nervösen Bewegungen des Reiters zu schützen. Da das Maul des Pferdes sehr empfindlich ist, kann dies etwa bei einem hektischen Ritt in unebenem Gelände von Vorteil sein.

Ringtrensen sind keltischen Ursprungs und werden in unveränderter Form noch heute genutzt, weshalb eine Datierung anhand der Form der Trense nicht möglich ist. Sie bestanden fast immer aus Eisen.Christina Simon Ortisi: Studien zum römischen Pferdegeschirr aus Pompeji, Herculaneum und den Vesuvvillen. Metallzäume, Trensen und Kandaren Band 1, München 2003, S. 49 (= Dissertation).

Römische Kandare mini|323x323px|Gebissstück mit Scheibenknebeln. Fundort Nordfrankreich. Die römische Kandare ist eine Zäumung, bestehend aus einem nicht durchbrochenen Gebiss und zwei Hebelstangen. Aus diesem Grund wird sie auch als Hebelstangentrense bezeichnet. Dieser Begriff ist allerdings irreführend, da Trensen per Definition keine Hebelstangen („Bäume“) besitzen.

Das Mundstück bildet eine Metallstange mit einer mittig sitzenden Einbuchtung, die „Zungenfreiheit“ genannt wird, da sie dem Pferd das Bewegen der Zunge erlaubt. Beim starken Anziehen der Zügel stellt sie sich jedoch fast senkrecht auf und drückt somit außerdem auf den Gaumen des Tieres. Das Mundstück endet in zwei langschmalen Eisenringen, die das Gebiss mit dem Halfter verbinden. Diese Eisenringe können durch zusätzlich aufgezogene Ring-, Stangen- oder Scheibenknebel daran gehindert werden, ins Maul des Pferdes zu rutschen.

Ebenfalls mit diesen Eisenringen verbunden sind die sogenannten „Bäume“. Das sind einfache, nach außen hin ausschwingende Metallstangen, in die die Zügel über eine Öse eingehängt werden. Durch Hebelwirkung verstärken sie den Druck auf den Unterkiefer des Pferdes. Ein Quersteg zwischen den beiden Stangen ermöglicht eine gleichmäßige Krafteinwirkung. Der verstärkende Effekt einer Kandare kann im Kampfeinsatz nützlich sein, wenn das Pferd auf kurze Signale des Reiters präzise reagieren soll. Allerdings kann es auch schnell zu schweren Verletzungen im Mundraum des Tieres führen, weshalb die Kandare eine ruhige Hand erfordert. Anders als die Ringtrense steht die römische Kandare in mediterraner Tradition. Sie ist aber in der Kaiserzeit im ganzen Imperium verbreitet.Eckhard Deschler-Erb et al.: Funde aus Asciburgium. Römische Militärausrüstung aus Kastell und Vicus von Asciburgium (= Schriftenreihe der Unteren Denkmalbehörde 17). Faustus, Duisburg 2012, ISBN 978-3-933474-84-1, S. 67–70.

Metallzaum Der Metallzaum, auch Hackamore genannt, beschreibt ein metallenes Nasenband. Meist bestanden sie aus einem einzigen Metallband, das über den Nasenrücken und die Backen verlief und in der Kinngrube oder am Ganaschenansatz schloss. Im Bereich der Mundwinkel des Pferdes besaß er zwei Ösen, an denen er mit dem Gebissstück verbunden werden konnte. Der Zaum übte zusätzlichen Druck auf das sensible Nasenbein des Tieres aus. Der englische Begriff „Hackamore“ ist allerdings etwas unpräzise, da er – anders als im modernen Reitsport – immer mit einem Gebiss kombiniert wurde,Christina Simon Ortisi: Studien zum römischen Pferdegeschirr aus Pompeji, Herculaneum und den Vesuvvillen. Metallzäume, Trensen und Kandaren Band 1, München 2003, S. 65–73. (= Dissertation) Metallzäume traten ab augusteischer Zeit auf und waren bis ins 3. Jh. üblich.Eckhard Deschler-Erb: Ad arma! Römisches Militär des 1. Jahrhunderts n. Chr. in Augusta Raurica (= Forschungen in Augst. Band 28). Römermuseum Augst, Augst 1999, ISBN 3-7151-0028-1, S. 49–66; hier: S. 65.

Riemenbeschläge Riemenbeschläge sind kleine Metallplättchen, die mit Nieten auf der sichtbaren Seite eines Lederriemens befestigt werden. Verziert wurden sie häufig mit dekorativen oder glücksbringenden Motiven, die ins Metall getrieben oder graviert worden sind. In ihrer Form können sie sich stark unterscheiden, allen gemein sind nur die Nieten bzw. noch erhaltenen Nietenlöcher, die sie als Beschlagteil identifizieren. Riemenbeschläge haben vor allen Dingen einen schmückenden Zweck, helfen aber auch die Lederriemen zu versteifen, damit sie sich nicht verdrehen. Größere, dem Pferdegeschirr zugehörige Beschläge lassen sich vermutlich den wesentlich breiteren Sattelgurten zuordnen.

Riemenverteiler Riemenverteiler sind simple, meist aus Bronze gegossene Ringe, in die Lederriemen mit Riemenschlaufen als Endstück eingehängt werden können. Auf diese Weise sind mehrere Riemen frei beweglich miteinander verbunden, ohne dass die Gefahr besteht, dass sie verknoten oder sich gegenseitig beeinträchtigen. Riemenverteilerringe sind ab der frühen Kaiserzeit belegt, ab der Mitte des 1. Jh. werden sie seltener und zunehmend von den dekorativeren Phalerae abgelöst.

Phalerae alternativtext=|mini|262x262px|Eine durchbrochen gearbeitete Phalera mit floralen Motiven. 3. Jh. n. Chr. Fundort Oxfordshire (GB). Phalerae sind metallene Zierscheiben, die, ebenso wie Riemenverteiler, mehrere Lederriemen miteinander verbinden. Insbesondere die kleineren Exemplare sind häufig aus Buntmetall gefertigt, die Schauseite kann zusätzlich versilbert und aufwendig verziert sein. Ein beliebtes Motiv sind konzentrisch umlaufende Ringwulste mit einem zentralen Buckel. Aufschluss über ihre Funktion gibt die Rückseite: Dort befinden sich Ösen oder Laschen, die mit den Riemenschlaufen verbunden werden. Auch zusätzliche Anhänger können daran befestigt werden.

Phalerae konnten auch als militärische Orden dienen. Dann wurden sie mithilfe eines Gerüsts aus Gurten am Oberkörper getragen oder – bei der Auszeichnung ganzer Einheiten – an der Standarte befestigt. Zur Unterscheidung hilft eine genauere Betrachtung der Befestigungsteile – rundliche, in verschiedene Richtungen deutende Ösen weisen auf eine Funktion als Riemenverteiler an einem Pferdegeschirr hin.

Riemenschlaufen Riemenschlaufen sind Verschlussteile am römischen Pferdegeschirr. Sie sitzen am Ende eines Lederriemens und verbinden ihn mit einem Riemenverteiler oder einer Phalera. Anders als bei Haken-Ösen-Verschlüssen ist diese Verbindung dauerhaft. Riemenschlaufen sind grundsätzlich sehr einfach konstruiert: Sie bestehen aus einem Zierblech, das rechteckig, balusterförmig oder animorph, also tiergestaltig, bearbeitet sein kann, sowie einer verlängerten Zunge. Diese wird umgefalzt und mit zwei Nieten an der Unterseite des Zierblechs fixiert, wodurch zugleich auch der Lederriemen an dem Metallstück befestigt wird. Wegen der unterschiedlichen Verschlussweise haben Riemenschlaufen, die an Riemenverteilern angebracht sind, eine rundliche Schlaufe, während solche, die zu einer Phalera gehören, eher flach ausgearbeitet sind.

Riemenhaken und -ösen Riemenhaken- und Riemenösen sind Verschlussteile am römischen Pferdegeschirr. Im Gegensatz zu den Riemenschlaufen lassen sie sich immer wieder öffnen und lösen, was für bestimmte Elemente des Zaumzeugs, etwa den Kehlriemen am Halfter, notwendig ist. Der Verschluss besteht aus einem Zierblech, an das der Lederriemen genietet ist und das in einer Art Haken endet. Dieser kann in Form eines stilisierten Vogelkopfes oder schlicht T-förmig ausgearbeitet sein. Der Haken greift in eine schlüssellochartige Öse, die über ein Scharnier mit dem Zierblech eines weiteren Riemens verbunden ist. Riemenhaken und -ösen können sehr aufwendig verziert sein. Datierbar sind sie durch die jeweilige Technik der Dekorierung.

Riemenendbeschwerer