Die Hifa Austria ist eine österreichische Organisation für Entwicklungszusammenarbeit auf Vereinsbasis. Sie wurde 1970/71 vom nigerianischen Priester Aaron Ekwu (1936–1989) und dem österreichischen Verlagskaufmann Adolf Paster (1930–2022) gegründet. Der Schwerpunkt der projektbasierten Entwicklungszusammenarbeit der Hifa liegt in Südost-Nigeria. Weitere Projektzielgebiete sind Rumänien und die Karpaten-Ukraine. Das Akronym Hifa steht für Hilfe für alle.

Geschichte Die Gründungsumstände Ende der 1960er Jahre erreichte der nigerianische Sezessionskrieg, der unter dem Schlagwort „Biafra-Konflikt“ in die Geschichte Westafrikas einging, seinen Höhepunkt. Abgesehen von den Hunderttausenden Todesopfern, die die direkten Kampfhandlungen und Massenpogrome verursacht hatten, litt vor allem die Zivilbevölkerung unter Versorgungsengpässen und infolgedessen unter einer Hungerkatastrophe. Die Schreckensbilder der hungerleidenden und sterbenden „Biafra-Kinder“ gingen um die Welt und riefen die Unterstützungsbereitschaft der Zivilgesellschaft des Westens auf den Plan. Noch vor der endgültigen militärischen Niederlage der Biafra-Regionalisten begannen Hilfsaktionen anzulaufen, die jedoch die Notleidenden aufgrund der politisch unübersichtlichen Lage und der gänzlich zusammengebrochenen Infrastruktur nur in Ausnahmefällen erreichten. Zu diesem Zeitpunkt initiierte der für eine katholische Wochenzeitschrift tätige Adolf Paster eine Spendenaktion für die nigerianischen Krisenregionen, die aber wegen der prekären Umstände kaum Aussicht auf Erfolg versprach.

Adolf Paster nahm Kontakt zu den in Wien-Favoriten seelsorgerisch wirkenden nigerianischen Priester Aaron Ekwu auf, um direkte und konkrete Hilfe vor Ort leisten zu können. Das Ziel war, von Österreich aus eine monetäre Plattform zu schaffen, mit der in den Bürgerkriegsregionen Nigerias Hilfsprojekte verwirklicht werden konnten. Von Anfang an stand außer Zweifel, dass diese Projekte bei den vordringlichsten Problemen der betroffenen Menschen ansetzen mussten und als Impuls zur Selbsthilfe zu dienen hatten. Deshalb beschlossen Aaron Ekwu und Adolf Paster eine Art Musterfarm zu gründen, die zunächst auf Subsistenzbasis Nahrungsversorgung und in weiterer Folge Arbeitsplätze und schließlich regionale Wertschöpfung gewährleisten sollte.

Da im März 1970 Aaron Ekwu auf bischöfliche Weisung nach Nigeria zurückkehren musste, kam man überein, in Owerre Ezukala, in der Heimatgemeinde des Priesters, die sich in einem der Kerngebiete des ehemaligen Biafra befindet, den Grundstein für das Farmprojekt zu legen.

Im Jahr 1971 erfolgte die offizielle Eintragung der Hifa-Austria ins Vereinsregister, zwei Jahre später die Gründung der Hifa-Nigeria. Obwohl bei Errichtungsbeginn der Farm nur knapp 1000 Euro an liquiden Mitteln zur Verfügung standen, konnte die Hifa binnen kurzer Zeit etwa 10 Prozent der Gesamtkosten, die mit ca. 400.000 Euro veranschlagt waren, durch Spenden abdecken. Der mit der Musterfarm einhergehende Aufbau einer Geflügelzucht und die Erweiterung durch Pflanzenanbau ermutigte die Hifa dazu, weitere Sozialaufgaben in Südostnigeria anzustrengen, die sich im Verlauf der 1970er und 1980er Jahre in einem beachtenswerten Umfang entwickelten.

Der Beginn und die auftretenden Probleme (1971–1981) Was mit der Musterfarm so enthusiastisch begonnen hatte, entwickelte sich alsbald zu einem großen Problem. Zunächst war es gelungen, innerhalb von drei Jahren aus 5000 österreichischen Spendengaben 70.000 Euro in die Farmentwicklung zu investieren und damit die fatale Ernährungssituation der Gemeinde Owerre Ezukala etwas zu entschärfen. Auch konnte der Betrieb bis Mitte der 1970er Jahre elf Dauerangestellten und etwa 750 Tagelöhnern eine Beschäftigung bieten. Wegen der sich stetig verschlechternden wirtschaftlichen Situation Nigerias, die sich unter anderem in einer horrenden Inflationsrate manifestierte, wegen der willkürlichen administrativen Behördenschikanen, der immer stärker zutage tretenden ökologischen Probleme, nicht zuletzt auch wegen der fehlenden Identifizierung der ortsansässigen Bevölkerung mit dem Farmprojekt musste von einer wirtschaftlichen Ausrichtung der Unternehmung alsbald Abstand genommen werden. Erst einige Jahre später, durch die Einsichten in die Wirkmechanismen des globalen Finanzkapitalismus gelang es der Hifa, die Entwicklungszusammenhänge besser zu verstehen und die weiteren Projekte nach einer erfolgversprechenderen Strategie auszurichten.

Eingedenk der Überlegung, die Hifa möglichst schnell als Selbsthilfeinstrument zu etablieren, hatte man ab dem Jahr 1973 begonnen, ein Patenschafts-Programm zwecks Förderung der Schulausbildung für nigerianische Kinder und Jugendliche ins Leben zu rufen. Während die Hifa-Austria als Anlaufstelle für Pateneltern und deren Geldspenden diente, übernahm die Hifa-Nigeria die Rolle der Vermittlungsdrehscheibe und des Programmkontrolleurs. Für etwas mehr als 200 Euro pro Jahr konnte eine Patin oder ein Pate aus Österreich eine einjährige Schulausbildung finanzieren. Ausgehend von 30 Kindern aus Owerre Ezukala, die im Jahr 1974 durch das Patenschafts-Programm gefördert wurden, weitete sich diese Unternehmung bis Mitte der 1980er Jahre auf vier nigerianische Bundesstaaten mit insgesamt fast 500 Geförderten aus.

Um die Spendenbereitschaft nicht überzustrapazieren, wurde zu Beginn der 1980er Jahre ein Umlauffinanzierungssystem – Revolving-Fonds genannt – ersonnen. Aus Spenden sollte ein Kreditpool entstehen, aus dem Gründer von Handwerks- und Gewerbebetrieben, vor allem aber Berufsschulstudierende ein zinsloses Darlehen ziehen konnten, das nach dem erfolgreichen Schulabschluss und einer Anstellung bzw. nach erfolgreicher Betriebsbilanzierung mit einer zehnprozentigen Rückzahlungsquote aus dem Einkommen in den Fonds zurückfloss. Daraus wollte die Hifa neue Darlehen vergeben. Bis weit in die zweite Hälfte der 1980er Jahre ermöglichte der Revolving-Fonds die Gründung von fünf Farmen, die Anschaffung einer Cassava-Mühle und die Betriebseröffnung einer gewerblichen Kooperative. Allerdings überstiegen die Ausgaben bei Weitem die Mittel der finanziellen Rückflüsse. Bereits im Jahr 1984 betrug das Darlehensvolumen fast 50.000 Euro. Die Belastung des Fonds erreichte zudem mit der galoppierenden Inflation der nigerianischen Landeswährung Naira seine Grenzen. Als die Geldentwertung zu Beginn der 1990er Jahre von 15 auf 35 % emporschnellte, war es den Farmern und Kleingewerbebetreibern kaum möglich, das Darlehen aus dem Naira-Einkommen zurückzuerstatten. Der Versuch seitens der Hifa, den Fonds mit einem Komplementärwährungssystem zu stützen, scheiterte einmal mehr am Widerstand diverser Behörden bzw. am Unverständnis jener, denen diese Finanzierungsmethode zugutegekommen wäre.

Einen unersetzlichen menschlichen Verlust erlitt die Hifa mit dem Unfalltod von Aaron Ekwu im Jahr 1989. Lange Zeit war die Hifa-Nigeria nahezu von ihm allein geführt worden, was diesem Menschen ein enormes Arbeitspensum abverlangt hatte. Als man den „Vater der Armen“, wie Aaron Ekwu in Nigeria genannt wurde, zu Grabe trug, waren 1000 südostnigerianische Priester, 12 Bischöfe und mehrere tausend Trauernde zugegen. Seit geraumer Zeit betreibt die Erzdiözese Wien und die nigerianische Pfarre Akwa auf Anregung der Hifa die Seligsprechung von Aaron Ekwu.

Sozialprojekte auf Basis von Selbsthilfestrategien (1981–heute) Unter dem Eindruck der ersten 10 Jahre Entwicklungszusammenarbeit hatte Adolf Paster begonnen, die Hifa erkenntnistheoretisch neu auszurichten. Dazu bedurfte es zahlreicher Schulungen, Großveranstaltungen und intensiver publizistischer Tätigkeit. Die Anstrengungen wurden insofern belohnt, als die Hifa ihre Tauglichkeit als Instrument der öffentlichen Bewusstseinsbildung unter Beweis stellen konnte. Die Mitgliederzahlen des Vereins stiegen merklich an, und seine Bilanzsumme hatte zu Beginn der 1980er Jahre 130.000 Euro überschritten. Auch die Hifa-Nigeria wurde organisatorisch und logistisch modernisiert. Erst auf Basis von lokalen bzw. regionalen Entwicklungskonzepten wurden neue Projekte angepeilt, die man in enger Planungskoordinierung mit den Betreibern und mit stärkerer Eigenverantwortlichkeit derselben abwickelte.

Da die nigerianische Zentralregierung die Einnahmen aus dem Ölgeschäft in fragwürdige Industrieprojekte investierte, anstatt auf eine tragfähige landwirtschaftliche Versorgungsbasis zu achten, sah sich die Hifa gezwungen, erneut diverse Farmgründungen und Landbauinitiativen zu unterstützen. Die neuen Farmen waren allerdings kleiner konzipiert, und das Gesamtprojekt wurde in Teilbereiche zerlegt, um die Finanzierung zielgerichteter und überschaubarer zu halten. alternativtext=Biafra Kind|mini|Biafra Kind Im Verlauf der 1980er Jahre entstanden in mehreren Bundesstaaten des ehemaligen Biafra diverse Gewerbebetriebe, unter anderem eine Seifenproduktion, ein Kiesgewinnungsunternehmen und eine Tischlereikooperative. Zwar setzten die anhaltend schlechte wirtschaftliche Lage und die immer wiederkehrende administrative Behinderungen auch diesen Projekten gehörig zu, letztendlich erwiesen sich die als Familien- oder Genossenschaftsbetriebe geführten Produktions- und Arbeitsstätten als wirtschaftlich lebensfähig.

Ein weiteres Augenmerk galt der Schulausbildung. Hier unterstützte die Hifa ausschließlich südostnigerianische Bildungseinrichtungen, die in ihrem Lehrplan einen berufsbildenden und fachpraktischen Schwerpunkt aufwiesen oder Schulwiedereinsteigern, Behinderten und Frauen eine Ausbildung boten. Ende der 1990er Jahre hatte die Zahl der Schulpatenschaften bereits die Zahl von 11.000 überschritten. Auch kamen Stipendien zum Tragen, die Nigerianern eine landwirtschaftliche, handwerkliche oder gar universitäre Ausbildung in Österreich ermöglichten. Letzteres erwies sich vornehmlich im medizinischen Bereich als vielversprechend, zumal die Ausgebildeten nach ihrem Abschluss nach Nigeria zurückkehrten und dort ihre Profession in den Dienst der einheimischen Bevölkerung stellen konnten. Aus diesem Grund ließ die Hifa auch viele Spendengelder in die medizinische Ausstattung der Spitäler fließen oder beteiligte sich am Aufbau neuer Krankenversorgungsinstitutionen.

Als vordringlich erwies sich auch die Wasserversorgung. Um insbesondere öffentlichen Einrichtungen wie Spitälern einen annähernd einwandfreien Zugang zu Wasser zu ermöglichen, musste ein eigenes Wasserbau-Programm gestartet werden, das im Verlauf der 1980er und 1990er Jahren regelmäßige Spenden zweckgebunden für den Wasserankauf oder das Brunnenschlagen bereit hielt.

Neben der Weiterentwicklung der bereits initiierten Projekte versucht die Hifa gegenwärtig, aus Gründen der Energieeffizienz und aus ökologischen Erwägungen die Stromerzeugung für diverse Antriebsmaschinen und Gebäudeeinrichtungen von Dieselbetrieb auf Solarenergie umzustellen. Die durch die Stilllegung der Dieselaggregate eingesparte Summe wird verbindlich dem Revolving-Fonds zugeführt.

Die Ausweitung der Hifa-Projektarbeit Kaum hatte die Hifa im Bundesstaat Anambra, in der die Gemeinde Owerre Ezukala liegt, Fuß gefasst, gab es Hilfsgesuche aus anderen Regionen Nigerias. Im Verlauf der Jahrzehnte dehnte die Hifa ihren Aktionsradius nahezu auf den gesamten südostnigerianischen Raum aus. Verbindungen und damit auch die entsprechende Unterstützungsaktionen gab es auch nach Tansania und Lateinamerika.