thumb|Fenster von St. Nicolai in Kalkar
Karl-Martin Hartmann (* 14. September 1948 in Wiesbaden Toleranz vor Augen – Wernerkapelle Bacharach, abgerufen am 11. Januar 2019) ist ein deutscher Künstler, der vor allem durch seine Fotografien und seine Glasmalerei bekannt ist.
Leben mini|Grundriss der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus in Rosenheim mit den ab Jahr 2004 realisierten neuen Fenstern von Hartmann
Karl Martin Hartmann wurde in Wiesbaden geboren und machte an der dortigen Gutenbergschule sein Abitur. Nach einem Studium der Mikrobiologie in den Jahren 1968 bis 1975 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, das er als Diplombiologe abschloss, studierte er von 1979 bis 1985 Kunst bei Johannes Schreiter und Christian Kruck an der Städelschule in Frankfurt am Main. Homepage des Fördervereins Netzwerk Stelen der Toleranz e.V., abgerufen am 12. Januar 2019 Er ist verheiratet mit der Künstlerin Kerstin Jeckel und lebt in Wiesbaden.
Werk mini|Zwei der von Hartmann neu entworfenen Linzer Domfenster
mini|Die von Hartmann im Jahr 2010 gestaltete Gedenkstätte für die Opfer des Einsturzes der Eissporthalle in Bad Reichenhall
Hartmann ist sowohl als Maler, Fotograf, Bildhauer und Gestalter von Glasfenstern in Erscheinung getreten. Vor allem durch seine Entwürfe für Fenster im sakralen Kontext wurde er international bekannt. 1989 realisierte er mehrere Fenster im Kloster Gerleve in Billerbeck. 1993/94 wurden seine Fenster im Mariendom in Linz realisiert. Homepage Mariendom Linz, abgerufen am 12. Januar 2019
In den Jahren 2000–2020 ist die gotische Kirche St. Nicolai in Kalkar sukzessive komplett mit 22 neuen Fenstern nach Entwürfen von Hartmann ausgestattet worden. Bericht der Rheinischen Post, abgerufen am 12. Januar 2019 Es handelt sich hierbei um eine der größten und teuersten Neuausstattungen einer Kirche mit Glasmalerei in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Fenster in Kalkar machten Hartmann international bekannt und wurden nach anfänglicher Kritik von vielen Experten für Glasmalerei gewürdigt. Bericht in der Wochenzeitung Die Zeit, abgerufen am 13. Januar 2019 In einem Standardwerk zur zeitgenössischen Glaskunst schrieb etwa der Kunsthistoriker und Denkmalpfleger Holger Brülls: Die mystische Lichtstimmung und die intensive Farbigkeit der Fenster mögen für eine hochgotische Kathedrale eher passend erscheinen als für eine spätgotische Hallenkirche. Dieses stilhistorische Argument war von Denkmalpflegern, aber auch von Künstlern zu vernehmen, die es gewohnt sind, die Lichtverhältnisse in historischen Räumen zwar in moderner Formensprache, aber doch auch irgendwie stilhistorisch „richtig“ zu regeln. Die harmonische Gesamtwirkung der Fenster, ihre fantastische Formenvielfalt und Farbenpracht haben jedoch schon manchen Kritiker (auch den Autor dieser Zeilen) staunend zum Schweigen gebracht – und darin den Überredungscharakter von Hartmanns Kunst bewiesen.Holger Brülls in: L'art contemporain du vitrail en Allemagne / Zeitgenössische Glasmalerei in Deutschland, hg. von Jean-François Lagier, Chartres 2012, S. 159. Eine Besonderheit der Entwürfe Hartmanns für Kalkar sind deren scheinbar abstrakte Ornamentik, die aber in Wirklichkeit physikalische Phänomene und Entdeckungen zeigen, zum Beispiel Feynman-Graphen, den Galaxienhaufen Abell 2218 und den Kometen Hale-Bopp. Physik sakral: Interview mit dem Künstler im Physik Journal 3 (2004) Nr. 12, abgerufen am 14. Januar 2019 Die Fenster in Kalkar wurden, wie alle bisherigen Entwürfe Hartmanns, von der Firma Derix Glasstudios in Taunusstein hergestellt. Internetauftritt des Unternehmens Derix Glasstudios mit einem Bericht über die Fenster Hartmanns, abgerufen am 13. Januar 2019
Ab dem Jahr 2004 realisierte der Künstler auch die neuen Fenster für die Pfarrkirche St. Nikolaus in Rosenheim. Dokumentation auf der Homepage des Erzbistums München und Freising, abgerufen am 12. Januar 2019 Zum 150. Jubiläum der Marktkirche in Wiesbaden im Jahr 2012 wurden drei neue Fenster nach Entwürfen Hartmanns eingeweiht. Bericht auf der Homepage der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, abgerufen am 12. Januar 2019 Diese Fenster zeigen als Motive unter anderem einen Auszug aus dem ersten Kapitel des Buches Genesis, die Lutherrose und das Porträt Martin Luthers vor einem Schwarzen Loch. Weitere Kirchenfenster realisierte er unter anderem in der Heilig-Geist-Kirche in Düsseldorf (1998) und in der Kirche St. Martinus in Greven (1989).
Außerhalb des sakralen Bereichs realisierte er unter anderem 2010 die Gedenkstätte für die Opfer der im Jahr 2006 eingestürzten Eislaufhalle in Bad Reichenhall. Bericht der Süddeutschen Zeitung, abgerufen am 12. Januar 2019 2011 gewann Hartmann zusammen mit seiner Frau den Wettbewerb zur Neugestaltung des Faulbrunnens am Platz der Deutschen Einheit in Wiesbaden. Nach jahrelangem Stillstand und Finanzierungsproblemen zogen sich die beiden Künstler jedoch enttäuscht von dem Projekt der Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden zurück. Bericht des Wiesbadener Kurier über das Wettbewerbsverfahren zur Gestaltung des Faulbrunnenplatzes, abgerufen am 12. Januar 2019 Auch für Unternehmenskunstsammlungen realisiert er Kunstinstallationen. Bericht über eine Glasstele für die Wiesbadener Eckelmann AG, abgerufen am 12. Januar 2019 Im Jahr 2021 wurde bekannt, dass Hartmann neben Katharina Grosse, Tony Cragg und MadC einer von vier Künstlern ist, die für das neue Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden, das bis 2022 nach Entwürfen von Fumihiko Maki errichtet wird, mit Kunstwerken beauftragt wurden, die Teil der Museumsarchitektur sein werden. Bericht des Wiesbadener Kuriers über das neue Projekt im Museum Reinhard Ernst, abgerufen am 15. November 2021 In dem am 23. Juni 2024 eröffneten Museum hat Hartmann eine dauerhafte, sich über zwei Stockwerke erstreckende Rauminstallation mit dem Titel The Ladybird, the Innocence and the Cars (Der Marienkäfer, die Unschuld und die Autos) gestaltet, in deren Zentrum ein roter Ferrari aus der Sportwagen-Sammlung von Reinhard Ernst steht, der von abstrakten Glasarbeiten umgeben ist, die im Derix Glasstudio hergestellt wurden. Dokumentation des Glasstudio Derix mit Video der Installation, abgerufen am 16. Februar 2026 Bericht des Museums Reinhard Ernst mit Fotografien der Installation, abgerufen am 16. Februar 2026
1994 initiierte Hartmann das Projekt einer roten Glasstele für Toleranz, von der durch einen eigens hierfür gegründeten gemeinnützigen Förderverein mittlerweile weltweit dutzende aufgestellt wurden, unter anderem in Braunschweig, Geisenheim, Kfar Saba, Betlehem, Breslau, Den Haag, Tallinn, Tavarnelle Val di Pesa und im US-Bundesstaat Wisconsin. Homepage des Vereins, abgerufen am 12. Januar 2019 Von 2007 bis 2010 installierte der Künstler zudem temporär ein rotes Glasfenster in die Ruine der gotischen Wernerkapelle in Bacharach, um auf die problematische Historie des Bauwerks aufmerksam zu machen und um ein Zeichen für Toleranz zu setzen. Dokumentation der Jüdischen Gemeinden Rheinland-Pfalz über das Projekt, abgerufen am 12. Januar 2019
Das Kunsthaus Wiesbaden zeigte 2017 in einer Doppelausstellung mit den Arbeiten seiner Frau erstmals Hartmanns umfangreiches fotografisches Werk, zu dem unter anderem auch zahlreiche Gummidrucke zählen. Bericht des Wiesbadener Kurier über die Ausstellung, abgerufen am 12. Januar 2019 Aus Anlass des Landesjubiläums 80 Jahre Hessen wurde Hartmann beauftragt, eine Galerie der bisherigen elf Landtagspräsidenten für den Plenarsaal des Hessischen Landtages in der Gummidruck-Technik zu gestalten. Bericht auf der Website des Hessischen Landtages über die neue Präsidentengalerie, abgerufen am 3. März 2026
Literatur Toleranz vor Augen: Das Projekt von Karl-Martin Hartmann in der Wernerkapelle Bacharach in Zusammenarbeit mit dem Bauverein Wernerkapelle. Hrsg. vom Bauverein Wernerkapelle Bacharach e.V. Universitätsdruckerei H. Schmidt, Mainz 2010, ISBN 978-3-935647-49-6. (Dokumentation einer Vortragsreihe (2008/09) zum Thema Toleranz, u. a. mit Beiträgen von Gerhart Baum, Winfried Hassemer, Necla Kelek, Bernd Kortländer, Ruth Lapide und Leo Trepp.) Physik sakral: Interview mit dem Künstler im Physik Journal 3 (2004) Nr. 12: www.pro-physik.de/details/articlePdf/1106933/issue.html
Weblinks
Offizielle Seite von Karl-Martin Hartmann Karl-Martin Hartmann auf der Website der Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts Video über eine Ausstellung im Kunsthaus Wiesbaden, in der fotografische Arbeiten Hartmanns zu sehen waren auf YouTube Internetauftritt des von Karl-Martin Hartmann initiierten Stelen-Toleranzprojekts Website der Derix Glasstudios mit einer Dokumentation der in der Firma nach Hartmanns Entwürfen gefertigten Fenster Website des Museum Reinhard Ernst mit einem Bericht über und Fotografien von Hartmanns Rauminstallation aus dem Jahr 2024
Einzelnachweise
Kategorie:Bildender Künstler (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1948 Kategorie:Mann