Sea Shepherd Global ist eine internationale Meeresschutzorganisation mit Sitz in Amsterdam, die sich besonders dem Schutz der Meere, dem Kampf gegen illegale Fischerei, das Töten von Meeressäugern, Schildkröten und Haien sowie die Verschmutzung der Meere verschrieben hat. Von der in den USA ansässigen Sea Shepherd Conservation Society ist Sea Shepherd Global finanziell und rechtlich unabhängig.
Geschichte und Verhältnis zur Sea Shepherd Conservation Society Sea Shepherd Global wurde 2013 in Amsterdam gegründet, um die internationalen Aktivitäten der Sea-Shepherd-Bewegung außerhalb der Vereinigten Staaten zu koordinieren. Die Organisation ging aus der Sea Shepherd Conservation Society hervor, die 1977 von Paul Watson in den USA gegründet worden war.
Mit der Gründung von Sea Shepherd Global wurde die internationale Arbeit organisatorisch und finanziell von der US-amerikanischen Mutterorganisation getrennt. Während die SSCS weiterhin in den Vereinigten Staaten tätig blieb, übernahm Sea Shepherd Global die Leitung und Koordination der weltweiten Kampagnen in Zusammenarbeit mit nationalen Sea-Shepherd-Gruppen.
Die Abspaltung erfolgte mit dem Ziel, eine europäische und rechtlich eigenständige Struktur zu schaffen, die unabhängig von der US-Gesetzgebung operieren konnte. Sea Shepherd Global fungiert seither als zentrale internationale Plattform der Bewegung mit Sitz in den Niederlanden und eigenem Vorstand.
Am 21. Juli 2022 gründete Watson eine eigene Meeresschutzorganisation, namens Captain Paul Watson Foundation (CPWF). Sieben Tage später verließ Watson die US-amerikanische Sea Shepherd Conservation Society. Am 3. September 2022 wurde er vom Sea Shepherd Global Vorstand, auf Grund des, durch die Gründung entstandenen Interessenskonflikts, abgesetzt. Am 20. November 2023 wurde Watson auch vom Sea Shepherd Deutschland Vorstand ausgeschlossen. Als Grund wurde genannt, dass sowohl Sea Shepherd als auch die CPWF die gleichen Ziele und Interessen verfolgen und eine Mitgliedschaft auf Grund des entstehenden Interessenskonflikts daher nicht mehr möglich sei. Über die genauen Hintergründe der Trennung wurde die Öffentlichkeit nicht informiert.
Die Ländergruppen Sea Shepherd France und Sea Shepherd Brasil kooperieren seitdem eng mit der CPWF. Sea Shepherd UK benannte sich 2023 in Captain Paul Watson Foundation UK um. Die übrigen Ländergruppen, darunter Deutschland, Österreich, die Schweiz und Australien, sind weiterhin Teil des Netzwerks von Sea Shepherd Global.
Themenschwerpunkte Illegale Fischerei Beim Kampf gegen illegale Fischerei setzt Sea Shepherd primär auf die Zusammenarbeit mit Staaten, die selbst nicht genügend Ressourcen haben, ihre Küstenabschnitte effektiv zu kontrollieren. Bei dieser Zusammenarbeit stellt Sea Shepherd Flotte, Besatzung und Ausrüstung zur Verfügung. Die Behörden aus den betreffenden Ländern bemannen Sea Shepherds Schiffe mit Vollzugsbeamten, welche die Autorität haben, Schiffe zu kontrollieren und bei Gesetzesverstößen festzusetzen. Einzig bei Operation Icefish waren keine Vollzugsbeamten an Bord. Daher nahm Sea Shepherd Kontakt zu nationalen Behörden und Interpol auf, sobald sie eine illegale Aktivität bemerkten. Die Verhaftungen wurden daraufhin von diesen Behörden durchgeführt.
Schutz von Schildkröten Sea Shepherds patrouillieren vor allem nachts Strandabschnitte, auf denen Schildkröten ihre Eier legen. Dadurch wird verhindert, dass Wilderer die Eier einsammeln können, um sie zum Verzehr auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen oder dass sie die Mutterschildkröten noch vor dem Legen der Eier wegen ihres Fleisches töten. Bei Operation Jairo Med beobachten und dokumentieren die Sea-Shepherd-Mitarbeiter Niststrände rund um Rom und Neapel, während die Sam Simon im Tyrrhenischen Meer patrouilliert und in Zusammenarbeit mit den Behörden illegale Fischereigeräte und Müll, welcher den Schildkröten gefährlich werden kann, aus dem Meer entfernt.
Schutz von Meeressäugern Sea Shepherd dokumentiert sowohl das gezielte Töten von Meeressäugern, als auch ihr Sterben als Beifang. Weiter geht die Organisation rechtlich gegen diese Praktiken vor. Wo dies möglich ist, führen die Sea-Shepherd-Schiffe Wale und Delfine von den Stränden der Färöer-Inseln weg, da ihnen dort der Tod droht. Meeressäuger, die als Beifang in den Netzen von Wilderern enden würden, werden durch das direkte Vorgehen gegen diese Wilderer geschützt.
2014 hatte der Internationale Gerichtshof entschieden, dass Japan den Walfang in der Antarktis beenden müsse. Das Urteil war auch dadurch möglich geworden, dass Sea Shepherd im Zuge der Whale-Defense-Kampagnen umfangreiches Videomaterial aufgenommen und den Klägern zur Verfügung gestellt hatte.
Verschmutzung der Meere Sea Shepherd Global und seine assoziierten Landesorganisationen informieren die Öffentlichkeit über die Vermeidung von Müll und darüber, wie dieser das Ökosystem Meer gefährdet. Weiters führen sie weltweit regelmäßig Beach Clean Ups durch. So wurden alleine von Sea Shepherd Australien 700.000 Zigarettenstummel entsorgt. Schätzungen zufolge verunreinigt ein Zigarettenstummel circa 500 Liter Wasser. Die eingesammelten Zigarettenstummel hatten also das Potential 350 Millionen Liter Wasser zu verunreinigen.
Schutz von Maui-Delfinen Mit circa 57 verbleibenden Tieren ist der Maui-Delfin der seltenste Delfin der Welt. Bedroht wird der Maui-Delfin vor allem durch die kommerzielle Fischerei. Ihr fallen im Durchschnitt 5 Maui-Delfine pro Jahr, als Beifang, zum Opfer, außerdem wird die Nahrungsgrundlage dieser Tiere durch Fischerei reduziert. 2012 machte Sea Shepherd auf die Situation aufmerksam und forderte dazu auf, eine Petition an die neuseeländische Regierung zu unterzeichnen, welche Nylonnetze im Lebensraum der Maui- und Hector-Delfine verbieten sollte. 2019 forderte Sea Shepherd die in den USA zuständigen Behörden dazu auf, den Import von neuseeländischen Fischereierzeugnissen, welche das Überleben der Art gefährden, zu verbieten. Dies solle auf Grundlage des Marine Mammal Protection Acts, einem Gesetz, welches den Beifang von Meeressäugern weltweit reduzieren soll, geschehen. Als die Petition abgelehnt wurde, reichte Sea Shepherd im Mai 2020 Klage gegen die entsprechenden Behörden ein, da diese es versäumt hätten, die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen.
Erfolge Im Rahmen ihrer Partnerschaften mit Küstenstaaten zur Bekämpfung der illegalen Fischerei setzte Sea Shepherd Global gemeinsam mit staatlichen Vollzugsbeamten bis 2025 insgesamt 101 Schiffe fest. Die ersten dieser Partnerschaften entstanden nach den Erfolgen von Operation Icefish ab 2016 in Afrika.Nane Steinhoff: SeaShepherd: Guardians of the ocean. In: Discover Germany, Switzerland & Austria, Juni 2025, abgerufen am 28. Mai 2026 (englisch).
Operation Icefish: In den Jahren 2014 bis 2016 gelang es Sea Shepherd, die Bandit 6 der Strafverfolgung zuzuführen, 72 Kilometer zurückgelassene Stellnetze sicherzustellen und einen neuen Rekord für die längste Verfolgungsjagd auf See aufzustellen. Bei den Bandit 6 handelte es sich um eine Wildererflotte, die von Interpol gesucht wurde, weil sie illegal nach Seehecht fischte. Fünf der Schiffe konnten festgesetzt werden, die Thunder wurde hingegen von ihrem eigenen Kapitän nach einer 110-tägigen Verfolgungsjagd versenkt, vermutlich, um der Strafverfolgung zu entgehen. Operation Icefish zog eine Reihe juristischer Konsequenzen für die Wilderer nach sich. Das Höchstgericht von São Tomé und Príncipe verurteilte drei Offiziere der Thunder zu je drei Jahren Haft und verhängte eine Strafe von insgesamt 15 Millionen Euro. Spanische Gerichte verhängten Geldstrafen in Höhe von 31,2 Millionen Euro für Personen und Unternehmen, welche am illegalen Fischfang der Bandit 6 beteiligt waren. Im Februar 2016 setzte die indonesische Marine das Wildererschiff Viking fest. Ihr Kapitän, Huan Venesa und zehn Mitglieder seiner Mannschaft, wurden verhaftet. Die Viking wurde am 6. April 2016 von den indonesischen Behörden in Pangandaran, West-Java, versenkt. Mit der 110-tägigen Verfolgungsjagd hat die Bob Barker einen neuen Rekord für die „längste Verfolgungsjagd auf See“ aufgestellt.
Im Zuge von Operation Relentless konnten 784 Wale vor der japanischen Walfangflotte gerettet werden.
Operation Albacore I bis IV: In den Jahren 2016 bis 2019 wurden in Zusammenarbeit mit der Regierung von Gabun und São Tomé und Principe fünfzehn Schiffe festgesetzt.
Operation Sola Stella: In den Jahren 2017 bis 2018 wurden in Zusammenarbeit mit der Regierung von Liberia fünfzehn Schiffe festgesetzt. Vor dem Start der Operation Sola Stella beklagten lokale Fischer in der Fischereistadt Harper beinahe tägliches, illegales Eindringen von ausländischen Trawlern in ihre Fischereigebiete. Während der letzten Monate der Kontrollen bemerkten die Sea Shepherds jedoch keine einzige illegale Aktivität mehr. Dieser Umstand wurde bei der ersten Ozeankonferenz der Vereinten Nationen als Positivbeispiel dafür gebracht, dass effektive Kontrollen einen abschreckenden Effekt haben. Am 11. Februar 2019 verlieh Liberias Präsident George Manneh Weah die höchste militärische Auszeichnung seines Landes an Sea Shepherd für deren „herausragenden Dienst am liberianischen Volk“.
Operation Jodari: 2018 wurden in Zusammenarbeit mit der Regierung von Tansania zwei Langleiner wegen illegalem Shark-Finnings festgesetzt. Über die beiden Schiffe wurde eine Strafe von umgerechnet über 8 Millionen US-Dollar verhängt. Einer der beiden Langleiner trägt den Namen Buah Naga 1. Ihr Kapitän wurde im Januar 2018 verhaftet. Ihr Besitzer und der Agent wurden im Juni 2018 verhaftet. Am 4. Dezember 2018 wurden die drei Personen zu 20 Jahren Haft oder umgerechnet 383.000 € Geldstrafe verurteilt. Weiters wurde über 19 Fischereischiffe, welche sich der Kontrolle entzogen, eine Strafe von umgerechnet 6.865.160 € verhängt. Außerdem wurden 27 kleine Dhows wegen des Schmuggels von Holz aus Mangrovenwäldern, konfisziert. Am 18. Feber 2019 wurde die Andrey Dolgov festgesetzt. Es wird geschätzt, dass dieses Schiff in den letzten 10 Jahren Fisch im Wert von über 44 Millionen Euro gewildert hatte.
Operation Apex Harmony Timor Leste: 2017 wurden in Zusammenarbeit mit der Regierung von Osttimor 15 Schiffe festgesetzt. Nach neun Monaten im Hafen wurde die Flotte für eine Kaution von 100.000 US-Dollar freigegeben. Während des Arrests konnte die Flotte nicht fischen. Basierend auf der Rate, mit der sie bis zu diesem Zeitpunkt Haie tötete, wird geschätzt, dass dadurch über 800.000 Haie gerettet wurden.
Operation Driftnet: Im Jahre 2016 sammelte Sea Shepherd Beweise dafür, dass die Fu Yuan Yu Flotte illegalerweise mit Treibnetzen fischte. Die Steve Irwin begleitete die aus sechs Schiffen bestehende Flotte zu dem chinesischen Hafen Zhuhai, wo Sea Shepherd das gesammelte Beweismaterial übergab. Die chinesischen Behörden setzten die Flotte daraufhin für unbestimmte Zeit fest, entzogen drei Kapitänen ihre Lizenz, verhängten eine Strafe von umgerechnet 900.000 US-Dollar und entzogen der Reederei ihre Lizenz zu fischen.
Bei Operation Sleppid Grindini wurden Schulen von Grindwalen, Weißseitendelfinen, Weißschnauzendelfinen, Großen Tümmlern und Rundkopfdelfinen von den Färöer-Inseln weggeführt. Laut Sea Shepherd wurde so das Leben hunderter dieser Tiere gerettet.
Im Jahre 2016 drehte Sea Shepherd im Rahmen von Operation Jeedera einen Dokumentarfilm, in dem sie die Schönheit der Großen Australischen Bucht zeigten. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, war der Film von Anfang an kostenlos zu sehen.
Operation Nyamba: Seit 2017 patrouillieren freiwillige Mitarbeiter von Sea Shepherd die Strände von Mayotte. Die Patrouillen finden in der Zeit, in der die Schildkröten ihr Eier legen, jede Nacht statt. Laut dem Journal de Mayotte wurden durch die Kampagne über 200 Meeresschildkröten, die so ungestört ihre Nester legen konnten, gerettet.