mini|Schild auf dem Gipfel (Sommet) mit der offiziellen Höhe von 1909 m Der Mont Ventoux ist ein Schild mit der offiziellen Höhe auf dem GipfelSchild mit der korrigierten offiziellen Höhe in Bedoin hoher dominanter Berg in der französischen Provence. Die Kelten verehrten ihn wahrscheinlich als heiligen Berg. Über die Region hinaus populär wurde der Mont Ventoux nach der Besteigung und Beschreibung durch Francesco Petrarca im Jahr 1336. Heute ist er durch eine Bergstraße erschlossen, die große Bedeutung für den Radsport hat. Der Mont Ventoux trägt den Beinamen Géant de Provence (Riese/Gigant der Provence).

Lage und Topographie Der Mont Ventoux ist ein in West-Ost-Richtung gestrecktes Bergmassiv etwa 45 km nordöstlich von Avignon und knapp 100 km nördlich von Marseille. Die Länge des leicht S-förmig gekrümmten Bergkammes beträgt etwa 23 km. Der Berg liegt in den Provenzalischen Voralpen, vereinzelt wird er jedoch auch den Dauphiné-Alpen zugeordnet. Er bildet zusammen mit der Montagne d’Albion und der Montagne de Lure den nördlichsten und topographisch höchsten Teil eines Kalksteinplateaus, das nach Westen vom Tal der Rhone, nach Süden und Osten vom Tal der Durance und nach Norden von den Tälern der beiden kleinen Flüsse Toulourenc und Jabron begrenzt wird. Im Vergleich zur relativ sanft ansteigenden Südseite des Berges ist die Nordwestflanke und vor allem die Nordostflanke deutlich steiler. Dort finden sich auch Felswände und Schrofengelände.

Administrativ gehört der Berg zum Département Vaucluse. Orte in der Umgebung sind Malaucène etwa 10 Kilometer westlich und Sault etwa 15 Kilometer südöstlich des Gipfels. Er befindet sich im Regionalen Naturpark Mont-Ventoux, dem er seinen Namen gibt.

Der Gipfel ist einer der wenigen Orte, von denen man bei sehr gutem Wetter gleichzeitig das Mittelmeer und die höchsten Gipfel der Alpen und der Pyrenäen sehen kann. Dort befinden sich heute unter anderem ein Observatorium und verschiedene Sendeanlagen.Mont Ventoux. In: Microsoft Encarta

Geologie Der Mont Ventoux gehört geologisch zu den sogenannten Subalpinen Ketten, einem Faltengürtel, der, ähnlich wie das Juragebirge weiter nördlich, dem Bogen der Westalpen unmittelbar vorgelagert ist. Da sie sich morphologisch jedoch nicht besonders deutlich vom Alpenbogen absetzen, werden die Subalpinen Ketten, im Gegensatz zum Jura, geographisch noch zu den Alpen gezählt.

Der Berg ist überwiegend aus Kalksteinen der Unterkreide (Hauterivium bis Unter-Aptium) aufgebaut. Während an der steilen Nordflanke größtenteils Mergelkalke des Barremium anstehen, besteht die Südflanke vor allem aus Kalksteinen des Barremium und unteren Unter-Apt (Bedoulium), die in sogenannter Urgon-Fazies ausgebildet sind. Es handelt sich dabei um fossilreiche riffkalkartige Gesteine, die durch Rudistenmuscheln gekennzeichnet sind.

Das Streichen der Bergrücken, nicht nur des Ventoux, in West-Ost-Richtung korrespondiert mit dem Streichen wichtiger geologischer Strukturelemente in der Region. Dieser tektonische Bau entstammt der Pyrenäen-Phase der alpidischen Orogenese und wurde nachfolgend durch die von den Alpen ausgehende Tektonik teilweise überprägt.Bernard Blavoux, Jacques Mudry, Jean-Michel Puig: The Karst System of the Fontaine de Vaucluse (Southeastern France). Environmental Geology and Water Sciences. Band 19, Nr. 3, 1992, S. 215–225, doi:10.1007/BF01704088

Aufgrund der Dominanz karbonatischer Gesteine im Untergrund ist die Region stark durch Verkarstung geprägt, sodass kaum oberflächlicher Abfluss stattfindet.

Klima und Vegetation An seinen Hängen vereinigt der Ventoux alle europäischen Klima- und Vegetationszonen vom Mittelmeer bis Lappland. Bis in den Mai hinein kann es auf dem Ventoux schneien. Das ganze Jahr hindurch muss man allerdings mit einem starken und besonders im Sommer sehr kalt wirkenden Wind, dem Mistral, rechnen.

Das immense Kalkschotterfeld direkt unterhalb des Gipfels wurde erst durch die Rodung des Berges freigelegt. Wie anderenorts in der Provence hatte man den ehemals üppigen Baumbestand zum Bau der Seeflotten des Ancien Régime, aber auch für Brennholz und die Holzkohleherstellung gerodet. Die tieferliegenden Hänge des noch zu Zeiten Jean-Henri Fabres als „nackter“ oder „rasierter“ Berg bezeichneten Ventoux wurden in der Zeit Napoleons III. und später aufgeforstet (u. a. mit aus Nordafrika stammenden Atlas-Zedern). Einzelne Vertreter der ursprünglichen Vegetation werden intensiv gepflegt und sind z. B. bei einem Spaziergang entlang des Wanderweges GR 9 auf der Nordseite zu bewundern. Eine weitere Besonderheit sind die hier wachsenden Trüffel. Die UNESCO erklärte den Mont Ventoux im Jahr 1990 zum Biosphärenreservat, um das Überleben der Pflanzenvielfalt langfristig zu sichern.

Am Fuß des Bergs befindet sich das Weinbaugebiet Côtes du Ventoux.

Geschichte

Der Name des Berges wurde lange von Mons Ventosus (lateinisch „Windiger Berg“) abgeleitet. Wegen seiner abgeholzten, kahlen Flanken wurde er auch als Mont Pelé (geschälter Berg) bezeichnet. Die neuesten Forschungen stützen sich hingegen auf geläufige Namen, denen die vorlateinische Wurzel *Vin- voransteht. Sie findet sich in der Provence und ihrem Umland in den Namen der Ortschaften Venasque, Venterol (Alpes-de-Haute-Provence), Venterol (Drôme), Vence, Ventabren, Ventavon oder auch auf Korsika in Venaco und Ventiseri.Albert Dauzat et Charles Rostaing: Dictionnaire étymologique des noms de lieux en France. Éd. Larousse, 1968, S. 1949. Ebenso erscheint sie im Piemont, wo es ein Venasca gibt, wie auch in den Pyrenäen mit Port de Venasque und Benasque. Diese vorlateinische Wurzel taucht stets im Zusammenhang mit einer Erhöhung oder mit einem Ort auf einer Anhöhe auf und verbindet sich im Falle des Ventoux mit dem Suffix -tur, das eine Distanz, eine Entfernung impliziert. Der Ventoux hieße somit in etwa „der Berg, der von Weitem sichtbar ist“.Guy Barruol, Nerte Dautier, Bernard Mondon (coord.): Le mont Ventoux. Encyclopédie d'une montagne provençale. Dort der Artikel von Paul Peyre auf Seite 240. Bei der etymologischen Ableitung von ventosus handelte es sich demnach um eine der häufigen Volks- oder Pseudoetymologien.

Die aus vielen Blickrichtungen kegelförmig scheinende, weithin sichtbare und imposante Gestalt des Berges hat ihm in den Augen vieler Einheimischer und Besucher besondere Bedeutung verliehen, neben Massif de la Sainte-Baume und Montagne Sainte-Victoire zählt er zu den „Drei Heiligen Bergen der Provence“. Schon von den Kelten wurde er vermutlich als Sitz einer Windgottheit verehrt, unter anderem zeugen Artefakte wie kleine Tontrompeten von dem Kult. Vermutlich wurde der Berg dabei auch bereits sehr früh bestiegen.

In einem auf den 26. April 1336 datierten Brief, der auf Latein verfasst und an den Frühhumanisten Dionysius von Borgo San Sepolcro gerichtet war, erzählt der Dichter Francesco Petrarca, wie er zusammen mit seinem Bruder den Mont Ventoux bestieg. Die Besteigung des Mont Ventoux gilt in der Literatur seit langer Zeit als Ausdruck einer neuen Natur- und Landschaftserfahrung, bei der sich ästhetische und kontemplative Sichtweisen miteinander verbinden.Brieftext in dt. Übersetzung auf bergnews.comFrancesco Petrarca: Die Besteigung des Mont Ventoux. Insel, Frankfurt am Main / Leipzig 1996. Aus diesem Grund wird die Besteigung des Mont Ventoux heute von einigen Forschern als der Schlüsselmoment an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit angesehen. Die Schilderung dieser Besteigung wäre in dieser 1860 von Jacob Burckhardt begründeten Lesart auch als Geburtsstunde des Alpinismus überhaupt anzusehen, da hier das Bergsteigen erstmals als Selbstzweck dargestellt würde:

Auch der Dichterfürst der Provence, Frédéric Mistral, bestieg den Mont Ventoux, dem französischen Universalgelehrten Jean-Henri Fabre diente der Berg als biologisches Freilandlabor quasi direkt vor seiner Haustür.

Am 6. Januar 1947 kam ein Verkehrsflugzeug des Typs Amiot AAC.1 (Kopie der Junkers Ju 52/3m) der Fluggesellschaft Transports Aériens Intercontinentaux (TAI) (Luftfahrzeugkennzeichen F-BBYK) aufgrund stark geänderter Windverhältnisse vom Kurs ab, flog in 1800 Meter Höhe in eine schneebedeckte Flanke des Mont Ventoux und wurde zerstört. Die dreiköpfige Besatzung des Frachtflugs von Marseille nach Lyon überlebte.Unfallbericht AAC.1/Ju 52 F-BBYK, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 17. August 2017.

Tourismus Der „Gigant der Provence“ (Géant de Provence) ist ein beliebtes Ziel von Auto- und Motorradtouristen, die von Malaucène, Sault oder Bédoin aus den Gipfel erreichen. Gleichzeitig ist der Berg auch eine besondere Attraktion für Radfahrer, für die bergauf fast durchweg eine eigene Spur markiert ist. Ferner stehen entlang jeder Auffahrt durchnummerierte Kilometersteine oder Schilder, die über die durchschnittliche Steigung, die Reststrecke bis zum Gipfel und die momentane Höhe informieren. Als Radfahrer wird man – weiter oben und mit dem Gipfel im Hintergrund – von Fotografen abgelichtet, sodass man sein Bild am nächsten Tag im Internet erwerben kann.

Für Wanderer bieten sich immer noch viele Möglichkeiten, den Mont Ventoux abseits der Touristenstraße zu erforschen. Zwei der für Frankreich typischen Fernwanderwege (sentiers de grande randonnée), der GR 9 und der GR 4, kreuzen sich am „Balcon Nord“ des Mont Ventoux.

Sport Radsport

Der Mont Ventoux zählt neben dem Col du Galibier, Col du Tourmalet und der Auffahrt nach Alpe d’Huez zu den bekanntesten Anstiegen der Tour de France. Obwohl er bei seiner Erstbefahrung im Jahr 1951 überquert wurde, diente er in der näheren Vergangenheit des Rennens meist als Bergankunft. Die große Bekanntheit des Mont Ventoux ist nicht zuletzt auf sein unverkennbares Erscheinungsbild zurückzuführen. Weiters zählt er mit einer Länge von mehr als 20 Kilometern und Kilometerschnitten jenseits der 10 % Marke zu den anspruchsvollsten Anstiegen Frankreichs. Hinzu kommt die große Anfälligkeit von Hitze und Wind, die die Auffahrt zusätzlich erschweren.

Die Tour de France führte bislang 18-Mal über den Mont Ventoux, wobei der Berg im Jahr 1967 zu trauriger Berühmtheit gelangte, als der Brite Tom Simpson eineinhalb Kilometer vor dem Gipfel erschöpft zusammenbrach und wenig später an der Unglücksstelle verstarb. Neben der Frankreich-Rundfahrt gingen auch Etappen von Paris–Nizza und des Critérium du Dauphiné auf dem „Gigant der Provence“ zu Ende. Weiters dient er seit dem Jahr 2019 als Ziel der Mont Ventoux Dénivelé Challenge. Im Frauenradsport war der Mont Ventoux erstmals im Jahr 2016 Zielort. Damals endete die dritte Etappe der Tour Cycliste Féminin International de l’Ardèche (TCFIA) auf dem Gipfel, wobei sich die Österreicherin Anna Kiesenhofer über die südliche Route via Bédoin durchsetzte. Website der TCFIA (französisch) Im Ultracycling war der Mont Ventoux bereits Checkpoint des Transcontinental Race (2015) und Three Peaks Bike Race (2020 und 2022).

Auffahrten Der Mont Ventoux kann über drei Auffahrten erklommen werden, wobei einzig die D974 auf den Gipfel führt. Sie verbindet das westliche Malaucène mit dem südlicheren Bédoin. Alternativ kann die Passhöhe auch aus östlicher Richtung von Sault erreicht werden, wobei die dabei genutzte D164 beim Chalet Reynard rund sechs Kilometer vor dem Gipfel in die D974 mündet.