L’Alpe d’Huez [] ist ein Wintersportort in den französischen Alpen, der auf dem Gebiet der Gemeinde Huez liegt. International bekannt ist er als Bergankunft bei der Tour de France und als einer der wichtigsten archäologischen Ausgrabungsorte mittelalterlichen Silberbergbaus in Europa.

Lage und Entstehung mini|Panorama der 21 Serpentinen nach L’Alpe d’Huez Der Ort liegt im Département Isère. In der Nähe gehen die Ausläufer der Gebirgsmassive des Oisans und der Grandes Rousses ineinander über. Neben Val-d’Isère, Tignes, Courchevel, La Plagne und Les Arcs ist L’Alpe d’Huez einer der großen Wintersportorte der französischen Nordalpen. Er gehört zur zweiten Generation von Wintersportzentren, die sich um ein kleines, hoch gelegenes Gebirgsdorf mehr oder weniger organisch entwickelten. In einer dritten Generation setzten große Tourismusunternehmen „Ski-Total-Orte“ wie Courchevel mit riesigen Appartementblocks in eine zuvor fast unberührte Landschaft, was Umweltprobleme nach sich zog.

Im 12./13. Jahrhundert befand sich in 300 Meter Entfernung der Ort Brandes en Oisans, in dem ergiebiger Silberbergbau betrieben wurde. Dieser ist Ziel einer bis heute andauernden Ausgrabung unter Leitung der Archäologin Marie-Christine Bailly-Maître.

Durch die Austragung der Bobsport-Wettbewerbe der Olympischen Winterspiele 1968 auf der Bobbahn L’Alpe d’Huez erlebte L’Alpe d’Huez einen enormen Aufschwung, während das auf der gegenüberliegenden Seite des Tals liegende Ornon bis heute seinen Charakter als ursprüngliches Gebirgsdorf und gemütlicher Wintersportort erhalten hat. Neben der Tour de France machte sich der Wintersportort auch mit einer zweiten Sommerveranstaltung einen Namen, seit der Triathlon EDF Alpe d’Huez veranstaltet wird.

Bemerkenswert ist die 1970 fertiggestellte Kirche Notre-Dame des Neiges.

Radsport Tour de France miniatur|L’Alpe d’Huez miniatur|Der Anstieg nach L’Alpe d’Huez Seine Bedeutung für den Radsport verdankt L’Alpe d’Huez dem Anstieg von Le Bourg-d’Oisans hinauf. Mit seinen 21 Kehren ist er neben dem Col du Galibier, dem Col du Tourmalet und dem Mont Ventoux einer der berühmtesten Anstiege der Tour de France. 1952 fand zum ersten Mal eine Bergankunft der Tour de France in der Retortensiedlung statt, die der italienische „Campionissimo“ Fausto Coppi für sich entschied. Erst 24 Jahre später – im Jahre 1976 – besuchte die Tour L’Alpe d’Huez ein zweites Mal. Seitdem stehen die legendären, rücklaufend nummerierten 21 Kehren jedoch regelmäßig im Programm der wichtigsten Radrundfahrt der Welt.

Wegen der Schwere des Anstiegs und aufgrund der Tatsache, dass sich dort einige der ganz Großen des Radsports durch ihre Siege verewigt haben, hat ein Etappensieg in L’Alpe d’Huez eine besondere Bedeutung sowohl für die Fahrer als auch für die Zuschauer. Deshalb ist in der Berichterstattung auch oftmals vom „Mythos L’Alpe d’Huez“ oder vom „mythischen Berg“ die Rede. Die Namen der Etappensieger sind in den 21 Kehren aufgelistet, beginnend mit dem ersten Sieger in der 21. Kehre. Da es seit Lance Armstrongs Sieg 2001 mehr Gewinner als Kehren gibt, wurde damit begonnen, die Schilder doppelt zu beschriften. Kehre 21 ist nun Fausto Coppi und Lance Armstrong gewidmet.

Bei der Tour de France 2026 war L’Alpe d’Huez bei der 19. und 20. Etappe Zielort, allerdings wurde der Anstieg von Le Bourg-d’Oisans nur bei der 19. Etappe befahren. Am Folgetag kamen die Fahrer von dem östlich gelegenen Col de Sarenne.

Streckenprofil Etwa 1,5 km vom Zentrum von Le Bourg-d’Oisans entfernt beginnt der 13,8 km lange Anstieg auf einer Höhe von 760 m. Die Zielankunft liegt auf 1850 m. Daraus ergibt sich ein zu bewältigender Höhenunterschied von 1090 m und eine durchschnittliche Steigung von 7,9 %. Die ersten Kilometer sind im Schnitt etwa 10 % steil. Im Mittelteil beträgt die Steigung rund 8 %. Der Schlussteil ist mit ca. 5,5 % verhältnismäßig flach. Der steilste Kilometer ist der zehnte Kilometer mit durchschnittlich 11,5 % Steigung. Die steilsten Passagen befinden sich nach 3,5 km (14,8 %) und 7,5 km (14,7 %).

Etappensieger von L’Alpe d’Huez miniatur|Die Kehren sind durchnummeriert und jeweils einem Etappensieger gewidmet 1952 Fausto Coppi (Kehre 21) 1976 Joop Zoetemelk (Kehre 20) 1977 Hennie Kuiper (Kehre 19) 1978 Hennie Kuiper (Kehre 18) 1979 Joaquim Agostinho (17. Etappe) (Kehre 17) 1979 Joop Zoetemelk (18. Etappe) (Kehre 16) 1981 Peter Winnen (Kehre 15) 1982 Beat Breu (Kehre 14) 1983 Peter Winnen (Kehre 13) 1984 Luis Herrera (Kehre 12) 1986 Bernard Hinault (Kehre 11) 1987 Federico Echave (Kehre 10) 1988 Steven Rooks (Kehre 9) 1989 Gert-Jan Theunisse (Kehre 8) 1990 Gianni Bugno (Kehre 7) 1991 Gianni Bugno (Kehre 6) 1992 Andrew Hampsten (Kehre 5) 1994 Roberto Conti (Kehre 4) 1995 Marco Pantani (Kehre 3) 1997 Marco Pantani (Kehre 2) 1999 Giuseppe Guerini (Kehre 1) 2001 Lance Armstrong (Kehre 21) 2003 Iban Mayo (Kehre 20) 2004 Lance Armstrong (Bergzeitfahren) (Kehre 19) 2006 Fränk Schleck (Kehre 18) 2008 Carlos Sastre (Kehre 17) 2011 Pierre Rolland (Kehre 16) 2013 Christophe Riblon (Kehre 15) 2015 Thibaut Pinot 2018 Geraint Thomas 2022 Thomas Pidcock 2026 (19. Etappe) 2026 Richard Carapaz (20. Etappe, Anfahrt über den Col de Sarenne)

Bestzeiten Seit 1994 wird die Zeit für den Schlussanstieg nach L’Alpe d’Huez offiziell gestoppt. Frühere Zeiten sind daher nicht verfügbar bzw. haben nur inoffiziellen Charakter. Die in verschiedenen Quellen genannten Zeiten gehen mitunter auseinander und sind oft nicht direkt vergleichbar, da den Messungen unterschiedliche Streckenlängen zugrunde liegen. Von 1994 bis 1997 erfolgte die Zeitnahme ab der letzten Kreuzung vor dem Anstieg (14,5 km vor dem Ziel). Seit 1999 wird ab der Kurve gemessen, hinter der unmittelbar der Anstieg beginnt (13,8 km vor dem Ziel).

Den „Bergrekord“ auf der früher verwendeten 14,5-km-Messstrecke hält weiterhin Marco Pantani, der 1997 eine Zeit von 37:35 Minuten erreichte. Auf der heute üblichen 13,8-km-Messstrecke galt lange Zeit Pantanis Bestmarke von 36:50 Minuten aus dem Jahr 1995 als Referenz. Diese Bestzeit wurde im Jahr 2026 durch Tadej Pogačar unterboten: Er absolvierte den Anstieg in 35:27 Minuten.

Lance Armstrong gelang es trotz kurzer Etappenlänge nicht, die Bestzeit von Marco Pantani zu unterbieten. Er fuhr den Anstieg von 13,8 Kilometer in der bis heute (Stand: 2017) viertschnellsten gemessenen Zeit, 37:36 Minuten, während Pantanis beste Zeiten 36:50, 36:55 und 37:15 Minuten betrugen. Die Zuschauerzahl von annähernd 1 Million Menschen führte vor allem in der unteren Hälfte des Berges zu chaotischen Verhältnissen. Weil es hier keine Absperrungen gab, standen die Fans so dicht auf der Strecke, dass die Fahrer wie gegen eine menschliche Mauer fuhren, die sich immer erst im letzten Moment öffnete.

Die Zeiten von Pantani wurden alle am Ende einer längeren und schweren Bergetappe erzielt. Armstrong hingegen hatte eine solche Vorbelastung 2004 nicht. Hierbei ist allerdings auch zu berücksichtigen, dass andere Fahrer wie Jan Ullrich, Andreas Klöden, Floyd Landis und Carlos Sastre ihre persönliche Bestzeit alle am Ende einer langen Bergetappe erzielten, und nicht, wie man vermuten könnte, im Bergzeitfahren von 2004. Dies zeigt, dass sich eine längere Vorbelastung nicht zwingend negativ auswirken muss. Nach aktuellem Wissensstand fallen die Rekordzeiten Pantanis in die Hochzeit des EPO-Dopings. Jedoch werden die Zeiten der 1990er Jahre zusätzlich dadurch aufgewertet, dass das damalige Gewicht der Rennräder über 8 kg betrug. Im Vergleich dazu betrug das Gewicht von Armstrongs Rad im Jahr 2004 nur 6,8 kg. Das Wettkampf-Körpergewicht von Lance Armstrong (ca. 71 kg) lag im Vergleich zu dem von Marco Pantani (ca. 59 kg) hingegen um rund 12 kg höher. Das Systemgewicht (Fahrer plus Rad) in Gegenüberstellung mit der Leistung in Watt pro Kilogramm Systemgewicht ergibt fast gleiche Werte (etwa 6,1 Watt pro Kilogramm Systemgewicht), sodass beide Fahrer in Topform als annähernd gleich stark angesehen werden können.

Rang Zeit Name Jahr Land 1 37' 35" Marco Pantani 1997 2 38' 00" Marco Pantani 1994 3 38' 04" Marco Pantani 1995 4 38' 23" Jan Ullrich 1997 5 38' 35" Andreas Klöden 2006 6* 38' 37" Jan Ullrich 2004 7 39' 02" Richard Virenque 1997 8 39' 06" Iban Mayo 2003 9* 39' 17" Andreas Klöden 2004 10* 39' 21" José Azevedo 2004 11 39' 28" Miguel Induráin 1995 12 39' 28" Alex Zülle 1995 13 39' 29"SPIEGEL ONLINE vom 23. Juli 2008 Carlos Sastre 2008 14 39' 30" Bjarne Riis 1995 15 39' 44" Gianni Bugno 1991 16 39' 45" Miguel Induráin 1991 17 40' 00" Jan Ullrich 2001 18 40' 46" Fränk Schleck 2006 19 40' 51" Alexander Winokurow 2003 20 41' 21" Samuel Sanchez 2011 21 41' 50" Laurent Fignon 1989 22 41' 50" Luis Herrera 1986 23 42' 01" Pierre Rolland 2011 24 42' 15" Pedro Delgado 1989 25 45' 20" Gert-Jan Theunisse 1989 26 45' 22" Fausto Coppi 1952 27 48' 00" Greg Lemond 1986 28 48' 00" Bernard Hinault 1986

Obige Tabelle geht bei manchen Zeiten von 14,5 km aus, bei anderen von 13,8 km. In vielen Medien wird zwar häufig Pantanis Zeit von 1997 mit 37'35" als Rekord angegeben, aber jene bezieht sich auf 14,5 km. Pantani fuhr den eigentlichen Anstieg von 13,8 km 1997 in 36'55", was aber nicht sein Rekord war. Diesen stellte er 1995 mit 36'50" auf. Laut ChronosWatts und CyclingNews ist folgende Tabelle richtig, welche ausschließlich die letzten 13,8 km misst (Stand: 2026).ChronosWatts

Rang Zeit Name Jahr Land 1 35' 27" Tadej Pogačar 2026 2 36' 50" Marco Pantani 1995 3 36' 55" Marco Pantani 1997 4 37' 15" Marco Pantani 1994 5 37' 36" Lance Armstrong 2004 6 37' 41" Jan Ullrich 1997 7 37' 57" Remco Evenepoel 2026 8 38' 00" Lance Armstrong 2001 9 38' 10" Miguel Indurain 1995 9 38' 10" Alex Zülle 1995 11 38' 12" Bjarne Riis 1995 12 38' 22" Richard Virenque 1997 13 38' 36" Floyd Landis 2006 13 38' 36" Andreas Klöden 2006 15 38' 40" Jan Ullrich 2004 16 38' 44" Laurent Madouas 1995 17 38' 55" Richard Virenque 1994 18 39' 01" Carlos Sastre 2006 19 39' 06" Iban Mayo 2003 20 39' 12" Andreas Klöden 2004 21 39' 14" José Azevedo 2004 22 39' 15" Levi Leipheimer 2006 23 39' 22" Francesco Casagrande 1997 23 39' 22" Nairo Quintana 2015 25 39' 23" Bjarne Riis 1997 26 39' 30" Miguel Indurain 1994 26 39' 30" Luc Leblanc 1994 28 39' 31" Carlos Sastre 2008 29 39' 37" Wolodymyr Pulnikow 1994 30 39' 40" Giuseppe Guerini 2004 31 39' 41" Santos González 2004 31 39' 41" Wladimir Karpez 2004 33 39' 45" Gianni Bugno 1991 33 39' 45" Miguel Indurain 1991 35 39' 46" Luc Leblanc 1991 36 39' 47" Denis Menschow 2006 36 39' 47" Michael Rasmussen 2006 36 39' 47" Pietro Caucchioli 2006 39 39' 50" Nairo Quintana 2013 40 39' 52" Claudio Chiappucci 1995 40 39' 52" Paolo Lanfranchi 1995 42 39' 53" Joaquim Rodríguez 2013 43 39' 54" Beat Zberg 1997 43 39' 54" Udo Bölts 1997 43 39' 54" Roberto Conti 1997 43 39' 54" Laurent Madouas 1997 47 39' 56" David Moncoutié 2006 48 39' 57" Carlos Sastre 2004 49 39' 58" Tony Rominger 1995 49 39' 58" Stéphane Goubert 2004 49 39' 58" Ivan Basso 2004 52 39' 59" Jan Ullrich 2001 53 40' 01" Pjotr Ugrjumow 1994 53 40' 01" Alex Zülle 1994 53 40' 01" Pawel Tonkow 1995

Kurioses Bisher konnten nur vier Sieger von L’Alpe d’Huez auch die Gesamtwertung der Tour desselben Jahres für sich entscheiden: Fausto Coppi 1952, Carlos Sastre 2008, Geraint Thomas 2018 sowie Tadej Pogačar 2026. Auch Lance Armstrong konnte 2001 die Etappe nach L’Alpe d’Huez und im selben Jahr die Gesamtwertung gewinnen, am 22. Oktober 2012 wurden ihm jedoch alle Siege bei der Frankreichrundfahrt aufgrund jahrelangen Dopingmissbrauchs aberkannt.

Zeitweilig wurde L’Alpe d’Huez auch als „Berg der Holländer“ bezeichnet, weil bis 1989 acht von vierzehn Etappenerfolgen von niederländischen Fahrern erzielt wurden. Seitdem hat kein Niederländer diese Tradition fortsetzen können. In der „Nationenwertung“ an diesem Berg liegen die Niederlande mit ihren acht Siegen noch immer knapp vor den Italienern (7 Siege).